Stolpersteine
Jul. 16th, 2013 11:35 pmTeam: Tardis
Challenge: Orte - Waldlichtung
Genre: Original
Wörter: 439
Es war wie ein kalter Schauer, der einem in der Dunkelheit über den Rücken lief. Man wusste nicht, woher er kam oder wohin er verschwand; man war froh, wenn man ihn los war und nicht fragen musste, was ihn ausgelöst hatte. Schnell ins warme Bett, in die vorgetäuschte Sicherheit, und bloß nicht daran denken, einschlafen, schön träumen und am nächsten Morgen so wie immer gähnend aber ahnungslos ins Bad wanken.
Sie wurde das Gefühl nicht los als würde sie beobachtet werden. Sie drehte sich im Kreis; die Bäume über schwankten gefährlich vor dem grau-blauen Horizont. Stunden war sie durch den Wald gelaufen, immer dem Pfad folgend. Sie mochte die laute Einsamkeit des Waldes – Vogelgezwitscher, Ästeknacken, das Rauschen der großen Kronen, die hier und da etwas vom wolkenbestückten Himmel durchschienen ließen.
Der Pfad war teilweise unwegsam, aber dennoch immer erkennbar. Ihr Blick war die meiste Zeit auf den Boden gerichtet gewesen – ein Fuß vor den anderen, über Wurzeln und Steine, an Moosflächen und Pilzkolonien vorbei.
Sie hatte sofort das abrupte Verschwinden des Pfades gemerkt; hohes Gras als feste Mauer, die den Weg versperrte. Verwirrt hatte sie sich umgeschaut. Die Lichtung, die auf ihrer Wanderkarte nicht existierte, war vom Durchmesser her kaum größer als eine kleine Gartenlaube. Sie hätte sich längs hinlegen können, und hätte vermutlich geradeso hineingepasst. Das Gras ging ihr bis zum Knie und war wie mit einer Gartenschere fein säuberlich abgetrennt vom Rest des Waldes. Sie hatte sich umgeblickt, auf der Suche nach einem Haus in der Nähe, irgendein Indiz dafür, dass sich jemand um diese Lichtung kümmerte; dass die Grashalme künstlich davon abgehalten wurden aus der Reihe zu tanzen. Es gab nichts außer Bäume und dunkle Schatten.
Sie war um die Lichtung herumgelaufen und hatte nach dem Pfad gesucht, der sie weiterführen würde. Erst als sie dreimal unter dem niedrig hängenden Ast, dessen tote Blätter trotz der abrupten Störung nicht abfallen wollten, vorbei gelaufen war, blieb sie stutzig stehen. Es war kein Pfad zu finden, auch nicht der, der sie hierher geführt hatte. Sie hatte sich wieder umgedreht auf der Suche nach den Augen, von denen sie sich beobachtet fühlte.
Der Wald war dunkler geworden, als ob Nacht eingefallen wäre – eine Nacht durchstochen von einem Strahl Sonnenschein. Sie stolperte einen Schritt zurück und noch einen, hinein in die Lichtung. Die Gänsehaut bahnte sich langsam den Weg ihren Körper hinauf, als würde sie davon umwoben werden. Sie drehte sich, Kopf nach oben gerichtet und wusste nicht mehr, ob sie weglaufen oder bleiben sollte.
Sie blieb und der Pfad verlor sie.
Er suchte vergebens.
Letztendlich legte er weitere Wurzeln in den Weg und noch mehr Stolpersteine.
Challenge: Orte - Waldlichtung
Genre: Original
Wörter: 439
Es war wie ein kalter Schauer, der einem in der Dunkelheit über den Rücken lief. Man wusste nicht, woher er kam oder wohin er verschwand; man war froh, wenn man ihn los war und nicht fragen musste, was ihn ausgelöst hatte. Schnell ins warme Bett, in die vorgetäuschte Sicherheit, und bloß nicht daran denken, einschlafen, schön träumen und am nächsten Morgen so wie immer gähnend aber ahnungslos ins Bad wanken.
Sie wurde das Gefühl nicht los als würde sie beobachtet werden. Sie drehte sich im Kreis; die Bäume über schwankten gefährlich vor dem grau-blauen Horizont. Stunden war sie durch den Wald gelaufen, immer dem Pfad folgend. Sie mochte die laute Einsamkeit des Waldes – Vogelgezwitscher, Ästeknacken, das Rauschen der großen Kronen, die hier und da etwas vom wolkenbestückten Himmel durchschienen ließen.
Der Pfad war teilweise unwegsam, aber dennoch immer erkennbar. Ihr Blick war die meiste Zeit auf den Boden gerichtet gewesen – ein Fuß vor den anderen, über Wurzeln und Steine, an Moosflächen und Pilzkolonien vorbei.
Sie hatte sofort das abrupte Verschwinden des Pfades gemerkt; hohes Gras als feste Mauer, die den Weg versperrte. Verwirrt hatte sie sich umgeschaut. Die Lichtung, die auf ihrer Wanderkarte nicht existierte, war vom Durchmesser her kaum größer als eine kleine Gartenlaube. Sie hätte sich längs hinlegen können, und hätte vermutlich geradeso hineingepasst. Das Gras ging ihr bis zum Knie und war wie mit einer Gartenschere fein säuberlich abgetrennt vom Rest des Waldes. Sie hatte sich umgeblickt, auf der Suche nach einem Haus in der Nähe, irgendein Indiz dafür, dass sich jemand um diese Lichtung kümmerte; dass die Grashalme künstlich davon abgehalten wurden aus der Reihe zu tanzen. Es gab nichts außer Bäume und dunkle Schatten.
Sie war um die Lichtung herumgelaufen und hatte nach dem Pfad gesucht, der sie weiterführen würde. Erst als sie dreimal unter dem niedrig hängenden Ast, dessen tote Blätter trotz der abrupten Störung nicht abfallen wollten, vorbei gelaufen war, blieb sie stutzig stehen. Es war kein Pfad zu finden, auch nicht der, der sie hierher geführt hatte. Sie hatte sich wieder umgedreht auf der Suche nach den Augen, von denen sie sich beobachtet fühlte.
Der Wald war dunkler geworden, als ob Nacht eingefallen wäre – eine Nacht durchstochen von einem Strahl Sonnenschein. Sie stolperte einen Schritt zurück und noch einen, hinein in die Lichtung. Die Gänsehaut bahnte sich langsam den Weg ihren Körper hinauf, als würde sie davon umwoben werden. Sie drehte sich, Kopf nach oben gerichtet und wusste nicht mehr, ob sie weglaufen oder bleiben sollte.
Sie blieb und der Pfad verlor sie.
Er suchte vergebens.
Letztendlich legte er weitere Wurzeln in den Weg und noch mehr Stolpersteine.