[identity profile] tsutsumi.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Tardis
Fandom: Robin Hood AU
Challenge: Stimmungen: Erleichtert - Für's Team
Personen/Pairing: Guy of Gisborne/Allan A Dale
Wörter: ~1.300
Anmerkung: Versuchtes h/c. Auf einmal sehe ich die grobe Handlung bis fast zum Schluss der gesamten Geschichte. Ups.
Spielt direkt nach dieser Geschichte hier von [livejournal.com profile] akira_san13


„Du bist sauer, oder?“

Letztlich konnte man Allan so einen Gedanken nicht übelnehmen. Guy hatte vor ca. drei Stunden das letzte Mal etwas gesagt, nämlich, als er er Allan in der Notaufnahme vor sich hergeschoben und die Schwester angeknurrt hatte, diesen Mann sofort auf eine möglich Gehirnerschütterung und/oder innere Blutungen zu untersuchen. Es war morgens halb vier gewesen und offenbar die einige Uhrzeit, in welcher man zur Abwechslung mal eine leere Notaufnahme vorfand.
Guy hatte die nächsten zwei Stunden wartend und schlafend und wartend schlafend im Wartezimmer verbracht und ein Vermögen am Kaffeeautomaten ausgegeben. Die Plörre hatte geschmeckt wie der letzte Dreck, aber irgendwann war Allan halb einbandagiert wieder zurückgekommen, mit müdem Blick und in seiner guten Hand jede Menge Pillen.

Wahrscheinlich keine Gehirnerschütterung, nicht einmal eine leichte. Schürfwunden, ein blaues Auge, ein geprelltes und daher angeschwollenes Handgelenk und jede Menge Hämatome. Die Redewendung „mehr Glück als Verstand“ schwirrte durch Guys übermüdeten Kopf.
Oder Allan hatte sich einfach sehr geschickt verteidigt. Guy konnte es nicht ausschließen und es versetzte ihn, je mehr er darüber nachdachte, in eine gewisse, unaussprechliche Ehrfurcht.

„Ich bin in erster Linie müde“, gab er zurück und zog den Wagen in seine Parklücke. Draußen hatte es schon vor Stunden gedämmert und während die Sonne kühl über den Horizont kroch, sangen die ersten Vögel. Es war ein verdammtes Idyll.

Nein, das stimmte nicht. Er war in erster Linie verdammt erleichtert. Er war erleichtert darüber, dass Allan in keinem Krankenhausbett gelandet war wie sein Vater oder wie der unglückselige Tom. Manche Dinge lagen in der Familie und die Eigenschaft, das Unglück anzuziehen wie Pferdemist die Fliegen anzog, schien unter den A Dales verbreitet zu sein.

Allan hinkte hinter ihm ins Haus am Concierge vorbei, der gerade seine Frühschicht angefangen hatte und dementsprechend vollkommen fassungslos hinter ihm hersah, und in den Fahrstuhl. Er stützte sein Gewicht auf das gute Bein und hielt sich am Geländer fest. Guy spielte für einen winzigen Moment mit dem Gedanken, einen Arm um ihn zu legen und ihn zu stützen, aber er konnte sich nicht sicher sein, ob er ihm dabei nicht irgendwie wehtat. Also ließ er es und begnügte sich damit, finster die Tür des Aufzugs anzustarren.

„Du hast nicht geschlafen, oder?“

„Minimal. Bis diese hirnlosen Polizisten geklingelt haben.“
Oh ja, mit denen gab es auch noch ein Hühnchen zu rupfen.

„Du solltest heute zu Hause bleiben“, murmelte Allan.

„Kommt nicht in Frage.“

„Nein wirklich.“ Allan grinste schief, weil sein einer Mundwinkel halb aufgerissen war.
„Du hast wirklich 'ne scheiß Laune, wenn du nicht geschlafen hast. Im Büro leiden darunter nur alle.“

Guy sah ihn kühl an und unter dem Plingen des Fahrstuhls verschwand Allans schalkhafter Ausdruck.

„Du solltest dich erstmal um dich kümmern.“

„Ach was, Unkraut vergeht nicht. Ein paar Kratzer, ein paar Beulen.“

Die Ärzte hatten ihm eine einwöchige Krankschreibung in die Hand gedrückt mit der Aufforderung, bald zum Hausarzt zu gehen und die Wunden kontrollieren zu lassen. Guy vermutete, dass eine Woche wahrscheinlich nicht mal notwendig war. Aber in drei Tagen würden all die tiefblauen Flecken in Allans Gesicht und vor allem sein halb zugeschwollenes Auge hässlich gelb aussehen. Es ging ihnen womöglich auch darum, niemanden auf der Straße zu erschrecken.

Nein, Guy musste heute ins Büro. Er musste nach Nettlestone. Er musste herausfinden, wer für diese Katastrophe verantwortlich war. Er musste Knochen brechen – ob nun metaphorisch oder sprichwörtlich, dessen war er sich noch nicht so sicher.

Er schloss die Wohnung auf und ließ Allan an sich vorbeihinken.
„Du versprichst dir doch nicht etwa, dass ich bewundernd zu dir aufschaue. Ich bin immer noch sehr viel größer als du.“

Allan wandte sich kopfschüttelnd ab.


Guy stellte sich sein Handy auf neun Uhr – immerhin noch gute zweieinhalb Stunden Schlaf, ehe er verspätet ins Büro gehen würde. Auch wenn er gerade bereute, als Erklärung eben nicht sagen zu können „Mein PA wurde heute Nacht halbtot geprügelt. Woher ich das weiß? Ich schlafe mit ihm, übrigens schon seit einem halben Jahr.“

Aber halbtot war das Stichwort.
Er schlug die Decken wieder zurück als er Allan dabei zusah, wie er sich beim Ausziehen abmühte. Das angeschwollene und verbundene Handgelenk erwies sich als nutzlos, also trat Guy hinzu und half, das verdreckte Shirt über den Kopf auszuziehen. Dann blinzelte er ungläubig.
Allans Oberkörper und Rücken war eine farbenfrohe Landkarte aus dunkelvioletten, blauen und rötlichen Flecken. Ja. Ja, vielleicht mochten es nur ein paar Hämatome und Beulen sein. Er sah trotzdem furchtbar aus. Guy hatte nicht gemerkt, dass er die Hand gehoben hatte und nun, da Allan sich aus seiner vor Dreck starrenden Hose versuchte zu schälen, hielt dieser in der Bewegung inne, weil Guys Finger federleicht und vorsichtig die Ränder eines Hämatoms unter seinem Schlüsselbein nachzeichneten.

Es war morgens halb sieben und erst jetzt hatte Guy das Gefühl, dass er die gesamte Zeit versäumt hatte, sich in seinen Freund hineinzuversetzen. Darüber nachzudenken, wie das wohl war: Zwischen den Stühlen zu sitzen, von Freunden verstoßen zu werden, von Fremden korrumpiert zu werden, wirklich nirgends hinzugehören und letztlich von irgendwem versehentlich auf der falschen Seite geglaubt zu werden. Und wofür? Für Geld, für Häuser, für das Prinzip, für halbgare Slogan, für einen Mann und dessen Machtanspruch. Guy schluckte.

„Es ist wirklich nicht so schlimm“, hörte er Allan sagen und es fühlte sich an, als wolle der ihn beruhigen, wenn es doch eigentlich andersherum sein sollte. Guy nickte etwas hastiger als er eigentlich wollte, gedankenverloren, und er löste für Allan den Gürtel der Hose, betrachtete ihn, während er aus den Hosenbeinen stieg und sich mit der unverletzten Hand die Socken abstreifte.
Er beugte sich zum Verletzten hinab und gab ihm einen langen, leichten Kuss auf den Haarschopf, weil das vermutlich eine der wenigen Stellen war, die nicht wehtat, wenn man draufdrückte.

Und dann erst schien Allan eine gewisse Spannung, die ihn bis jetzt durch die Nacht getragen hatte, los. Er seufzte mit zitterndem Atem.

Sie sortierten sich ins Bett. Inzwischen schien helles Morgenlicht ins Zimmer, aber Guy hatte keine Lust, noch einmal aufzustehen und die Vorhänge zuzuziehen, schon gar nicht, da Allan sich vorsichtig mit den Bewegungen eines alten Mannes um ihm herumtastete um nach einer halbwegs bequemen und schmerzlosen Position zu suchen.

„Wie viele waren es?“

„Bin mir nich' sicher. Es war dunkel und es ging ziemlich schnell. Vielleicht vier, vielleicht fünf.“

Guy fühlte sich müde und schwer wie ein Stein. Aber während Allan genau nach seinen letzten Worten sofort in einen hoffentlich heilsamen Schlaf gefallen zu sein schien, konnte er selbst doch kein Auge zutun.
Je weiter er darüber nachdachte, desto weniger Sinn ergab es.
Welche Schlägertrupps lauerten ausgerechnet Allan in Nettlestone auf? In Nettlestone, Clunn, Locksley, in allen diesen Siedlungen musste sich doch innerhalb des letzten halben Jahres herumgesprochen haben, dass Allan A Dale übergelaufen war. Warum sollte ihm irgendwer eine Botschaft an Robin Hood übergeben, nachdem er ihn halbtot geschlagen hatte?

Dazu kam die Frage: Würde es wieder passieren? Würden die Angreifer beim nächsten Mal Waffen dabei haben? Wenn in London immer wieder in den letzten Monaten auf offener Straße jemand erstochen worden war, konnte in Nottingham genau das gleiche passieren.
Wollte Hood Allan aus dem Weg schaffen, weil er befürchtete, Allan könne zu viel Information über ihn herausrücken? Aber hatte man als simpler Hausbesetzer Grund dazu? Nun, man wusste es nicht, dieser Typ war offensichtlich größenwahnsinnig. Hatte er vielleicht seine Griffel doch tiefer in kriminellen Machenschaften als Guy gedacht hatte? Drogenhandel?
Ihm schwirrte der Kopf.

Er brauchte mehr Information.
Allan würde Anzeige bei der Polizei erstatten, aber wenn er seine Angreifer nicht einmal richtig gesehen hatte, war das eigentlich schon wieder egal.
Guy musste sich in Nettlestone umhören. Er musste mit Marian sprechen. Wer ehrenamtlich im hiesigen Büro des Mietervereins mithalf, musste zumindest irgendetwas gehört haben.
Er musste mit....nein...mit Hood würde er nicht sprechen.

Guy betrachtete den schlafenden Allan, der im Morgenlicht auf absurde Weise in den schillerndsten Farben leuchtete, als habe ihn jemand angemalt.
Und er fühlte sich mit einem Mal nicht mehr erleichtert, sondern entsetzt, hilflos und unendlich ängstlich, dass er eben auch nur daran gedacht hatte, mit Robin Hood selbst zu sprechen. Weil er diesen albernen, ungehobelten, idiotischen Bastard, der ihm im Schlaf gerade auf den Oberarm sabberte, schützen wollte.

Er schluckte.

Date: 2013-07-20 12:58 pm (UTC)
From: [identity profile] akira-san13.livejournal.com
Ach Guy, du verliebter Idiot. <3
Du kannst einem wirklich leid tun...

Und ich stelle fest: Die Sekretärinnen müssen spitz kriegen, dass da war läuft. Definitiv unbedingt! Ich will geschocktes entsetzen, weil sie die beiden sich küssen sehen! >.< --- Hat wer Plotideen zu verkaufen? Irgendwer?

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