Außerweltlich
Jul. 16th, 2013 04:32 pmTeam: Sirius
Challenge: Notaufnahme (für mich)
Fandom: Original: Our Own World
Charaktere: Sabine
Wörter: 919
Teil 1, Teil 1,5, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5, Teil 6
Es war fast Mitternacht, als die SMS kam. Wie lange willst du da noch versauern? Absenderin war merkwürdigerweise Verena, aber Sabine hatte aufgehört, sich über solche Dinge zu wundern. Sie hatte nur eher am Rande mitbekommen, dass Verena am Abend hatte vorbeikommen wollen und es war gut möglich, dass sie sich jetzt mit Liang und vermutlich auch mit Oliver zusammen betrank. Und das, wenn morgen Rollenspiel auf dem Plan stand... das versprach dann lustig zu werden mit einem verkaterten Spielleiter und seiner durchgeknallten Schwester, die letztes Mal alles im Chaos hatte versinken lassen.
Wie viel hast du intus?, schrieb sie als Antwort zurück und nur eine halbe Minute später las sie: Nicht viel.
Was auch immer das bei Verena bedeuten mochte. Jedenfalls war sie nicht blau genug um zu vergessen, was sie ursprünglich hatte wissen wollen. Wann kommt du heim?
Die konnte Fragen stellen... Sabine beschloss, dass sie lieber weiterlernte, anstatt sich mit einer betrunkenen Verena auseinanderzusetzen. Aber jetzt war sie sowieso erstmal raus, da konnte sie auch gleich eine Pause machen.
Kaffee wäre eine gute Idee.
Es war eine höchst angenehme Einrichtung, dass die Zentralbibliothek die Lesesääle rund um die Uhr geöffnet hatte. Das bedeutete zwar, dass man nicht in den Freihandbereich kam und sich die Bücher holen musste, bevor da dichtgemacht wurde, aber das hielt keinen davon ab, hier seine Nächte zu verbringen. Die Tische waren jedenfalls gut besetzt, also dafür dass es Samstagnacht war, und einige der anderen schienen ein Nickerchen zu machen. Nicht alle. Andere wirkten in dem gnadenlosen Licht wohl blasser als sie eigentlich waren und die Schatten unter ihren Augen waren bei Tageslicht sicherlich weniger tief, aber wenn man irgendwo das Klischee des gestressten, koffeinabhängigen Studenten fand, dann Samstagnachts um Mitternacht in der Bibliothek.
Trotzdem herrschte keine angespannte Atmosphäre. Immer wieder sah man sich an, tauschte hilflose Blicke und beschloss spontan, dass man auch einfach mal Kaffee trinken konnte und kam dabei mit den anderen ins Gespräch ohne sie jemals vorher gesehen zu haben. Außer vielleicht bei der einen oder anderen Nachtschicht.
Sabine war gerne hier, vor allem zu dieser Uhrzeit, wenn die Welt entweder schlief oder irgendeiner Samstagnachtbeschäftigung nachging. Die Bibliothek wirkte dabei ein wenig wie eine andere Welt, in der die Gesetze da draußen nicht galten.
Der Pausenraum mit den beiden Getränkeautomaten von denen meistens nur einer funktionierte passte auf eine merkwürdige Art und Weise mit ins Bild. Es gab an der Wand zwei furchtbar türkise Sofas auf denen jeweils zwei mehr oder weniger rückenschädigend zusammengerollt lagen und schliefen. Bei näherem Hinsehen bemerkte Sabine, dass einer wach war und grüßend die Hand hob, als er sah, dass sie ihn ansah. Sie erwiderte den Gruß und schaute, welcher Automat heute funktionierte.
„Links“, meinte der andere Student und stand gähnend auf. „Wie spät ist es?“
„Ungefähr Mitternacht.“
„Zeit zum Weitermachen. Viel Erfolg noch.“ Er gähnte nochmal und trollte sich, die Blondine mit der er sich das Sofa geteilt hatte, lächelte im Schlaf selig und machte sich breit. Sie erinnerte Sabine an eine Katze, die sich glücklich in der Sonne rollte.
Auch sie gehörte zu den regelmäßigen Nachtaktiven hier, meistens saß sie vor schweren Gesetzesbüchern, die blonden Haare vollkommen zerzaust weil sie sich andauernd mit den Händen dadurch fuhr.
So fühlte Sabine sich auch oft genug. Bald würde ihr Praktikum im Krankenhaus anfangen und ihr graute es davor. Merkwürdigerweise. Sie verstand nicht einmal, warum.
In ihrer Ausbildung als Krankenschwester hatte sie schon in der Notaufnahme gearbeitet auch wenn man sie da nicht so viel hatte machen lassen. Die Dinge, die jeder hinbekam und für die die die anderen keine Zeit hatten. Oder zwischendurch kleine Kinder hüten, weil die Eltern es nicht in den Griff bekamen wenn Angehörige eingeliefert wurden. Oder sonstwas. Die ganzen kleinen Katastrophen und zwischenmenschlichen Ereignisse, die sie ihren Job so lieben aber auch gleichzeitig so hassen ließen. Was, wenn sie einen Fall bekam, bei dem sie nichts tun konnte? Wenn der Patient nicht kooperierte? Wenn die Angehörigen Stress machten? Wenn die Angehörigen Schuld an den Verletzungen waren? Wenn ein kleines Kind starb?
Das hatte sie zum Glück erst einmal hautnah mitbekommen und das war der Grund gewesen, warum sie mit der Pädiatrie nicht einmal eine Sekunde lang geliebäugelt hatte. Kranke und verletzte Kinder, das war etwas, was ihre nervlichen Grenzen übersteigen würde. Bei weitem.
Sie drehte die heiße Kaffeetasse zwischen ihren Händen und setzte sich auf einen der ganz schicken aber unbequemen Plastikstühle. Auf dem Tisch waren Kaffeekreise zu sehen und einige Krümel. Jemald hatte wohl einen der klebrigen Müsliriegel gegessen, die von einem anderen Automaten zu kriegen waren. Ein Automat, der sehr viel seltener kaputt war. Was daran liegen konnte, dass die meisten eher an Kaffee, Kakao und Tee interessiert waren als an nicht mal mehr pseudogesundem Zeug.
In ihrer Hosentasche vibrierte das Handy nochmal und sie entsperrte es mit einer gewissen Resignation. Verena war hartnäckig. Eingeschlafen?
Nein. Kaffee holen. Ich fahre gegen drei oder so heim. Je nachdem, wie sie durchkam. Gelobt sei das Fahrrad. Einige würden um halb drei hier rauspilgern um den letzten Nachtbus nach Hause zu kriegen. Je nachdem, ob sie umsteigen mussten und wo genau sie hinmussten. Viel länger würde sie aber auch nicht bleiben, sonst würde sie morgen beim Würfeln einfach einschlafen. Was schade wäre, da Jonas am Nachmittag noch angekündigt hatte, dass er zwei Flaschen Met mitbringen würde.
Du doof., schrieb Verena zurück, was Sabine nur noch mit einem Hab dich auch lieb beantwortete. Dann klappte sie ihren mitgebrachten Roman auf, um eine Viertelstunde zu lesen, bevor sie weitermachte.
Challenge: Notaufnahme (für mich)
Fandom: Original: Our Own World
Charaktere: Sabine
Wörter: 919
Teil 1, Teil 1,5, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5, Teil 6
Es war fast Mitternacht, als die SMS kam. Wie lange willst du da noch versauern? Absenderin war merkwürdigerweise Verena, aber Sabine hatte aufgehört, sich über solche Dinge zu wundern. Sie hatte nur eher am Rande mitbekommen, dass Verena am Abend hatte vorbeikommen wollen und es war gut möglich, dass sie sich jetzt mit Liang und vermutlich auch mit Oliver zusammen betrank. Und das, wenn morgen Rollenspiel auf dem Plan stand... das versprach dann lustig zu werden mit einem verkaterten Spielleiter und seiner durchgeknallten Schwester, die letztes Mal alles im Chaos hatte versinken lassen.
Wie viel hast du intus?, schrieb sie als Antwort zurück und nur eine halbe Minute später las sie: Nicht viel.
Was auch immer das bei Verena bedeuten mochte. Jedenfalls war sie nicht blau genug um zu vergessen, was sie ursprünglich hatte wissen wollen. Wann kommt du heim?
Die konnte Fragen stellen... Sabine beschloss, dass sie lieber weiterlernte, anstatt sich mit einer betrunkenen Verena auseinanderzusetzen. Aber jetzt war sie sowieso erstmal raus, da konnte sie auch gleich eine Pause machen.
Kaffee wäre eine gute Idee.
Es war eine höchst angenehme Einrichtung, dass die Zentralbibliothek die Lesesääle rund um die Uhr geöffnet hatte. Das bedeutete zwar, dass man nicht in den Freihandbereich kam und sich die Bücher holen musste, bevor da dichtgemacht wurde, aber das hielt keinen davon ab, hier seine Nächte zu verbringen. Die Tische waren jedenfalls gut besetzt, also dafür dass es Samstagnacht war, und einige der anderen schienen ein Nickerchen zu machen. Nicht alle. Andere wirkten in dem gnadenlosen Licht wohl blasser als sie eigentlich waren und die Schatten unter ihren Augen waren bei Tageslicht sicherlich weniger tief, aber wenn man irgendwo das Klischee des gestressten, koffeinabhängigen Studenten fand, dann Samstagnachts um Mitternacht in der Bibliothek.
Trotzdem herrschte keine angespannte Atmosphäre. Immer wieder sah man sich an, tauschte hilflose Blicke und beschloss spontan, dass man auch einfach mal Kaffee trinken konnte und kam dabei mit den anderen ins Gespräch ohne sie jemals vorher gesehen zu haben. Außer vielleicht bei der einen oder anderen Nachtschicht.
Sabine war gerne hier, vor allem zu dieser Uhrzeit, wenn die Welt entweder schlief oder irgendeiner Samstagnachtbeschäftigung nachging. Die Bibliothek wirkte dabei ein wenig wie eine andere Welt, in der die Gesetze da draußen nicht galten.
Der Pausenraum mit den beiden Getränkeautomaten von denen meistens nur einer funktionierte passte auf eine merkwürdige Art und Weise mit ins Bild. Es gab an der Wand zwei furchtbar türkise Sofas auf denen jeweils zwei mehr oder weniger rückenschädigend zusammengerollt lagen und schliefen. Bei näherem Hinsehen bemerkte Sabine, dass einer wach war und grüßend die Hand hob, als er sah, dass sie ihn ansah. Sie erwiderte den Gruß und schaute, welcher Automat heute funktionierte.
„Links“, meinte der andere Student und stand gähnend auf. „Wie spät ist es?“
„Ungefähr Mitternacht.“
„Zeit zum Weitermachen. Viel Erfolg noch.“ Er gähnte nochmal und trollte sich, die Blondine mit der er sich das Sofa geteilt hatte, lächelte im Schlaf selig und machte sich breit. Sie erinnerte Sabine an eine Katze, die sich glücklich in der Sonne rollte.
Auch sie gehörte zu den regelmäßigen Nachtaktiven hier, meistens saß sie vor schweren Gesetzesbüchern, die blonden Haare vollkommen zerzaust weil sie sich andauernd mit den Händen dadurch fuhr.
So fühlte Sabine sich auch oft genug. Bald würde ihr Praktikum im Krankenhaus anfangen und ihr graute es davor. Merkwürdigerweise. Sie verstand nicht einmal, warum.
In ihrer Ausbildung als Krankenschwester hatte sie schon in der Notaufnahme gearbeitet auch wenn man sie da nicht so viel hatte machen lassen. Die Dinge, die jeder hinbekam und für die die die anderen keine Zeit hatten. Oder zwischendurch kleine Kinder hüten, weil die Eltern es nicht in den Griff bekamen wenn Angehörige eingeliefert wurden. Oder sonstwas. Die ganzen kleinen Katastrophen und zwischenmenschlichen Ereignisse, die sie ihren Job so lieben aber auch gleichzeitig so hassen ließen. Was, wenn sie einen Fall bekam, bei dem sie nichts tun konnte? Wenn der Patient nicht kooperierte? Wenn die Angehörigen Stress machten? Wenn die Angehörigen Schuld an den Verletzungen waren? Wenn ein kleines Kind starb?
Das hatte sie zum Glück erst einmal hautnah mitbekommen und das war der Grund gewesen, warum sie mit der Pädiatrie nicht einmal eine Sekunde lang geliebäugelt hatte. Kranke und verletzte Kinder, das war etwas, was ihre nervlichen Grenzen übersteigen würde. Bei weitem.
Sie drehte die heiße Kaffeetasse zwischen ihren Händen und setzte sich auf einen der ganz schicken aber unbequemen Plastikstühle. Auf dem Tisch waren Kaffeekreise zu sehen und einige Krümel. Jemald hatte wohl einen der klebrigen Müsliriegel gegessen, die von einem anderen Automaten zu kriegen waren. Ein Automat, der sehr viel seltener kaputt war. Was daran liegen konnte, dass die meisten eher an Kaffee, Kakao und Tee interessiert waren als an nicht mal mehr pseudogesundem Zeug.
In ihrer Hosentasche vibrierte das Handy nochmal und sie entsperrte es mit einer gewissen Resignation. Verena war hartnäckig. Eingeschlafen?
Nein. Kaffee holen. Ich fahre gegen drei oder so heim. Je nachdem, wie sie durchkam. Gelobt sei das Fahrrad. Einige würden um halb drei hier rauspilgern um den letzten Nachtbus nach Hause zu kriegen. Je nachdem, ob sie umsteigen mussten und wo genau sie hinmussten. Viel länger würde sie aber auch nicht bleiben, sonst würde sie morgen beim Würfeln einfach einschlafen. Was schade wäre, da Jonas am Nachmittag noch angekündigt hatte, dass er zwei Flaschen Met mitbringen würde.
Du doof., schrieb Verena zurück, was Sabine nur noch mit einem Hab dich auch lieb beantwortete. Dann klappte sie ihren mitgebrachten Roman auf, um eine Viertelstunde zu lesen, bevor sie weitermachte.