[identity profile] rei17.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Fandom: Original
Charaktere: Jesse, Wade (Die beiden tauchten hier und hier schon mal auf)
Wörter: ~700
Challenge: Cocktails: "Zombie" (fürs Team)




Getrocknetes Blut klebte unter seinen Fingernägeln, wie dünne, rostbraune Halbmonde.
Jesse bemerkte es mit der Art schwerelosen Gleichgültigkeit, die sich in einem ausbreitete, wenn man seit mehr als sechzig Stunden nicht mehr geschlafen hatte und Koffein durch den Blutstrom pumpte wie ein Presslufthammer.

Eine Gruppe verschleierter Frauen lief wenige Meter von ihm entfernt vorbei und er wandte sich ab, um sein Gesicht verbergen. Die Luft war geschwängert von dem Geruch nach Eselkot, Weihrauch und Gewürzen, bleischwer wie eine Decke, die ihn zu ersticken drohte.

Seine Hände waren schweißnass und seine Finger rutschten von den Tasten, während er wählte. Die Scheibe der Telefonzelle auf der einen Seite waren eingeschlagen und Glassplitter bohrten sich durch den dünnen Stoff seiner Turnschuhe.
Wade anzurufen hatte immer etwas von Versagen an sich, eine Art der Kapitulation, gepaart mit dem scharfen Nachgeschmack von Verzweiflung.
Aber vielleicht war das auch nur der metallische Geschmack von Blut in seinem Mund.
Wade anzurufen, war immer sowas wie die letzte Möglichkeit. Der letzte Versuch.

Er presste seine Stirn auf den Unterarm und wartete, den Hörer an sein Ohr gepresst.

„Ja?“ ertönte eine Stimme am anderen Ende der Leitung. Sie war blechern und verzerrt, aber unverkennbar britisch.
Vor Erleichterung wurden ihm beinah die Knie weich.
„Ich bin‘s.“
Keine Namen.

Vielleicht kannte Wade ihn gut genug, um zu wissen, dass er niemals einfach nur so anrufen würde. Aber vielleicht musste er auch nur Jesses Stimme hören, um zu wissen, dass es ernst war.
„Was ist passiert?“ fragte er sofort.

Jesse hörte das leise Klirren von Gläsern und gedämpftes Stimmgewirr im Hintergrund. Es klang wie eine Abendgesellschaft, dekadent und elegant, und ein ungebetenes Bild von Wade in einem schwarzen Smoking erschien vor seinem inneren Auge.

„Ich brauche…“ Sein Kopf schwamm und er biss die Zähne zusammen. „Ich brauche dich.“

„Butler, Bodyguard oder Sündenbock?“ kam ohne Umschweife zurück und irgendetwas an Wades ruhiger Professionalität macht das Ganze etwas erträglicher.

„Bodyguard.“

„Wo bist du?“

„Marokko. Aber nicht mehr lange. Ich muss nach…“, er unterbrach sich gerade noch rechtzeitig. Keine Namen. Keine Zielorte. Er wischte sich Schweiß aus den Augen. „Ich muss so schnell wie möglich das Land verlassen.“
Er dachte an die zwei Leichen, die er in seinem Hotelzimmer zurückgelassen hatte und er versuchte sich nicht auszurechnen wie lange es dauern würde, bis das Zimmermädchen sie gefunden und die Militärpolizei benachrichtigt hatte.
Vielleicht hatte er Glück. Die Hygienestandards waren nicht sonderlich hoch gewesen, wenn die Handtellergroßen Kakerlaken im Badezimmer ein Hinweis darauf gewesen waren wie oft dort geputzt wurde.

Der Lärmpegel am anderen Ende der Leitung schwoll an und senkte sich dann wieder, als Wade sich durch die Menge bewegte. Straßenlärm und das Hupen von Autos ertönte und Jesse hörte wie Wade jemandem auf Französisch etwas zurief. Es hatte etwas vage beruhigendes an sich, wie dem Rauschen einer Meeresbrandung zu zuhören.
Jesse schloss die Augen. Nur zwei Sekunden, dachte er. Nur zwei Sekunden. Er war so müde.

„…schaffst du das?“

Benommen schreckte er hoch. „Was?“

„Hey!“ Wades Stimme klang scharf. „Schaffst du es bis Lissabon?“

Im Kopf überschlug Jesse den Weg zum Flughafen, Transportmöglichkeiten, und das Risiko dabei erschossen oder verhaftet zu werden. „Ja“, sagte er schließlich.

„Wir treffen uns dort. Am Flughafen.“

„Wo bist du?“ Es war eine vollkommen redundante Frage und trotzdem konnte Jesse nicht verhindern, dass sie aus ihm herausplatzte. Er fühlte sich wie ein Zombie, unwirklich und außerhalb seines eigenen Körpers schwebend.

„Monaco. Ich kann in vier Stunden da sein. Wenn ich jemanden besteche, vielleicht in drei.“

„Monaco.“ Jesse lachte. Die Heimat der Spielcasinos. Auf einmal machte das Bild von Wade in einem schwarzen Smoking sogar Sinn. „Wie viel hast du diesmal verloren?“

„Zerbrich dir darüber nicht den Kopf, mein Engel.“

„Irgendwann werden sie dir die Kniescheiben zertrümmern.“
Manchmal lag Jesse nachts wach und machte sich Gedanken über Wades Kniescheiben. Und andere Körperteile. Vor allem in Situationen wie jetzt, wenn er viel zu wach und zu müde zugleich war, durchspült von nachlassendem Adrenalin und getränkt in Angstschweiß.
Er rieb sich über die Augen.

Wade schnaubte belustigt. „Ich werde dich informieren, wenn es soweit ist.“

„Ich bin eine tickende Zeitbombe“, sagte Jesse der Fairness halber, und weil er bisher vergessen hatte das zu erwähnen.

„Natürlich.“ Wade klang unbeeindruckt. „Das bist du doch immer.“

„Bis gleich“, sagte Jesse und legte auf, bevor Wade etwas erwidern konnte.
Es war ein schöner Gedanke. So optimistisch. Bis gleich.
Als ob er in vier Stunden noch am Leben sein könnte.


Und hier gibts die Fortsetzung.

Date: 2013-07-12 03:20 pm (UTC)
From: [identity profile] http://users.livejournal.com/leni_/
Habe ich die eigentlich schon mal gesagt, wie sehr ich die beiden liebe?? Mehr davon, bitte und ganz viel!!!

Date: 2013-07-14 04:12 pm (UTC)
From: [identity profile] nessaniel.livejournal.com
OMG, JESSE IST SO SÜSS UND VERKLEMMT!!! o3o Er liegt im Bett, stellt sich Wade vor - oder Wades Körper ;D - Wade ist sein letzter sicherer Hafen, auch wenn er das niemals zugeben würde und ohhhhh, es ist so süß, dass er halb wegpennt und Wade sofort zur Stelle ist. Haaaach.

Und Butler, Bodyguard oder Sündenbock? UNF, kann ich bitte die Story zum Butler haben? ;DDDDDD

Und die zum Sündenbock? Wonach Wade vermutlich grässlich sauer auf Jesse ist, wenn er ihn da reinreitet... HACH DIE ZWEI. <3

*hechtet zur Fortsetzung*
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