[identity profile] nessaniel.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Nutellasalat
Challenge: Stimmungen: Am Boden zerstört (fürs Team)
Fandom: The Expendables
Titel: Mütter ohne Haare
Anmerkung: Das hier ist ein modernes-Patchwork-Familien!AU. Also eigentlich genau wie der Film, nur dass Lee, Barney und Co. einer geregelten Arbeit nachgehen, die es nicht involviert, einhundert Leute pro Tag übern Jordan zu schicken. Billy ist etwas jünger und geht noch zur Schule.
Inhalt: Billys Schule richtet einen Wohltätigkeitsball aus und es werden die Eltern/Erziehungsberechtigten/seltsamen Ersatzpapas gebeten, dort zu erscheinen und Geld zu spenden. Selbstverständlich ist das gar nichts für Lee.


Mütter ohne Haare

Lee starrte auf das gelbrosa Pamphlet, das auf dem Küchentisch lag, als habe es ihn gebissen.
„Was ist das?“, fragte er Barney, der sich soeben in die Zeitung vertieft hatte.
„Kannst du nicht lesen?“, gab Barney zurück, was Lee mit einem gemurmelten Fluch und einer unschönen Geste quittierte, dann schnappte er sich das buntbedruckte Papier und las es stirnrunzelnd durch.
„Ball - zum Wohl des Waisenhauses - Anwesenheit der Eltern erwünscht, blablablah - hat der Junge das angeschleppt?“
Barney gab nur ein entnervtes Stöhnen von sich. „Nein, Lee, wo denkst du hin. Gunnar hat das mitgebracht, er hat beschlossen, endlich seinen High School Abschluss nachzuholen. Natürlich hat Billy das mitgebracht, wer denn sonst, du Intelligenzbestie?“
„Ach, halt doch den Mund“, erwiderte Lee, doch er kam nicht umhin, sich über seine dusselige Frage zu ärgern. „Wo steckt der Junge denn?“
„Hinten im Hof, er schraubt mit Hale an dem Buick rum“, erklärte Barney. Er hatte die Zeitung weggelegt, vermutlich, weil ihm klar wurde, dass Lee ihn sowieso nicht in Ruhe lassen würde. „Was machst du überhaupt schon hier? Es ist erst halb vier.“
Lee winkte ab. „Die Containerkräne im Hafen sind ausgefallen, das wird die ganze Nacht dauern. Und du?“
Barney zuckte die Schultern. „Die Ersatzteile der drei Laster sind nicht angekommen, ich kann also auch erst morgen weitermachen.“
„Hm.“
In diesem Moment ging die Hintertür der kleinen Küche auf und Billy trat ein. Er hatte Ölflecken im Gesicht und sein T-Shirt starrte vor Dreck. Hinter ihm trat Hale auf die Veranda, nicht minder schmutzig und mit einem schweren, roten Werkzeugkoffer bewaffnet.
„Und dann hat er gesagt… oh, hallo Lee“ unterbrach sich Billy und grinste ihn an. Hale nickte ihm bloß zu, durchquerte die Küche und verschwand in Richtung Keller. Er würde den Werkzeugkasten erst wieder sicher verstauen, bevor er auch nur ein Wort sagen oder irgendetwas anderes machen würde, das wusste Lee.
„Hey, Junge“, erwiderte Lee und beobachtete, wie Billy zielstrebig auf den Kühlschrank zusteuerte. „Wie wär‘s mit Händewaschen?“
Billy verdrehte die Augen, doch er machte pflichtschuldigst kehrt und stapfte zur Spüle.
„Und die Schuhe hättest du auch ausziehen können“, schob Lee hinterher, was ihm ein genervtes Stöhnen von Billy und ein amüsiertes Schnauben von Barney eintrug.
Er seufzte. War er der Einzige, der sich hier um ein gewisses Maß an Anstand bemühte?
Billy wusch sich die Hände mit Spülmittel und zeigte seine deutlich saubereren Handflächen sogar zur Inspektion vor, doch Lee wusste, wann man sich über ihn lustig machte und winkte nur ungeduldig ab.
Grinsend öffnete Billy den Kühlschrank und holte eine Flasche Orangensaft hervor.
Lee erwägte kurz, ihn darauf hinzuweisen, dass sie auch Gläser in diesem Haushalt besaßen, doch dann verwarf er die Idee wieder zu Gunsten des quietschbunten Flyers in seiner Hand.
„Was ist das hier?“, fragte er.
Billy ließ beinah die Flasche fallen, was Lee völlig verwirrte.
„Oh… also… das ist…“, stammelte der Junge dann und zupfte am Etikett der Flasche herum, als halte es die Erleuchtung für ihn bereit. Er war nervös, so viel war klar. Lee verstand allerdings nicht, warum. „Ich meine, ihr müsst nicht kommen oder so, es ist nur… es ist ein Wohltätigkeitsball, bei dem eine große Spende für das örtliche Waisenhaus zusammen kommen soll... und die ... äh... Erziehungsberechtigten sind herzlich eingeladen und … ich dachte … vielleicht wird es ganz lustig?“
„Hm“, antwortete Lee. Barney schwieg.
Zu allem Überfluss lief Billy nun auch noch rot an und Lee kam sich vor wie ein Monster, obwohl er nicht die leiseste Ahnung hatte, was hier gerade vor sich ging.
„Ich… ich kann auch Gunnar oder Toll fragen?“, murmelte Billy und hob hilflos die Hände.
„Nein“, sagte Barney auf der Stelle und Lee nickte. Er selbst hatte zwar keine Lust auf diesen Hokuspokus, aber Toll hatte vor drei Jahren beim Elternsprechtag Billys Sportlehrer ein blaues Auge verpasst hatte und Gunnars letzter Ausflug zum Schulfest hatte mit einer Explosion und zwölf teigbedeckten Jungen und Mädchen geendet.
Seitdem stand fest, dass eigentlich nur Barney oder Hale in der Lage waren, sich mit den feinen Zwischentönen einer amerikanischen High School auseinanderzusetzen, wann auch immer das Erscheinen eines Erziehungsberechtigten notwendig war.
Lee war noch nie bei so etwas dabei gewesen, wie ihm gerade auffiel. Er wusste nicht einmal, wie Barney es fertig gebracht hatte, Billy anzumelden, ohne dass es Rückfragen zu ihrer chaotischen Familiensituation gegeben hatte. Seit ihre Lügengeschichte das letzte Mal daran zerbrochen war, dass jemand berechtigterweise angezweifelt hatte, dass Gunnar und Hale Brüder waren, hatten sie sich so gut es ging bedeckt gehalten, um Billy nicht in Schwierigkeiten zu bringen.
Lee hielt es also für wenig sinnvoll, dass er sich nun in der Schule blicken lassen und damit ein weiteres Gesicht präsentieren sollte, das mit Sicherheit nicht zu Barneys Erklärung passen würde, wie auch immer diese lautete.
„Also… du musst nicht mitkommen, wenn du nicht willst“, fuhr Billy nun fort und inspizierte das Etikett der Flasche weiterhin mit völlig unverständlicher Hingabe, während er er in einer Tour brabbelte. „Es ist auch nicht unbedingt erforderlich, dass ihr zu zweit kommt, aber je mehr da sind, desto schöner wird es, denke ich und…“
„Moment mal“, unterbrach ihn Lee. „Was meinst du mit zu zweit?“
„Naja… Barney hat schon zugesagt“, erklärte Billy verblüfft.
Lee drehte sich um und fixierte seinen Freund mit einem intensiven Blick. „Das hättest du auch mal vorher sagen können!“
Barney hob abwehrend die Hände. „Wann denn? Du lässt einen ja nie zu Wort kommen!“
Lee stöhnte. „Ich werde noch bekloppt in diesem Haus!“, schimpfte er, dann wandte er sich kopfschüttelnd an Billy. „Wenn du den Hornochsen da im Schlepptau hast, dann brauchst du mich nicht, Kleiner.“
Augenblicklich wurde ihm bewusst, dass er das Falsche gesagt hatte. Billy schien am Kühlschrank festzufrieren, sein Grinsen wurde starr und gekünstelt und er schien regelrecht in sich zusammenzufallen.
„Ist schon klar…“, sagte er, doch er sah Lee dabei nicht an sondern verstaute die Flasche hastig wieder im Kühlschrank. „Wird bestimmt eh nicht so toll und… ich… vergiss es einfach, ja? War sowieso ‘ne blöde Idee.“
Ohne sie eines weiteren Blickes zu würdigen, verließ Billy die Küche. Sie konnten hören, wie er die Treppe zum ersten Stock erklomm und dann seine Zimmertür schloss.
Lee blinzelte ein paar Mal und war sich nicht ganz sicher, was soeben passiert war. Er wandte sich an Barney, doch der schüttelte nur den Kopf und bedachte ihn mit einem äußerst mitleidigen Blick.
„Sehr geschickt“, sagte er. „Meinst du, du hättest das noch ein bisschen mehr versauen können? Ich glaube, der Junge ist noch nicht völlig am Boden zerstört.“
„Was?“, fauchte Lee daraufhin, um sein schlechtes Gewissen zu übertönen, wobei er nicht einmal wusste, warum es ihn so plötzlich erfasst hatte.
Barney schnaubte. „Du bist noch blöder als ich bisher dachte“, meinte er lediglich und widmete sich wieder seiner Zeitung.
„Jetzt mach mal halblang!“, antwortete Lee aufgebracht. „Wo liegt denn bitte das Problem? Es soll ein Elternteil, Erziehungsberechtigter oder wie auch immer du uns nennen willst, dort auftauchen und du gehst hin! Das lief bisher immer so!“
Barney verdrehte die Augen, was Lee wie nichts sonst zur Weißglut trieb. „Sei froh, dass ich Sinn für Humor habe, oder ich hätte deinem Gesicht schon längst einen Tritt verpasst. Bei Gott, Christmas, der Junge will etwas, das ihm wichtig ist, mit dir teilen, begreifst du das nicht?“
Nein, das begriff er wirklich nicht, wie Lee erstaunt feststellen musste, doch bevor er etwas erwidern konnte, was ihn zweifelsohne noch dümmer hätte aussehen lassen, fuhr Barney fort.
„Es ist schwer genug für ihn, so wie die Sache bisher liegt. Was meinst du, wie er sich fühlt, wenn die anderen von ihren Eltern erzählen und alles, was Billy sagen kann, ist ‚Meine Mutter hat keine Haare und arbeitet auf nem Containerkran.‘?“
„Wieso bin ich die Mutter?“, fragte Lee zurück, woraufhin Barney völlig entnervt stöhnte.
„Das ist dein einziges Problem mit meinem Satz?!“
Lee hatte immer noch keine Ahnung, wieso er und Barney sich plötzlich stritten, doch er hatte das ungute Gefühl, ausnahmsweise tatsächlich im Unrecht zu sein und das gefiel ihm nicht.
„Der Junge ist siebzehn, die haben doch anderes im Kopf als über ihre Eltern zu reden!“, sagte er schließlich, doch er wusste selbst, wie erbärmlich diese Ausrede klang und Barney schien sich nur mit Mühe davon abzuhalten, ihm eine runterzuhauen.
Aber Lee wollte nicht nachgeben. Er hasste es, wenn Barney ihn vor vollendete Tatsachen stellte und das wusste der sehr gut.
„Was soll ich deiner Meinung nach machen, hm, du großer allwissender Dinosaurier?“, knurrte er, aber anscheinend war das auch nicht das, was Barney hatte hören wollen.
„Wieso hab ich dich eigentlich nicht über den Haufen gefahren, als ich die Gelegenheit dazu hatte?“, schnauzte sein Freund nämlich zurück und endlich bewegten sie sich wieder auf einem Terrain, das Lee geheuer war und nichts mit Kindern oder Schulen zu tun hatte.
„Weil du fährst wie ne Großmutter auf Baldrian, deshalb!“, keifte er also zurück und wie immer, wenn man Barneys Fahrstil in Zweifel zog, sprang sein Freund drauf an wie die Motte aufs Licht und sie verbrachten die nächsten paar Minuten damit, sich gegenüber zu stehen und aufs Übelste zu beschimpfen.
Gerade wollte Lee ihm an den Kopf werfen, dass er überhaupt keine Ahnung von Nudeln oder ihrer Zubereitung habe, als Hale plötzlich in der Tür stand und sie beide mit einem mörderischen Blick betrachtete.
„Kann mir mal einer sagen, wann ich zugestimmt habe, in einer verdammten Sitcom mitzuspielen?“, fauchte er und deutete anklagend von einem zum anderen. „Ihr seid ja schlimmer als jedes Fernseh-Ehepaar. Reißt euch zusammen, alle beide, oder ich reiß euch was ab!“
Mit diesen Worten und einem letzten finsteren Blick machte er auf dem Absatz kehrt und verschwand wieder im Keller.
Barney und Lee blieben völlig baff zurück.
„Hat der gerade behauptet, wir seien verheiratet?“
Ein Schulterzucken war die Antwort.

- Fortsetzung folgt

Date: 2013-07-11 05:19 pm (UTC)
der_jemand: (allison)
From: [personal profile] der_jemand
OH WIE WUNDERVOLL! <3

‚Meine Mutter hat keine Haare und arbeitet auf nem Containerkran.‘
„Wieso bin ich die Mutter?“, fragte Lee zurück, woraufhin Barney völlig entnervt stöhnte.

Damn straight. X'D
Oh Gott, Barney und Lee sind das alte Ehepaar to end all alte Ehepaare und Billy ist so herzzerreißend zuckersüß, ich kann nicht mehr.

Fortsetzuuuuuuung!^^

Date: 2013-07-11 06:28 pm (UTC)
From: [identity profile] rei17.livejournal.com
JA BITTE ?????
Wo ist die Fortsetzung???? D:

Ich hab dir ja schon im Skype gesagt, dass ich es toll finde. Hach! *__* Ich liebe doch komplizierte Familienkisten und Missverständnisse und überhaupt. *_* Also fühl dich weiterhin ermutigt auf Billy drauf zu hauen, Lee auf dem Schlauch stehen zu lassen *pat pat* und Barney den lieben Papa sein zu lassen, der sich von Billys Teddyaugen immer weichkochen lässt. (Ich sehe schon vor mir wie Lee die Haare rauft bei so viel Laisse fair. XD Das geht ja gar nicht! Damit ermutigt man sein Kind nur dass es irgendwann wegläuft und sich nem Wanderzirkus anschließt !)

Date: 2013-07-12 07:40 am (UTC)
From: [identity profile] tristraine.livejournal.com
Ich möchte auch gerne mehr davon! Ich liebe dysfunktionale Familien, die ihr bestes geben ;)
(und ich mag wie du schreibst!)

Date: 2013-08-07 09:08 am (UTC)
From: [identity profile] cricri-72.livejournal.com
Das liest sich sehr nett, und dabei kenne ich nicht mal den Film. Aber die Charaktere sind so geschrieben, daß sie einem sofort ans Herz wachsen. Am meisten gegrinst habe ich bei "Wieso bin ich die Mutter!" (Ich weiß, ein Klischee, aber es bringt mich trotzdem immer wieder zum Lachen ;)

Deine zweite Expendables-Geschichte hat mir auch gut gefallen, aber diese hier gedenke ich als Inspiration zu verwenden - auch wenn's ein bißchen weit her geholt ist *hüstel*

Und jetzt sehe ich Sylvester Stallone und Jason Statham auf dem Wohltätigkeitsball vor meinem inneren Auge ... auch keine üble Vorstellung ...

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