Challenge: Orte: Tanzfläche (für mich)
Fandom: Original
Wörter: 700
Es ist eine Qual ihr beim Tanzen zu zu sehen. Wie sie das Gewicht vom einen auf das andere Bein verlagert, die eine Hand fest um die Becksflasche geschlossen, die andere klammert sich an eine Zigarette. Als würde sie, ließe sie nur eines von beidem los, Augenblicklich den Halt verlieren.
„Was zur Hölle machst du da?“, möchte er ihr zu brüllen. Sie ist doch sonst so … so anmutig. Rhythmisch. Zugegeben. Ist sie beides – auch jetzt, wenn sie den Blick nicht vom Fußboden gelöst kriegt, wo sie die Sohlen ihrer zertretenen Chucks hin und her schiebt.
Aber, aber – er fragt sich, ob sie wohl verstört wegrennt, wenn er sie an den Schultern packt und einfach einmal ordentlich durchschüttelt. Womöglich würde sie das. Er will es nicht darauf ankommen lassen. Statt dessen tanzt er sich ein wenig näher an sie heran.
„Geht es dir gut?“, fragt er, und sie hebt den Kopf und klimpert ihn mit maskaraschweren Wimpern an.
Sie bewegt die Lippen, aber elektrische Gitarren übertönen schrill und verzerrt jedes ihrer Worte.
„Was?“, ruft er zurück. Sie gestikuliert. Inzwischen stehen sie beide still. Sie muss auf die Zehenspitzen gehen, um sein Ohr zu erreichen – endlich, heben sich diese Füße mal wieder vom Boden, denkt er.
„Was hast du gefragt?“, fragt sie.
„Ist es dir zu wild?“
Sie zuckt mit den Schultern. Natürlich zuckt sie mit den Schultern, jede andere Reaktion könnte ja eindeutig sein. Bevor sie mehr sagen kann springt jemand, stolpert jemand, Schulter und Ellbogen voran, in die beiden – flucht, stehen könnten sie auch anders wo.
Sie zeigt Richtung Ausgang.
„Das ist also dein Laden?“, fragt sie, während sie sich eine neue Zigarette anzündet.
„Ist es dir zu laut?“, erwidert er. Sie kennen sich ja noch nicht so lange. Natürlich wäre es ein Problem, wenn sie so ein Mädchen sein sollte, mit dem man einfach keinen Spaß haben kann. Wenn es ihr allerdings bloß zu laut, oder zu wild ist, besteht ja noch Hoffnung, könnte er sie vielleicht langsam daran gewöhnen mit ihm zu feiern.
„Es ist nicht wirklich meine Musik“, sagt sie, nach einigem überlegen.
„Hm“, sagt er.
„Was ist denn deine Musik?“
Sie macht eine unbestimmte Handbewegung, kippt den letzten Schluck ihres Biers hinunter und stellt die leere Flasche dicht an der Wand auf den Boden.
„Kommst du mit in meinen Laden?“, fragt sie, und sofort rollen sich seine Fußnägel hoch bei der vorstellung in irgend einer Cocktailbar zu seichter Popmusik aus Strohhalmen zu trinken.
„Okay“, meint er, trotzdem, sie kennen sich ja noch nicht so lange, da muss man einen guten Eindruck machen, und lässt sich von ihr nach draußen führen und durch die Straßen, bis sie endlich an einer alten Fabrikhalle ankommen. Schon draußen hört er die Bässe wummern.
„Mein Laden, meine Einladung?“, meint sie als sie die Kasse ansteuern, aber davon will er nichts wissen. Es ist ein Date und er lädt sie ein, sagt er und sie zuckt nur mit den Schultern.
„Wenn du das unbedingt willst.“
Drinnen ist es neblig und ein wenig feucht. Sie zerrt ihn an die Bar, bestellt zwei Bier, die sie bezahlt ehe er sein Geld wieder aus den engen Hosentaschen gefriemelt bekommen hat. Dann weiter zur Tanzfläche. Nur ein paar Hanseln stehen da. Springen hin und her, und während er noch so guckt, und versucht heraus zu finden auf welchen Beat sie da tanzen, ist sie schon von seiner Seite verschwunden, ist irgendwo zwischen diesen Typen, biegt und dreht sich, springender Weise, ihre Bewegungen sind ein Fluss.
Das kann ja nicht so schwer sein, denkt er. Er ist ein verflucht guter Tänzer, nämlich, da ist er von überzeugt.
Als beginnt er das Gewicht von einem auf den andern Fuß zu verlagern, etwas unbeholfen, ihm fehlt eine klare Melodie, eine Stimme, die Singt, bei der man mitsingen kann um sich damit in Fahrt und in Stimmung zu bringen. Aus diesem wirrwarr aus Trommeln und Bässen kann er nicht einen einzigen Punkt fischen, an dem er sich festhalten könnte. Und immer, wenn er es eben geschafft hat, bricht der Beat plötzlich weg, macht eine hundertachzig Grad Drehung und bringt ihn wieder aus dem Gleichgewicht.
Plötzlich ist ihr Gesicht wieder vor ihm. Sie bewegt ihre Lippen, aber die Musik ist zu laut, dass er ihre Worte verstehen könnte.
„Was?“, ruft er ihr also zu und sie ruft zurück: „Was?“
Und dann stellt sie sich auf die Zehenspitzen um ihm ins Ohr zu brüllen:
„Ist es dir zu wild?“
no subject
Date: 2013-07-13 06:22 pm (UTC)Aber du hast die Atmosphäre so schön beschrieben, man kann die Musik fast hören und ah, herrlich! Es ist eine unendlich herrliche, wunderbare passende Beschreibung von Nicht-Tanzen (und, ja, damit kenn ich mich aus xD)! =D
no subject
Date: 2013-07-15 09:58 am (UTC)