Fandom: Original
Charaktere: Jesse, Wade
Wörter: ~1100
Challenge: Aussagen/Sätze: „Du hast keine Ahnung.“ [fürs Team]
Vorwort:
Teil 1, Teil 2, Teil 3. Und Jesse bezieht sich auf Ereignisse, die hier passierten (Sewastopol, etc.).
‘Weil du ein Killer bist.‘
„Hey.“ Wades Stimme war leise und nachdrücklich, so dicht an seinem Ohr, dass Jesse seinen warmen Atem auf der Haut spüren konnte.
Sekundenlang vermischte sie sich mit dem Echo einer anderen Stimme, und als Jesse ihn anstarrte hatte er einen Augenblick lang das Gefühl doppelt zu sehen, so als ob sich ein zweites Gesicht über Wades legte wie eine doppelt belichtete Fotografie.
Heftig rieb er sich über die Augen. Sein Herz hämmert und sein Zunge klebte trocken an seinem Gaumen. Das Schiff schwankte unter ihm, sacht und einladend wie ein Wiege.
Reizbarkeit.
Verlust des Gleichgewichtssinnes.
Tremor.
Muskelschmerzen.
Halluzinationen.
Halleluja, dachte Jesse und die zynische Stimme in seinem Kopf klang nach jemand anderem.
„Noch zwei Stunden“, sagte Wade, wie eine Antwort auf eine Frage, die niemand gestellt hatte.
Er drückte Jesse eine Flasche Wasser in die Hand. Jesse nahm sie entgegen und schwang die Beine über die Bettkante. Er durfte nicht sitzen bleiben. Sitzen bleiben war keine gute Idee. Jede einzelne Zelle in seinem Körper wollte, dass er endlich die Augen schloss und aufgab.
Wade lehnte sich zurück an die Wand und sah ihm dabei zu, wie er in der winzigen Kabine auf und ablief. Er hatte die Krawatte gelöst, die Ärmel seines Hemdes nach oben gerollt und die Beine vor sich auf dem Bett ausgestreckt.
Jesse war sicher, dass da irgendwo ein elaborierter Scherz versteckt war, dass die einzig freie Kabine ein riesiges Doppelbett hatte, auf dem Wade sich ausbreiten konnte wie ein Einladung, und er nicht schlafen durfte.
Zwei Stunden.
Die Kabine war winzig, in dunklen Braun- und Orangetönen gehalten, die vor dreißig Jahren mal modern gewesen waren. Draußen dämmert irgendwo die Sonne und tauchte den Himmel in mattes Grau und Silber.
„Willst du mir nicht langsam verraten, wer der Empfänger in Kopenhagen ist?“ fragte Wade. Er ließ eine silberne Münze über seine Finger gleiten, wieder und wieder. Es war ein alberner, kleiner Trick, der Jesse vor allem deswegen ärgerte, weil er ihn selbst nie hinbekommen hatte. „Ich muss doch wissen, ob ich angemessen gekleidet bin, für den Fall, dass auf mich geschossen wird.“
Jesse zögerte einen Sekundenbruchteil, bevor er antwortete. „Keine Schießerei. Sie ist Wissenschaftlerin.“
Scharf blickte Wade auf. „Eine Freundin der Liebermans?“
Jesse nickte, nicht einmal überrascht, dass er sofort in diese Richtung dachte.
„Die Liebermanns sind auf der Flucht“, sagte Wade langsam.
„Ich weiß.“
Wade starrte ihn, sein Blick bohrend und unnachgiebig. Jesse wandte den Kopf ab. Er konnte förmlich sehen, wie es in Wades Kopf arbeitet und das war niemals gut. Wade wusste ohnehin bereits viel zu viel.
„Das Problem ist der Chip, oder?“ fragte Wade schließlich. Es war sehr leise und er wartete nicht auf die Bestätigung, bevor er weiterfragte. „Wird sie dir helfen können?“
„Ja“, sagte Jesse mit mehr Überzeugung, als er im Moment verspürte.
Wade nickte schweigend und ließ die Münze mit einer beiläufigen Bewegung in seiner Tasche verschwinden.
Offensichtlich verspürte auch er kein Bedürfnis laut auszusprechen, was Jesse längst wusste. Wenn sie es nicht konnte, war er geliefert.
Und die einzigen beiden Menschen, die ihm garantiert hätten helfen können, befanden sich irgendwo auf der anderen Erdhalbkugel und wurden mit einem Haftbefehl gesucht, gegen den sogar Jesses eigener kurz und mickrig aussah.
Er spürte die fehlerhafte Technologie in seinem Gehirn wie einen Phantomschmerz. Als ob jeder Impuls zu stark war, jeder Neurotransmitter überdosiert und jede Zelle stimuliert bis zur Schmerzhaftigkeit.
Jesse presste die Wasserflasche an seine Schläfe und atmete tief durch. Sie war feucht und noch ansatzweise kühl.
„Erzähl mir doch, was mein Team in Sewastopol alles falsch gemacht habe“, sagte Wade aus dem Nichts heraus.
„Ist das deine Taktik, um mich wach zu halten?“
„Nur weil ich weiß, dass du es liebst, mir meine Vielzahl an Fehlern aufzuzählen.“
Jesse warf ihm einen spröden Blick zu und nahm einen großzügigen Schluck Wasser. „Euer Hacker hat euch an Danilow verkauft“, erwiderte er, weil damit nun wirklich alles gesagt war. Er würde sich ganz bestimmt nicht auf eine bescheuerte Diskussion mit Wade einlassen.
Wade zuckte mit den Schultern. „Damit konnte ja wirklich niemand rechnen.“
„Was?“ Abrupt blieb Jesse stehen. „Entschuldige mal. Wo war der Background-Check? Wer war euer Koordinator und wieso hat er so versagt?“
„Er war offensichtlich nicht du“, sagte Wade milde.
„Offensichtlich. Er war ein Idiot! Euer Hacker hat vier Monate vor diesem Auftrag mit Dupont gearbeitet und ist dann mitten drin abgesprungen, ohne sich auszahlen zu lassen. Jeder mit der Intelligenz eines Schimpansen und einem Internetzugriff hätte das rausfinden können. Das und die Tatsache, dass Dupont und Danilow sich schon seit zwei Jahren gegenseitig die Leute abwerben.“ Er nahm einen weiteren wütenden Schluck aus seiner Flasche. „DU hättest es herausfinden können“, fügte er hinzu.
Wade zuckte mit den Schultern, als sei es überhaupt keine große Sache, dass er kurz davor gewesen war, als Wasserleiche im Schwarzen Meer zu enden. „Ich neige dazu mich auf meinen Partner zu verlassen.“
„Wohin das führt, hast du ja gesehen.“
„Allerdings. Ich bin mit minimalen finanziellen Einbußen davon gekommen und hatte einen ausgedehnten Urlaub am Lebasee. So schlecht war das nicht.“
„Nur weil ICH dir auf die Finger geschaut habe!“ fauchte Jesse.
Wade sah ihm ruhig in die Augen. „Ja. Weil ich dazu neige, mich auf meinen Partner zu verlassen.“
Irgendwo am anderen Ende des Zimmers stürzte sich eine Motte in die flackernde Glühbirne der Schreibtischlampe. Jesse hörte das leises Zischen als sie verbrannte und das letzte Aufflattern sterbender Flügel.
„Nein“, sagte er. Und dann: „Nein.“
Er wusste nicht einmal, was er verneinte. Es war ein heißes, wütendes, irrationales Gefühl, dass in ihm hochkroch. „Du suchst dir dein Team aus. Du bist verantwortlich. Und ich war ganz bestimmt nicht bei diesem Schwachsinn dabei.“
„Und doch warst du da“, erwiderte Wade sacht. „In Sewastopol.“
In einer frustrierten, hilflosen Bewegung breitete Jesse die Arme aus. „Das spielt doch … das spielt doch keine Rolle. Ich hätte bei diesem dämlichen Auftrag niemals mitgemacht, sogar wenn du gefragt hättest.“
„Und du wärst auch niemals alleine in Marokko gewesen.“
Sekundenlang fühlte sich Jesse, als hätte ihn jemand angesprungen und ihm einen Tritt in die Magengrube verpasst.
„Du hast jemanden gefragt“, fuhr Wade fort. „Nicht mich. Obwohl du weißt, dass ich gekommen wäre. Aber irgendjemand hat dich begleitet.“
Jesse schloss die Augen. „Du hast keine Ahnung.“
„Zwei Leute kommen nach Marokko, aber nur einer verlässt es wieder lebendig“, sagte Wade. „Was ist passiert?“
Jesse schmeckte Sand und Blut und seine Hand vibrierte von dem Rückstoß der Waffe. „Er war ein Freund. Ich habe ihn erschossen. Es spielt keine Rolle.“
‘Weil du ein Killer bist. Das ist alles, wozu du jemals gut warst.‘
Charaktere: Jesse, Wade
Wörter: ~1100
Challenge: Aussagen/Sätze: „Du hast keine Ahnung.“ [fürs Team]
Vorwort:
Teil 1, Teil 2, Teil 3. Und Jesse bezieht sich auf Ereignisse, die hier passierten (Sewastopol, etc.).
‘Weil du ein Killer bist.‘
„Hey.“ Wades Stimme war leise und nachdrücklich, so dicht an seinem Ohr, dass Jesse seinen warmen Atem auf der Haut spüren konnte.
Sekundenlang vermischte sie sich mit dem Echo einer anderen Stimme, und als Jesse ihn anstarrte hatte er einen Augenblick lang das Gefühl doppelt zu sehen, so als ob sich ein zweites Gesicht über Wades legte wie eine doppelt belichtete Fotografie.
Heftig rieb er sich über die Augen. Sein Herz hämmert und sein Zunge klebte trocken an seinem Gaumen. Das Schiff schwankte unter ihm, sacht und einladend wie ein Wiege.
Reizbarkeit.
Verlust des Gleichgewichtssinnes.
Tremor.
Muskelschmerzen.
Halluzinationen.
Halleluja, dachte Jesse und die zynische Stimme in seinem Kopf klang nach jemand anderem.
„Noch zwei Stunden“, sagte Wade, wie eine Antwort auf eine Frage, die niemand gestellt hatte.
Er drückte Jesse eine Flasche Wasser in die Hand. Jesse nahm sie entgegen und schwang die Beine über die Bettkante. Er durfte nicht sitzen bleiben. Sitzen bleiben war keine gute Idee. Jede einzelne Zelle in seinem Körper wollte, dass er endlich die Augen schloss und aufgab.
Wade lehnte sich zurück an die Wand und sah ihm dabei zu, wie er in der winzigen Kabine auf und ablief. Er hatte die Krawatte gelöst, die Ärmel seines Hemdes nach oben gerollt und die Beine vor sich auf dem Bett ausgestreckt.
Jesse war sicher, dass da irgendwo ein elaborierter Scherz versteckt war, dass die einzig freie Kabine ein riesiges Doppelbett hatte, auf dem Wade sich ausbreiten konnte wie ein Einladung, und er nicht schlafen durfte.
Zwei Stunden.
Die Kabine war winzig, in dunklen Braun- und Orangetönen gehalten, die vor dreißig Jahren mal modern gewesen waren. Draußen dämmert irgendwo die Sonne und tauchte den Himmel in mattes Grau und Silber.
„Willst du mir nicht langsam verraten, wer der Empfänger in Kopenhagen ist?“ fragte Wade. Er ließ eine silberne Münze über seine Finger gleiten, wieder und wieder. Es war ein alberner, kleiner Trick, der Jesse vor allem deswegen ärgerte, weil er ihn selbst nie hinbekommen hatte. „Ich muss doch wissen, ob ich angemessen gekleidet bin, für den Fall, dass auf mich geschossen wird.“
Jesse zögerte einen Sekundenbruchteil, bevor er antwortete. „Keine Schießerei. Sie ist Wissenschaftlerin.“
Scharf blickte Wade auf. „Eine Freundin der Liebermans?“
Jesse nickte, nicht einmal überrascht, dass er sofort in diese Richtung dachte.
„Die Liebermanns sind auf der Flucht“, sagte Wade langsam.
„Ich weiß.“
Wade starrte ihn, sein Blick bohrend und unnachgiebig. Jesse wandte den Kopf ab. Er konnte förmlich sehen, wie es in Wades Kopf arbeitet und das war niemals gut. Wade wusste ohnehin bereits viel zu viel.
„Das Problem ist der Chip, oder?“ fragte Wade schließlich. Es war sehr leise und er wartete nicht auf die Bestätigung, bevor er weiterfragte. „Wird sie dir helfen können?“
„Ja“, sagte Jesse mit mehr Überzeugung, als er im Moment verspürte.
Wade nickte schweigend und ließ die Münze mit einer beiläufigen Bewegung in seiner Tasche verschwinden.
Offensichtlich verspürte auch er kein Bedürfnis laut auszusprechen, was Jesse längst wusste. Wenn sie es nicht konnte, war er geliefert.
Und die einzigen beiden Menschen, die ihm garantiert hätten helfen können, befanden sich irgendwo auf der anderen Erdhalbkugel und wurden mit einem Haftbefehl gesucht, gegen den sogar Jesses eigener kurz und mickrig aussah.
Er spürte die fehlerhafte Technologie in seinem Gehirn wie einen Phantomschmerz. Als ob jeder Impuls zu stark war, jeder Neurotransmitter überdosiert und jede Zelle stimuliert bis zur Schmerzhaftigkeit.
Jesse presste die Wasserflasche an seine Schläfe und atmete tief durch. Sie war feucht und noch ansatzweise kühl.
„Erzähl mir doch, was mein Team in Sewastopol alles falsch gemacht habe“, sagte Wade aus dem Nichts heraus.
„Ist das deine Taktik, um mich wach zu halten?“
„Nur weil ich weiß, dass du es liebst, mir meine Vielzahl an Fehlern aufzuzählen.“
Jesse warf ihm einen spröden Blick zu und nahm einen großzügigen Schluck Wasser. „Euer Hacker hat euch an Danilow verkauft“, erwiderte er, weil damit nun wirklich alles gesagt war. Er würde sich ganz bestimmt nicht auf eine bescheuerte Diskussion mit Wade einlassen.
Wade zuckte mit den Schultern. „Damit konnte ja wirklich niemand rechnen.“
„Was?“ Abrupt blieb Jesse stehen. „Entschuldige mal. Wo war der Background-Check? Wer war euer Koordinator und wieso hat er so versagt?“
„Er war offensichtlich nicht du“, sagte Wade milde.
„Offensichtlich. Er war ein Idiot! Euer Hacker hat vier Monate vor diesem Auftrag mit Dupont gearbeitet und ist dann mitten drin abgesprungen, ohne sich auszahlen zu lassen. Jeder mit der Intelligenz eines Schimpansen und einem Internetzugriff hätte das rausfinden können. Das und die Tatsache, dass Dupont und Danilow sich schon seit zwei Jahren gegenseitig die Leute abwerben.“ Er nahm einen weiteren wütenden Schluck aus seiner Flasche. „DU hättest es herausfinden können“, fügte er hinzu.
Wade zuckte mit den Schultern, als sei es überhaupt keine große Sache, dass er kurz davor gewesen war, als Wasserleiche im Schwarzen Meer zu enden. „Ich neige dazu mich auf meinen Partner zu verlassen.“
„Wohin das führt, hast du ja gesehen.“
„Allerdings. Ich bin mit minimalen finanziellen Einbußen davon gekommen und hatte einen ausgedehnten Urlaub am Lebasee. So schlecht war das nicht.“
„Nur weil ICH dir auf die Finger geschaut habe!“ fauchte Jesse.
Wade sah ihm ruhig in die Augen. „Ja. Weil ich dazu neige, mich auf meinen Partner zu verlassen.“
Irgendwo am anderen Ende des Zimmers stürzte sich eine Motte in die flackernde Glühbirne der Schreibtischlampe. Jesse hörte das leises Zischen als sie verbrannte und das letzte Aufflattern sterbender Flügel.
„Nein“, sagte er. Und dann: „Nein.“
Er wusste nicht einmal, was er verneinte. Es war ein heißes, wütendes, irrationales Gefühl, dass in ihm hochkroch. „Du suchst dir dein Team aus. Du bist verantwortlich. Und ich war ganz bestimmt nicht bei diesem Schwachsinn dabei.“
„Und doch warst du da“, erwiderte Wade sacht. „In Sewastopol.“
In einer frustrierten, hilflosen Bewegung breitete Jesse die Arme aus. „Das spielt doch … das spielt doch keine Rolle. Ich hätte bei diesem dämlichen Auftrag niemals mitgemacht, sogar wenn du gefragt hättest.“
„Und du wärst auch niemals alleine in Marokko gewesen.“
Sekundenlang fühlte sich Jesse, als hätte ihn jemand angesprungen und ihm einen Tritt in die Magengrube verpasst.
„Du hast jemanden gefragt“, fuhr Wade fort. „Nicht mich. Obwohl du weißt, dass ich gekommen wäre. Aber irgendjemand hat dich begleitet.“
Jesse schloss die Augen. „Du hast keine Ahnung.“
„Zwei Leute kommen nach Marokko, aber nur einer verlässt es wieder lebendig“, sagte Wade. „Was ist passiert?“
Jesse schmeckte Sand und Blut und seine Hand vibrierte von dem Rückstoß der Waffe. „Er war ein Freund. Ich habe ihn erschossen. Es spielt keine Rolle.“
‘Weil du ein Killer bist. Das ist alles, wozu du jemals gut warst.‘
no subject
Date: 2013-07-21 08:31 am (UTC)Ich äh verate irgendwann nochmal was los ist.... möglicherweise....