[identity profile] http://users.livejournal.com/leni_/ posting in [community profile] 120_minuten
Team: Sirius
Challenge: Handlungszwang
Fandom: Original ([livejournal.com profile] keksdiebin und [livejournal.com profile] leni_)
Wörter: 800
Anmerkung: 1 2 3 4




Drei ganze Wochen wüteten die Aufstände durch die Straßen der Hauptstadt, bluteten in das ganze Königreich. Man glaubte die Thronerbin tot, und jeder Fürst bezeugte nun seinen Anspruch auf die alleinige Herrschaft.

Von dem Fenster ihres höchsten Turms aus glaubte Malve selbst hier, fern von allen, auf ihrer Burg Schattenfels, den Kampfeslärm noch hören zu können.

„Es wird nicht lange dauern, bis einer der Fürsten auf die Idee kommt sich hier einzunisten“, sagte Willamar am ersten Tag der vierten Woche. Doch Malve wollte ihre geliebte Burg, ihr Zuhause, nicht aufgeben.

„Was immer Eure Hoheit für richtig hält“, antwortet ihr der Ritter und unternahm keinen zweiten Versuch sie zu einer Flucht zu bewegen. Auch als Ingen auf sie einzureden begann sehr viel hartnäckiger (auch sehr viel respektloser) als der Ritter Willamar auf sie einredete, war Malve nicht bereit ihren Entschluss zu ändern, ihre Heimat aufzugeben. Wieso sollte einer der Aufständischen sich für dieses alte, abgelegene Gemäuer interessieren? Und selbst wenn, sie müssten erst die See und dann die Schutzwälle ihrer Mutter überwinden.

Bald waren die Rauchschwaden am Horizont keine Einbildung mehr, und schließlich, an einem grauen Morgen, wurde Malve vom Läuten der Glocken geweckt. Als sie hinaus aufs Meer sah erkannte sie die Segel von Schiffen, noch weit entfernt, aber stetig näher kommend.

„Aber wo sollen wir hin?“, war der einzige Einwand der ihr bliebt. Wenn man sie fände, sie oder ihre Schwester, die ja von allen für die Prinzessin gehalten wurde, würde man die totgeglaubten kaum länger als nötig unter den Lebenden verweilen lassen.

„Es gibt einen Ort“, sagte Willamar da. Kurz vor dem großen Feuer sei eine Fremde im Palast erschienen, die von einem großen Unglück sprach, einem Übel, das über das ganze Land herein brechen sollte. Nur der das Blut des Königs in sich trägt, hätte die Macht es zu verhindern.

„Doch Euer Vater schlug ihre Worte als Wahnsinn und Aberglauben in den Wind und sie kehrte zurück in ihre Heimat.“

An dieser Stelle hielt er inne, sein Blick wanderte hinaus aus dem Fenster, über das Meer gen Süden.

„Euer Bruder wollte ihr folgen“, sagte er dann.

Vom Burgfried her begannen die Glocken erneut zu läuten, hektisch Alarm zu schlagen.

„Aber das Feuer kam ihm zuvor“, beendete Malve selbst den Satz.

Sie konnte nicht weiter fragen, denn in diesem Moment rief Ingen, die sich aus dem Fenster gelehnt und die nahenden Schiffe beoabchtet hatte.

„Sie kommen!“

Und Malve musste einsehen, dass alle Schutzwälle, die ihre Mutter für sie errichtet hatte, nicht von einem einzigen Ritter gehalten werden könnten. Binnen Sekunden war die Burg erstürmt, Willamar hatte bereits sein Schwert gezückt, sich schützend vor die Mädchen gestellt, als Ingen sich an etwas erinnerte.

Mit all ihrer Kraft warf sie sich gegen das steinerne Abbild einer Meerjungfrau das aus einem Winkel des Saals mit goldenen Augen auf den Thron blickte. Die Statue gab nach und einen schmalen Treppengang frei. Vor Jahren hatten die Mädchen diesen Geheimgang beim Spielen entdeckt, aber damals so gruselig gefunden, dass sie nach seiner Entdeckung nie wieder auch nur ein Wort über ihn verloren hatten.

Jetzt sprang erst die eine dann die andere, schließlich der Ritter Willamar ihnen hinterher, hinunter. Klamm-kalte Kellertreppen führten sie tiefer und tiefer in die Burg, als irgendwer in hundert Jahren gekommen war. Das Licht, das durch schmale Öffnungen im Mauerwerk fiel war schummrig und grün, die Stufen unter ihren Füßen so glitschig, dass sie nur langsam voran konnten.

Das knirschen der Steine, als sich der Eingang hinter ihnen wieder verschloss, hallte wie das Knurren eines gefährlichen Tiers.

Endlich kamen sie wieder ins Freie, oder wenigstens in eine Raum der breit genug war, dass sie zu dritt nebeneinander stehen konnten. Auf einem steinernen Steg waren sie gelandet, in einer Höhle, deren Öffnung hinaus aufs Meer blickte.

„Hier werden sie uns nicht finden“, entschied Malve, die ihre Insel immer noch nicht aufgeben wollte. Doch Ingen nahm sie beiseite. Selbst wenn, was hätten sie denn davon? Sie könnten nicht zurück in die Burg, und wovon sollten sie denn hier unten Leben.

„Und wie kommen wir von hier weg?“, erwiderte Malve trotzig, trat vor lauter trotz einen losen Stein ins Wasser.

Ein metallenes Scheppern ging durch die Höhle.

Erschrocken sahen die Mädchen erst sich, dann den Ritter Willamar an, und dann ins Wasser hinab.

Dort schwamm, fest mit einer Kette am Steg befestigt, ein Ding. Es gab kein richtiges Wort für das, was es war, außer: Sehr Groß. Ein Walfisch aus Metall? Aber, als sie genauer hinsahen entdeckten sie große Fenster, dort wo der Fisch seine Augen gehabt hätte, und als sie ganz genau hinsahen entdeckten sie etwas, das mit ein wenig Fantasie, fast aussah wie eine Falltür.

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