Zusammen eingesperrt
Jul. 28th, 2013 12:06 pmChallenge: Situationen - Zusammen eingesperrt (für mich)
Fandom: Original (Uhrwerkträume)
Charaktere: Adele & Willem Unruh
Anmerkung: Mehr Hintergründe aus den Uhrwerkträumen, in denen nach wie vor keine Uhren - aber dies mal immerhin Uhrmacher - vorkommen. ~ 22 Jahre vor Handlungsbeginn
Wörter: 350
Adele sitzt noch wach in ihrem Bett, als er nach Hause kommt. Es ist spät, weit nach Mitternacht, aber nicht außergewöhnlich spät, eigentlich hat sie sich schon in den ersten Wochen ihrer Ehe daran gewöhnt nicht auf ihn zu warten. Manchmal fragt sie sich, was er so lange in seiner Werkstatt treibt. Meistens fragt ihr Bruder sie danach.
„Ist es das jetzt?“
Vor Stunden hat sie sich diese Worte zurecht gelegt, kurz nachdem sie den Entschluss gefasst hatte zu warten. In ihrem Kopf hatten sie dramatischer geklungen.
Und er? Er tut ihr nicht einmal den Gefallen Erstaunen zu heucheln. Gänzlich unbeeindruckt davon, dass sie noch wach ist, legt er seine Jacke ab, löst seine Krawatte. Die Sachen sind immer noch schwarz. Weder seine Eltern, noch seine Schwester, noch sonst irgendwer hat ihm das bis jetzt ausreden können. Adele selbst hat es nicht einmal versucht. Adele zwingt sich mit den kleinen Dingen zufrieden zu sein. Dass sie nirgends irgendwelche Bilder seiner ersten Frau sehen muss, dass er den Jungen zu seine Schwester gegeben hat. Nicht um Adeles Willen sondern um den des Jungen selbst. Vielleicht hatte Adele sich vor der Hochzeit vorgenommen eine gute Stiefmutter zu sein, aber alle Vorsätze waren an starrsinnigem Widerwillen zerschollen. Was sollte man auch erwarten?
„Ist das jetzt, wie der Rest unseres Lebens aussieht?“
Sie legt das Buch, an dem sie sich festgehalten hatte, das ihr als Ausrede hatte dienen sollen, hätte er sie gefragt wozu sie noch auf ist, sie legt das Buch bei Seite, während er auf seiner Hälfte des Betts unter die Decke schlüpft. Würden seine Eltern nicht vorne im Haus wohnen, würden sie nicht so genau darauf acht geben, dass er jeden weiteren Versuch der Distanzierung unterlässt – er wäre längst ins Gästezimmer umgezogen.
So liegt er neben ihr. Er sieht sie nicht an, tut überhaupt, als wäre sie gar nicht da. Adele hatte sich nie Illusionen gemacht, dass ihre Ehe in irgend einer Weise harmonisch oder romantisch oder sonst wie schön sein könnte. Aber sie hatte nicht damit gerechnet für ihren Mann so vollkommen nichtexistent zu sein. Als würde seine Welt dort aufhören, wo ihre Matratze anfängt.