[identity profile] tsutsumi.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Tardis
Fandom: Robin Hood (AU)
Challenge: Orte: Elternschlafzimmer -Für mich
Personen/Pairing: Guy of Gisborne/Allan A Dale
Wörter: ~ 1.800
Anmerkung: Direkte Fortsetzung vom letzten Teil. Guy hat ein neues Lieblingscafé mit einem Lieblingskellner und er frequentiert es fleißig. Hate!flirt ensues.
Und irgendwie passt im Nachhinein diese Zwiebelmusterdosensache überhaupt nicht rein. Nun ja, es war für die Challenge.
Freut mich übrigens, dass die gute [livejournal.com profile] cricri_72 sich offenbar derzeit ebenso an der Orte-Tabelle abarbeitet wie ich. Hey there :D


Er hatte über seinen neuen Lieblingskellner recherchiert. Soweit man eben kam, wenn man das Internet bedienen konnte und der Lieblingskellner dumm genug war, sich auf Facebook herumzutreiben.
Während Guy in seinem Büro saß, scrollte er sich hin und wieder durch Allans Profil. Der Kerl ging auf Metal-Festivals. Seine Lieblingsbands hatten Namen, die Guy noch nie gehört hatte. Auf neunzig Prozent seiner Fotos gab er mit beiden Händen den Satansgruß (abgespreizter Zeige- und kleiner Finger) plus Daumen. Auf manchen streckte er dazu sogar die Zunge heraus. Er trug schwarze Band-Shirts, Nietenarmbänder und ausgetretene Springerstiefel, wenn er nicht gerade im Café anzutreffen war. Guy legte jedesmal bestürzt die Hand an die Stirn. Aber er ertappte sich dabei, wie er die Fotos wiederholt aufrief.
Wenigstens gehörte Allan nicht zu den Leuten, die Fotos von ihren Mahlzeiten posteten. Oder drei Mal täglich „Guten Morgen“, „Guten Mittag“, „Gute Nacht, Kussi!“ schrieben. Andererseits hatte er wohl ein Image zu verteidigen. Er teilte anarchistische Botschaften voller Rechtschreibfehler und mit gefühlten fünfzehn Ausrufezeichen an den Enden der Sätze und hatte offenbar selten etwas Besseres zu tun als Browsergames zu spielen. So ganz dumm war er allerdings nicht: Er versteckte seine Freundesliste. Guys Hoffnung, auf leichtem Wege mehr über Hood herauszufinden, wurde somit enttäuscht.

Er musste sich also an die Person selbst halten.

Das kleine Café, stellte er fest, wurde meist zum späten Nachmittag voll. Während er, wenn er dort während seiner Mittagspause auftauchte, meist allein war (wenn nicht gerade in der hinteren Ecke drei Großmütterlein saßen und sich über ihre gutartigen Gewächse an Körperstellen, die Guy nichts angingen, er sich aber dennoch anhören musste, unterhielten), brummte der Laden spätestens am frühen Abend. Er bevorzugte die Mittage.

Auf der Toilette hatte man über dem Waschbecken vor dem Spiegel in einem Döschen mit filigranem Zwiebelmuster Zahnstocher und daneben Tictacs mit Minzgeschmack bereitgestellt. Es war das erste Mal, dass Guy so etwas sah. Er war in Badezimmern gewesen, die einen eigenen Miniaturwasserfall, durchsichtige Wände oder eine Disco-Beleuchtung gehabt hatten. Aber so eine kitschige Ausstattung in einem öffentlichen Café war ihm neu. Im Schlafzimmer seiner Eltern hatte es genau das gleiche Döschen mit Zwiebelmuster gegeben, mit dem Unterschied, dass seine Mutter darin ihre Schlaftabletten aufbewahrt hatte. Nach ihrem Tod hatte man das gesamte Geschirr an einen Krämer weitergegeben, welcher sämtliches Zeug auf Flohmärkten weiterverkauft hatte. Guy ertappte sich bei seinem dritten oder vierten Besuch auf dieser Toilette dabei, wie er darüber nachdachte, wie hoch die Chancen standen, dass dies das Döschen aus seinem Elternschlafzimmer war, das Döschen seiner armen Mutter, die wegen ihrer schweren Depressionen nie hatte schlafen können.

Natürlich war Allan nicht immer da. Wenn Guy zur Tür hineinlinste (und diese war nun im Sommer stets weit geöffnet, wenn es nicht gerade aus Kübeln schüttete) und statt Allan eine junge Frau im Kellneraufzug auf ihn zukommen wollte, machte er stets auf dem Absatz kehrt.
Nein, sein Lieblingskellner war vier Mal in der Woche da: Montags, mittwochs und donnerstags sowie jeden zweiten Freitag. Es hatte nicht lange genug gedauert, das herauszufinden.

Und hier war der interessante Teil: Er war immer da. Entweder er hatte seine Arbeitskolleginnen nicht dazu überreden können, die Schichten zu tauschen. Oder aber er hatte es gar nicht erst versucht.

Allan hatte die ersten paar Male noch ausgesehen wie ein Kaninchen, das von einer Schlange in die Ecke getrieben worden war. Besonders, wenn Guy in seiner Mittagspause kam, wirkte er sehr angespannt. Guy hatte eine bedächtige Strategie gewählt: Die ersten drei Wochen sagte er gar nichts. Er trat ein und ließ sich stets am selben Tisch auf den selben Stuhl sinken, bestellte einen doppelten Espresso und ein Stück Strawberry Cheesecake (er hatte bald herausgefunden, dass der um Klassen besser war als die Scones), aß und trank wortlos und beobachtete Allan dabei, wie der am Tresen stand und irgendwann begann, sich unter seinen Blicken zu winden. Irgendwann fing der Kellner stets damit an, irgendwelche Übersprungshandlungen auszuführen, um der unbequemen Stille zu entkommen: Sein Handy checken, sich am Kopf kratzen, ziellos zwischen Küche und Tür hin und herwandern. Manchmal ertappte Guy ihn dabei, wie er ihn vorsichtig musterte.
Das war der Anfang.
Bald schon stellte sich eine gewisse Routine ein. Allans Ängstlichkeit schwand (er begann sich in Sicherheit zu wiegen) und stattdessen trat ein anderer Teil seiner Persönlichkeit in den Vordergrund, den Guy bislang nur auf seinem Facebook-Profil hatte bewundern können: Die Zurschaustellung einer ungehobelten Selbstgefälligkeit.

Mal fand Guy ihn zur Mittagsstunde am Eingang des Cafés mit einer Flasche Cola gegen die Tür gelehnt, als würde er auf ihn warten. Mal würdigte Allan ihn nicht mal eines Blickes, wenn Guy eintrat und der Kellner ihm den Rücken zuwandte – er erkannte ihn offensichtlich schon an seinem Gang.
Als Guy irgendwann nach etwa drei Wochen zur Mittagspause das Café betrat und auf seinem Stammtisch bereits der Espresso und der Kuchen standen, beschloss er, endlich in die Offensive überzugehen. Warum er so lange gezögert hatte, war ihm zu diesem Zeitpunkt selbst rätselhaft.

Draußen war graues Wetter und als zehn Minuten nach Guys Eintreffen nach Regen aussah, schloss Allan die Tür. Das Café war wie ausgestorben.
Auf der Toilette bemerkte Guy, dass er ein wenig nervös war. Erklärlich war das nicht. Er war selten nervös, höchstens, wenn er Marian gegenüberstand und zum zigsten Male versuchte, sie in die Oper einzuladen und sie ihn wieder abblitzen ließ. Er hatte die Gewohnheit, barscher zu klingen, wenn er nervös war. Was womöglich auch ein Grund sein konnte, dass Marian nicht in die Oper mit ihm gehen wollte? Als er sich die Hände abtrocknete, fiel sein Blick wieder auf das Döschen mit dem Zwiebelmuster und die Erinnerung an seine Mutter, an den Geruch im Elternschlafzimmer kehrte zu ihm zurück. Guy wusste nicht, was das es mehr mit ihm machte: frustriert oder traurig. Er beschloss, sich damit zu zu rächen, dass er die gesamte Tictac-Packung daneben an sich nahm und sich den Mund mit den Bonbons vollstopfte.

„Hinsetzen!“, befahl er Allan, kaum dass er zurück an seinem Tisch war.
Der Kellner hatte am Tresen gestanden und irgendwas in sein Handy getippt. Nun erschrak er so sehr, dass er das Gerät auf fallenließ.
Aber er fasste sich schnell. Zu schnell für Guys Geschmack.
„Ah. Reden wir jetzt also?“
„Ich sag's nicht nochmal!“
Immerhin gehorchte er.
Ihm wieder gegenüber zu sitzen, trat in Guy einen seltsamen Déjà-vu-Effekt los. Sein Blick verfing sich in den Augen seines Gegenüber, zwischen seinen ziemlich schiefen Zähnen und der Art, wie Allan mit den Fingerspitzen über den Rand des Tisches fuhr.

„Also“, fing Guy an und rührte in seinem Espresso herum, auch wenn das nicht nötig war.
„Ich sehe, geoutet hast du dich noch nicht.“
Allans Augenbrauen hoben sich und verschwanden beinahe in der schrägen halben Ponyfrisur, die er sich heute gekämmt hatte.
„Facebook“, fügte Guy hinzu.
„Äh...was?“ Allan sah zur Seite und gab ein spöttisches Lachen von sich.
„Du...spionierst mich aus?“
„Das kann man kaum so nennen, wenn dein Profil öffentlich ist.“ Das brachte ihn dazu, ertappt zu blinzeln.
„Ich will ja nichts sagen, aber es geht niemanden etwas an, ob ich mit Frauen oder Männern in die Kiste steige!“

Guy legte den Löffel klimpernd auf dem Teller ab.
„Ich meinte eher die Tatsache, dass du in Hoods Bande bist, aber was immer dir besser gefällt.“

Allan schnappte nach Luft wie ein Fisch an Land und Guy beugte sich grinsend über den Tisch.

„Warum hast du es ihm noch nicht gesagt?“, raunte er und es war eigentlich nicht das, was er hatte sagen wollen.

„Was?“

„Stell dich nicht dumm. Das hier.“ Guy machte eine ausladende Handbewegung.
„Meine Besuche. Wenn Hood das wüsste, hätte sich hier schon längst irgendwas geändert.“

Zugegeben, er wusste nicht genau, was. Hood war ein dreckiger Hausbesetzer, kein Kindermädchen.

Allan zuckte mit den Schultern und man sah ihm an, dass er versuchte, dabei cool und unbeteiligt auszusehen.

„Er muss ja nicht alles wissen.“

„Ganz schön mutig.“

„Hey, seh ich aus wie'n Angsthase?!“

Guy schlug so heftig mit der Faust auf den Tisch, dass der Kuchen einen kleinen Satz auf dem Teller machte. Allan zuckte zusammen.

„Du hast Angst“, erklärte Guy ihm.

„Angst ist nicht das richtige Wort.“

„Welches dann?“

„...Respekt?“

Allan hatte sich nach dem Schreck nach hinten gegen den Stuhl gelehnt. Wenn er sich so zusammenkrümmte, sah er gar nicht mehr nach Kellner aus, egal, was die Schürze, das weiße Hemd und die Kunstlederschuhe sagten. Er senkte den Kopf, aber er schaute Guy von unten herauf an, ein klein wenig grinsend, ein klein wenig spitzbübisch.

„Ich hab doch gesagt, von mir erfährst du nichts über Robin.“

Guy verschränkte die Arme.
„Fein. Warum versuchst du mir dann zu imponieren?“

„Tu ich doch gar nicht.“

„Ach, tatsächlich?“
Guy lehnte sich nach vorne. Wenn man es genau betrachtete, war der Tisch winzig. Eine münzenrunde Fläche mit einem Durchmesser von vielleicht fünfzig Zentimetern. Es war ein Leichtes, aufzustehen, sich darüber zu beugen, den Kellner an seinem Kragen zu packen und zu sich ranzuziehen.
Er schloss die Augen ohne es wirklich zu wollen. Er musste an die Tictacs denken und daran, dass dies vermutlich der minzigste Kuss war, den er jemals in diesem Leben vergeben würde. Er musste an das Döschen mit dem Zwiebelmuster denken und wahrscheinlich betrog ihn dieses Gefühl – das Gefühl von Heimat, als sich Allans Lippen zaghaft gegen seine bewegten, ein wenig spröde, aber süß.

Guy ließ von ihm ab und schubste ihn zurück auf den Stuhl, so dass Allan sich mit einem Fump auf seinem hübschen Hintern wiederfand. Er sah ein wenig atemlos aus. Und als hätte ihn gerade ein Güterzug überfahren.
Guy war sich nicht sicher, ob der Kerl sich überhaupt vor sich selbst geoutet hatte.

Er erhob sich voller Absicht, um über Allan zu thronen und um ihm mit abfälligem Gestus sein Geld klimpernd auf die Tischplatte fallen zu lassen.

„Ich sage nicht, dass ich abgeneigt wäre“, gab er ihm betont beiläufig zu verstehen.

„Aber wäre das nicht Hochverrat an deinem Robin Hood?“

Allan schaute ihn trotzig an.

„Es ist sehr bezeichnend.“ Amüsiert strich Guy seinen schwarzen Anzug glatt.

„Wenn man bedenkt, wer Ephialtes war.“

Der Kellner hob fragend beide Augenbrauen.
„Der Gigant?“ Offenbar war er irgendwann einmal in der Vergangenheit clever genug gewesen, den Namen seines Arbeitsplatzes zu googlen.

„Nein“, grinste Guy ihn böse an, ehe er in den Sommerregen von Nottingham verschwand.

„Der Verräter.“

Einen besseren Abgang, da war er sich sicher, würde er nie hinbekommen.

Date: 2013-07-08 10:08 pm (UTC)
From: [identity profile] exiles-diary.livejournal.com
*O* was für eine bezaubernde Szene!
Die beiden sind echt schnuckelig XD

Date: 2013-07-09 12:53 pm (UTC)
From: [identity profile] exiles-diary.livejournal.com
Es wird irgendwie ständig alles, was du schreibst, toll ^^
Du findest halt immer besonders schöne Worte um eine Atmosphäre herzustellen ^^

Date: 2013-07-09 01:12 am (UTC)
From: [identity profile] akira-san13.livejournal.com
*Atem anhalt* Ö.Ö
*platt*

Aba du verhedderst dich >.

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