[identity profile] lumcheng.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Titel: Der Tag, an dem die Jungfrau vom Himmel fiel
Team: Nutellasalat
Challenge: Tabelle: Cocktails / Hurricane | fürs Team
Fandom: Witcher 2: Assassins of Kings
Charas: Iorweth, Saskia
Rating: PG
Note: Meine Version wie Iorweth seine Saskia kennen gelernt hat XD
Wordcount: 777~

~*~*~

Die Kreatur war ganz nahe. Er konnte ihren Schrei und das Flügelschlagen hoch über den Baumwipfeln hören.
Iorweth rannte schneller, sprang über niedrige Büsche, umgestürzte Bäume, abgeknickte Äste. Das vertrocknete Laub des Waldbodens raschelte unter seinen flinken Füßen. Er zwängte sich zwischen ein paar Ranken hindurch, ignorierte die Kratzwunden, die die Dornen ihm zufügten, kümmerte sich nicht darum, wie sich die spitzen Biester in den weichen Stoff seiner Rüstung gruben und Löcher hinterließen, wenn er an seiner Kleidung zerrte.
Alles, was im Moment zählte, war der Drache über ihm.
Vor einer Stunde hatten seine Späher ihn entdeckt.
Hatte das Wesen anfangs lediglich das Gebiet der Scoia'tael überflogen und war in den Schluchten nahe des Pontars verschwunden, so war es vor wenigen Minuten wieder aufgetaucht. Allerdings stimmte etwas nicht.
Der Drache, so schien es dem Elfen, war verletzt.
Er flog ungewöhnlich tief, schlug viel öfter mit den Flügeln, als es üblich war und er brüllte, ohne dabei Feuer zu speien. Iorweth lebte lange genug, um viel über Drachen zu wissen. Allein die Tatsache, dass es sich hierbei tatsächlich um einen Drachen und nicht um einen Gabelschwanz oder Draconiden handelte, war erstaunlich. Dieses Exemplar war riesig und ließ sich zudem nicht in die sechs bekannten Kategorien einordnen. Einem weißen Drachen käme diese Kreatur am nähesten, auch wenn sie mehr grau-braun war. In jedem Fall musste es sich um eine Mutation handeln.
Der Elf rannte schneller, hielt dabei seinen Bogen fest mit der rechten Hand umklammert und wich geschickt den Ästen aus, die ihm ins Gesicht peitschen wollten.
Der Drache verlor stetig an Höhe. Bald würde er zwangsläufig landen müssen. Das Brüllen wurde lauter, fuhr einem durch Mark und Bein. Iorweth fühlte, wie ihm ein angenehmer Schauer über den Rücken lief, fühlte das angespannte Kribbeln in seinem ganzen Körper. Ein Drache - aus nächster Nähe! Selbst für ihn, für jemanden, der schon Jahrhunderte auf Erden wandelte, gab es in gewissen Dingen noch so etwas wie das Erste Mal. Unter keinen Umständen würde er sich das hier entgehen lassen!
Unweit vor ihm brach etwas Riesiges und Schweres durch das Geäst. Zweige knackten, dicke Äste wurden einfach durchgebrochen und der Boden im gesamten Umkreis bebte von der unglaublichen Erschütterung als der Drache auf die Erde krachte.
Iorweth blieb stehen und lauschte atemlos. Das Herz schlug ihm bis zum Hals, die Lungen brannten, seine Mundhöhle war ausgetrocknet.
Nachdem der Lärm verebbt war, brach eine gespenstische Stille über den Wald herein. Die Vögel zwitscherten nicht mehr, da war kein Geraschel in den Blättern der Bäume und selbst den kleinen Zufluss zum Pontar konnte er nicht mehr Plätschern hören.
Ein paar Augenblicke wartete er noch, dann pirschte er sich leise vorwärts, kroch durch das Dickicht, schob vorsichtig Blätter und Schlingpflanzen beiseite.
Und dann sah er ihn dort liegen.
Inmitten von umgeknickten Bäumen und allgemeinem Chaos.
Wie ein großer, atmender Fels lag der Drache auf seiner eigens geschaffenen Waldlichtung und dem Scoia'tael wurde erstmalig etwas anders zumute.
Dennoch gab er sich einen Ruck und trat langsam aus dem Unterholz hervor.
Der Drache bemerkte ihn sofort und begann zu Brüllen, doch viel schwächer als zuvor in der Luft und obschon er mit den Flügeln schlug, blieb er liegen und versuchte lediglich ihm Angst zu machen.
Doch Iorweth hatte keine Angst. Er sah dem Geschöpf in die Augen und legte vorsichtig seinen Bogen ab, kam daraufhin noch näher.
"Neén abb", sagte er leise in der alten Sprache. "Ess cáelm."
Der Drache schnaubte und drehte den erhobenen Kopf zur Seite.
Nun konnte der Elf sehen, dass ein silbernes Schwert im Rachen des Wesens steckte. Es hatte also augenscheinlich einen Kampf gegeben.
Er schluckte. Sollte er es rausziehen?
"Cáelm", wiederholte er und kam schließlich so nahe, dass er den Kopf des Drachen berühren konnte. Langsam, ohne Hektik streckte er die rechte Hand aus und reckte sich nach dem Griff des Silberschwertes. Der Knauf bestand aus einem Wolfskopf. Somit konnte es sich nur um ein Hexerschwert handeln. War es etwa möglich, dass...?
Der Drache senkte den Kopf etwas und schien dem Elfen zu vertrauen.
Kurz entschlossen packte Iorweth das Schwert und zog es mit einem Ruck heraus.
Eine Sekunde später war der riesige Drache verschwunden und vor ihm fiel eine blonde Frau in silberner Rüstung schwer verletzt auf den Waldboden. Kein Licht, kein Knall, keine langsame Verwandlung - es geschah schnell und unerwartet.
Vor Überraschung ließ er die Klinge fallen und riss die Augen auf.
Er fiel auf die Knie und drehte sie vorsichtig auf den Rücken, blickte in ihre strahlenden, ungebrochenen Augen.
"Wie ist dein Name?"
"Sae... Saesenthessis", hustete sie.
Iorweth ließ sich zurücksinken.

Nie würde er den Tag vergessen, an dem Saskia wie ein Hurrikane über ihn hereingebrochen kam.

tbc~

Danke für's Lesen ^^
Lummy~

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