[identity profile] http://users.livejournal.com/leni_/ posting in [community profile] 120_minuten
Team: Sirius
Challenge: Orte - Einbahnstraße (für mich)
Fandom: Original
Anmerkung: Steht in losem Zusammenhang mit diesem Text
Wörter: 400

Die Augen seines Vaters hatten immer so etwas fernwarmes. Wie ein Wohnzimmer, das zu den Winterfesttagen geschmückt hinter doppelten Fenstergläsern mit Plätzchen, warmen Getränken und einem leise knisternden Kaminfeuer lockt. Es ist alles da, alles was man bräuchte um sich in so einer Dezembernacht sicher und geborgen zu fühlen. Nur man selbst steht draußen im Schnee.
„Du bleibst bei deiner Entscheidung?“, fragt er. Vielleicht ranken leise, feine Eisblumen über die Fensterscheiben, vielleicht bildet er sich das auch nur ein. Die Stimme seines Vaters bleibt ganz neutral, ja fast verständnisvoll.
Er nickt, geht alle Gründe durch, die er vorbringen könnte, um seinen Entschluss zu rechtfertigen, sollte sein Vater ihn dazu auffordern. In Gedanken haben sie schon hundert Streitgespräche mit einander geführt, sich angeschrien wie sie es nie zuvor getan haben, einmal wurden sie in seiner Vorstellung sogar handgreiflich, als sein Vater versuchte ihn zur Vernunft zu bringen.
Aber sein Vater bleibt ganz ruhig hinter seinem Schreibtisch sitzen.
„Du weißt, dass du nicht zurück kannst, wenn ich dich erst abgemeldet habe“, stellt er nur fest
„Ich weiß.“
Mit der Spitze seines Schuhs stößt er eine Schraube an, die sich irgendwie in das Büro und dort auf den Fußboden verirrt hat, sieht ihr zu, wie sie einen halben Kreis zeichnet. Der Schnee saugt sich in seine Socken und die Hosenbeine hinauf.
„Gut.“
Sein Vater öffnet eine Schublade, holt einen Briefbogen hervor, legt ihn quer vor sich hin und beginnt zu schreiben.
„Ich nehme nicht an, du hast vor hier zu bleiben?“, fragt er, die Feder am Rand des Tintenglas' abstreichend.
Willst du, dass ich bleibe? Es wäre so leicht, die Frage zu stellen, einen Stein aufzuheben und gegen die Fensterscheiben zu werfen. Aber welchen Nutzen hätte das? Es würde doch nur der Kälte hier draußen erlauben, sich weiter auszubreiten.
„Nein“, sagt er darum. Er habe seine Sachen schon gepackt. Hat er tatsächlich.
„Und was hast du dann vor?“
Für den Bruchteil einer Sekunde weht ein Hauch Kaminwärme und Plätzchenduft zu ihm hinaus, aber er wird gleich wieder von Schnee und Eis vertrieben.
„Ich finde schon was“, behauptet er, lächelt sogar dabei.
„Kann ich jetzt gehen?“
Nicken.
Er ist bereits an der Tür, als sein Vater ihn noch einmal zurück ruft.
„Wenn du jetzt gehst, gibst du ihnen allen Recht“, sagt er.
„Ich weiß“, antwortet er.
Aber das tust du ja auch, wenn du mich einfach gehen lässt.

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