Fandom: Original
Charaktere: Jesse, Wade
Wörter: ~900
Challenge: Situative Tropes: "Am Ende der Kräfte" (für mich)
Direkte Fortsetzung von hier
Jesse saß hinter einer Säule, halb verdeckt von einer hässlichen, grünen Dekopflanze. Es waren dreiundzwanzig Schritte zum Hauptausgang, siebzehn zum Notausgang und elf zur Toilette. Man konnte in den Kabinen die Fenster aushebeln, er hatte es ausprobiert.
Trotzdem fühlte er sich eingekesselt.
Zwischen den Fingern zerdrückte er einen Burger, auf den er nicht den geringsten Appetit hatte. Unter seinen Fingernägeln klebte immer noch Blut.
Der Treffpunkt bei Flughäfen war immer McDonalds.
Das war natürlich irgendwann mal Wades Idee gewesen.
‘Jeder Flughafen auf der ganzen Welt hat irgendwo ein McDonalds. Und wenn einer mickrig genug ist, dass keins da ist, dürfte es nicht allzu schwer sein, dich zu finden.‘
Das mochte theoretisch wahr sein, aber machte praktisch den Geruch nach altem Fett und verschmierten Kinderhänden nicht weniger ansprechend.
Ein kleiner Junge starrte ihn an.
Die Muster auf seinem Pullover verursachten Jesse Kopfschmerzen.
Er wartet seit einer Stunde und neununddreißig Minuten. Und er hörte das Ticken der großen Wanduhr quer durch den ganzen Raum wie ein großes mechanisches Herz. Sein eigenes Herz schlug 178 mal die Minute. Und er spürte jedes einzelne Mal davon.
Wenn die ihn nicht zuerst umbrachten, dachte er beiläufig, dann würde es die Koffeinüberdosis tun.
Wade glitt neben ihn auf die Bank.
Jesse fuhr zusammen und seine rechte Hand zuckte unwillkürlich an die Stelle, wo er normalerweise seine Beretta trug.
„Fuck“, fauchte er atemlos. Sein Herz hämmerte.
Er hatte Wade nicht einmal kommen gehört.
Wade runzelte die Stirn. Sein Blick flog einmal quer durch den Raum, bevor er an Jesse entlang wanderte und alles zu katalogisieren schien. Der zerknitterte olivgrüne T-Shirt, die Armeehose. Die Ringe unter seinen Augen. Das Blut unter seinen Nägeln. „Du bist unbewaffnet.“ Er sagte es in einem Tonfall als meinte er ‚du bist nackt‘.
Genauso fühlte es sich auch an.
„Ich muss nach Oslo“, stieß Jesse hervor und senkte die Stimme.
„Okay.“
„Ich habe zwei von Bertanis Leuten getötet. In Marrakesch.“
Wade nahm es ungerührt zur Kenntnis. „Transportierst du?“
Jesse nickte.
„Für wen?“
Jesse schüttelte den Kopf. „Kann ich dir nicht sagen.“
„Und was?“
„Das kann ich dir auch nicht sagen.“
„Verdienst du wenigstens ordentlich daran?“
Jesse lachte humorlos. „Nicht, wenn ich tot bin.“
Finger schlossen sich um sein Handgelenk und Jesse hielt inne, überrascht und sekundenlang aus dem Konzept gebracht. „Bist du verletzt?“ fragte Wade.
Die Frage erwischte ihn unvorbereitet. Wades Finger lagen auf seinem Puls, sanft und nachdrücklich zu gleich, als ob er nur drauf wartete, ihn bei einer Lüge zu ertappen. Jesse starrte wie hypnotisiert auf seine Hand. Seine Finger zitterten.
„Ich kann nicht schlafen“, sagte er schließlich.
Wade hob die Augenbrauen. „Ein Glas heiße Milch soll da manchmal Wunder wirken, hab ich gehört.“
„Nein.“ Jesse rutschte näher und senkte die Stimme noch weiter. „Ich kann nicht schlafen. Sonst finden sie mich. Deswegen…“ Er brach ab und fuhr sich mit der freien Hand über die Augen. „Du musst mich wach halten. Bis Oslo. Wenn nötig mit Gewalt. Aber lass mich nicht schlafen.“
Wade starrte ihn an. „Wie lange bist du schon wach?“
„Ich weiß nicht.“
„Doch, du weißt es.“
Jesse fuhr sich mit der Zungenspitze über die trocken gewordenen Lippen. „Siebenundsechzig Stunden. Vielleicht ein paar Minuten mehr oder weniger. In Marrakesch… ich bin nur kurz weggenickt.“
„Und dann haben sie dich gefunden.“ Es war eine Feststellung, keine Frage.
Jesse nickte. „Ich bin keine wandelnde Zeitbombe. Es ist noch schlimmer. Ich bin ein wandelndes GPS-Signal.“
„Scheiße“, sagte Wade inbrünstig.
„In Oslo sitzt jemand, der es rausholen kann“, flüsterte Jesse. „Die Daten und hoffentlich den Tracker. Aber ich darf Bertanis Leute nicht zu ihr führen. Ich nehme an… ich… ich weiß es nicht, ich nehme an, dass es durch Theta- und Delta-Wellen aktiviert wird. Ich bin nicht sicher.“
„Wir brauchen mindestens einen Tag bis Oslo.“
„Ich weiß.“
„Du kannst nicht so lange wach bleiben! Schlafentzug ist eine anerkannte Foltermethode!“
„Ich weiß.“
Wades Griff um sein Handgelenk wurde fester.
Jesse sah ihm direkt in die Augen. „Deswegen habe ich dich angerufen.“
Weil du der einzige Mensch bist, dem ich vertrauen würde, mir nicht in den Rücken zu fallen, wenn ich unbewaffnet und am Halluzinieren bin.
Das war nicht das, was er sagte. „Weil ich jemanden brauche, der mich wach hält. Und niemand ist so nervig wie du.“
Sekundenlang sah Wade ihn an. Dann fluchte er leise. „Bleib wo du bist“, befahl er und ließ seine Hand los, bevor er aufstand. „Ich besorge Tickets.“
Jesse fuhr sich mit beiden Händen über das Gesicht. Alles fühlte sich unwirklich und weit weg an.
Er spürte Wades Finger wie einen Phantomabdruck auf seinem Handgelenk. Es war beruhigend und beängstigend zugleich.
„Warte“, sagte er. „Warte. Ich… ich weiß nicht, ob ich meinen Pass noch benutzen kann. Ich bin nicht mehr sicher, unter welchem Namen ich eingecheckt habe im Hotel“, gestand er.
Wade stand neben dem Tisch und sah auf ihn herab. Etwas in seinem Gesicht wurde weich. Oder vielleicht begann Jesse auch nur schon zu halluzinieren.
„Hey, du hast das Bodyguard-Programm initiiert. Das bedeutet, du kannst dich jetzt entspannt zurücklehnen. Ich mach das schon.“
Wade machte eine elegante Bewegung mit der linken Hand, wie ein Zauberer, bevor er einen Kartentrick begann. „Und ich hab es mir anders überlegt. Bleib nicht wo du bist. Aufstehen“, befahl er und griff nach Jesses Arm. „Du kommst mit. Dich kann man unbewaffnet ja nirgendwo alleine lassen.“
„Ich bereue es bereits, dass ich angerufen habe“, sagte Jesse. Etwas Warmes breitete sich in seiner Brust aus. Das musste der beginnende Herzinfarkt sein.
Und hier gehts weiter...
Fortsetzung folgt
Charaktere: Jesse, Wade
Wörter: ~900
Challenge: Situative Tropes: "Am Ende der Kräfte" (für mich)
Direkte Fortsetzung von hier
Jesse saß hinter einer Säule, halb verdeckt von einer hässlichen, grünen Dekopflanze. Es waren dreiundzwanzig Schritte zum Hauptausgang, siebzehn zum Notausgang und elf zur Toilette. Man konnte in den Kabinen die Fenster aushebeln, er hatte es ausprobiert.
Trotzdem fühlte er sich eingekesselt.
Zwischen den Fingern zerdrückte er einen Burger, auf den er nicht den geringsten Appetit hatte. Unter seinen Fingernägeln klebte immer noch Blut.
Der Treffpunkt bei Flughäfen war immer McDonalds.
Das war natürlich irgendwann mal Wades Idee gewesen.
‘Jeder Flughafen auf der ganzen Welt hat irgendwo ein McDonalds. Und wenn einer mickrig genug ist, dass keins da ist, dürfte es nicht allzu schwer sein, dich zu finden.‘
Das mochte theoretisch wahr sein, aber machte praktisch den Geruch nach altem Fett und verschmierten Kinderhänden nicht weniger ansprechend.
Ein kleiner Junge starrte ihn an.
Die Muster auf seinem Pullover verursachten Jesse Kopfschmerzen.
Er wartet seit einer Stunde und neununddreißig Minuten. Und er hörte das Ticken der großen Wanduhr quer durch den ganzen Raum wie ein großes mechanisches Herz. Sein eigenes Herz schlug 178 mal die Minute. Und er spürte jedes einzelne Mal davon.
Wenn die ihn nicht zuerst umbrachten, dachte er beiläufig, dann würde es die Koffeinüberdosis tun.
Wade glitt neben ihn auf die Bank.
Jesse fuhr zusammen und seine rechte Hand zuckte unwillkürlich an die Stelle, wo er normalerweise seine Beretta trug.
„Fuck“, fauchte er atemlos. Sein Herz hämmerte.
Er hatte Wade nicht einmal kommen gehört.
Wade runzelte die Stirn. Sein Blick flog einmal quer durch den Raum, bevor er an Jesse entlang wanderte und alles zu katalogisieren schien. Der zerknitterte olivgrüne T-Shirt, die Armeehose. Die Ringe unter seinen Augen. Das Blut unter seinen Nägeln. „Du bist unbewaffnet.“ Er sagte es in einem Tonfall als meinte er ‚du bist nackt‘.
Genauso fühlte es sich auch an.
„Ich muss nach Oslo“, stieß Jesse hervor und senkte die Stimme.
„Okay.“
„Ich habe zwei von Bertanis Leuten getötet. In Marrakesch.“
Wade nahm es ungerührt zur Kenntnis. „Transportierst du?“
Jesse nickte.
„Für wen?“
Jesse schüttelte den Kopf. „Kann ich dir nicht sagen.“
„Und was?“
„Das kann ich dir auch nicht sagen.“
„Verdienst du wenigstens ordentlich daran?“
Jesse lachte humorlos. „Nicht, wenn ich tot bin.“
Finger schlossen sich um sein Handgelenk und Jesse hielt inne, überrascht und sekundenlang aus dem Konzept gebracht. „Bist du verletzt?“ fragte Wade.
Die Frage erwischte ihn unvorbereitet. Wades Finger lagen auf seinem Puls, sanft und nachdrücklich zu gleich, als ob er nur drauf wartete, ihn bei einer Lüge zu ertappen. Jesse starrte wie hypnotisiert auf seine Hand. Seine Finger zitterten.
„Ich kann nicht schlafen“, sagte er schließlich.
Wade hob die Augenbrauen. „Ein Glas heiße Milch soll da manchmal Wunder wirken, hab ich gehört.“
„Nein.“ Jesse rutschte näher und senkte die Stimme noch weiter. „Ich kann nicht schlafen. Sonst finden sie mich. Deswegen…“ Er brach ab und fuhr sich mit der freien Hand über die Augen. „Du musst mich wach halten. Bis Oslo. Wenn nötig mit Gewalt. Aber lass mich nicht schlafen.“
Wade starrte ihn an. „Wie lange bist du schon wach?“
„Ich weiß nicht.“
„Doch, du weißt es.“
Jesse fuhr sich mit der Zungenspitze über die trocken gewordenen Lippen. „Siebenundsechzig Stunden. Vielleicht ein paar Minuten mehr oder weniger. In Marrakesch… ich bin nur kurz weggenickt.“
„Und dann haben sie dich gefunden.“ Es war eine Feststellung, keine Frage.
Jesse nickte. „Ich bin keine wandelnde Zeitbombe. Es ist noch schlimmer. Ich bin ein wandelndes GPS-Signal.“
„Scheiße“, sagte Wade inbrünstig.
„In Oslo sitzt jemand, der es rausholen kann“, flüsterte Jesse. „Die Daten und hoffentlich den Tracker. Aber ich darf Bertanis Leute nicht zu ihr führen. Ich nehme an… ich… ich weiß es nicht, ich nehme an, dass es durch Theta- und Delta-Wellen aktiviert wird. Ich bin nicht sicher.“
„Wir brauchen mindestens einen Tag bis Oslo.“
„Ich weiß.“
„Du kannst nicht so lange wach bleiben! Schlafentzug ist eine anerkannte Foltermethode!“
„Ich weiß.“
Wades Griff um sein Handgelenk wurde fester.
Jesse sah ihm direkt in die Augen. „Deswegen habe ich dich angerufen.“
Weil du der einzige Mensch bist, dem ich vertrauen würde, mir nicht in den Rücken zu fallen, wenn ich unbewaffnet und am Halluzinieren bin.
Das war nicht das, was er sagte. „Weil ich jemanden brauche, der mich wach hält. Und niemand ist so nervig wie du.“
Sekundenlang sah Wade ihn an. Dann fluchte er leise. „Bleib wo du bist“, befahl er und ließ seine Hand los, bevor er aufstand. „Ich besorge Tickets.“
Jesse fuhr sich mit beiden Händen über das Gesicht. Alles fühlte sich unwirklich und weit weg an.
Er spürte Wades Finger wie einen Phantomabdruck auf seinem Handgelenk. Es war beruhigend und beängstigend zugleich.
„Warte“, sagte er. „Warte. Ich… ich weiß nicht, ob ich meinen Pass noch benutzen kann. Ich bin nicht mehr sicher, unter welchem Namen ich eingecheckt habe im Hotel“, gestand er.
Wade stand neben dem Tisch und sah auf ihn herab. Etwas in seinem Gesicht wurde weich. Oder vielleicht begann Jesse auch nur schon zu halluzinieren.
„Hey, du hast das Bodyguard-Programm initiiert. Das bedeutet, du kannst dich jetzt entspannt zurücklehnen. Ich mach das schon.“
Wade machte eine elegante Bewegung mit der linken Hand, wie ein Zauberer, bevor er einen Kartentrick begann. „Und ich hab es mir anders überlegt. Bleib nicht wo du bist. Aufstehen“, befahl er und griff nach Jesses Arm. „Du kommst mit. Dich kann man unbewaffnet ja nirgendwo alleine lassen.“
„Ich bereue es bereits, dass ich angerufen habe“, sagte Jesse. Etwas Warmes breitete sich in seiner Brust aus. Das musste der beginnende Herzinfarkt sein.
Und hier gehts weiter...
Fortsetzung folgt
no subject
Date: 2013-07-12 05:36 pm (UTC)Das meine ich ganz ernst.
no subject
Date: 2013-07-12 05:40 pm (UTC)Also nicht, dass ich einen Plan hätte, wo das hinführt. Das ist äh - reine self indulgence.
no subject
Date: 2013-07-12 05:43 pm (UTC)no subject
Date: 2013-07-12 05:44 pm (UTC)no subject
Date: 2013-07-12 07:21 pm (UTC)Ich habe nur die beiden aktuellen Teile gelesen, und es saugt einen sofort ein. Macht ziemlichen Spaß zu überlegen, wer oder was die beiden eigentlich sind. Muß ich erwähnen, daß ich gerne weiterlesen würde? :)
no subject
Date: 2013-07-12 10:07 pm (UTC)Zu den beiden gibt es eine elaborierte Hintergrundstory, ich bin nur immer zu faul für viel Exposition. *hust*
Aber wer weiß....
no subject
Date: 2013-07-13 05:45 am (UTC)Bei Fanfiction mache ich das auch gerne, da kann man sich das ja auch erlauben, mitten reinzuspringen, wenn man weiß, daß die Leserinnen den Hintergrund auch kennen. Aber bei einem Original muß es dann schon sehr gut geschrieben sein, daß es klappt.
no subject
Date: 2013-07-13 09:36 am (UTC)Ich bin besser darin, Sachen anzudeuten, als sie wirklich ausführlich zu erklären. Das wird da immer sehr langweilig und unterbricht das pacing und außerdem fang ich dann an mich zu verzetteln.
Schön, wenn es funktioniert. ; )
Ich schreib daran sicher auch noch weiter.
no subject
Date: 2013-07-13 11:10 am (UTC)no subject
Date: 2013-07-13 11:19 am (UTC)Ich hab schon ne vage Idee wie es weitergeht und sitze sicher heute oder morgen wieder am Schreiben.
no subject
Date: 2013-07-14 04:53 pm (UTC)„Ich weiß nicht.“
„Doch, du weißt es.“
SO FRIGGING PERFECT. <333
Omg. Ich liebe es, dass Wade zwar flapsig ist, aber nur, weil er meint, dass Jesse das braucht und ohhh Gott, Jesse ist so wundervoll unehrlich zu sich selbst (REPRESSED FEELINGS MUCH?!) ... ich will, dass er Wade irgendwas peinliches gesteht, nachdem sie mit Hängen und Würgen in Oslo angekommen sind und es danach abstreitet und Wade ihn auslacht.
PRETTY PLEASE?!??!!?
no subject
Date: 2013-07-14 04:55 pm (UTC)Ich versuche gerne alle deine Kinks zu bedienen, wenn ich kann. XD Ich schreibe gerade Teil 3 - und ich glaube das Ganze hier wird sich auch noch länger hinziehen. *hust*
no subject
Date: 2013-07-16 06:47 pm (UTC)*quiek* *__*
Morgen!! <3333 ♥ *freut sich wie ein Schnitzel*