Von Lügen und Brüdern
Jul. 11th, 2013 05:01 pmTeam: Nutellasalat
Challenge: Kleidungsstücke - Joker (Schublade) fürs Team
Fandom: Rote Rosen
Anmerkung: Sönke hat gerade erfahren, dass er einen Bruder hat.
Wörter: 385.
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Von Lügen und Brüdern
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Sönke weiß nicht so recht, was er jetzt tun soll. Er kann nicht mehr sitzen. Also steht er auf und geht wahllos in der Wohnung hin und her. Öffnet Schubladen. Starrt auf Pullis und Hemden. Schließt die Schubladen wieder. Schließlich sitzt er auf dem Boden und kann sich nicht einmal so recht daran erinnern, wann er sich dazu entschlossen hat.
Verdrängung.
Er lacht leise, freudlos. Verdrängung, genau das was seine Mutter über zwanzig Jahre lang praktiziert hat. Vermutlich irgendwie immer noch tut.
Wups, da hab ich ja doch noch einen Sohn -- wie konnte mir das nur entfallen?
Er schließt die Augen und lässt den Kopf gegen den Schrank hinter sich fallen. Jetzt wird er schon zynisch und sarkastisch. Wenn er nicht aufpasst, klingt er bald wie sein Vater.
Der ja auch passenderweise vergessen hatte, dass er einen Sohn hat. Als ob seine Eltern eine Schublade aufgemacht, all das Wissen und die Gefühle die mit Robin zu tun hatten, reingestopft und die Schublade dann fest verschlossen haben. Am besten noch abgeschlossen, zweimal.
Es tut weh und nicht nur, weil seine Eltern ihm das Ganze verheimlicht haben. Weil er sich am liebsten gar nicht ausmalen will, wie Robins Leben ohne diese Lüge verlaufen wäre, wie viel ihm erspart geblieben wäre.
Es tut auch weh, weil er um dieses Baby getrauert hat, das seine Mutter angeblich verloren hat. Weil er sich ausgemalt hatte, wie es wäre … mit einer Schwester oder einem Bruder zu spielen. Nicht mehr der alleinige Fokus seiner Mutter zu sein, sondern diese Liebe, die manchmal erdrückend war, endlich teilen zu können. Er hört immer wieder von bisherigen Einzelkindern, die ablehnend auf ihr neues Geschwisterchen reagieren. Er hatte sich gefreut.
Und dann … er weiß noch, dass ihn die Sonne geblendet hat als er sich zu seiner Mutter auf dem Schulhof umgedreht hat. Ihr Haar schien in Flammen zu stehen, wie es so von hinten beleuchtet wurde. Er hatte sie im ersten Moment gar nicht erkannt, so traurig sah sie aus. Dann fiel ihm auf, dass ihr Bauch nicht mehr so rund war und er wusste, was das bedeuten musste. Er rannte auf sie zu, strahlte sie an als er sie umarmte.
„Ist es ein Mädchen oder ein Junge?“ hatte er gefragt.
„Sönke … “, begann sie und mit diesen Worten begann auch die Lüge.
-fin
Challenge: Kleidungsstücke - Joker (Schublade) fürs Team
Fandom: Rote Rosen
Anmerkung: Sönke hat gerade erfahren, dass er einen Bruder hat.
Wörter: 385.
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Von Lügen und Brüdern
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Sönke weiß nicht so recht, was er jetzt tun soll. Er kann nicht mehr sitzen. Also steht er auf und geht wahllos in der Wohnung hin und her. Öffnet Schubladen. Starrt auf Pullis und Hemden. Schließt die Schubladen wieder. Schließlich sitzt er auf dem Boden und kann sich nicht einmal so recht daran erinnern, wann er sich dazu entschlossen hat.
Verdrängung.
Er lacht leise, freudlos. Verdrängung, genau das was seine Mutter über zwanzig Jahre lang praktiziert hat. Vermutlich irgendwie immer noch tut.
Wups, da hab ich ja doch noch einen Sohn -- wie konnte mir das nur entfallen?
Er schließt die Augen und lässt den Kopf gegen den Schrank hinter sich fallen. Jetzt wird er schon zynisch und sarkastisch. Wenn er nicht aufpasst, klingt er bald wie sein Vater.
Der ja auch passenderweise vergessen hatte, dass er einen Sohn hat. Als ob seine Eltern eine Schublade aufgemacht, all das Wissen und die Gefühle die mit Robin zu tun hatten, reingestopft und die Schublade dann fest verschlossen haben. Am besten noch abgeschlossen, zweimal.
Es tut weh und nicht nur, weil seine Eltern ihm das Ganze verheimlicht haben. Weil er sich am liebsten gar nicht ausmalen will, wie Robins Leben ohne diese Lüge verlaufen wäre, wie viel ihm erspart geblieben wäre.
Es tut auch weh, weil er um dieses Baby getrauert hat, das seine Mutter angeblich verloren hat. Weil er sich ausgemalt hatte, wie es wäre … mit einer Schwester oder einem Bruder zu spielen. Nicht mehr der alleinige Fokus seiner Mutter zu sein, sondern diese Liebe, die manchmal erdrückend war, endlich teilen zu können. Er hört immer wieder von bisherigen Einzelkindern, die ablehnend auf ihr neues Geschwisterchen reagieren. Er hatte sich gefreut.
Und dann … er weiß noch, dass ihn die Sonne geblendet hat als er sich zu seiner Mutter auf dem Schulhof umgedreht hat. Ihr Haar schien in Flammen zu stehen, wie es so von hinten beleuchtet wurde. Er hatte sie im ersten Moment gar nicht erkannt, so traurig sah sie aus. Dann fiel ihm auf, dass ihr Bauch nicht mehr so rund war und er wusste, was das bedeuten musste. Er rannte auf sie zu, strahlte sie an als er sie umarmte.
„Ist es ein Mädchen oder ein Junge?“ hatte er gefragt.
„Sönke … “, begann sie und mit diesen Worten begann auch die Lüge.
-fin