Von Sintflut und Brüdern
Jul. 2nd, 2013 11:47 pmTeam: Nutellasalat
Challenge: Kleidungsstücke: der Pullover von jemand anderem - fürs Team
Fandom: Rote Rosen (jahaaaaaa. Ich geb's zu. Ich schau das.) (Ich brauch nen tag dafür.)
Anmerkung: Die Brüder sind einfach zuuuuu putzig. Sie machen mich fertig. FERTIG. Uhm ja ... was sollte man wissen? Sie wussten lange nichts voneinander. Vielen Dank an
der_jemand fürs cheerleadern!
Wörter: 648
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Von Sintflut und Brüdern
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Lüneburg hat viele schöne Seiten, das Wetter gehört nicht unbedingt dazu. Zugegebenermaßen, Regen sollte für ein Nordlicht wie ihn nicht unbedingt überraschend kommen, aber Sönke hätte schwören können, dass der Wetterbericht gestern was von strahlendem Sonnenschein für heute erzählt hatte.
Aber jetzt ist er nass. Besser gesagt, bis auf die Knochen durchtränkt und kalt.
„Dabei hat Gott doch versprochen, es gibt keine Sintflut mehr“, murmelt er und schließt mit klammen Händen die Tür zur Pastorenwohnung auf.
„Was?“ fragt Robin hinter ihm. Er sieht aus wie ein begossener Pudel, die Hände unter die Achseln geklemmt um sich zumindest ein bisschen Restwärme zu erhalten.
Robin, nicht nur einfach ein ehemaliger Häftling im Jugendknast dem er mit seinem Resozialisierungsprogramm eine zweite Chance verschafft hat, sondern Robin, sein kleiner Bruder. Das Wort fühlt sich immer noch ungewohnt an, als ob seine Zunge sich erst daran gewöhnen müsste, es zu formulieren.
Sein Bruder.
Sein kleiner Bruder.
Robin.
Robin, der sich genauso in sein Leben gedrängelt hat wie er jetzt in die Wohnung drängelt. Fluchend. Laut. Als ob die Welt persönlich es auf ihn abgesehen hätte. Vielleicht hat sich das auch so angefühlt für ihn, die ganzen langen Jahre in Heimen und Pflegefamilien. Sönke weiß es nicht, kann es nicht wissen. Robin redet nicht darüber. Weder über seine Kindheit, noch über die Zeit im Gefängnis. Es gibt so viele Leerstellen, so viele weiße Seiten in Robins Leben die Sönke noch füllen möchte, füllen muss. Familie bedeutet nicht nur die guten Sachen teilen, Geburtstage und bestandene Prüfungen zu feiern, sondern auch das Schlechte, das man eigentlich lieber unter den Teppich kehren würde. Manchmal glaubt Sönke, dass Robin das von ihrem Vater hat, auch wenn er ihn erst jetzt kennen gelernt hat. Jan hat auch immer nur an den guten Tagen reingeschaut.
„Dreckswetter“, grummelt Robin und bleibt unentschlossen in der Mitte des Raumes stehen. Er tropft aufs Parkett.
„Das kannst du laut sagen“, erwidert Sönke und verschwindet kurz in seinem Schlafzimmer um sich umzuziehen. Keine seiner Hosen würde Robin auch nur ansatzweise passen, aber zumindest kann er ihm einen warmen, schwarzen Pullover anbieten. Als er wiederkommt steht sein Bruder immer noch an der gleichen Stelle, als ob er sich nicht trauen würde sich mit seinen nassen Klamotten auf einen der Stühle oder das Sofa zu setzen. Er sieht furchtbar verloren aus. Sönke versucht mehr schlecht als recht den Impuls zu unterdrücken, auf Unbekannte in Robins Vergangenheit ganz furchtbar wütend zu sein.
„Hier“, sagt er und wirft Robin den Pulli zu.
„Ich kann auch einfach schnell zu Torben und mich da um -- “
Sönke unterbricht ihn mit einer hoch gezogenen Augenbraue. „Und den Anfang vom Spiel verpassen? Und dann musst du doch nur noch zweimal durch den Regen. Geschenkt. Zieh einfach den Pulli an. Ich schwör auch, dass er frisch aus der Wäsche ist.“
„Ach ja?“ Ein Grinsen huscht über Robins Gesicht und er wendet den Pullover misstrauisch hin und her. „Kann ich dem Wort eines Pastors einfach so trauen?“
Nicht nur dem Wort eines Pastors, dem deines Bruders, würde Sönke am liebsten erwidern. Aber soweit sind sie noch nicht. Robin mag mit ihm Fußballspiele schauen, essen und ein Bier trinken gehen, aber richtige Brüder sind sie noch nicht. Er sieht es in jedem Zögern und hört es in jeder Stille zwischen ihnen. Und er kann es Robin nicht einmal übel nehmen. Vertrauen braucht Zeit. Zeit und Geduld. Zeit haben sie und Geduld hat Sönke in seiner Rolle als Pastor gelernt. Also fragt er auch nicht als sich Robin den viel zu großen Pulli überstreift und Sönke dabei einen Blick auf alte Narben auf Robins Rücken erhascht. Das ist ein Gespräch für später. Fürs erste muss reichen, dass er auf den leeren Platz neben sich auf den Sofa klopft um Robin zu bedeuten, dass er sich niederlassen soll. Nasse Hose hin oder her.
Es gibt wichtigere Dinge als eine nasse Couch. Einen wiedergefundener Bruder, zum Beispiel.
- fin
Challenge: Kleidungsstücke: der Pullover von jemand anderem - fürs Team
Fandom: Rote Rosen (jahaaaaaa. Ich geb's zu. Ich schau das.) (Ich brauch nen tag dafür.)
Anmerkung: Die Brüder sind einfach zuuuuu putzig. Sie machen mich fertig. FERTIG. Uhm ja ... was sollte man wissen? Sie wussten lange nichts voneinander. Vielen Dank an
Wörter: 648
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Von Sintflut und Brüdern
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Lüneburg hat viele schöne Seiten, das Wetter gehört nicht unbedingt dazu. Zugegebenermaßen, Regen sollte für ein Nordlicht wie ihn nicht unbedingt überraschend kommen, aber Sönke hätte schwören können, dass der Wetterbericht gestern was von strahlendem Sonnenschein für heute erzählt hatte.
Aber jetzt ist er nass. Besser gesagt, bis auf die Knochen durchtränkt und kalt.
„Dabei hat Gott doch versprochen, es gibt keine Sintflut mehr“, murmelt er und schließt mit klammen Händen die Tür zur Pastorenwohnung auf.
„Was?“ fragt Robin hinter ihm. Er sieht aus wie ein begossener Pudel, die Hände unter die Achseln geklemmt um sich zumindest ein bisschen Restwärme zu erhalten.
Robin, nicht nur einfach ein ehemaliger Häftling im Jugendknast dem er mit seinem Resozialisierungsprogramm eine zweite Chance verschafft hat, sondern Robin, sein kleiner Bruder. Das Wort fühlt sich immer noch ungewohnt an, als ob seine Zunge sich erst daran gewöhnen müsste, es zu formulieren.
Sein Bruder.
Sein kleiner Bruder.
Robin.
Robin, der sich genauso in sein Leben gedrängelt hat wie er jetzt in die Wohnung drängelt. Fluchend. Laut. Als ob die Welt persönlich es auf ihn abgesehen hätte. Vielleicht hat sich das auch so angefühlt für ihn, die ganzen langen Jahre in Heimen und Pflegefamilien. Sönke weiß es nicht, kann es nicht wissen. Robin redet nicht darüber. Weder über seine Kindheit, noch über die Zeit im Gefängnis. Es gibt so viele Leerstellen, so viele weiße Seiten in Robins Leben die Sönke noch füllen möchte, füllen muss. Familie bedeutet nicht nur die guten Sachen teilen, Geburtstage und bestandene Prüfungen zu feiern, sondern auch das Schlechte, das man eigentlich lieber unter den Teppich kehren würde. Manchmal glaubt Sönke, dass Robin das von ihrem Vater hat, auch wenn er ihn erst jetzt kennen gelernt hat. Jan hat auch immer nur an den guten Tagen reingeschaut.
„Dreckswetter“, grummelt Robin und bleibt unentschlossen in der Mitte des Raumes stehen. Er tropft aufs Parkett.
„Das kannst du laut sagen“, erwidert Sönke und verschwindet kurz in seinem Schlafzimmer um sich umzuziehen. Keine seiner Hosen würde Robin auch nur ansatzweise passen, aber zumindest kann er ihm einen warmen, schwarzen Pullover anbieten. Als er wiederkommt steht sein Bruder immer noch an der gleichen Stelle, als ob er sich nicht trauen würde sich mit seinen nassen Klamotten auf einen der Stühle oder das Sofa zu setzen. Er sieht furchtbar verloren aus. Sönke versucht mehr schlecht als recht den Impuls zu unterdrücken, auf Unbekannte in Robins Vergangenheit ganz furchtbar wütend zu sein.
„Hier“, sagt er und wirft Robin den Pulli zu.
„Ich kann auch einfach schnell zu Torben und mich da um -- “
Sönke unterbricht ihn mit einer hoch gezogenen Augenbraue. „Und den Anfang vom Spiel verpassen? Und dann musst du doch nur noch zweimal durch den Regen. Geschenkt. Zieh einfach den Pulli an. Ich schwör auch, dass er frisch aus der Wäsche ist.“
„Ach ja?“ Ein Grinsen huscht über Robins Gesicht und er wendet den Pullover misstrauisch hin und her. „Kann ich dem Wort eines Pastors einfach so trauen?“
Nicht nur dem Wort eines Pastors, dem deines Bruders, würde Sönke am liebsten erwidern. Aber soweit sind sie noch nicht. Robin mag mit ihm Fußballspiele schauen, essen und ein Bier trinken gehen, aber richtige Brüder sind sie noch nicht. Er sieht es in jedem Zögern und hört es in jeder Stille zwischen ihnen. Und er kann es Robin nicht einmal übel nehmen. Vertrauen braucht Zeit. Zeit und Geduld. Zeit haben sie und Geduld hat Sönke in seiner Rolle als Pastor gelernt. Also fragt er auch nicht als sich Robin den viel zu großen Pulli überstreift und Sönke dabei einen Blick auf alte Narben auf Robins Rücken erhascht. Das ist ein Gespräch für später. Fürs erste muss reichen, dass er auf den leeren Platz neben sich auf den Sofa klopft um Robin zu bedeuten, dass er sich niederlassen soll. Nasse Hose hin oder her.
Es gibt wichtigere Dinge als eine nasse Couch. Einen wiedergefundener Bruder, zum Beispiel.
- fin
no subject
Date: 2013-07-02 09:51 pm (UTC)Und ich liebe das Bild von ihnen zusammen auf der Couch und Robin, der in Sönkes Pulli ertrinkt.
Hach, das ist purer Zucker, ich find's toll. <3
Und Robin, der sich genauso in sein Leben gedrängelt hat wie er jetzt in die Wohnung drängelt. Fluchend. Laut. Als ob die Welt persönlich es auf ihn abgesehen hätte. ist und bleibt eine wunderschöne Charakterisierung.
no subject
Date: 2013-07-03 06:59 am (UTC)no subject
Date: 2013-07-03 05:37 pm (UTC)no subject
Date: 2013-07-03 05:47 pm (UTC)Brüder (!) und dann ist einer auch noch nass geregnet (!) und dann gibts noch den Pullover vom großen Bruder. Find ich gut! ^___^
no subject
Date: 2013-07-03 08:29 pm (UTC)Du hast hiermit die Erlaubnis, weiter Fanfiction zu Soaps zu schreiben. XD (Nicht, dass ich das nicht auch schon gemacht hätte...)
Besonders hat mir das hier gefallen: "Robin, der sich genauso in sein Leben gedrängelt hat wie er jetzt in die Wohnung drängelt. Fluchend. Laut. Als ob die Welt persönlich es auf ihn abgesehen hätte." Das ist ein sehr schöner Vergleich. Und generell, ich mag deine Formulierungen. :)
EDIT: Und ich hatte vorher nichtmal Akus Kommentar gelesen. XD Wir müssen doch an einer ähnlichen Form von Wahnsinn erkrankt sein...