Pinguine können nicht fliegen
Jul. 16th, 2013 10:17 pmTeam: Sirius
Challenge: Orte - Klippenrand (für mich)
Fandom: Original
Wörter: 650
Es war einmal vor langer Zeit, da lebten die Pinguine noch am Land und waren glücklich dort, denn wenn sie nur lang genug mit ihren Füßen vor sich hin scharrten fanden sie alles was sie haben wollten.
Auch der kleine Pinguin war glücklich. Jedenfalls so lange er noch ein graues Flaumbällchen war störte es ihn genau so wenig wie seine Artgenossen, dass er zwar Flügel hatte, aber doch nicht fliegen konnte.
Nun war es aber so, dass der kleine Pinguin eine Freundin hatte, die war kein Pinguin sondern eine Möwe. Ihre Eltern sahen diese Freundschaft nicht all zu gerne, aber da es keine offene Feindschaft zwischen den zwei Gattungen gab, nahmen sie sie schnabelknirschend hin. Vielleicht seufzte Mama-Pinguin einmal - „Was soll nur aus ihm werden?“ - oder Papa-Möwe schüttelte seinen Kopf - „Das kann nicht gut Enden“. Aber im Grunde vertrauten sie ihren Kindern aber noch mehr deren Andersartigkeit.
Wenn sie erst ihren Flaum verlieren, treibt es ihnen auch die Flausen aus dem Kopf, da waren sich die Eltern einig.
Vielleicht hatten sie nie einen wirklichen Freund gehabt. Jedenfalls stellte sich ihre Voraussage sehr bald als sehr falsch heraus. Selbst als die kleine Möwe das fliegen gelernt hatte verbrachte sie noch sehr viel Zeit auf der Erde und bei ihrem Freund.
„Wieso kommst du eigentlich nie mit?“, fragte sie einmal und der kleine Pinguin scharrte sehr verlegen im Schnee, und senkte seinen Blick und murmelte.
„Ich kann ja nicht. Fliegen.“
„Na klar kannst du!“
„Aber kein Pinguin kann fliegen!“
„Dann bist du halt der erste!“
Und die Möwe flatterte ein wenig um den Pinguin herum, dass er sehen konnte wie einfach es mit dem fliegen eigentlich war.
Wochen lang übten sie gemeinsam. Anlauf nehmen, flattern, springen. Die anderen Pinguine machten sich bereits lustig, auch die Möwen lachten nur über dieses seltsame Gespann.
„Guck dir doch meine Beine an“, jammerte der Pinguin nach einem Monat und sehr vielen blauen Flecken unter seinem Federkleid.
„Wie soll ich denn mit denen hoch genug springen um überhaupt mit dem Fliegen anfangen zu können?“
Die Möwe legte den Kopf auf die Seite und dachte lange nach. Da hatte der Pinguin allerdings Recht.
Und dann hatte sie eine Idee.
„Vielleicht musst du von etwas runter springen, um genügend Schwung zu kriegen!“
Rief sie und war so begeistert von ihrer Idee, dass der Pinguin gar keine Zweifel mehr haben konnte.
Zur höchsten Klippe in ihrem Brutgebiet gingen sie, und alle Möwen, alle Pinguine kamen ihnen hinterher. Das wollten sie sich nicht entgehen lassen.
Die Möwe zählte bis drei, und sie rannten los, rannten gemeinsam, rannten bis ans Ende der Welt, sozusagen, und dann sprangen sie, breiteten ihre Flügel aus.
Erst als sie ein Stück durch die Luft gesegelt war merkte die Möwe, dass etwas fehlte. Sie blickte sich um, aber vom Pinguin war nirgends etwas zu sehen. Da erschrak sie so sehr, dass sie selbst fast abstürzte. Nur mit Mühe und Not und vielen Flügelschlägen gelang es ihr, auf der Meeresoberfläche zu landen. Dort dümpelte sie vor sich hin, lauschte der gespenstigen Stille, die plötzlich eingetreten war. Alle – Pinguine und Möwen – standen sie am Rand der Klippe und blickten hinunter zu ihr, die sie ihren eigenen, ihren besten Freund in den Tod getrieben hatte.
Sie dachte schon darüber nach, wie sie sich selbst das Leben nehmen könnte, da tauchte, gleich neben ihr, etwas aus dem Wasser.
Die Möwe musste ihre Tränen beiseite blinzeln, ehe sie den Pinguin erkannte.
Der strahlte über sein ganzes Pinguin-Gesicht.
„Ich kann fliegen!“, rief er.
„Hast du gesehen! Ich fliege!“
Und – schwupps – war er wieder untergetaucht. Die Möwe blickte hinunter. Und tatsächlich, da flog er – nicht im Himmel, aber er flog. Und plötzlich begriffen auch die anderen Pinguine, was da passiert war, und fanden dass es nach großem Spaß aussähe, und so sprangen sie, einer nach dem anderen, hinunter ins Wasser.
Challenge: Orte - Klippenrand (für mich)
Fandom: Original
Wörter: 650
Es war einmal vor langer Zeit, da lebten die Pinguine noch am Land und waren glücklich dort, denn wenn sie nur lang genug mit ihren Füßen vor sich hin scharrten fanden sie alles was sie haben wollten.
Auch der kleine Pinguin war glücklich. Jedenfalls so lange er noch ein graues Flaumbällchen war störte es ihn genau so wenig wie seine Artgenossen, dass er zwar Flügel hatte, aber doch nicht fliegen konnte.
Nun war es aber so, dass der kleine Pinguin eine Freundin hatte, die war kein Pinguin sondern eine Möwe. Ihre Eltern sahen diese Freundschaft nicht all zu gerne, aber da es keine offene Feindschaft zwischen den zwei Gattungen gab, nahmen sie sie schnabelknirschend hin. Vielleicht seufzte Mama-Pinguin einmal - „Was soll nur aus ihm werden?“ - oder Papa-Möwe schüttelte seinen Kopf - „Das kann nicht gut Enden“. Aber im Grunde vertrauten sie ihren Kindern aber noch mehr deren Andersartigkeit.
Wenn sie erst ihren Flaum verlieren, treibt es ihnen auch die Flausen aus dem Kopf, da waren sich die Eltern einig.
Vielleicht hatten sie nie einen wirklichen Freund gehabt. Jedenfalls stellte sich ihre Voraussage sehr bald als sehr falsch heraus. Selbst als die kleine Möwe das fliegen gelernt hatte verbrachte sie noch sehr viel Zeit auf der Erde und bei ihrem Freund.
„Wieso kommst du eigentlich nie mit?“, fragte sie einmal und der kleine Pinguin scharrte sehr verlegen im Schnee, und senkte seinen Blick und murmelte.
„Ich kann ja nicht. Fliegen.“
„Na klar kannst du!“
„Aber kein Pinguin kann fliegen!“
„Dann bist du halt der erste!“
Und die Möwe flatterte ein wenig um den Pinguin herum, dass er sehen konnte wie einfach es mit dem fliegen eigentlich war.
Wochen lang übten sie gemeinsam. Anlauf nehmen, flattern, springen. Die anderen Pinguine machten sich bereits lustig, auch die Möwen lachten nur über dieses seltsame Gespann.
„Guck dir doch meine Beine an“, jammerte der Pinguin nach einem Monat und sehr vielen blauen Flecken unter seinem Federkleid.
„Wie soll ich denn mit denen hoch genug springen um überhaupt mit dem Fliegen anfangen zu können?“
Die Möwe legte den Kopf auf die Seite und dachte lange nach. Da hatte der Pinguin allerdings Recht.
Und dann hatte sie eine Idee.
„Vielleicht musst du von etwas runter springen, um genügend Schwung zu kriegen!“
Rief sie und war so begeistert von ihrer Idee, dass der Pinguin gar keine Zweifel mehr haben konnte.
Zur höchsten Klippe in ihrem Brutgebiet gingen sie, und alle Möwen, alle Pinguine kamen ihnen hinterher. Das wollten sie sich nicht entgehen lassen.
Die Möwe zählte bis drei, und sie rannten los, rannten gemeinsam, rannten bis ans Ende der Welt, sozusagen, und dann sprangen sie, breiteten ihre Flügel aus.
Erst als sie ein Stück durch die Luft gesegelt war merkte die Möwe, dass etwas fehlte. Sie blickte sich um, aber vom Pinguin war nirgends etwas zu sehen. Da erschrak sie so sehr, dass sie selbst fast abstürzte. Nur mit Mühe und Not und vielen Flügelschlägen gelang es ihr, auf der Meeresoberfläche zu landen. Dort dümpelte sie vor sich hin, lauschte der gespenstigen Stille, die plötzlich eingetreten war. Alle – Pinguine und Möwen – standen sie am Rand der Klippe und blickten hinunter zu ihr, die sie ihren eigenen, ihren besten Freund in den Tod getrieben hatte.
Sie dachte schon darüber nach, wie sie sich selbst das Leben nehmen könnte, da tauchte, gleich neben ihr, etwas aus dem Wasser.
Die Möwe musste ihre Tränen beiseite blinzeln, ehe sie den Pinguin erkannte.
Der strahlte über sein ganzes Pinguin-Gesicht.
„Ich kann fliegen!“, rief er.
„Hast du gesehen! Ich fliege!“
Und – schwupps – war er wieder untergetaucht. Die Möwe blickte hinunter. Und tatsächlich, da flog er – nicht im Himmel, aber er flog. Und plötzlich begriffen auch die anderen Pinguine, was da passiert war, und fanden dass es nach großem Spaß aussähe, und so sprangen sie, einer nach dem anderen, hinunter ins Wasser.
no subject
Date: 2013-07-16 08:38 pm (UTC)Hast Du jemals T.H. White gelesen? Dem hatte ich vor ... ähm ... 25 Jahren die Erkenntnis zu verdanken, daß Fische im Grunde fliegen, nur eben im Wasser und nicht in der Luft.
no subject
Date: 2013-07-16 08:54 pm (UTC)Nein, habe ich auch nicht. Sollte ich ihn zu Lem auf die Liste setzen?
no subject
Date: 2013-07-17 05:23 am (UTC)Außerdem verdanke ich diesem Buch eine eigentlich simple Erkenntnis, die mich bis jetzt tatsächlich noch nie im Stich gelassen hat:
"The best thing for being sad," replied Merlin, beginning to puff and blow, "is to learn something. That's the only thing that never fails.
no subject
Date: 2013-07-16 09:24 pm (UTC)Das Ende wirkte zwar sehr abrupt, aber die Geschichte ist total niedlich! *-* Der Pinguin kann dafür halt viiieeel besser schwimmen und tauchen als die Möwe. ^-^
no subject
Date: 2013-07-17 12:40 pm (UTC)