Fandom: Original
Charaktere: Jesse, Wade
Wörter: ~900
Challenge: Situative Tropes: Zusammen eingesperrt (auf engstem Raum) [für mich]
Teil 1, Teil 2.
Das kühle Metall des Waschbeckens bohrte sich in seine Handflächen, als er sich darauf abstützte, und das sterile Licht der Flugzeugtoilette ließ ihn weiß und ausgezerrt aussehen, wie seinen eigenen Geist.
Vier Stunden bis nach Kopenhagen, hatte Wade gesagt. Und von dort aus mit dem Schiff nach Oslo.
Neunundsechzig Stunden ohne Schlaf. Neunzig, wenn sie ankamen. Sein Herz trommelte gegen seine Rippen wie ein herunter zählender Countdown und der Boden schwankte unter seinen Füßen. Er versuchte sich daran zu erinnern, ob in Kopenhagen schon mal ein Haftbefehl gegen ihn ausgestellt worden war, aber seine Gedanken entglitten ihm wie Sand, der zwischen seinen Fingern zerrann.
„Business oder Militär? Ich habe beides im Angebot.“
Jesse beugte sich nach vorne und klatschte sich eine Hand voll Wasser ins Gesicht. Es war lauwarm und durchtränkte den Kragen seines T-Shirts, aber es bewirkte nicht, dass er sich wacher fühlte. „Business.“
Eine Uniform war so konform wie eine andere, egal ob es ein Anzug war oder Tarnkleidung. So oder so neigten Leute dazu einen nicht wiederzuerkennen, wenn man sie trug. Aber er war als Army Ranger in Marokko gewesen und es war immer ein Fehler auf der Flucht die gleiche Tarnung zu wählen.
Wade lachte. Es war ein tiefer, sachter Laut, der durch den winzigen Raum und durch Jesses Knochen vibrierte wie ein Bass. „Es wäre leichter, dich als Geschäftsmann durchgehen zu lassen, wenn du nicht aussehen würdest wie zwölf.“
„Es wäre leichter, dich als Geschäftsmann durchgehen zu lassen, wenn du nicht so kriminell aussehen würdest“, gab Jesse zurück. Ein schwerfälliges Rucken ging durch den Rumpf das Flugzeug und sekundenlang schloss er die Augen. Wades Anwesenheit in seinem Rücken fühlte sich an wie ein Anker.
„T-Shirt“, befahl Wade.
Jesse biss die Zähne zusammen und warf ihm im Spiegel einen finsteren Blick zu. „Du musst wirklich nicht dabei sein, wenn ich mich umziehe. Das schaffe ich schon seit dem Kindergarten ganz gut alleine.“
„Meine Anwesenheit dient der Tarnung.“
„Was denn für eine Tarnung?“
„Wenn du stundenlang alleine in der Toilette verschwindest, werden sie irgendwann denken, du bist tot umgefallen und jemand wird die Stewardessen informieren.“ Wade hob anzüglich die Augenbrauen. „Wenn wir zu zweit hier drin verschwinden, wird niemand sich fragen wieso, glaub mir.“
„Das ist das Dämlichste was ich je gehört habe.“
„Hey. Es funktioniert. Hast du mal gesehen wie ich aussehe?“
„Das funktioniert höchstens in James Bond-Filmen und auch da nur in den schlechten.“ Jesse begann sein T-Shirt über den Kopf zu zerren, nur damit Wade sein Gesicht nicht sehen konnte.
Ihm war durchaus bewusst wie Wade aussah.
Er rasierte sich mit schnellen, fahrigen Strichen und spülte mit Wasser und einem Stück Seife Sand und rostbraunen Schmutz aus seinen Haaren. Wade lehnte neben ihm, ruhig und stabil wie eine Wand, während er mit wenigen, geübten Handgriffen das blutbesudelte T-Shirt zerstückelte und in der Toilette hinunter spülte. Jesse sah aus den Augenwinkeln wie es in einem rötlichen Strudel hinunter gesaugt wurde.
Er angelte nach dem weißen Hemd und streifte es über die Schultern.
Es war eine Weile her, dass er sich auf so engem Raum mit Wade William Wellington III befunden hatte. Seine simple physische Präsenz bewirkt, dass der winzige Raum noch kleiner und enger wirkte und sich Jesse noch bleicher und ausgewaschener fühlte als ohnehin schon. Es war erschlagend.
Seine Finger zerrten ungeduldig an den Knöpfen. Die winzigen Löcher flimmerten und verschwammen vor seinen Augen und er blinzelte heftig.
Sekundenlang fühlte er sich unwirklich und dissoziiert von der Wirklichkeit, als stecke er in einer Traumsequenz und sei nichts weiter als seine eigene Astralprojektion.
Vielleicht war er derjenige, der gestorben war in dem Hotel in Marrakesch.
Vielleicht versickerte sein Blut gerade in dem klebrigen Holzboden, während seine Leiche darauf wartete gefunden zu werden, von einem ahnungslosen Zimmermädchen oder dem nächsten Gast.
Er schmeckte Blut und Sand und Hitze und seine Hände vibrierten von dem Schuss den er gerade abgegeben hatte.
Er musste ins Schwanken geraten sein. Plötzlich umfasste eine Hand seine Oberarm und hielt ihn fest. „Hey.“ Wades Stimme war leise und nachdrücklich. „Nicht einschlafen.“
Jesse atmete langsam aus und nickte. „Ich bin wach.“
„Du bist alles andere, aber nicht wach, Herzblatt.“ Behutsamer als Jesse gewohnt war, wurden seine Hände beiseitegeschoben und Wade knöpfte ihm das Hemd zu.
Jesse spürte, wie sich etwas in ihm ausbreitete, zu gleichen Teilen warm und wütend, hilflos und erleichtert.
„Zehn Prozent“, stieß er mit zusammengebissenen Zähnen hervor.
„Was?“
„Ich…“ Jesse fuhr sich mit der Zunge über die Unterlippe und wandte den Kopf ab. „Du bekommst zehn Prozent. Sobald ich die Ware abgeliefert habe.“
Wade ließ die Hände sinken. Sekundenlang war er ganz still, sein Gesicht unlesbar, bevor er einen Mundwinkel zu einem resignierten Lächeln verzog. „Vierzig.“
„Fünfzehn und du besorgst mir eine Waffe.“
„Dreißig und ich besorg dir sogar eine Beretta.“
„Zwanzig.“ Jesse streifte die Anzugjacke über, weich und im exakten Karamelbraunton seiner Augen. Er versuchte nicht darüber nachzudenken, wieso Wade diese Farbe ausgesucht hatte. „Und ich brauche einen neuen Pass.“
„Fünfzwanzig, inklusive Beretta und neuer Pass. Und sicheres Geleit bis an die Haustür.“
Jesse nickte. „Okay.“
„Sogar halb bewusstlos bist du ein harter Verhandlungspartner.“ Wade warf seinem Spiegelbild einen langen Blick zu. „Ich bin beeindruckt. Und ich tu es für Zwanzig“, fügte er hinzu wie einen halb vergessenen Nachgedanken.
Jesse runzelte die Stirn. „So funktioniert das nicht. Du kannst dich nicht selbst wieder runterhandeln.“
„Zwanzig“, wiederholte Wade. „Und dafür erzählst du mir was wirklich passiert ist.“
Jesse wandte den Blick ab und trat an die Tür. Er fühlte sich als ob ihm jemand das Zwerchfell zusammendrückte. „Ich weiß nicht, wovon du redest.“
Charaktere: Jesse, Wade
Wörter: ~900
Challenge: Situative Tropes: Zusammen eingesperrt (auf engstem Raum) [für mich]
Teil 1, Teil 2.
Das kühle Metall des Waschbeckens bohrte sich in seine Handflächen, als er sich darauf abstützte, und das sterile Licht der Flugzeugtoilette ließ ihn weiß und ausgezerrt aussehen, wie seinen eigenen Geist.
Vier Stunden bis nach Kopenhagen, hatte Wade gesagt. Und von dort aus mit dem Schiff nach Oslo.
Neunundsechzig Stunden ohne Schlaf. Neunzig, wenn sie ankamen. Sein Herz trommelte gegen seine Rippen wie ein herunter zählender Countdown und der Boden schwankte unter seinen Füßen. Er versuchte sich daran zu erinnern, ob in Kopenhagen schon mal ein Haftbefehl gegen ihn ausgestellt worden war, aber seine Gedanken entglitten ihm wie Sand, der zwischen seinen Fingern zerrann.
„Business oder Militär? Ich habe beides im Angebot.“
Jesse beugte sich nach vorne und klatschte sich eine Hand voll Wasser ins Gesicht. Es war lauwarm und durchtränkte den Kragen seines T-Shirts, aber es bewirkte nicht, dass er sich wacher fühlte. „Business.“
Eine Uniform war so konform wie eine andere, egal ob es ein Anzug war oder Tarnkleidung. So oder so neigten Leute dazu einen nicht wiederzuerkennen, wenn man sie trug. Aber er war als Army Ranger in Marokko gewesen und es war immer ein Fehler auf der Flucht die gleiche Tarnung zu wählen.
Wade lachte. Es war ein tiefer, sachter Laut, der durch den winzigen Raum und durch Jesses Knochen vibrierte wie ein Bass. „Es wäre leichter, dich als Geschäftsmann durchgehen zu lassen, wenn du nicht aussehen würdest wie zwölf.“
„Es wäre leichter, dich als Geschäftsmann durchgehen zu lassen, wenn du nicht so kriminell aussehen würdest“, gab Jesse zurück. Ein schwerfälliges Rucken ging durch den Rumpf das Flugzeug und sekundenlang schloss er die Augen. Wades Anwesenheit in seinem Rücken fühlte sich an wie ein Anker.
„T-Shirt“, befahl Wade.
Jesse biss die Zähne zusammen und warf ihm im Spiegel einen finsteren Blick zu. „Du musst wirklich nicht dabei sein, wenn ich mich umziehe. Das schaffe ich schon seit dem Kindergarten ganz gut alleine.“
„Meine Anwesenheit dient der Tarnung.“
„Was denn für eine Tarnung?“
„Wenn du stundenlang alleine in der Toilette verschwindest, werden sie irgendwann denken, du bist tot umgefallen und jemand wird die Stewardessen informieren.“ Wade hob anzüglich die Augenbrauen. „Wenn wir zu zweit hier drin verschwinden, wird niemand sich fragen wieso, glaub mir.“
„Das ist das Dämlichste was ich je gehört habe.“
„Hey. Es funktioniert. Hast du mal gesehen wie ich aussehe?“
„Das funktioniert höchstens in James Bond-Filmen und auch da nur in den schlechten.“ Jesse begann sein T-Shirt über den Kopf zu zerren, nur damit Wade sein Gesicht nicht sehen konnte.
Ihm war durchaus bewusst wie Wade aussah.
Er rasierte sich mit schnellen, fahrigen Strichen und spülte mit Wasser und einem Stück Seife Sand und rostbraunen Schmutz aus seinen Haaren. Wade lehnte neben ihm, ruhig und stabil wie eine Wand, während er mit wenigen, geübten Handgriffen das blutbesudelte T-Shirt zerstückelte und in der Toilette hinunter spülte. Jesse sah aus den Augenwinkeln wie es in einem rötlichen Strudel hinunter gesaugt wurde.
Er angelte nach dem weißen Hemd und streifte es über die Schultern.
Es war eine Weile her, dass er sich auf so engem Raum mit Wade William Wellington III befunden hatte. Seine simple physische Präsenz bewirkt, dass der winzige Raum noch kleiner und enger wirkte und sich Jesse noch bleicher und ausgewaschener fühlte als ohnehin schon. Es war erschlagend.
Seine Finger zerrten ungeduldig an den Knöpfen. Die winzigen Löcher flimmerten und verschwammen vor seinen Augen und er blinzelte heftig.
Sekundenlang fühlte er sich unwirklich und dissoziiert von der Wirklichkeit, als stecke er in einer Traumsequenz und sei nichts weiter als seine eigene Astralprojektion.
Vielleicht war er derjenige, der gestorben war in dem Hotel in Marrakesch.
Vielleicht versickerte sein Blut gerade in dem klebrigen Holzboden, während seine Leiche darauf wartete gefunden zu werden, von einem ahnungslosen Zimmermädchen oder dem nächsten Gast.
Er schmeckte Blut und Sand und Hitze und seine Hände vibrierten von dem Schuss den er gerade abgegeben hatte.
Er musste ins Schwanken geraten sein. Plötzlich umfasste eine Hand seine Oberarm und hielt ihn fest. „Hey.“ Wades Stimme war leise und nachdrücklich. „Nicht einschlafen.“
Jesse atmete langsam aus und nickte. „Ich bin wach.“
„Du bist alles andere, aber nicht wach, Herzblatt.“ Behutsamer als Jesse gewohnt war, wurden seine Hände beiseitegeschoben und Wade knöpfte ihm das Hemd zu.
Jesse spürte, wie sich etwas in ihm ausbreitete, zu gleichen Teilen warm und wütend, hilflos und erleichtert.
„Zehn Prozent“, stieß er mit zusammengebissenen Zähnen hervor.
„Was?“
„Ich…“ Jesse fuhr sich mit der Zunge über die Unterlippe und wandte den Kopf ab. „Du bekommst zehn Prozent. Sobald ich die Ware abgeliefert habe.“
Wade ließ die Hände sinken. Sekundenlang war er ganz still, sein Gesicht unlesbar, bevor er einen Mundwinkel zu einem resignierten Lächeln verzog. „Vierzig.“
„Fünfzehn und du besorgst mir eine Waffe.“
„Dreißig und ich besorg dir sogar eine Beretta.“
„Zwanzig.“ Jesse streifte die Anzugjacke über, weich und im exakten Karamelbraunton seiner Augen. Er versuchte nicht darüber nachzudenken, wieso Wade diese Farbe ausgesucht hatte. „Und ich brauche einen neuen Pass.“
„Fünfzwanzig, inklusive Beretta und neuer Pass. Und sicheres Geleit bis an die Haustür.“
Jesse nickte. „Okay.“
„Sogar halb bewusstlos bist du ein harter Verhandlungspartner.“ Wade warf seinem Spiegelbild einen langen Blick zu. „Ich bin beeindruckt. Und ich tu es für Zwanzig“, fügte er hinzu wie einen halb vergessenen Nachgedanken.
Jesse runzelte die Stirn. „So funktioniert das nicht. Du kannst dich nicht selbst wieder runterhandeln.“
„Zwanzig“, wiederholte Wade. „Und dafür erzählst du mir was wirklich passiert ist.“
Jesse wandte den Blick ab und trat an die Tür. Er fühlte sich als ob ihm jemand das Zwerchfell zusammendrückte. „Ich weiß nicht, wovon du redest.“
no subject
Date: 2013-07-15 06:51 am (UTC)Ich beschmeiss dich mit Herzchen, während ich ganz verzückt bin!
no subject
Date: 2013-07-15 06:55 am (UTC)Herzchen nehm ich immer gerne. *freu*
Hauptsache es klingt, als hätte ich Ahnung was ich hier tue... *hust*
no subject
Date: 2013-07-15 07:05 am (UTC)no subject
Date: 2013-07-15 10:41 am (UTC)no subject
Date: 2013-07-15 09:43 am (UTC)Übrigens fand ich diesen Miniflashback sehr elegant und kein bisschen tacky und finde überhaupt - jetzt noch mehr als vorher - in seinem derzeitigen Zustand hat Jesse jede Rechtfertigung für Flashbacks oder sonstige Moment-Verwechslungen.
Oh, und ich hatte ja damit gerechnet dass er von Wade rasiert werden würde -- dann hätte ich bestimmt beim Lesen einen Herzinfarkt bekommen.
no subject
Date: 2013-07-15 10:41 am (UTC)Es war so intim, es war geradezu pornographisch bei den beiden - und das hätte dann nicht mehr zu dem Ende gepasst wo Jesse sich ja wörtlich und metaphorisch abwendet und wieder verschließt wie eine Auster.
Schön, dass du den Mini-Flashback nicht tacky fandest. Der hat sich tatsächlich irgendwie von selbst eingeschlichen und ich fand dann auch, dass er gut passte.
no subject
Date: 2013-07-16 06:51 pm (UTC)Ich kann schauen wie sich das umsetzen lässt? XD
I LOVE YOU BABY!! *knuddel*