[identity profile] tsutsumi.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Tardis
Fandom: Robin Hood (AU)
Challenge: Stimmungen: Auf Wolke Sieben (Für's Team)
Personen/Pairing: Guy of Gisborne/Allan A Dale, Marian (of) Knighton
Wörter: ~2000
Anmerkung: Forsetzung zum letzten Post. Enter Marian!


Marian wäre um ein Haar an ihm vorbeigelaufen, wenn er sich ihr nicht direkt in den Weg gestellt hätte. Sie sah umwerfend aus, musste Guy einmal mehr feststellen. Im warmen Sommerwind blähte sich ihre Wickelhose in Erdtönen. Sie trug mehrere Ketten mit Holzperlen und ein ziemlich buntes, recht engangliegendes Oberteil. Es war schon eine Weile her, dass Guy sie zum letzten Mal gesehen hatte und normalerweise kleidete sie sich weniger...indie.

„Mittagspause?“, raunte er ihr zu und sie hob erschrocken den Kopf um von ihrem Handy aufzusehen (in das sie eben so breit gegrinst hatte, dass es ausgesehen hatte, als würden ihre Mundwinkel zerspringen).
Guy hielt ihr die Pappbecher mit Kaffee hin.

„Guy. Oh, hi.“
Sie lächelte gezwungen, so wie eigentlich jedesmal, wenn sie ihn sah. Und nun wusste er auch wieder, warum er sie in den letzten Monaten so gemieden hatte.

„Was führt dich hierher?“

Sicherlich, er war hier bekannt wie ein bunter Hund. Er war der stellvertretende Geschäftsführer der Immobilienfirma, die sämtliche Mieter hier im Umkreis hassten und er stand direkt vor dem heruntergekommenen Gebäude des Mietervereins von Nottingham, in dem sich zugleich auch das winzige Büro der Seelsorge befand. Hier gaben sich wohl, wenn man Marian glauben wollte, die Leute die Klinke in die Hand, wenn sie von ersterem zu nächsterem wechselten.
Die Leute vom Mieterverein wurden von Vaisey als „lästige Schmeißfliegen“ betitelt (der Mann mochte Insektenmetaphern) und sie konnten meist nicht viel tun, außer Gesetzestexte nachschlagen, den Mietern stümperhafte juristische Tipps geben (welche gegen Vaiseys Armee von Oxford-Anwälten ohnehin keine Wirkung erzielten) und ihnen Kaffee kochen.

Marian war eine gute Seele, die schon in Kindertagen die Welt hatte retten wollen. Es war nur eine Frage der Zeit gewesen, bis sie sich zu so einer Arbeit hätte hinreißen lassen. Nun ja, Arbeit. Sie wurde dafür ja nicht bezahlt. Sie kam sich ehrenhaft und moralisch einwandfrei vor, während sie vom Geld ihres pensionierten Vaters lebte, der immerhin selbst noch Teil von Sheriff & Gisborne war.

„Wir haben uns lange nicht gesehen“, sagte Guy im Plauderton und drückte ihr den Kaffee in die Hand.

„Ich äh-“ Sie schaute noch einmal auf ihr Handy, als würde sie es sehr bedauern, sich nicht mehr länger damit beschäftigen zu können und steckte es schließlich in eine Tasche ihrer weiten Pluderhose.
„Ich boykottiere Starbucks eigentlich.“
„Trink's trotzdem“, entgegnete Guy und fühlte sich schon jetzt wieder genervt. Wenn sie nur von ihrer Sturheit, die Welt überall, wo sie ging und stand, verbessern zu wollen, ablassen würde, sie wäre die perfekte Frau für ihn.
„Immerhin ist er ja nicht von deinem Geld bezahlt.“

Sie drehte den Becher in ihren Händen.
„Na gut. Danke. Was ist das denn?“

„White Caffee Moccha mit Sojamilch und ohne Sahne.“

Ihr Gesicht hellte sich auf. Ja, sie mochten schon länger nichts mehr miteinander zu tun haben, aber er wusste schließlich noch, wie sie ihre Getränke bevorzugte. Und dass sie laktoseintolerant war. Es erinnerte auch ihn schmerzlich daran, wie verliebt er einst in sie gewesen war. Wie gut sie sich gekannt hatten. Wie sie ihm im Grunde aber immer, immer wieder ausgewichen war.
Und dann war da plötzlich Allan gewesen.
Allan wich nie aus.
Für den Bruchteil einer Sekunde fragte Guy sich, ob das nicht vielleicht schon das einzige Kriterium war, welches ein Liebhaber bei ihm brauchte. Ob er selbst in Wirklichkeit nicht vielleicht nur ein Mann war, der einfach nicht allein sein konnte.

Das war der Moment, in dem ihm einfiel, dass er nicht allein war. Und dass sein Lover halb zerschlagen zu Hause in seinem Bett lag.

„Sehr lecker, danke“, sagte Marian.

„Gern gesehen.“

Sie gingen schweigend ein paar Schritte und ließen sich einvernehmend auf einer Bank im Schatten unter einer Kastanie nieder. Ein paar Autos brummten vorbei. Spatzen schimpften zwischen den Zweigen.

„Also, wie kann ich dir helfen?“, sagte Marian und wandte sich ihm zu. Sie wirkte vorsichtig. Eigentlich wirkte sie immer vorsichtig, was Guy früher auch schon immer genervt hatte. Besonders dann, wenn er ihr etwas geschenkt hatte.

„Woher willst du wissen, ob ich deine Hilfe brauche?“

Sie lachte etwas mitleidig.
„Wir haben seit etwa einem halben Jahr nicht mehr miteinander gesprochen. Du hast aufgehört, mich in die Oper einzuladen und ich habe aufgehört, die ständig abzusagen – ja, so ehrlich bin ich inzwischen.“
Sie schaute entschuldigend und nippte am Kaffee. Dafür, dass sie Starbucks angeblich nicht mochte, saugte sie das Zeug förmlich auf.

Guy starrte sie einen Augenblick lang verblüfft an und blinzelte mit hochgezogenen Augenbrauen.
Sie seufzte;
„Es tut mir leid. Du hast mir gerade Kaffee mitgebracht und ich bin so kratzbürstig. Vergiss, was ich gesagt habe. Also, worüber möchtest du reden?“

Ihre Ehrlichkeit war ein bisschen entwaffnend. Sie war neu, das stand fest. Sie stand Marian gut. Viel besser als die ewigen Krokodilstränen weinenden Smileys und die ständigen „Es tut mir so leid, da habe ich schon etwas vor“s.

„Eigentlich wollte ich nur mal fragen, ob dir etwas wegen der Schlägerei gestern zu Ohren gekommen ist.“

„Schlägerei?“

„In Nettlestone. Ich komme gerade von dort, ich hatte vorhin einen Termin dort. Aber wenn ich da ankomme und Leute frage, rennen die doch nur vor mir weg. Aber du, du bist-“
Er gestikulierte umständlich an ihr auf und ab und suchte nach Worten.
„am...Ort des Geschehens. Es könnte ja sein, dass der Buschfunk euch etwas übermittelt hat.“

Sie knabberte im Gedanken am Plastikbecherrand.

„Nettlestone...Nettlestone“, murmelte sie und schien in ihren Erinnerung zu wühlen.
„Was ist denn passiert?“

„Mein PA wurde zusammengeschlagen.“

„Allan?!“

Für einen winzigen Augenblick sah Marian so aus, als wollte sie von der Bank aufspringen und Guy fragte sich, wieso sie sich so aufregte. Ja, sie kannte Allan, weil auch sie in der Firma ein- und ausging. Guy hatte ihn ihr schon mehrere Male Briefe mitgegeben und einmal war er aus seinem Büro gekommen und in einen Streit zwischen den beiden geplatzt, dessen Inhalt er bis heute nicht wusste.

„Ist er in Ordnung?“, fragte Marian bestürzt, sichtlich um Fassung bemüht.
„Ich meine, ist er schwer verletzt?“

„Nein. Ein paar Kratzer und Schrammen und ein dickes Auge und Handgelenk. Unkraut vergeht nicht.“ Die Worte hatte Allan auch so gesagt, aber sie schmeckten schal auf Guys Zunge.
Immerhin schienen sie Marian zu beruhigen.

„Oh...gut. Sehr gut.“

„Ich wusste nicht, dass die das so schockiert. Ihr beiden habt doch nie irgendetwas zu tun gehabt.“

Sie blinzelte.

„Aber-“ begann sie und dann zuckte sie zusammen. Ihre rechte Hand fischte nach dem Handy, offenbar hatte sie eine Nachricht bekommen.

„Aber sollte ich glücklich sein, wenn jemand verprügelt wird? Wer war denn das überhaupt? In Nettlestone sagst du?“

„Er meinte, er konnte sie nicht sehen. Es war zu dunkel und die Typen zu schnell. Aber der komische Teil kommt erst noch; die Kerle haben ihn aufgefordert, Hood Bescheid zu sagen, dass er seine Sabotageakte unterlassen soll.“

„Hood?“, echote Marian. Es war gut zu wissen, dass sie sich genauso verwirrt fühlte.

Guy nickte vielsagend.
„Jeder Trottel von Nottingham weiß, dass bei mir arbeitet, und das nicht erst seit gestern. Irgendetwas stimmt doch da nicht.“

Sie stellte den Becher neben sich auf der Bank ab.
„Und du fragst mich, weil...?“

„Weil da irgendetwas nicht stimmt. Woher weiß ich, ob nicht wieder irgendjemand auf ihn losgeht? Oder auf mich? Oder auf Vaisey?“ Er sprach schneller um möglichst zu verbergen, dass er sich um Vaisey die allerwenigsten Sorgen machte. Marian musste nicht alles wissen.
„Was, wenn es Hood selbst war? Das wäre Körperverletzung, Marian, damit könnten wir dem Kerl endlich etwas Handfestes nachweisen, und ich vielleicht endlich mal dingfest machen!“

Sie schaute ihn entgeistert an. Er fand es seltsam. Wenn sie sich um Allan solche Sorgen machte, wieso freute sie sich dann jetzt nicht? Oder gehörte das auch wieder zu ihrem Weltretter-Ding?
Dann umfasste sie ihr Handy etwas fester.

„Ich..weiß zwar nichts davon. Aber ich habe einen Informanten in Nettlestone. Soll ich ihn kurz anrufen?“

„Wenn du mir den Gefallen tun könntest.“

Sie nickte, die Lippen zusammengepresst und wandte sich ab.

Guy seufzte.

Natürlich vertraute ihm Marian genauso wenig wie früher. Nicht einmal telefonieren wollte sie in seiner Gegenwart. Er schaute ihrem schlanken, hübschen Rücken nach, wie sie sich vor dem Büro des Mietervereins aufstellte, das Handy am Ohr und das andere mit der Hand zugehalten. Sie musste offenbar nicht lange warten, bis jemand am anderen Ende ranging. Guy schaute ihr zu.
Er musste an Allan denken, und daran, wie unähnlich er und Marian sich waren. Marian war plötzlich so ehrlich und direkt, dass es wehtat, andererseits hatte sie diplomatisches Geschick. Wenn Guy sie sich vorstellte, sah er bei ihr eine gerade verlaufende Linie. Allan war eher ein Strich, den man während einer holprigen Busfahrt gezeichnet hatte.

Gedankenverloren betrachtete Guy Marian beim Telefonieren. Sie gestikulierte wenig, aber es verlieh ihren unhörbaren Worten Nachdruck. Zuerst schien sie zu diskutieren, zu erklären, nach Antworten zu verlangen. Und dann plötzlich wurde ihr Ausdruck weicher. Unendlich weich. Sie lächelte und dann fasste sie das Handy soviel zärtlicher als vorher. Guy suchte nach einem Ausdruck dafür. Es mochte nicht passen, aber auf Wolke Sieben war das erstbeste, was ihm einfiel.
Hatte Marian einen Freund in Nettlestone?

Sie stand schneller wieder vor ihm als er dachte und versuchte, ihren überglücklichen Ausdruck zu überspielen.
Seufzend ließ sie sich wieder neben ihm nieder.
„Also...diese Schlägerei gestern“, begann sie und versenkte das Telefon wieder in den Untiefen ihrer Hose.
„Er hat davon gehört, aber er selbst hat nichts gesehen. Niemand weiß, wer diese Typen waren. Es gab wohl ein paar Augenzeugen, also hat eine Anzeige bei der Polizei vielleicht sogar Erfolg. Und noch etwas: Er ist sich hundertprozentig sicher, dass es nicht Hood war.“

Guy hob eine Augenbraue;
„Was macht ihn so sicher?“

„Er war mit ihm zusammen, als es passierte. Mit ihm und den anderen.“

„Das kann ja jeder sagen. Ich will selbst mit diesem Informanten sprechen! Komm, gib mir die Nummer!“

Sie wich zurück noch bevor er sich zu ihr hinüberbeugen konnte, ihr gesamter Körper in einer steifen Abwehrhaltung;
„Hey, ich hab dir Informationen gegeben, da musst du die Anonymität meines Informanten genauso respektieren!“

„Wieso?“, zischte er.
„Nur weil du und er offensichtlich eine etwas zärtlichere Beziehung haben?!“

Marian sah aus, als hätte er ihr eine Ohrfeige gegeben.

„Du bist eine schlechte Schauspielerin! Nun gib mir seine Nummer! Was, wenn er gelogen hat! Was, wenn es doch Hood war?!“

„Du gibst dich nie zufrieden, wenn du nicht deinen Willen bekommst, oder?!“

Sie war in die Höhe gefahren. Nun, sie sah nicht sehr bedrohlich aus mit ihrer sich im Wind aufblähenden Wickelhose. Aber ihre Stirn war plötzlich von Zorn zerfurcht

„Du kreuzt hier auf und willst irgendwelche wilden Informationen, aber schlägst um dich, wenn ich ein Mal von dir verlange, mir zu vertrauen!“

Er schaute sie perplex an. Was hatte das letzte halbe Jahr mit Marian gemacht?

„Werd erwachsen, Guy of Gisborne!“

Und damit fuhr sie herum und stürmte mit wehenden Haaren davon, zornig und erregt und so wild, dass Guy ihr für einige Momente erstaunt nachsah.

Profile

120_minuten: (Default)
Die Uhr läuft ... jetzt!

Most Popular Tags

January 2026

M T W T F S S
   1 234
567891011
12131415 161718
19202122232425
262728293031 

Style Credit

Powered by Dreamwidth Studios