[identity profile] tsutsumi.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Tardis
Fandom: Robin Hood (AU)
Challenge: Stimmungen: Jähzornig – Fürs Team
Personen/Pairing: Guy of Gisborne/Allan A Dale
Wörter: ~ 1500
Anmerkung: Eigentlich wollte ich nur h/c schreiben. Und irgendwie ist das alles etwas länger geworden.
Wer hat zufällig "Different for Girls" gesehen? Paul Prentice (aka der fantastische Ruper Graves) hat sich hier reingeschlichen. Jeder braucht so einen großartigen Motorradkurier!


Als Allan die gläserne Doppeltür in das Innere der Chefetage passierte, legte sich mit einem Mal ein Schauergefühl wie Rauhreif über ihn. Er schaute auf von der Flasche Cola, die er sich eben im Laden um die Ecke geholt hatte (wenn Guy ihn etwas jederzeit, wenn auch widerstrebend, kaufen ließ, dann war es Cola, weil Guy of Gisborne, wenn er auch in fast allen anderen Punkten des täglichen Lebens intolerant war, es verstand, wenn man unter Koffeinentzug litt. Und Allan mochte Kaffee nicht. Irgendwoher musste er sein Koffein ja bekommen) und sah vor sich die zwei Chefsekretärinnen, einen Motorradkurier, der aussah wie bestellt und nicht abgeholt, und einen großen Mann in karierter Tweedjacke stehen, der die Atmosphäre eines Mieters verströmte, der in zwei Wochen von Vaisey aus seiner Wohnung geworfen werden würde.
Und sie alle hielten einen gewissen gebührlichen Abstand von Guys Büro, sahen aber so aus, als wollten sie eindeutig dort hinein.

„Was'n hier los?“, entfuhr es Allan. Das Bild vor ihm war einfach zu komisch und er hätte gelacht, wenn da nicht dieses Schauergefühl gewesen wäre, das eine böse Vorahnung von etwas war, das er selbst noch nicht ganz fassen konnte.

In dem Augenblick hörte er den Boss hinter der Tür zu Guys Büro losbrüllen.
Wortlos deutete Anne (hieß sie so? Allan konnte sich ihren Namen nie merken) darauf.
„Sie haben ein Meeting“, erklärte sie.

Das Schlimme an Vaisey Sheriff war, dass er zunächst stets leise zu sprechen begann. Er ging langsam auf einen zu, lächelte vielleicht noch, machte kleine, wenig ausladende Gesten mit seinen kurzen Wurstfingern und hängte zuviele „hm“s an das Ende seiner Sätze.
Und dann begann er zu schreien; brüllte und tobte und spuckte dabei.
Natürlich war er noch lange nicht so furchteinflößend wie Guy (es fehlte ihm zu sehr an körperlicher Bedrohlichkeit), aber er machte es damit wett, dass er der Boss war und ihm die pure Macht aus den kleinen, bösen Augen strahlte.

„Unfähig bist du!“, hörte Allan ihn schäumen und es war, als wäre da gar keine Wand zwischen ihnen.
„Unfähiger, nutzloser Idiot! Dein Kopf ist auch nur Dekoration, Gisborne! Wenn ich nicht bis morgen früh diesen Vertrag vom Bürgermeister habe – ein winziges Detail, das jedes Kind erledigen hätte können – werfe ich dich raus! Und ich sorge dafür, dass dich keine Immobilienfirma in ganz Europa mehr einstellt!!“

Der Motorradkurier fummelte unbehaglich am Visier seines Helms herum, das er so weit nach wie möglich geklappt hatte. Er trug eine heruntergekommene rote Lederjacke.
„Das is' ja hier ein einladender Verein!“, bemerkte er.
„Hör'n Sie mal, ich hab hier ein Päckchen für...“ Er betrachtete das kleine, mit braunem Papier umwickelte Paket näher, „...Guy of Gisborne.“

„Das ist der Mann, der da drin gerade angeschrien wird“, informierte ihn Allan.
„Und er schreit zurück, glauben Sie mir. Hier, geben Sie's einfach mir.“

„Is' mir auch recht.“
Der Kurier zuckte mit den Schultern und packte ein Stück Papier aus, das ziemlich gelitten hatte, strich es kommentarlos glatt und reichte es Allan. Allan drückte ihm seine Cola in die Hand, um unterschreiben zu können.
Genau in dem Moment flog die Bürotür auf und Vaisey erschien, ein mildes Lächeln auf den Lippen, als sei gerade gar nichts geschehen.

„Meine Damen“, sagte er wie beiläufig und stolzierte davon.

Allan sah ihm finster nach.

„Danke, Meister!“
Wie der Kurier sich verabschiedete und aus seinem Blickfeld verschwand, bemerkte er nicht mehr, denn Guy erschien und sah aus wie Gewitter. Seine Haare waren zerzaust und sein Gesicht blass vor Zorn. Oh nein.

„Was steht ihr hier alle rum und glotzt?!“, schrie er und man hatte das Gefühl, dass die Wände erbebten.

„Tut mir leid, Sir“, murmelte Anne, „es ist nur...ich bräuchte hier eine Unterschrift.“ Kraftlos hielt sie irgendein Blatt Papier hoch.
„Und Sie haben jetzt einen Termin mit Mister Deacon hier.“ Sie wies auf den Mann in der Tweedjacke, der jetzt schon aussah, als würde er gleich umkippen.
„Und hier kam gerade ein Päckchen für Sie.“ Mit dem Daumen zeigte sie über ihre Schulter.

Wenn sie gekonnt hätten, Guys Augen hätten sich in diesem Augenblick tiefrot verfärbt.
Allan kannte diesen Blick. Es war die Sekunde, in der vor Wut alles Blut aus Guys Gesicht wich, er die Zähne bleckte und seine Augen sich weiteten.
„Sehe ich so aus, als hätte ich jetzt irgendeinen Nerv dafür?!“, brüllte er. Wow. Das war ja sogar noch schlimmer als sonst. Allan blinzelte. Das war nicht nur Vaisey. Irgendetwas anderes war schiefgelaufen.

„Wer sind Sie überhaupt?“, herrschte Guy den armen Mr. Deacon an.

„Ein Mieter, Sir“, beeilte dieser sich, schlotternd zu sagen.
„Wir wollten besprechen, wie wir das mit der Miete klären, jetzt, da ich überraschend arbeitslos-“
„Da gibt es nichts zu klären!“, donnerte Guy.
„Wir werfen Sie raus! Ende der Diskussion!“

Er drehte sich einmal um sich selbst.

„Ich wünsche, nicht gestört zu werden!“

Und damit verschwand er in seinem Büro, nicht ohne die Tür hinter sich zuzuknallen. Alle zuckten zusammen.

Mr. Deacon begann zu weinen.

„Also.“, setzte Betsy an.

„Also...Er ist ja wirklich sehr jähzornig, aber das gerade war ja wirklich....“
Sie wandte sich dem verzweifelten Mieter zu und sprach beruhigend auf ihn ein, während sie seine Tweedjacke tätschelte.

Er tat Allan leid.

„Aber ich brauche diese Unterschrift“, murmelte Anne.
„Das muss heute noch mit der Post raus.“

Und auf einmal fühlte Allan, wie ihn drei erwartungsvolle Blicke trafen. Ausgerechnet ihn.

Und dann fiel ihm auf, dass der Kurier seine Cola mitgenommen hatte.

Ach verdammt.

„Na fein, ich rede mal mit ihm.“

„Du bist der Beste, Allan!“ Anna strahlte ihn an und drückte ihm das Papier in die Hand.

Aha. Er war also der Beste. Solange, bis sie wieder über ihn lästerten.


Er öffnete die Tür zum Büro sehr langsam und sehr leise. Eigentlich war es unsinnig, denn man hörte ihn ja trotzdem, aber mit Guy war das wie das Annähern an ein hungriges Raubtier – nur ja langsam und vorsichtig. Und hoffen, dass er einen nicht verschlang.

Guy saß zusammengekrümmt auf seinem Stuhl, die Ellenbogen auf der Tischplatte inmitten des Gewühls aus Papieren. Vaisey musste alles durcheinandergeworfen haben. Seine Hände krallten sich in die Haare ein und er atmete schwer.
Allan seufzte.

„Guy.“

„Hab ich nicht gesagt, dass ich in Ruhe gelassen werden will?!“

Der Ausbruch fühlte sich an, als würde er Allan mit dem Rücken gegen die Tür drücken.

„Verschwinde!“

Er wog seine Chancen ab. Entweder er ging wieder, würde sich den Ärger aller anderen einhandeln und für die nächsten Tage um Guy herumschleichen (was kein besonders erhebender Gedanke wenn man bedachte, dass sie zusammenwohnten). Oder aber er stellte sich dem Mann. Raubtier. Was auch immer.

„Hör mal...“, begann er langsam.

„Was auch immer da gerade passiert ist, du kannst das bestimmt wieder gerade biegen. Wir können es wieder gerade biegen, okay? Ich helf dir.“

Guys Kopf schnellte hoch und seine Augenbrauen waren so stark zusammengezogen, dass sein Gesicht aussah wie zur Faust geballt.
„Ich habe gesagt, du sollst abhauen!“ , schrie er.
„Geh mir aus den Augen, verflucht nochmal!“

Ja, Guy of Gisborne war ein sehr, sehr jähzorniger Mann. Aber diese Wut, diesen blinden Zorn hatte Allan noch nie an diesem Mann gesehen.
Und in diesem Augenblick, als Guy von seinem Bürostuhl hochfuhr und mit langen Schritten auf ihn zukam und alles, alles in Allans Körper danach schrie, die Beine in die Hand zu nehmen; als anfing, ihn mit üblen Worten zu beschimpfen, die er später möglichst wieder versuchen würde zu vergessen, wurde Allan klar, dass er es hier vielleicht gar nicht wirklich mit Zorn zu tun hatte. Sondern mit einer Maske, einem Ersatz. Cola statt Kaffee. Schreien statt Heulen.

Guy hatte ihn am Kragen gepackt und von sich geschubst und als er nun wieder herankam und sein Gesicht zur Unkenntlichkeit verzerrt war, tat Allan das, was die Boxer im Fernsehen stets taten: Er ließ das dumme Blatt Papier fallen und schloss Guy in eine feste, entwaffnende Umarmung.

Sein Herz raste, sein Atem stuckerte, seine Glieder zitterten. Guy fühlte sich an wie Beton und er ruckelte an ihm herum.
„Lass mich los“, presste er aus gefletschten Zähnen hervor.
Aber es klang plötzlich erschreckend kraftlos. Allan schüttelte den Kopf.
„Erst, wenn du wieder soweit runterkommst, dass ich sichergehen kann, dass du mir keine Knochen brichst.“
Oh, es brauchte Kraft, verdammt viel Kraft. Guy war groß und muskulös und Allans Armmuskeln begannen vor Schmerz zu schreien.
„Was auch immer passiert ist, wir kriegen das wieder hin“, rief Allan leise.
„Was auch immer jetzt passiert, du bist damit zumindest nicht allein, okay? Ich weiß, du bist'n Kerl mit 'nem verdammt schlechten Charakter, aber ich weiß, du willst mir nichts brechen. Okay? Okay?“
„Du weißt überhaupt nichts!“, brüllte Guy, aber sein Widerstand schmolz stetig dahin. Er atmete heftig gegen Allan.
„Dann erzähl's mir doch!“

Und das war entscheidend.

Guy sackte in seinen Armen zusammen wie leblos. Sämtliche Spannung verließ ihn und dann legte er endlich seine Arme um Allan und seinen Kopf in dessen Halsbeuge und atmete schwer. Oh Gott, kämpfte er da tatsächlich mit den Tränen?

Allan war klug genug, nichts mehr zu sagen. Er hielt ihn, seinen großen, bösen Vorgesetzten, und strich ihm vorsichtig mit einer Hand durch die Haare. Er lauschte Guys Atem, der sich nur langsam, sehr langsam normalisierte.

Sollten die Tratschhühner sich da draußen die Mäuler zerreißen. Sollte Mr. Deacon eben aus seiner Wohnung geworfen werden. Das war alles so egal. Was auch immer Guy so aus der Bahn geworfen hatte, Allan würde die Ursache oder die Ursachen finden. Und er würde sie beseitigen. Denn niemand brachte Guy of Gisborne zu Fall. Zum ersten Mal überhaupt empfand Allan so etwas wie Rachegelüste und sie richteten sich gegen den ersten, den man hier verdächtigen konnte:Vaisey Sheriff.

Er hielt Guy noch ein wenig länger umschlungen.

Date: 2013-07-17 09:22 pm (UTC)
From: [identity profile] akira-san13.livejournal.com
aaawwww *-*
dath ith tho thüth *-*

und wütend... O_o die müssen ein Mordsgehalt alle kriegen...

Date: 2013-07-18 04:37 am (UTC)
From: [identity profile] exiles-diary.livejournal.com
Allan vs Sheriff? Das klingt ja mal spannend XD

Aber da merkt man mal wieder, wie wichtig Allan für Guy ist - und für die anderen armen angestellten.
Guy hält den Kopf für Sheriff hin, damit sich niemand mit ihm rumschlagen muss und Guy... lässt es an den anderen aus. Total fair und so. Auf jeden Fall realistisch.

Wie du dir denken kannst: Mehr! Da muss noch viel mehr davon her XD
(Wie lange braucht es, bis Guy nach der Cola fragt? ^^***)

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