Herantasten

Jul. 3rd, 2013 11:13 pm
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Team: Sirius
Challenge: Orte: Einbahnstraße (für mich)
Fandom: Original: Our Own World
Charaktere: Sabine, Stefan
Wörter: 740

Teil 1, Teil 1,5

Es hatte angefangen zu regnen, als Stefan sie abholte. Eigentlich war Sabine ja gegen so einen Quatsch, aber bei dem pessimistischen Wetterbericht hatte sie beschlossen, dass es gar nicht mal so schlecht wäre, wenigstens auf der Hinfahrt trocken zu bleiben. Nass irgendwo etwas trinken war zum Einen verdammt unangenehm und außerdem kalt. Ihr Immunsystem war zwar meistens gnädig bei so etwas, aber auch das musste sie jetzt nicht unbedingt herausfordern. Jeder Tag krank wäre einer zu viel.
In der Küche diskutierten Liang und Verena über das nächste Abenteuer, weswegen Sabine sich nur mit einem Winken von den beiden verabschiedete, als Stefan klingelte. Sie war ja gespannt, wie sie aus der Katastrophe in die eine total bescheuerte Schwäche von Jonas' Charakter sie hineinmanövriert hatte, wieder rausholen wollten. Mit einer Allergie gegen Höhlenorchideen und einer versauten Würfelprobe war nicht zu spaßen, wenn man dabei einen Troll aufweckte. Verena hatte da eindeutig sehr geschlafen und jetzt hatten sie den Salat. Ungefähr zehn Mal hatte Liang sich schon geschworen, Verena nie wieder ein Spiel leiten zu lassen. Vermutlich würde sie es Sonntag trotzdem tun, Liang brütete eine Erkältung aus, die auf seine Stimme schlug. Bei diesem verkorksten Frühling war das aber nun wirklich kein Wunder.
„Und? Bereit für Tequila?“, lautete Stefans Begrüßung als sie an sein Auto kam. Er hatte sich anscheinend direkt wieder reingesetzt, nachdem sie ihm an der Sprechanlage gesagt hatte, dass sie runterkam. Verstehen konnte sie es. Das hier war kein Regen mehr, es war ein Wolkenbruch. Als sie einstieg sah sie vermutlich schon aus wie ein begossener Pudel, aber bei näherer Inspektion stellte es sich als gar nicht mal so schlimm heraus.
„Du hast nicht zufällig an einen Schirm gedacht?“, lautete Stefans nächste Frage.
„Ähm... nein?“
„Mist. Ich war mir sicher, ich hätte einen im Auto aber das war wohl ein Irrtum.“
„Das wundert mich bei dir nicht.“
„Mich auch nicht.“ Er lachte und startete den Wagen. „Und?“
„Was und?“
„Du hast meine Frage noch nicht beantwortet.“
„Doch.“
„Nicht der Schirm. Tequila.“
„Willst du mich abfüllen?“
„Um dann Schuld daran zu sein, dass du mit einer Alkoholvergiftung in der Notaufnahme landest? Ich wollte dieses Wochenende eigentlich möglichst wenig an das Studium denken.“
„Hauptsache, du würdest die Behandlung einem anderen überlassen. Wie gesagt deine Eignung als Arzt halte ich für fragwürdig.“
„Das schmerzt mich zutiefst. Wo kommen nur diese Vorurteile gegen Pathologen her? Hat dich schon mal einer sitzen gelassen?“
„Dann würde ich mir eher Sorgen machen, warum ich auf deinesgleichen so anziehend wirke. Bisher hat sich keiner über Leichengeruch beschwert.“ Hatte sie sich wirklich Gedanken gemacht, wie sie Stefan am besten begegnen sollte? Auf diesem... Date? Das erschien ihr jetzt so lächerlich, dass sie grinsen musste. Stefans fragenden Blick beantwortete sie aber lieber nur mit einem: „Schau auf die Straße. Nur weil das hier eine Einbahnstraße ist, bedeutet das noch lange nicht, dass dir nichts entgegenkommen kann.“ Fahrradfahrern war sowas in der Regel egal, sie wusste das, schließlich gehörte sie selbst dazu.
„Ja, die liegen dann in ein paar Jahren bei mir.“
„Naja, eher in der Notaufnahme.“
„Dann eben bei dir.“
Sabine musste lachen. „Na das weiß ich noch nicht.“
„Ach, du hast höhere Pläne?“
„Natürlich.“ Ihr Lachen wurde zu einem Grinsen und sie sah wieder zu Stefan. Der warf nebenbei immer wieder einen Blick auf das Navi, das schon mal bessere Tage gesehen hatte. „Weißt du... du kannst auch mich nach dem Weg fragen.“
„Ich bin ein Mann, wir fragen nicht nach dem Weg.“ Aber er schaltete es aus und sah sie an. „Also?“
„Links, zweite wieder links, dann sind wir praktisch schon da. Ab dann solltest selbst du es finden.“
„Danke für das Vertrauen, Gnädigste. Ich glaube, jetzt muss ich mich absichtlich verfahren.“
„Und deine männliche Ehre noch mehr beschmutzen?“
„Durchschaut.“ Er bog ab und sah sie dann an. „Ich war ziemlich nervös vorher.“
Das Geständnis überraschte Sabine, machte es diese Verabredung doch zu einer ernsteren Sache als sie wahrhaben wollte. Trotzdem sagte sie: „Ja. Ich auch.“ Dann musste sie wieder lachen und Stefan stimmte ein.
„Es ist echt egal wie oft man hofft, bei jemanden gut anzukommen, man gewöhnt sich echt nie daran.“
„Das ist das erste Mal, das etwas wirklich für dich spricht.“
Er wirkte wirklich, als würde er sich geschmeichelt fühlen.

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