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Challange:Jüngling/Jungfau in Nöten
Fandom: Original (Daniel, seine Schwester Katharina, ihr Mitbewohner Philip)
Team: Keins, weil ich eigentlich gar keine Zeit für die Sommerchallange habe und gar nicht mitmachen wollte...aber das hat mich jetzt nicht losgelassen.
Anmerkungen: Nachdem mein eigener Mitwohner mich vorgestern Nacht geweckt hat, weil er den Schlüssel durch Alkoholeinfluss nicht mehr ins Schlüsselloch bekommen hat, war das irgendwie eine nette Ausgangssituation. Der Rest hat allerdings dann nichts mehr mit meinem Leben zu tun.


„Hey Denis… ähm…Denny?“ Ein leichtes Rütteln an seiner Schulter. Daniel öffnet langsam die Augen. Er ist für einen kurzen Moment orientierungslos. Sein Nacken knackt unangenehm als er den Kopf bewegt. Ein langgezogenes Stöhnen ist sein erster Beitrag zur Konversation.
„Alles okay? Schläfst Du immer vor der Haustür?“ redet sein Gegenüber weiter.
„Schlüsselloch.“ Daniels Stimme ist kratzig, noch nicht wieder ganz unter seiner Kontrolle. Aber die Übelkeit hat abgenommen.
„Ach so.“ Philip klingt verständnisvoll und vielleicht ein wenig zu amüsiert. „Hast Du den Schlüssel noch?“
Daniel überlegt. Der Schlüssel passte nicht und dann… „Weggeworfen.“ Er zeigt auf die Wiese.

Philip sieht vor seinem inneren Auge bereits, wie ihnen gekündigt wird. Unverantwortlicher Umgang mit einem Schlüssel, der Zugang zum kompletten Mietshaus bietet. Ein kurzer Blick auf die Uhr verrät ihm, dass es noch fast zwei Stunden bis zum Sonnenaufgang sind oder viel eher bis Frau Biermann ihren Kontrollplatz am Fenster im ersten Stock einnimmt. Er schließt seufzend die Tür auf. „Okay, den können wir nachher suchen. Erst Mal versorgen wir dich ein bißchen?!“ Erst jetzt schaut auch Daniel auf seinen zerrissenen Ärmel. Das Blut ist größtenteils bereits wieder getrocknet. „Keine Sorge“ fügt Philip hinzu. „Ich bin auch schon Mal hacke in diesen verdammten Rosensträuchern gelandet…“

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Sie sitzen gemeinsam auf der fleckigen, abgenutzten Couch, die noch die Vormieterin am Sperrmülltag gerettet und in die Wohnung geschleppt hat. Philip hat eine kleine blaue Kiste aus dem Badezimmer geholt, randvoll mit Pflastern in allen möglichen Formen und Farben.

„Ist nicht so schlimm“ sagt Daniel, aber Philip sieht ihn nur wartend an. „Das blutet noch nicht mal mehr.“ fügt er hinzu. Philip ist meisterhaft darin nichts zu sagen. Er schaut nur. Er lächelt aufmunternd. Er wartet. Daniel fragt sich, ob Philip irgendwann seinen Ärmel hochkrempeln würde, wenn er sich selber nicht bewegt. Wie eine Mutter. Oder eine sexy Krankenschwester. Obwohl die sich nicht so sehr mit Ärmeln aufhalten würde. Und was ist eigentlich falsch mit seinem Kopf, dass er von seiner Mutter an sexy Krankenschwestern denkt und es schön fände, wenn Philip für ihn seinen Ärmel hochkrempelt. Das wird sicherlich in keinem Land der Welt als besonders intim und erotisch empfunden und Philip ist auch gar nicht sein Typ.

„Da scheint es wieder zu bluten.“ widerspricht Philip. „Lass es mich nur Mal ansehen.“ Jetzt benutzt Philip seine Kindergärtnerstimme und die ist zum Glück absolut unerotisch und Nerv tötend. Daniel schiebt seinen Ärmel hoch und betrachtet den Schaden. Sehr viele kleine Schnittwunden und drei - vier größere. „Oh, das ist Glas.“ Philips Stimme schwankt von Kindergarten zu panisch zurück zu Kindergarten „Ein Paar Pflaster und schon ist alles wieder gut.“ Die Kindergartenstimme nervt immer noch, aber die Vorstellung zusammen Kinder zu haben ist nett. Wahrscheinlich wegen des Restalkohols.

Philip angelt eine Pinzette aus der kleinen blauen Kiste und beginnt vorsichtig kleine Glassplitter aus den Wunden zu pullen. Daniel merkt wie ihm die Tränen in die Augen steigen. Aber weil er ein Mann ist, weint er nicht. Nicht wegen so ein Paar Splitter und nicht weil das weh tut und nicht weil sich endlich jemand kümmert. Nur sein Körper scheint das noch nicht verstanden zu haben. Das ärgert ihn.

Daniel lässt seinen Kopf auf die Sofalehne fallen, ohne den Arm zu bewegen. „Hast du keine Angst vor Aids?“ fragt er ziemlich abrupt, herausfordernd.

Aber Philip entfernt nur weiter Glassplitter für Glassplitter. „Nein.“ sagt er nach einiger Zeit. „Eher unwahrscheinlich, sich so anzustecken… „

Philip ist gut darin Pflaster aufzukleben. Daniel schaut ihm dabei zu bis er irgendwann einschläft.

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Am nächsten Morgen wacht Daniel auf der fleckigen Couch auf. Ein Kissen unter seinem Kopf, das vorher noch nicht da war und ein Glas Wasser mit Aspirin vor ihm. Und seine Schwester.
„Na…“ fängt Katharina an. Daniel kennt diese Stimmlage. Sie ist unsicher, ob sie besorgt oder wütend reagieren soll. Daniel greift nach dem Wasserglas und wartet ab.
„Ich hab mit Philip geredet…“ Daniel denkt angestrengt nach, ob und was er gestern Nacht gesagt hat. Aber er kann sich nicht erinnern.
"Hast Du HIV? Bist Du deswegen von Mama und Papa weg?“   
„Was… Nein… Bist Du bescheuert?“ Mit einer so lauten Reaktion hatte Katharina nicht gerechnet. „Du kannst mit mir reden…“ setzt sie neu an.
„Du kannst aufhören abends diese ganzen Soaps zu sehen. Das tut Dir nicht gut.“

Katharina glaubt ihm kein Wort und redet weiter und weiter. Über Vertrauen. Über seine Probleme mit Papa, mit der Schule, mit seiner Freundin. Darüber, was sie alles verstehen kann. Darüber dass er bei ihr wohnen bleiben kann. „Du kannst mit mir sprechen“ wiederholt sie nun zum 14ten Mal.
„Dafür müsstest du mal still sein“ fährt Daniel sie an. „Ich erfülle wirklich keinerlei Vorrausetzung für eine HIV-Infektion. Ich war in meinem ganzen Leben in keiner Situation, in der ich mich hätte anstecken können. Nichts. Keine Infusion, kein Austausch von Körperflüssigkeiten…nichts, wie gar nichts.“ Das sollte nicht so unangenehm sein, aber das ist. Aus den Augenwickeln kann er Philip sehen, der versucht möglichst unauffällig die Strecke "Küche - Badezimmer" zurückzulegen.

„Oh“ macht Katharina. „Bleibst du trotzdem?“

Daniel nickt.

Date: 2013-07-13 09:05 pm (UTC)
der_jemand: (lorelai <3)
From: [personal profile] der_jemand
Eep! Schreibst du mehr zu den dreien? Was muss ich dir geben, damit du mehr zu den dreien schreibst?
Oh Mann, ich mag sie jetzt schon nach diesem bisschen Text, und oh Himmel, Daniels Gedankenfluss zu Philip (und dessen Kindergärtnerstimme) sind pure Liebe!
Ich hoffe, ich habe dir schon etwa hundertmal gesagt, wie sehr ich deinen Schreibstil liebe, aber ich muss es mal wieder tun. So herrlich leicht, immer mit ein bisschen Humor und... ja. Ich liebe ihn. Und bin inkohärent. ;)

Date: 2013-07-14 09:06 am (UTC)
der_jemand: (allison)
From: [personal profile] der_jemand
Erpressung?? Okay, damit komm ich klar. Ich plotte. :)

Date: 2013-07-15 08:01 pm (UTC)
From: [identity profile] rei17.livejournal.com
Die drei sind ja wirklich ganz hinreißend.
Ziemlich neben der Kappe, aber total süß irgendwie. Daniels betrunkene Gedankengänge zu verfolgen war einfach herrlich, genauso wie Philips Kindergartenstimme. *g* Nur was es mit dem HIV auf sich hat, würde ich jetzt gerne auch wissen ... :-/ (Da steckt doch bestimmt eine Geschichte dahinter oder?)

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