[identity profile] tsutsumi.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Tardis
Fandom: Original (Schöne böse Welt)
Challenge:: Orte: Tanzfläche - Für mich
Wörter: ~650
Personen: Solveigh und Amy, ihre amerikanische Mitaustauschstudentin
Anmerkung: Ja, die Geschichte gibt es noch. Nein, ich habe sie immer noch nicht zuende geschrieben.

„Erzähl's mir nochmal.“
Amy versteckte sich hinter der Sonnenbrille mit den großen, beinahe runden Gläsern. Sie verrieb Sonnencreme auf ihren Oberarmen und lehnte sich zurück. In den umliegenden Bäumen lärmten die Zikaden als würden sie das Ende der Welt hinaufbeschwören. Die Luft war feucht und schwer, obschon erträglich, jetzt, da im Westen langsam die Sonne hinter der Skyline von Tokyo versank.

Der Zutritt zum Dach des Studentenwohnheims war strengenstens untersagt. Was bedeutete, dass man dort eigentlich immer jemanden fand. Meistens Liebespärchen, die gerade erst zueinander gefunden hatten und sich kein Zimmer in einem Love Hotel leisten wollten oder konnten. Oder Amy und Solveigh, die beiden Meistschwänzerinnen unter den Austauschstudenten.

Amy hatte sich in ihren Bikini geworfen und auf dem Rücken liegend die Arme unter ihrem Kopf verschränkt.

„Ich will nicht mehr.“

„Ach, komm schon, ich steh total auf deinen Akzent.“

„Wüsste nicht, wieso.“

„Ich hör ihn gerne. Also los!“

„Von mir aus.“

Solveigh strich sich eine verirrte Strähne hinter das rechte Ohr. In der Ferne war das regelmäßige Piepen eines Autos zu hören, in welchem man den Rückwärtsgang eingelegt hatte.
„Ich bin betrunken. Also, ziemlich betrunken. Und dieser Kerl in dem weißen Hoodie kommt schnurstracks auf mich zu und fängt an, mich zu beschimpfen. Aber weil ich so betrunken bin, kann ich gar nichts weiter machen. Und ich meine, es sind viele Menschen um mich herum; es ist ein sehr beliebter Club.“
„Wie hieß der nochmal?“
„...hab ich vergessen. Egal, jedenfalls wird mir in genau diesem Augenblick schlecht. Und ich kotze diesen Kerl voll. Mitten auf der Tanzfläche.“

Amy verzerrte den Mund zu einem spöttischen Grinsen.
„Geile Geschichte. Wirklich. Verdient hat er's.“

„Geil war's nicht. Nicht als die Polizei kam. Es fuhren ja keine Züge mehr.“

„Du hast dich ja abholen lassen. War doch alles gut.“ Amy winkte ab.

Solveigh warf ihr im Sitzen einen Seitenblick zu.
„Es hätte danebengehen können.“
„Ist es aber nicht.“
„Nein, ist es nicht.“

Amy stützte sich auf ihre Ellenbogen. Ihr blond gefärbtes und kunstvoll mit einem Lockenstab bearbeitetes Haar floss über ihre Schultern.
Solveigh fand sie schön. Sie unterhielt sich mit Amy nie über tiefgehende Dinge. Über Gefühle oder das Leben oder die Welt. Aber Amy war immer da. Wie ein Schatten wachte sie neben Solveigh und verspottete die Welt für sie auf eine sehr unamerikanische Art, die Solveigh ein klein wenig das Gefühl gab, wieder atmen zu können. Amy war auf mehrere Weisen wunderschön.

Solveigh umschlang ihre herangezogenen Beine und legte ihren Kopf auf den Knien ab.

Sie lächelte.
„Ich wollte, dass es danebengeht.“

Sie sah den kleinen Mann wieder vor sich, während sie rhythmisch über die Tanzfläche zuckte, bis in die letzte Faser ihres Körpers vergiftet und betäubt. Alkohol verdrängte erst Gefühle und dann brachte er sie zur Geltung. Der Mann hatte sie schlagen wollen und doch tat er ihr leid.
Aber er hatte sie dazu gebracht, dass Masashi sie keine zwei Stunden später in sein Auto geladen und mitgenommen hatte. Also war es wohl wiederum eine gute Sache.

Womöglich.

„Das hätte was von Michael Jackson gehabt, oder? Blood is on the dancefloor.“
Amy wippte im Takt mit ihrem wunderschönen Becken hin und her.
„Aber weißt du was? Ich bin froh, dass es danebengegangen ist. Sonst könnte ich mir deinen Akzent ja gar nicht mehr anhören.“

Sie setzte sich auf als Solveigh langsam, stumm und sehr still in Tränen ausbrach und legte einen Arm um ihre Schulter.

„Scheiß auf den Akzent“, schluchzte Solveigh in ihre Knie.

Amy lachte sanft.

„Bullshit. Der ist schön. Schön wie Kotze auf der Tanzfläche. Schön wie du! Schön wie dein Kerl, auch wenn der nicht so schön ist wie du, Babe!“

Sie kicherte und drückte Solveigh einen Kuss auf die Schläfe.

Dann ging die Sonne unter.

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