Allan (Orte: Einbahnstraße - Für mich)
Jul. 7th, 2013 10:56 pmTeam: Tardis
Fandom: Robin Hood (AU)
Challenge: Orte: Einbahnstraße - Für mich
Personen/Pairing: Guy of Gisborne/Allan A Dale
Wörter: ~1.800
Summary: Die tatsächlich erste Begegnung. In dem Café mit dem scheußlichsten Namen von ganz Nottingham
Anmerkung: Ich wollte ja von vorne anfangen. Nun, das ist nicht ganz der Anfang der Geschichte, aber es ihrer beider Anfang.
Guy fand das Café in einer unscheinbaren Einbahnstraße, die von den Bürogebäuden von Sheriff & Gisborne nicht mal einen Steinwurf entfernt war. Von hier aus konnte er direkt auf ihre Drehtür schauen und darauf, wie sich abwechselnd Mitarbeiter in schmucken Anzügen und Kostümen oder heruntergekommene Mieter in ihr einwickelten. Die Einbahnstraße war eng, aber recht frequentiert. Offenbar benutzten viele Passanten sie als Abkürzung zum Einkaufszentrum keine hundert Meter entfernt.
Trotz allem wirkte der Laden heruntergekommen. Nicht zuletzt auch deswegen, dachte Guy bei sich, konnte er sich nicht daran erinnern. Heute hatte man jedoch eine Tafel herausgestellt mit der Aufschrift „Hausgemachte Scones und Kaffeespezialität nach Wahl, nur 5 £“ und es trafen mehrere Faktoren zusammen, die dazu führten, dass Guy diesen schmuddeligen Laden überhaupt betrat.
1. Er war um ein Haar über das Schild gefallen, weil er zu beschäftigt damit war, Marian über WhatsApp zu schreiben.
2. Er hatte heute keine Zeit zum Mittagessen gehabt.
3. Weil er beinahe die Tafel umgerannt hatte und verdutzt vor ihr stehengeblieben war, in der einen Hand das Telefon, in der anderen seine schwere Aktentasche, hatte er verwirrt nach links in den Hauseingang und nach dem Namen dieses Etablissements, dessen Schild ihm da den Weg versperrt hatte, geschaut.
Café Ephialtes.
Guy hatte noch nie einen lächerlicheren Namen für ein simples Café gelesen.
Er war frustriert. Marian wimmelte seine Anfragen nach einem Date ab als sei er eine lästige Schmeißfliege. Natürlich drückte sie es nicht so aus. Sie schrieb ihm mit Smileys, die sich hektisch verbeugten und dicke Tränen weinten, dass sie seine Freundlichkeit nicht ausnutzen könne, dass sie an allen Abenden der folgenden drei Monate bereits ausgebucht sei. Guy rammelte geräuschvoll einen Stuhl im Zentrum des Cafés beiseite und ließ sich darauf sinken. Es hätte nur noch gefehlt, dass Marian ihn beschwor, sich abends dringend die Haare waschen zu müssen.
Was wollte die Frau? Er war ein gutaussehender, erfolgreicher Mann. Er hatte Einfluss und Geld. Sein Name hatte einen erhabenen, ja, einen drohenden Klang in ganz Nottingham. Die Bewohner der Sherwood-Siedlung erzitterten, wenn er dort seine Runden machte. Er verkaufte die meisten Eigentumswohnungen an wohlhabende Menschen aus ganz Großbritannien. Und was bekam er? Buckelnde Smileys und faule Ausreden.
Er wollte gerade das Smartphone auf den Tisch werfen, als gerade jenes zu bimmeln begann. Guy strich sich ärgerlich über den Nadelstreifenanzug und wischte über den Bildschirm.
„Vaisey, ich habe Pause!“
„Interessiert mich das?“ schnarrte ihm Sheriff entgegen.
„Ein Hinweis: Nein! Sie haben es schon wieder getan, Gisborne! Hood und seine verfluchte Kriminellenbande!“
Guy verdrehte die Augen. Ein Kellner kam heran und legte ihm eine Karte auf den Tisch. Er würdigte ihn keines Blickes.
„Nettlestone, Gisborne! Sie haben alle Stromzähler im Keller auf Null gestellt! Wie geht das überhaupt?!“
„Woher soll ich das wissen? Ich bin kein Hausmeister! Abgesehen davon ist das doch Sorge der Stromanbieter!“
„Der Ruf ist trotzdem ruiniert! Und die Polizei sagt, sie weiß auch nicht weiter. Gisborne, sie haben die Wände schon wieder vollgeschmiert mit ihren verdammte Punksprüchen! Tu endlich was dagegen!“
Der Mann am anderen Ende klang, als würde er sich vor Zorn jeden Moment entzwei reißen. Guy musste unwillkürlich an Rumpelstilzchen denken und er sehr froh, dass er hier in diesem unsichtbaren Café in einer winzigen Einbahnstraße saß.
„Ich will Robin Hood! Ich will ihm den Hintern verklagen, dass er seinen Lebtag nicht mehr froh wird! Ich will ihn und seine verdammte Bande hinter Gittern sehen! Sorge gefälligst dafür!“
Und damit knallte er den Hörer seines Bürotelefons so heftig auf die Gabel, dass Guy die Ohren klingelten.
Guy fuhr sich frustriert durch die perfekte gestylten Haare, die nun nicht mehr länger diesem Anspruch gerecht wurden.
Er hatte sie gesehen, schon öfter. Dreckige Punks und bettelarme Kleinganoven. Die meisten von ihnen kannte er nur von hinten, verborgen hinter Kapuzenpullovern. Lediglich Robin und zwei seiner engsten Freunde hatte er je von vorne gesehen; zum einen einen ziemlich zerknautscht dreinblickender Kerl, der stets eine Mütze trug und einen Kerl mit einer lächerlich großen Nase.
Er hatte der Polizei eine Personenbeschreibung angeboten, die man nicht hatte entgegennehmen wollen. Glaubte man ihr, gab es in Nottingham weitaus größere Probleme.
Aber diese Probleme sabotierten ihre Immobilienfirma nicht ununterbrochen seit Monaten.
Wütend riss Guy die Karte auf, die einen unappetitlichen Fettfilm über einigen Stellen aufwies. Sein Appetit war ihm eindeutig vergangen. Er beschloss, seinen Frust direkt am Kellner auszulassen. Vielleicht sogar den Tisch umzustoßen. Was sollte man ihm schon antun? Genau genommen gehörte ihm ein Drittel der Stadt und dieses abbruchreife Café war aller Wahrscheinlichkeit nach sogar ein Teil davon.
„Was soll's denn sein?“ Der Kellner war vorsichtig an seinen Tisch getreten und Guy sah hoch um sich das Gesicht des Unglückseligen, den er jetzt anschreien würde, vorher wenigstens kurz anzusehen.
„Hör mal, du nichtsnutziger...“
Die Worte vergingen ihm. Seine Finger umkrallten überrascht die Speisekarte und seine Augen gingen für einen kleinen Augenblick über.
Sein Kellner war vielleicht drei-vier Jahre jünger als er. Er gehörte zu der Sorte Mann, die Guy sofort als Tunichtgut abstempelte, hatte entweder so etwas wie Ethnologie, BWL oder niemals studiert und hielt sich mit dem Job als Kellner notdürftig über Wasser. Eine Plage Englands. Er hatte einen netten Körperbau – etwas gestaucht, Haare von einer undefinierbaren Farbe, die man irgendwie zwischen Dunkelblond, Braun und Rötlich einordnen musste, helle wasserblaue Augen....und eine lächerlich große Nase.
Schlagartig ging es Guy besser.
'Gotcha', jubilierte ein Stimmchen in seinem Kopf..
Sein Blick wanderte auf das Plastikschildchen, das der Mann am Revers tragen musste.
Allan.
Wie schön, dass es zu dieser Nase nun auch einen Namen gab.
Diese Einbahnstraße würde auch Allans Einbahnstraße werden, nämlich geradewegs in den Gerichtssaal.
Guy lehnte sich süffisant zurück, verschränkte die Arme und zog den rechten Mundwinkel zu einem bösen Grinsen hoch.
„Das Angebot des Tages mit einem doppelte Espresso“, sagte er mit süß belegter Stimme.
„Und dazu hätte ich gerne extra Zucker. Allan.“
Allan hatte einen ziemlich großen Adamsapfel. Guy konnte ihm beim Schlucken zusehen.
„Äh, gerne doch“, stammelte der Mann und drehte sich auf dem Ansatz herum.
Entweder es handelte sich um einen kolossalen Zufall oder Allan hatte den Job hier absichtlich angenommen. Immerhin konnte man von hier aus das Gebäude bequem und sicher überblicken. Wer hier arbeitete, sah, wer wann bei Sheriff & Gisborne ein- und ausging. Plötzlich war der Tag gar nicht mehr so katastrophal. Guy schlug selbstzufrieden ein Bein über das andere und strich sein Jackett glatt. Während man von der Küche aus die Espressomaschine röcheln hörte, überlegte er, Vaisey anzurufen, ließ es dann aber. Sein Chef ging ihm schon seit längerem auf die Nerven. Robin Hood und seine Gang waren seit Monaten Thema Nummer eins.
Was brachte es, diesen Allan jetzt hochzunehmen?
Guy hatte es satt, dauernd hin- und herkommandiert zu werden. War es nicht klüger, sich diesen Allan erst einmal allein anzusehen? Womöglich bekam man aus ihm Informationen über Robin Hood heraus. Es konnte nicht schaden.
Ein schlurfender Schritt kündigte die Rückkehr das Kellners an. Das Café war sonst wie leergefegt. Vielleicht befand sich in der Küche noch jemand. Vermutlich auch nicht.
Allan stellte Scone, Kaffee und den Zuckerspender vor Guy ab.
„Guten Appetit“, nuschelte er, seine Stimme vor Nervosität gespannt.
Er wandte sich ab und Guy fasste nach Allans Oberarm. Der Mann gefror in der Bewegung. Er schluckte schon wieder.
„Du hast doch nicht viel zu tun“, sagte Guy, einen Mundwinkel verzerrt und mit gebleckten Zähnen.
„Setz dich doch kurz dazu.“
Allans Gesichtsausdruck entgleiste. Jetzt, das konnte man darin lesen, bekam er es mit der Angst zu tun. Wenn er vorher nicht sicher gewesen war, ob Guy ihn erkannt hatte, hatte sich das spätestens jetzt geklärt.
„Äh..sorry, sowas machen wir hier eigentlich nicht.“
Guy deutete auf das Café mit seinen leeren Stühlen und Tischen. Es lief nicht einmal jemand draußen auf der Straße vorbei.
„Es ist doch leer hier“, entgegnete er.
„Ich gebe auch gutes Trinkgeld.“
Allan musterte ihn unsicher. Seine Augen – und ja, es waren wirklich hübsche Augen – flogen von einem Winkel des Raumes in den nächsten.
Guy sah ihn einen Augenblick von unten an, die Augenbrauen zusammengezogen. Als sein Gegenüber sich auch nach einigen Momenten nicht gerührt hatte, stieß er ungeduldig mit einem Bein gegen den Stuhl, welcher ihm gegenüber am Tisch stand, dass es rummste. Allan zuckte zusammen.
Es hatte etwas Erhebendes, ihm zuzusehen. Allan schluckte schon wieder und als er sich langsam und beinahe schlotternd auf dem Stuhl niederließ, fand Guy, dass die Nase des Jungen gar nicht so katastrophal aussah. Sie war da und sie war groß und etwas krumm, aber sie passte zu ihm. Er war nicht der schönste Mann auf Erden, aber er hatte etwas an sich, das die Welt mit zynischem Witz verspottete.
„Und jetzt?“, sagte Allan als Guy ihn mit den Augen fixierte und seinen Espresso an die Lippen führte.
„Verprügelst du mich jetzt? Verpfeifst mich an die Polizei? Schleifst mich zu deinem Chef rüber?“
Er legte das Tablett auf der Tischplatte ab.
„Ich muss vorher meine Schicht zuende machen.“
Er hatte eine scheußliche Ausdrucksweise. Aber seine Stimme war nett.
„Eins kannst du aber gleich wissen; Ich sag dir nichts über Robin.“ Er hatte immer noch Angst. Seine Finger zitterten. Aber die Art, mit der er Guy anschaute, sagte, dass er nicht sofort einknicken würde.
„Ich sag dir nichts über irgendwen.“
Guy setzte den Kaffee ab. Dafür, dass dieses Café sehr heruntergekommen war und den hässlichsten Namen diesseits des Äquators hatte, schmeckte der Espresso vorzüglich: Nussig, herb, aber nicht sauer.
„Das verstehe ich und das respektiere ich“, entgegnete er kaltschnäuzig.
Oh, das konnte interessant werden. Sehr interessant sogar.
Ihm war sein eigener kleiner Outlaw ins Netz gegangen. Plötzlich waren weder Marian noch Vaisey besonders interessant. Nicht, wenn er diesen hübschen Kleinkriminellen in den Fingern hatte.
„Vielleicht will ich nur mal öfter herkommen. Der Kaffee ist nämlich ausgezeichnet.“
Guy legte den Kopf schief und seine Hand wich von der Espressotasse weg, über den kleinen Tisch und fasste nach Allans Fingern, die auf dem Tablette geruht hatten und die der Mann nicht schnell genug wegziehen konnte. Guy konnte schwören, dass er den hektischen Puls in ihnen fühlen konnte.
„Vielleicht will ich mich nur unterhalten“, murmelte er.
Und dann näherte sich der absolute Höhepunkt des Tages: Allans Ohren wurden rot.
Das war zu schön, um wahr zu sein. Nein, das konnte kaum noch besser werden.
„Unterhalten“, echote Allan und er sah aus, als wollte er zurückweichen. Aber er zog seine Finger nicht weg.
„Worüber?“
Guy lächelte ihn süffisant an.
„Darüber, dass du mich ansprechend findest. Darüber, dass ich dich ansprechend finde vielleicht?“
Allan hatte die Augenbrauen gehoben und als Guy seine Finger wieder losließ, zog er seine Hand zurück, fast so, als hätte er sich verbrannt. Er sah nachdenklich aus.
„Nur reden?“, murmelte er fragend und schaute Guy vorsichtig an.
Und Guy nickte.
„Nur reden.“
Fandom: Robin Hood (AU)
Challenge: Orte: Einbahnstraße - Für mich
Personen/Pairing: Guy of Gisborne/Allan A Dale
Wörter: ~1.800
Summary: Die tatsächlich erste Begegnung. In dem Café mit dem scheußlichsten Namen von ganz Nottingham
Anmerkung: Ich wollte ja von vorne anfangen. Nun, das ist nicht ganz der Anfang der Geschichte, aber es ihrer beider Anfang.
Guy fand das Café in einer unscheinbaren Einbahnstraße, die von den Bürogebäuden von Sheriff & Gisborne nicht mal einen Steinwurf entfernt war. Von hier aus konnte er direkt auf ihre Drehtür schauen und darauf, wie sich abwechselnd Mitarbeiter in schmucken Anzügen und Kostümen oder heruntergekommene Mieter in ihr einwickelten. Die Einbahnstraße war eng, aber recht frequentiert. Offenbar benutzten viele Passanten sie als Abkürzung zum Einkaufszentrum keine hundert Meter entfernt.
Trotz allem wirkte der Laden heruntergekommen. Nicht zuletzt auch deswegen, dachte Guy bei sich, konnte er sich nicht daran erinnern. Heute hatte man jedoch eine Tafel herausgestellt mit der Aufschrift „Hausgemachte Scones und Kaffeespezialität nach Wahl, nur 5 £“ und es trafen mehrere Faktoren zusammen, die dazu führten, dass Guy diesen schmuddeligen Laden überhaupt betrat.
1. Er war um ein Haar über das Schild gefallen, weil er zu beschäftigt damit war, Marian über WhatsApp zu schreiben.
2. Er hatte heute keine Zeit zum Mittagessen gehabt.
3. Weil er beinahe die Tafel umgerannt hatte und verdutzt vor ihr stehengeblieben war, in der einen Hand das Telefon, in der anderen seine schwere Aktentasche, hatte er verwirrt nach links in den Hauseingang und nach dem Namen dieses Etablissements, dessen Schild ihm da den Weg versperrt hatte, geschaut.
Café Ephialtes.
Guy hatte noch nie einen lächerlicheren Namen für ein simples Café gelesen.
Er war frustriert. Marian wimmelte seine Anfragen nach einem Date ab als sei er eine lästige Schmeißfliege. Natürlich drückte sie es nicht so aus. Sie schrieb ihm mit Smileys, die sich hektisch verbeugten und dicke Tränen weinten, dass sie seine Freundlichkeit nicht ausnutzen könne, dass sie an allen Abenden der folgenden drei Monate bereits ausgebucht sei. Guy rammelte geräuschvoll einen Stuhl im Zentrum des Cafés beiseite und ließ sich darauf sinken. Es hätte nur noch gefehlt, dass Marian ihn beschwor, sich abends dringend die Haare waschen zu müssen.
Was wollte die Frau? Er war ein gutaussehender, erfolgreicher Mann. Er hatte Einfluss und Geld. Sein Name hatte einen erhabenen, ja, einen drohenden Klang in ganz Nottingham. Die Bewohner der Sherwood-Siedlung erzitterten, wenn er dort seine Runden machte. Er verkaufte die meisten Eigentumswohnungen an wohlhabende Menschen aus ganz Großbritannien. Und was bekam er? Buckelnde Smileys und faule Ausreden.
Er wollte gerade das Smartphone auf den Tisch werfen, als gerade jenes zu bimmeln begann. Guy strich sich ärgerlich über den Nadelstreifenanzug und wischte über den Bildschirm.
„Vaisey, ich habe Pause!“
„Interessiert mich das?“ schnarrte ihm Sheriff entgegen.
„Ein Hinweis: Nein! Sie haben es schon wieder getan, Gisborne! Hood und seine verfluchte Kriminellenbande!“
Guy verdrehte die Augen. Ein Kellner kam heran und legte ihm eine Karte auf den Tisch. Er würdigte ihn keines Blickes.
„Nettlestone, Gisborne! Sie haben alle Stromzähler im Keller auf Null gestellt! Wie geht das überhaupt?!“
„Woher soll ich das wissen? Ich bin kein Hausmeister! Abgesehen davon ist das doch Sorge der Stromanbieter!“
„Der Ruf ist trotzdem ruiniert! Und die Polizei sagt, sie weiß auch nicht weiter. Gisborne, sie haben die Wände schon wieder vollgeschmiert mit ihren verdammte Punksprüchen! Tu endlich was dagegen!“
Der Mann am anderen Ende klang, als würde er sich vor Zorn jeden Moment entzwei reißen. Guy musste unwillkürlich an Rumpelstilzchen denken und er sehr froh, dass er hier in diesem unsichtbaren Café in einer winzigen Einbahnstraße saß.
„Ich will Robin Hood! Ich will ihm den Hintern verklagen, dass er seinen Lebtag nicht mehr froh wird! Ich will ihn und seine verdammte Bande hinter Gittern sehen! Sorge gefälligst dafür!“
Und damit knallte er den Hörer seines Bürotelefons so heftig auf die Gabel, dass Guy die Ohren klingelten.
Guy fuhr sich frustriert durch die perfekte gestylten Haare, die nun nicht mehr länger diesem Anspruch gerecht wurden.
Er hatte sie gesehen, schon öfter. Dreckige Punks und bettelarme Kleinganoven. Die meisten von ihnen kannte er nur von hinten, verborgen hinter Kapuzenpullovern. Lediglich Robin und zwei seiner engsten Freunde hatte er je von vorne gesehen; zum einen einen ziemlich zerknautscht dreinblickender Kerl, der stets eine Mütze trug und einen Kerl mit einer lächerlich großen Nase.
Er hatte der Polizei eine Personenbeschreibung angeboten, die man nicht hatte entgegennehmen wollen. Glaubte man ihr, gab es in Nottingham weitaus größere Probleme.
Aber diese Probleme sabotierten ihre Immobilienfirma nicht ununterbrochen seit Monaten.
Wütend riss Guy die Karte auf, die einen unappetitlichen Fettfilm über einigen Stellen aufwies. Sein Appetit war ihm eindeutig vergangen. Er beschloss, seinen Frust direkt am Kellner auszulassen. Vielleicht sogar den Tisch umzustoßen. Was sollte man ihm schon antun? Genau genommen gehörte ihm ein Drittel der Stadt und dieses abbruchreife Café war aller Wahrscheinlichkeit nach sogar ein Teil davon.
„Was soll's denn sein?“ Der Kellner war vorsichtig an seinen Tisch getreten und Guy sah hoch um sich das Gesicht des Unglückseligen, den er jetzt anschreien würde, vorher wenigstens kurz anzusehen.
„Hör mal, du nichtsnutziger...“
Die Worte vergingen ihm. Seine Finger umkrallten überrascht die Speisekarte und seine Augen gingen für einen kleinen Augenblick über.
Sein Kellner war vielleicht drei-vier Jahre jünger als er. Er gehörte zu der Sorte Mann, die Guy sofort als Tunichtgut abstempelte, hatte entweder so etwas wie Ethnologie, BWL oder niemals studiert und hielt sich mit dem Job als Kellner notdürftig über Wasser. Eine Plage Englands. Er hatte einen netten Körperbau – etwas gestaucht, Haare von einer undefinierbaren Farbe, die man irgendwie zwischen Dunkelblond, Braun und Rötlich einordnen musste, helle wasserblaue Augen....und eine lächerlich große Nase.
Schlagartig ging es Guy besser.
'Gotcha', jubilierte ein Stimmchen in seinem Kopf..
Sein Blick wanderte auf das Plastikschildchen, das der Mann am Revers tragen musste.
Allan.
Wie schön, dass es zu dieser Nase nun auch einen Namen gab.
Diese Einbahnstraße würde auch Allans Einbahnstraße werden, nämlich geradewegs in den Gerichtssaal.
Guy lehnte sich süffisant zurück, verschränkte die Arme und zog den rechten Mundwinkel zu einem bösen Grinsen hoch.
„Das Angebot des Tages mit einem doppelte Espresso“, sagte er mit süß belegter Stimme.
„Und dazu hätte ich gerne extra Zucker. Allan.“
Allan hatte einen ziemlich großen Adamsapfel. Guy konnte ihm beim Schlucken zusehen.
„Äh, gerne doch“, stammelte der Mann und drehte sich auf dem Ansatz herum.
Entweder es handelte sich um einen kolossalen Zufall oder Allan hatte den Job hier absichtlich angenommen. Immerhin konnte man von hier aus das Gebäude bequem und sicher überblicken. Wer hier arbeitete, sah, wer wann bei Sheriff & Gisborne ein- und ausging. Plötzlich war der Tag gar nicht mehr so katastrophal. Guy schlug selbstzufrieden ein Bein über das andere und strich sein Jackett glatt. Während man von der Küche aus die Espressomaschine röcheln hörte, überlegte er, Vaisey anzurufen, ließ es dann aber. Sein Chef ging ihm schon seit längerem auf die Nerven. Robin Hood und seine Gang waren seit Monaten Thema Nummer eins.
Was brachte es, diesen Allan jetzt hochzunehmen?
Guy hatte es satt, dauernd hin- und herkommandiert zu werden. War es nicht klüger, sich diesen Allan erst einmal allein anzusehen? Womöglich bekam man aus ihm Informationen über Robin Hood heraus. Es konnte nicht schaden.
Ein schlurfender Schritt kündigte die Rückkehr das Kellners an. Das Café war sonst wie leergefegt. Vielleicht befand sich in der Küche noch jemand. Vermutlich auch nicht.
Allan stellte Scone, Kaffee und den Zuckerspender vor Guy ab.
„Guten Appetit“, nuschelte er, seine Stimme vor Nervosität gespannt.
Er wandte sich ab und Guy fasste nach Allans Oberarm. Der Mann gefror in der Bewegung. Er schluckte schon wieder.
„Du hast doch nicht viel zu tun“, sagte Guy, einen Mundwinkel verzerrt und mit gebleckten Zähnen.
„Setz dich doch kurz dazu.“
Allans Gesichtsausdruck entgleiste. Jetzt, das konnte man darin lesen, bekam er es mit der Angst zu tun. Wenn er vorher nicht sicher gewesen war, ob Guy ihn erkannt hatte, hatte sich das spätestens jetzt geklärt.
„Äh..sorry, sowas machen wir hier eigentlich nicht.“
Guy deutete auf das Café mit seinen leeren Stühlen und Tischen. Es lief nicht einmal jemand draußen auf der Straße vorbei.
„Es ist doch leer hier“, entgegnete er.
„Ich gebe auch gutes Trinkgeld.“
Allan musterte ihn unsicher. Seine Augen – und ja, es waren wirklich hübsche Augen – flogen von einem Winkel des Raumes in den nächsten.
Guy sah ihn einen Augenblick von unten an, die Augenbrauen zusammengezogen. Als sein Gegenüber sich auch nach einigen Momenten nicht gerührt hatte, stieß er ungeduldig mit einem Bein gegen den Stuhl, welcher ihm gegenüber am Tisch stand, dass es rummste. Allan zuckte zusammen.
Es hatte etwas Erhebendes, ihm zuzusehen. Allan schluckte schon wieder und als er sich langsam und beinahe schlotternd auf dem Stuhl niederließ, fand Guy, dass die Nase des Jungen gar nicht so katastrophal aussah. Sie war da und sie war groß und etwas krumm, aber sie passte zu ihm. Er war nicht der schönste Mann auf Erden, aber er hatte etwas an sich, das die Welt mit zynischem Witz verspottete.
„Und jetzt?“, sagte Allan als Guy ihn mit den Augen fixierte und seinen Espresso an die Lippen führte.
„Verprügelst du mich jetzt? Verpfeifst mich an die Polizei? Schleifst mich zu deinem Chef rüber?“
Er legte das Tablett auf der Tischplatte ab.
„Ich muss vorher meine Schicht zuende machen.“
Er hatte eine scheußliche Ausdrucksweise. Aber seine Stimme war nett.
„Eins kannst du aber gleich wissen; Ich sag dir nichts über Robin.“ Er hatte immer noch Angst. Seine Finger zitterten. Aber die Art, mit der er Guy anschaute, sagte, dass er nicht sofort einknicken würde.
„Ich sag dir nichts über irgendwen.“
Guy setzte den Kaffee ab. Dafür, dass dieses Café sehr heruntergekommen war und den hässlichsten Namen diesseits des Äquators hatte, schmeckte der Espresso vorzüglich: Nussig, herb, aber nicht sauer.
„Das verstehe ich und das respektiere ich“, entgegnete er kaltschnäuzig.
Oh, das konnte interessant werden. Sehr interessant sogar.
Ihm war sein eigener kleiner Outlaw ins Netz gegangen. Plötzlich waren weder Marian noch Vaisey besonders interessant. Nicht, wenn er diesen hübschen Kleinkriminellen in den Fingern hatte.
„Vielleicht will ich nur mal öfter herkommen. Der Kaffee ist nämlich ausgezeichnet.“
Guy legte den Kopf schief und seine Hand wich von der Espressotasse weg, über den kleinen Tisch und fasste nach Allans Fingern, die auf dem Tablette geruht hatten und die der Mann nicht schnell genug wegziehen konnte. Guy konnte schwören, dass er den hektischen Puls in ihnen fühlen konnte.
„Vielleicht will ich mich nur unterhalten“, murmelte er.
Und dann näherte sich der absolute Höhepunkt des Tages: Allans Ohren wurden rot.
Das war zu schön, um wahr zu sein. Nein, das konnte kaum noch besser werden.
„Unterhalten“, echote Allan und er sah aus, als wollte er zurückweichen. Aber er zog seine Finger nicht weg.
„Worüber?“
Guy lächelte ihn süffisant an.
„Darüber, dass du mich ansprechend findest. Darüber, dass ich dich ansprechend finde vielleicht?“
Allan hatte die Augenbrauen gehoben und als Guy seine Finger wieder losließ, zog er seine Hand zurück, fast so, als hätte er sich verbrannt. Er sah nachdenklich aus.
„Nur reden?“, murmelte er fragend und schaute Guy vorsichtig an.
Und Guy nickte.
„Nur reden.“
no subject
Date: 2013-07-08 05:27 am (UTC)XD Ich frage mich, wie lange und ausgibig sie dann wirklich geredet haben.
Aber ein schöner Beginn für etwas außergewöhnlich Gutes ^^
no subject
Date: 2013-07-08 09:52 pm (UTC)Dankeschön *____*
no subject
Date: 2013-07-08 06:43 am (UTC)Hach, ich liebe euer AU dazu, wirklich! Es ist alles ganz wunderbar verkorkst und du hast die Stimmen der beiden so perfekt auf den Punkt gebracht, wie immer
(Und es ist dies ja nichts anderes als ein Coffee-Shop-AU, was mich blödsinnig glücklich macht XDD)
no subject
Date: 2013-07-08 09:54 pm (UTC)Dankeschön, dankeschön <3 Ich freu mich, dass ihr es weiterlest, wo ihr doch alle viel Besseres zu tun habt!
(Oh Gott.....es ist eine Coffee Shop-AU OO So etwas wollte ich eigentlich nie schreiben. Ich bin mir gerade nicht sicher, ob ich entsetzt oder einfach nur amüsiert sein soll)
no subject
Date: 2013-07-08 09:15 am (UTC)Zu wenig Zeit zum Kommentieren - zumindest wenn ich auch irgendwann nochmal selbst was schreiben will ;) - aber ich lese nach wie vor begeistert mit!
no subject
Date: 2013-07-08 09:54 pm (UTC)