[identity profile] http://users.livejournal.com/leni_/ posting in [community profile] 120_minuten
Team: Sirius
Challenge: Cocktail - Rusty Nail (fürs Team)
Fandom: Original (Uhrwerkträume)
Charaktere: Luidan, Ennart
Anmerkung: Direkte Fortsetzung hiervon.
Wörter: 700

Es war Luidan nicht bewusst, dass in seinem Kopf ein Bild von Herrn Ennart existiert hatte, bis zu dem Augenblick, als er ihn leibhaftig zu Gesicht bekommt. Da merkt er plötzlich, dass der in seiner Vorstellung sehr viel größer gewesen war, älter auch – der Mann dem er jetzt, hier, zusieht, wie er sich mit dem Polizeibeamten am Empfangschalter herum schlägt, weil der wohl nicht in der Lage ist ihm seine Zigaretten zurück zu geben, ist ja nur wenig älter als Luidan selbst.
In dessen Vorstellung hatte der auch keine, jedenfalls keine so offensichtlich gebrochene Nase gehabt. Einzig die Farbe seines Haars stimmt in etwa mit Luidans Erwartungen überein.
„Sie können meine Zigaretten haben – wenn Sie wollen“, bietet Luidan vorsichtig an.
Herr Ennart dreht sich zu ihm um, mustert ihn, als habe er ihn jetzt gerade erst bemerkt.
„Wer sind Sie?“, fragt er, bringt den Polizeibeamten damit dazu ihn unter empörtem Husten darauf hinzuweisen, wen er da vor sich hat. Aber Herr Ennart bleibt sehr unbeeindruckt von dieser Information, hebt nur eine Augenbraue. Nur ihm habe er zu verdanken, dass er so ohne weiteres wieder auf freiem Fuß sei, ergänzt der Polizeibeamte in seinem Rücken.
„Achso“, stellt Herr Ennart ohne jede Dankbarkeit fest. Und er habe schon geglaubt, sie seien von selbst darauf gekommen, dass sie keinerlei Grund oder Recht hätten ihn festzuhalten. Er blättert durch sein eben wiedererhaltenes Notizbuch, verstaut es dann alles – Notizbuch, Brieftasche, das leere Zigarettenetui, Feuerzeug und eine Taschenuhr – in den Taschen seiner Jacke. (Schwarz ist die, mit dunkelgrünem Futter und Kragen.)
Bei der Uhr hält ihn der zweite, hochrangige Polizist noch einmal zurück. Ob die denn auch gemeldet wäre, will er wissen. Könnten Blicke töten, müsste er gleich darauf tot umfallen. Können sie aber nicht. Herr Ennart zieht noch einmal seine Brieftasche hervor, sucht die entsprechenden Papiere.
„Kann ich jetzt gehen?“, fragt er dann – keinem der Beamten fällt ein Grund ein aus dem sie ihn weiter hier behalten könnten – und verlässt die Wache sogleich und so schnellen Schrittes, dass Luidan nahezu rennen muss um ihn wieder einzuholen.
„Falls Sie irgend eine Gegenleistung erwarten muss ich Sie enttäuschen“, kriegt er gesagt, kaum dass ihm das gelungen ist. Noch einmal holt er seine Zigarettenschachtel hervor, beobachtet wie Ennart erst zögert, dann doch eine der Zigaretten nimmt.
„Darum geht es mir doch gar nicht“, beteuert Luidan. Er ist ein wenig außer Atem, und ganz froh, als er selbst auch zum Rauchen kommt. Das gibt so eine angenehme Ablenkung, ohne die Aufmerksamkeit zu trüben.
„Ich wollte nur...“, in seiner Vorstellung haben sie das Gespräch schon einige Male geführt, unter anderen Bedingungen, an anderen Orten. In seiner Vorstellung war der Dichter ein kommunikatieverer Gesprächspartner, war er selbst weit wortgewandter gewesen.
„Ihr Gedicht hat mir sehr gefallen“, hört er sich jetzt so ganz direkt, ganz unverblümt sagen, möchte am liebsten im Erdboden versinken. Aber Ennart bleibt stehen, sieht Luidan an, in seinen Augen flackert so etwas wie ehrliches Erstaunen auf, für den Bruchteil einer Sekunde nur, aber doch.
„Sehr“, betont Luidan, schneller als er es sich verbieten kann und verflucht seine helle Haut, die jedes erröten viel zu sichtbar macht.
Ennart verzieht den rechten Mundwinkel zu einem Lächeln, eher amüsiert als freundlich.
„Dann danke ich“, sagt er und streckt Luidan seine Hand entgegen. Selbst durch den Stoff der Handschuhe sind seine Finger noch kalt. Und dann verabschiedet er sich, ganz bestimmt aber dabei so freundlich, dass Luidan sich nicht dazu bringen kann ihm weiter hinterher zu rennen.
Statt dessen sieht er ihm nach. Im Nacken quellen die Haare unter seinem Hut hervor, schimmern rötlich im Sonnenlicht. Wie ein rostiger Nagel, denkt Luidan. Wie ein rostiger Nagel.
Sein Blick wandert unwillkürlich zu seiner Hand zurück, sucht nach dem Kratzer, der dort sein muss, aus dem schon jetzt eine dünne, blaue Linie entspringt um sich ihren Weg den Arm hinauf und von dort weiter zu suchen.

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