Zuletzt...

Aug. 5th, 2007 04:58 pm
[identity profile] les-lenne.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Fandom: X/1999
Challenge: #1 "Horae vulnerant, ultima necat" - Alle Stunden verletzen, die letzte tötet.
Achtung!: character death, dark, tragic, angst etc. (Seishirou eben)
Summary: Was dachte Seishirou Sakurazuka in den letzten Minuten seines Lebens?
A/N: Ich konnte mich nicht mehr ganz genau an den Anfang der Rainbow-Bridge-Szene erinnern. Asche über mein Haupt. Aber darum geht’s in dieser Fic ja auch gar nicht so sehr...



Zuletzt...




Seishirou zog an seiner Zigarette. Die Leiche zu seinen Füßen lag da, als wolle sie einen Hampelmann nachstellen. Er ließ Wurzeln heranwachsen und hievte den Mann über die Brücke. Das Platschen bekam er nicht mit. Eine Person kam näher. Etwas in seinem Gehirn flammte auf. Die Zeichen, seine Markierungen – Subaru.
Er lächelte. ‚Also heute schon, ja?’
Subaru blieb ein paar Schritte vor ihm stehen. Hätte er die Hand ausgestreckt, er hätte seine Wange berühren können. Seishirou spürte seine kalten Finger. Das Blut trocknete langsam. Es fühlte sich an, als würden die Knochen in ihm zu Eiszapfen. Er dachte an Setsuka. ‚Mutter’, dachte er, ‚sie hätte gewollt, dass ich sie Mutter nenne.’
Die Erinnerung daran, wie ihr Blut gerochen hatte, kam zurück. Bitter, salzig, kein bisschen verwässert, obwohl viel Schnee gefallen war. Ihr Körper konnte nicht mehr gewogen haben als die Blüten, die sie so sehr liebte. Sie war so leicht gewesen, zerbrechlich... und dennoch, sie hätte ihn auch an diesem Tag problemlos töten können. Sie war ein besserer Sakurazukamori gewesen, als er es je hätte werden können. Das hatte er schon immer gewusst. Es war nicht schwer, das zu spüren. Jede ihrer Bewegungen schien einen Sinn zu haben. Wie sie Leben und Tod verstand, war ihm unerklärlich gewesen.
„Wenn ich tot bin, dann wirst du derjenige sein, der allein die Wunder dieser Welt vollkommen spürt und versteht.“ Das hatte sie ihm einmal gesagt. Als sie sich umwandte, hatte er den Kopf geschüttelt. ‚Nie wie du, Mutter.’
Jahre später stand sie im Garten; es schneite heftig. Schon seit Tagen. Aber die Pflanzen im Garten der Sakurazukamori blühten dennoch weiter. Sie hatte ihren schönsten Kimono an. Die Blutflecken störten nicht. Sie machten sie noch schöner, sie standen ihr gut. ‚Oder vielleicht, weil ich sie nie anders gesehen habe, als blutbefleckt.’
„Töte mich, mein Liebling“, sagte sie, und „ich liebe dich so sehr, Seishirou.“
Er hatte nichts gegen seine Mutter gehabt, aber auch nie etwas für sie übrig, außer dem nötigen Respekt und ein wenig Bewunderung. Nie hatte er ihr starke Gefühle wie Neid, Liebe oder Hass entgegengebracht. Wenn man diese nicht dem Zentrum der eigenen kleinen Welt entgegenbringen konnte, dann konnte man es bei keinem.
Seine Mutter war da anderer Meinung gewesen. „Der, den du liebst, wird dich töten.“
„Ich? Lieben?“ Er hatte das recht amüsant gefunden. Nichts, bei dem man lachen müsste, aber ein Grinsen war auf sein Gesicht getreten. „Red kein dummes Zeug, Mutter.“
Sie hatte darauf die Arme ausgestreckt und ihn geküsst. „Oh doch, glaub mir. Auch du“, sie schloss die Augen, „wirst dem nicht entkommen können, mein lieber, liebster Seishirou.“ Ihre Augen öffneten sich wieder, dann lag sie tot in seinen Armen. Noch immer dieses allwissende Lächeln auf den Lippen.

Jetzt stand – nein, kniete er hier. Amüsant, wenn etwas den Körper durchbohrte, spürte man dies gar nicht. Er hob den Kopf. Subarus Gesicht war verzerrt, die Augen starr, obwohl Tränen bis zum Kinn hinunterliefen, dann auf den Boden tropften.
Subarus Wange war weich. Noch genauso weich wie damals, und noch viel früher... damals, als er ihn zum ersten Mal gesehen hatte. Klein und süß. Letzteres war er noch immer.
„Ich habe dich immer...“ Es war anstrengend, sich vorzulehnen, wenn man dabei war, zu sterben, aber er tat sein bestes. Wenigstens ein Mal im Leben sollte man sich doch für jemand anderen anstrengen? „geliebt.“
Das Brennen in seinem Kopf ließ nach. Die Verbindung zwischen ihm und den Markierungen wurde schwächer. Sie flammten noch einmal auf, und er spürte Subarus Wange an seiner. Dann starb er.

Date: 2007-08-05 03:08 pm (UTC)
From: [identity profile] darkcloe.livejournal.com
Wow o.o!
Obwohl die FF so kurz ist, ist sie sehr beeindruckend. Die Szene zwischen Seishirou und seiner Mutter hast du toll beschrieben. Aber es war nicht so kitschig, wie man es aus vielen Death-fics kennt, sondern sehr nüchtern, das hat mir gut gefallen.

Date: 2007-08-05 05:03 pm (UTC)
ext_31352: (Default)
From: [identity profile] shiun.livejournal.com
*nostalgie*

Das war toll - eine sehr schöne Beschreibung von Seishirous Gedanken, und ich mag auch, dass es so ohne viel Schnörkel war.
Schön. :)

Date: 2007-08-05 09:36 pm (UTC)
From: [identity profile] keksdiebin.livejournal.com
Mir hat es auch total gefallen. So schlicht und gleichzeitig voller kleiner Detail.
Und nostalisch wird man dabei schon irgendwie...

Am besten hat mir das Ende gefallen, da konnte ich mir wirklich alles haargenau vorstellen.

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