[identity profile] tsutsumi.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Tardis
Challenge: Orte: Notaufnahme - Für mich
Fandom: Robin Hood AU
Personen: Guy of Gisborne/ Allan A Dale
Wörter: ~1.400
Warnung: dark, Erwähnung death
Summary: Sich aus dem Krankenhaus abholen lassen ist nie lustig. Für keinen aller Beteiligten
Kommentar: Wir hatten einen furchtbaren Tag und ich wollte uns ein wenig mit h/c trösten. Ist mir ein bisschen zu wenig c geworden, aber wer wird denn meckern? Ähäm.

Wenn man den Regenstrippen draußen zusah, drängte sich schnell die Erkenntnis auf, weshalb man dieses schöne Sprichwort von Hunden und Katzen hatte. Guy hatte seinen Regenschirm zu Hause vergessen und natürlich verfügte das Krankenhaus über keinen unterirdischen Parkplatz. Er hatte gute zweihundert Meter durch Regen joggen müssen, der in Pfützen und auf dem Asphalt Blasen schlug.

Guy hasste Krankenhäuser mit der Glut von zehntausend Sonnen. Sein Vater hatte lange im Krankenhaus gelegen bevor er dem HIV erlegen war und obschon das gefühlte Ewigkeiten her war, bohrten sich bei dem Geruch von Desinfektionsmittel und Bandagen, der sich beim Betreten der Notaufnahme wie ein bleierner Mantel auf ihn legte, böse Erinnerungen von damals direkt zwischen seine Rippen.
Vor Wochen noch hätte er das nicht getan.
Vor etwa vier Monaten wäre er nicht mit klopfendem Herzen und bemüht stoisch-ruhigem Blick in sein Auto gestiegen, wenn er vom Kontakt A Dale eine Sms erhalten hätte, die ein Krankenhaus erwähnte.

Bin im Krankenhaus. Kannst du mich abholen kommen? Würde nicht fragen, wenn's kein Notfall wäre

Sein Vater war nie in einer Notaufnahme gewesen. Das Aids hatte sein Hausarzt vermutet und ihn dann zu einem Spezialisten weitergeschickt. So nannte man diese Ärzte, die ohne Mitleid und Herz über Blutuntersuchungen hinwegsahen, ihre Brille absetzten und mit gelangweilter Routine sagten, dass der Krankheitsverlauf tödlich sein könne.

Notaufnahmen, stellte Guy schnell fest, fand er aber trotzdem nicht weniger unsympathisch. Direkt neben ihm an der Rezeption stand eine junge Frau, deren Nase in einen Stapel Papierhandtücher blutete. Sie war bleich und sah aus, als würde sie jeden Moment umfallen. Hinter ihm stöhnte jemand vor Schmerz. Zwei Kinder weinten.
Er fragte die Schwester nach Allan A Dale. Nein, sie brauche nur den Nachnamen. Was das denn für ein komischer Nachname sei. Er unterdrückte den Drang, ihr seinen eigenen entgegenzubrüllen und zu fragen, ob sie damit etwa auch ein Problem habe.

Sie hatte die Nerven, ihn fünf Minuten zur Seite zu stellen und ihm seinem Herzklopfen zu überlassen. Wer Zeit hatte und warten musste, zeichnete die größten Schreckensbilder. Alles, was Guy zu diesem Zeitpunkt wusste, war, dass Allans Gehirn, Augen und Finger funktionierten. Die Sms war der Beweis. Aber so wie er Allan kannte, konnte es genauso gut sein, dass der Idiot sich aus Versehen eine Eisenstange durch den Solarplexus gehauen hatte. Oder mit einem Bein in eine Kreissäge gekommen war.
Oder einfach umgekippt war, weil etwas mit ihm nicht stimmte.

Aids. Was, wenn es Aids war?

Eine andere Schwester bat ihn, mitzukommen. Normalerweise müsste er warten, sagte sie. Aber der Patient läge ohnehin schon auf dem Gang aufgrund der hohen Belastung in der Notaufnahme und da könne sie ihn ja genausogut hinbringen.

Er sah ihn schon von weitem.
Allan sah gut aus.
Nun, er sah sehr nass aus, als hätte er sehr lange in dem Regen da draußen gestanden.
Aber er stand neben dem Bett, das man an die Wand geschoben hatte und er hatte eine Hand abgelegt neben dem Arm eines Unbekannten, der entweder schlief oder ohnmächtig war und den man an einen Tropf gelegt hatte.
Dann stand Guy neben ihm und Allan sah auf einmal nicht mehr gut aus. Er war blass und zusammengesunken.

„Kannst du mir nicht sagen, dass nicht du es bist, der ins Krankenhaus musste?!“, zischelte Guy ihn aufgebracht an. Es tat ihm sofort irgendwie leid. Allan konnte ja nichts dafür, dass Guy Krankenhäuser hasste. Und Notaufnahmen. Und Krankenschwestern. Und Tropfe.
Der Mann auf der Liege sah im Übrigen noch schlimmer aus. Eingefallene Wangen, ein viel zu mageres Gesicht und Augen, die tief in ihren Höhlen lagen, erweckten den Eindruck, dass er eher eine atmende Leiche war denn ein junger Mann.

„Wer ist das?“

Allan schaute Guy kurz an, dann rückte sein Blick wieder auf den Patienten.

„Tom. Mein Bruder.“

„Ist mir neu, dass du einen Bruder hast.“

„Mir war ja auch neu, dass du eine Schwester hast.“

Guy hob überrascht die Augenbrauen. Der böse Tonfall war ebenfalls neu.
Allan wich seinem Blick aus als wolle er sich entschuldigen, könnte es aber nicht. Guy fuhr sich umständlich durch die Haare. Dieser Tom sah fürchterlich aus. Ein wenig wie sein Vater kurz vor dem Tod.
Für einen Augenblick war Luftholen schwierig.

„Und...was hat er?“ , fragte er und bemühte sich um Fassung.

„Überdosis.“ Allans Lippen wurden ein wenig bleicher. Aber vielleicht bildete Guy sich das auch nur ein.

„Und alle ihre Geräte sind besetzt und sie sind überbelastet, sagen sie. Deswegen soll ich aufpassen. Falls Atemstillstand eintritt.“

Der letzte Satz klang so unglaublich fremd aus Allans Mund, dass Guy sich sicher war, dass irgendein überarbeiteter Arzt ihm den fünf Mal nacheinander aufgesagt hatte. Ihm war bewusst, dass Nottinghams Gesundheitssystem nicht das beste ist, aber Angehörige als Wachhunde abzustellen, erschien ihm dann doch etwas übertrieben.

Dann erinnerte er sich daran, wie er als Teenager neben dem Bett seines Vaters gestanden und ihm beim Atmen zugesehen hatte. Stundenlang. Tagelang. Wenn man jemandem dabei zusah, starb er nicht – wenn man verzweifelt genug war, funktionierte die Logik durchaus.

„Was ist mit deinen Eltern? Können die kommen?“, presste Guy heraus. Es fiel ihm erst jetzt auf. Er hatte überhaupt keine Ahnung von Allans Leben. Alles, was er über ihn wusste, betraf Robin Hood und Sherwood.
„Wir haben keine mehr“, erwiderte Allan und es klang sehr beiläufig. Er wusste nicht, dass Guy sich mit ihm in diesem Augenblick ein Stückchen verbundener fühlte. Zwei erwachsene Waisenkinder in einer stinkenden Notaufnahme über einem Drogensüchtigen. Das hatte etwas von Schwarzer Romantik.

Guy ließ seinen Blick über die nadelzerstochenen Arme von Tom A Dale wandern.

„Eigentlich meldet er sich nur mal, wenn er Geld braucht“, murmelte Allan.
„So richtig haben wir seit Ewigkeiten nicht gesprochen. Und dann ruft er heute an und nuschelt nur irgendwas von zuviel Stoff und Kanüle und ich muss diesen Idioten auch noch ewig suchen, weil er ja kaum noch sagen kann, wo er überhaupt ist. Trottel.“

Aber seine Stimme zitterte. Sie bebte wie Espenlaub. Auch das war neu.
Guy hatte den Allan, der halbackt Kekskrümel über seiner Couch verteilte und der ihm im Bett obszöne Dinge ins Ohr flüsterte, natürlich viel lieber. Aber das hier, das gehörte genauso zu ihm. Wann genau hatte Guy diesen Teil genauso zu akzeptieren begonnen?

Er legte stumm einen Arm um Allan und in diesem unbeobachteten Moment legte dieser den Kopf an Guys Schulter ab und schloss die müden Augen mit einem Seufzen, das aus der Mitte der Welt zu kommen schien.




Nachdem man für Tom ein Zimmer und ein Beatmungsgerät für alle Fälle gefunden hatte, zerrte Guy seinen Freund durch die Notaufnahme zurück. Durch den Regen. In sein Auto.
Sie rissen die Türen zu so schnell sie konnten, tropften die Ledersitze voll und schwiegen für eine Weile. Alte, lang verloren geglaubte Erinnerungen an Krankenhäuser jagten Guy durch Adern und Nerven. Er überlegte, ob ihm Worte des Trostes einfielen. Aber wo dachte er hin? Ausgerechnet er? Und wozu auch? Tom A Dale würde es schaffen. Sie würden ihn morgen wieder entlassen, zurück zum nächsten Schuss. Irgendwann würde sich die Prozedur von heute wiederholen, stets in der Hoffnung, dass der Kerl dabei nicht in den Zustand einer wirklichen Leiche wechselte.

„Sorry“, murmelte Allan irgendwann und starrte die Windschutzscheibe an, die ganz langsam beschlug.

„Du hättest nicht kommen brauchen. Ich hätte auch den Bus genommen oder so.“

Guy sah ihn nicht an. Seine Hand glitt langsam über den Steuerknüppel, der ihre Sitze voneinander trennte, fand Allans, kühl und feucht, und drückte sie sanft. Er wusste sonst nicht, wie er ihn trösten sollte. Es gab da nicht viele Methoden. Außer Sex – und den Gedanken fand Guy hier im Auto irgendwie befremdlich.

Allan ließ den Kopf hängen und schniefte leise durch die Nase.

„Der Blödmann darf nicht sterben. Der schuldet mir noch zweihundert Kröten.“

Er wich Guys Blick beschämt aus.
Es lag nicht daran, dass er weinte – das tat er nämlich nicht. Aber Dinge wie dieses hier passten nicht in ihre Beziehung. Guy fand den Gedanken, dass er Allans Geschlechtsteil inzwischen in- und auswenig kannte, aber keine Ahnung von seiner Familie hatte, auf abstruse Weise amüsant.

Er legte ungelenk einen Arm um Allan und beugte sich zu ihm für einen Kuss hinüber. In den nassen Haarschopf, auf die Stirn, dann auf den Mund.

Es war unbequem, kühl und nass.

Aber es war nicht schlecht.

Date: 2013-07-03 11:12 pm (UTC)
From: [identity profile] akira-san13.livejournal.com
aaaw.

Okay, eigentlich is die Situatione weniger Aaaaw, als ich mich grad fühle, aba allein die Tasache, dass Guy angesprintet kommt, wie ein Derwisch udn sich dann acuh noch weiterführende Gedanken macht, is schon irgendwie süß.
danke.^^ <3

Date: 2013-07-04 07:22 am (UTC)
From: [identity profile] cricri-72.livejournal.com
Oh, das ist perfekt. Bewegend, ohne pathetisch zu werden. Und mir ist gar nicht zu wenig c, sondern genau richtig. Mehr wäre ... ich weiß nich1, unrealistisch gewesen. So paßt es absolut.

Guy hasste Krankenhäuser mit der Glut von zehntausend Sonnen.
Das unterschreibe ich sofort :(

Lieblingsstellen sind zu viele, um sie aufzuzählen - zum Beispiel das gesamte Ende. Es ist einfach toll, wie man mit Guy mitfühlt, und wie trotz des ganzen Dramas auch hin und wieder ein wenig Humor durchschimmert. Aber so wie er Allan kannte, konnte es genauso gut sein, dass der Idiot sich aus Versehen eine Eisenstange durch den Solarplexus gehauen hatte. - da weiß man nicht genau, ob man weinen oder lachen sollte.

Sollte ich die Serie jemals sehen, werde ich vermutlich furchtbar enttäuscht sein ;) Aber wahrscheinlich halte ich mich sowieso weiterhin nur an Deinen Guy und Deinen Allan ...

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