Er kann nicht schwimmen.
Jul. 2nd, 2013 11:04 pmTeam: Sirius
Challenge: Personen: Jüngling/Jungfrau in Not (für mich)
Fandom: Original
Anmerkung: Ein Märchen. So runtergetippt, ungebetat. Aber es gibt Prinzen und Riesen und schöne Müllerstöchter und garstige Sterne.
Wörter: 1200
Es war einmal ein Müller, der hatte eine Tochter, die war so schön wie kein anderes Mädchen in ihrem Land und viele Männer kamen und wollten um ihre Hand anhalten. Der Müller aber wollte sie nicht hergeben. Da sie mit jedem Jahr schöner und schöner und die Zahl der Bewerber größer und größer wurde sperrte der Müller seine schöne Tochter schließlich auf dem Dachboden seiner Mühle ein, damit sie vor ihnen sicher wäre.
Die schöne Müllerstochter aber mochte das eingesperrt sein nicht und so schlich sie sich eines Nachts davon. Einen Esel wollte sie mitnehmen, aber als sie in den Stall kam sah sie dort den Burschen liegen, der auf dem Stroh schlief. „Ei“, dachte sie sich „wenn ich ihm die Kleider nehme und sie selbst anziehe wird keiner mich erkennen.“
Sie machte sich also daran, den Burschen auszuziehen, aber wie sie so die Schnüre seiner Hose zu lösen begann wachte er auf.
„Sei nur still!“, befahl sie.
„Sonst findet uns mein Vater und wirft dich zwischen seine Mühlsteine.“
Also war der Bursche still und ließ sie machen und dachte nicht daran sich zu wundern, als sie endlich seine statt ihrer eigenen Kleider wieder anzog.
Mit einem Messer schnitt sie sich die Haare, die so goldblond waren, dass sie im Stroh verschwanden. Nur eine Locke schenkte sie dem Burschen als Erinnerung.
„Sag meinem Vater, dass ein Reise kam. Der hat dich verprügelt und sein Pferd hat deine Kleider gefressen und dann hat er mich geklaut und ist in ein fernes Land mit mir geflohen.“
Dann setzte sie sich auf den Esel ihres Vaters und ritt mit ihm davon.
Als der Vater am nächsten Morgen fand, dass seine Tochter verschwunden war ärgerte ihn das sehr. Er hörte sich die Geschichte des Burschen an, und weil der Bursche solch eine Angst hatte zwischen die Mühlsteine geworfen zu werden, klangen seine Worte ganz zittrig und der Müller glaubte ihm seine Geschichte, denn so erschrocken konnte nur einer sein, dessen Kleider von dem Pferd eines Riesen verschlungen worden waren.
Er ging also zu all den Verehrern seiner Tochter und sprach: „Wer meine Tochter heil zu mir zurück bringt, der soll sie zur Frau nehmen dürfen.“
Und so zogen die Verehrer los um das ferne Land zu finden, in das der Riese die schöne Müllerstochter verschleppt hatte.
Unter all den Anwärtern der Müllerstochter fand sich auch ein Prinz, der gegen den Willen seiner Eltern das Mädchen, das ja nicht adelig war, freien wollte. Dieser Prinz begab sich nun auch auf die Reise. Einen Monat ritt er gen Osten, da kam er an einen großen Fluss, über den kein Weg hinüber führte. Hin und her ritt er, am Ufer entlang, und traf keinen Fischer und keinen Fährmann und fand auch keine Brücke und schließlich war er so müde, dass er sich so –von seinem Pferd ins Gras fallen ließ und einschlief.
Als er erwachte war es tiefe Nacht. Sein Pferd hatte sich davon gemacht, weil ihm die Reise über war. Der Prinz saß alleine auf der Wiese und blickte über den Fluss.
„Ich weiß ganz gewiss, dass das Land der Riesen auf der andern Seite dieses Flusses liegt, und dort finde ich die schöne Müllerstochter!“, sagte sich der Prinz. „Aber wie soll ich hinüber kommen?“
Da riefen ihm die Sterne zu: „Schwimm' doch!"
Aber der Prinz konnte nicht schwimmen.
„Ich kann aber nicht schwimmen!“, antwortete er darum den Sternen.
Die Sterne sahen sich verblüfft an.
„Habt ihr das gehört?“, sagte einer von ihnen, „Er kann nicht schwimmen!“
„Er kann nicht schwimmen?“
„Nein, er kann nicht schwimmen.“
„Wie kann er denn nicht schwimmen, wenn es doch fast nur Wasser gibt da unten?“
Der Prinz fühlte sich in seinem Stolz gekränkt. Da konnten die Sterne noch so himmlisch funkeln, er war immer noch der Sohn eines Königs. Er nahm darum einen Stein vom Boden und warf ihn hoch in die Luft, dass er einen Stern traf. „Oh weh“, sagte da der Stern und fiel auf die Erde hinunter und landete mit lautem Platschen in dem Fluss, so dass es einen großen Regen gab. Der Prinz allerdings konnte nun durch das Bett des Flusses waten und so an das andere Ufer gelangen, und in das Land der Riesen wo er die schöne Müllerstochter zu finden glaubte.
Drei Tage wanderte er, dann traf er einen Mann so groß wie ein Baum.
„Bist du ein Riese?“, fragte der Prinz und der Mann runzelte seine Stirn.
„Das kann sein“, brummte er „Oder du bist ein Zwerg. Ich möchte mich nicht streiten.“
„Hast du die schöne Müllerstochter entführt?“, fragte der Prinz und der Riese schüttelte seinen Kopf.
„Ich entführe keine Müllerstöchter“, antwortete der Riese und besah sich den Prinzen der ganz zerlumpt und abgerissen von seiner Reise aussah.
„Du bist erschöpft“, stellte er fest und nahm den Prinzen mit zu sich nach Hause, wo er ihn wusch und kämmte und ihm neue Kleider gab.
Drei Tage blieb der Prinz bei dem Riesen, dann hatte er sich ausgeruht und wollte weiter ziehen. Der Riese aber wollte ihn nicht gehen lassen und band ihn darum mit einem Seil, das er aus seinen Haaren geknüpft hatte, in der Höhle fest.
Die Müllerstochter hatte in der Zwischenzeit eine eigene Reise hinter sich, hatte viel von der Welt gesehen, und sich als sehr geschickt mit Schwert und Pfeil und Bogen erwiesen und war durch etwas Zufall und ein wenig Glück zu einem Ritter des Königs geworden.
Als der Sohn des Königs, der Prinz nämlich, nicht wieder nach Hause gekommenwar, schickte der seine Ritter aus nach ihm zu suchen. Einer nach dem anderen ritt hinaus und kam wieder ohne etwas gefunden zu haben.
Schließlich war die schöne Müllerstochter an der Reihe. Sie ritt nach Osten und kam an einen See, der brodelte. Da war der Stern auf die Erde gefallen, und das Wasser des Flusses hatte sich in seinem Krater gesammelt. Sie ritt weiter, und kam schließlich zur Höhle des Riesen. Wo sie den Prinzen fand. Doch ihr Schwert konnte seine Fesseln nicht zerschneiden.
„Du musst den Riesen töten“, sagte ihr der Prinz „Dann zerfällt auch sein Haar zu staub. Aber pass auf! Er ist so groß wie ein Baum und so stark wie drei Bären. Mit dem Schwert kannst du ihn nicht besiegen und deine Pfeile werden ihn höchstens kitzeln.“
Da überlegte die schöne Müllerstochter, die in ihrer Rüstung übrigens nicht zu erkennen war.
„Was isst der Riese für gewöhnlich?“, fragte sie den Prinzen und der Prinz zeigte auf ein Fass.
„Da ist das Mehl drin, mit dem er seinen Brot backt“, sagte er. Da nahm die schöne Müllerstochter die spitzen ihrer Pfeile, die mit gift gebrannt worden waren, und zerstieß sie zwischen zwei Steinen zu einem feinen Pulver, das mischte zu dem Mehl des Riesen.
Als der am Abend kam, backte er sich sein Brot aß es. Der Prinz aber rührte sein Essen nicht an. Da wurde der Riese misstrauisch, aber zu spät, denn schon hatte das Gift der Pfeile begonnen ihn von innen zu zersetzen. Er stieß einen fürchterlichen Schrei aus, dann zerfiel er zu Staub und mit ihm die Fesseln des Prinzen.
Die schöne Müllerstochter brachte den Prinzen zurück zu seinem Vater, wo er sich für sieben Jahre in seiner Kammer einschloss und mit keinem mehr reden wollte. Sie aber wurde als großer Held gefeiert.
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Date: 2013-07-03 05:09 pm (UTC)„Wie kann er denn nicht schwimmen, wenn es doch fast nur Wasser gibt da unten?“
„Das kann sein“, brummte er „Oder du bist ein Zwerg. Ich möchte mich nicht streiten.“
Diese zum Beispiel *-*!
Ich finde du solltest eine ganze Bingo nur mit Märchen schreiben!
no subject
Date: 2013-07-03 05:27 pm (UTC)Es macht auch sehr großen Spaß so zu schreiben. (Ich habe nur Sorge, dass es sich auch außerhalb diffuser Märchen auf meine Schreibe auswirkt...)
Und: Oh ja! Ein Märchenbingo. Das sollte ich unbedingt.