Metaphern

Jun. 4th, 2013 01:01 am
[identity profile] tsutsumi.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Fandom: Robin Hood (BBC)
Challenge: Geld und/oder Sex
Wörter: ~1.600
Personen: AU!Guy of Gisborne/ AU!Allan A Dale
Kommentar: Sie haben mein Gehirn gefressen. Ich bin wehrlos. Es tut mir leid. (Gehört zur AU-FF von neulich)
Summary: Allan wurde aus seiner Wohnung geschmissen und Guy ist schlecht darin, Metaphern zu finden.
Warnung: explicit language

Je öfter er ihn sah, desto mehr drängte sich Guy der Vergleich zu einer Katze auf. Allan A Dale war die Analogie zu einem räudigen streunenden Kater mit hässlichem, verwaschenen Fell, den niemand so recht gewollt hatte. Man hatte ihn zusammen mit seinen Geschwistern in einen Pappkarton an den Straßenrand gestellt und weil er nicht niedlich genug miaut hatte oder nicht schwarzweiß wie Kater Felix ausgesehen hatte, war er übriggeblieben und hatte sich irgendwann in die Gossen von Nottingham verkrochen. Zugegebenermaßen gab das ein kläglicheres Bild ab als Guy beabsichtigte. Allan war die meiste Zeit nicht kläglich – das Wort passte nicht zu ihm. Aber so abwegig erschien ihm der Vergleich dennoch nicht. Guy hatte ihn mit zu sich genommen in dieser Nacht, er hatte ihn quasi angefüttert. Streuner kehrten stets dorthin zurück, wo sie einmal ein Schüsselchen Milch oder ein paar Reste von Innereien bekommen hatten. Wenn man in Metaphern sprach.

Er sah ihn schon von weitem im Gang vor seiner Wohnungstür sitzen. Allan war ein schwarzer Schatten vor grau-kaltem Licht der Energiesparlampen, sein unverkennbares Profil wie ein Scherenschnitt. Der Concierge musste ihn hereingelassen haben, weil er ihn schon mehrere Male gesehen hatte (so eine Nase merkte man sich), oder aber Allan hatte so lange auf ihn eingeredet, bis der ältliche Mann ihn entnervt durchgelassen hatte. Man konnte da nicht sicher sein.
Aber mit Allan war es eben wie mit einer dieser zerzausten, verflohten Katzen – er war eine Plage, aber auf der anderen Seite tat er auch nichts. Er stahl sich zwei Mal in der Woche mit fast schon unerträglicher Regelmäßigkeit und geradezu erschreckender Pünktlichkeit in Guys Bett, verbrachte die Nacht mit ihm und ließ sich von ihm am folgenden Morgen mit einem Tritt in den Hintern wieder vor die Tür setzen. Es wunderte Guy, dass der kleine räudige Verräter in seinen eigenen Reihen noch nicht das gleiche Schicksal des Tritts in den Allerwertesten erfahren hatte. Wahrscheinlich log er sich irgendwie durch. Guy war es redlich egal, wie er es anstellte.

Er blieb vor der Tür und der zusammengekauerten Gestalt stehen und starrte letztere herablassend an. Schmutzreste klebten an Allans schwarzem System of a Down-Shirt und sein Gesicht sah irgendwie zerdellt aus. Um sein Auge herum blühte zart violett ein Veilchen.
„Heute ist Mittwoch“, sagte Guy.
„Sieh nochmal in deinen Kalender und verschwinde.“

Allan schaute zu ihm herauf und sein rechter Mundwinkel zog sich spöttisch amüsiert in die Höhe.
„Dein Boss hat uns auf die Straße gesetzt, Will und mich“, nuschelte er.
„Was keine Miete zahlt, wird nun mal rausgejagt.“
Guy lächelte ihn böse an;
„Nicht mein Problem.“
„Du bist ein Arsch.“
„Das ist keine gerade erfolgreiche Methode, in diese Wohnung zu kommen, ich hoffe, du bist dir dessen bewusst.“
Allan stieß resigniert Atem aus und dann seinen Hinterkopf gegen den Rahmen der Wohnungstür.
„Komm schon“, seufzte er mit geschlossenen Augen.
„Du siehst doch, es regnet in Strippen. Soll ich mich mit Pennern um den letzten Platz unter 'ner Brücke prügeln?“
„Mir egal, was du tust.“
Guy rümpfte die Nase, als wolle er demonstrieren, dass der streunende Kater vor ihm um einiges roch. Aber der Flohpelz legte nur die Ohren an und fauchte. Wenn man in Metaphern sprach.
„Von mir aus! Dann sei halt ein arroganter Wichser!“ Allan sprang auf die Sohlen seiner ausgetretenen Springerstiefel und schulterte den Rucksack in Armeetarnfarben, auf dem er bis eben gesessen hatte. Es war anzunehmen, dass nicht alles von seinem Hab und Gut darin war. Aber so viel weniger konnte es auch nicht sein.

Allan deutete auf seine Lippen;
„Hier, sieh sie dir ein allerletztes Mal genau an! Denn du wirst sie vermissen! Dein Schwanz wird sie vermissen!“
Guy starrte ihn mit verschränkten Armen an. Irgendwo am Ende des Ganges öffnete sich eine Tür – die des Apartments von Mister Allister, der reiche Golfclubbesitzer und der einzige, mit dem Guy auf einer Etage wohnte. Ein halber ergrauter Kopf erschien, sah sie an, schüttelte langsam und verurteilend das schüttere Haar und verschwand wieder.
„Kindergarten“, brummte Guy, fischte nach dem Schlüssel in seiner Hosentasche und öffnete die Wohnungstür.
„Jetzt komm schon rein, bevor der mir die Polizei auf den Hals hetzt.“
Allan starrte.

„Oder willst du mir noch mehr über meinen Schwanz erzählen?“


Allan A Dale konnte reden ohne Punkt und Komma. Das war ein schweres Los, wenn man das Bett mit ihm teilte. Wenn man sich Geschichten über Brüderchen Tom und seine Karriere als Taschendieb anhören musste; über Will, den besten Kumpel, und Djaq, die beste Kumpeline, von der Allan eine Zeit lang gedachte hatte, dass er sich in sie verliebt hätte. Von Much, dem nervigen Kindergärtner, welcher seinen Job hasste, von Little John, der auf Baustellen schwarz arbeitete, aber besser den Job von Much haben sollte. Oder von Robin. Guy hasste die Geschichten von Robin. Guy hasste überhaupt viele Geschichten. Es langweilte ihn zu Tode. Er schlief regelmäßig über Allans Geschichten ein, die Stimme des anderen in seinen Ohren wie das Murmeln eines Baches, welches sich in Wahrheit anhörte wie das Pieseln eines Sturzbetrunkenen. Wenn man in Metaphern sprach. Dann wachte Guy irgendwann wieder auf und stellte fest, dass sein Lover ihn in den Schlaf gequatscht hatte. Und dann dieser Schlaf erholsam gewesen war. Es war zum Auswachsen.

Allan A Dale konnte aber auch für lange Zeit stumm sein. Es kam nicht oft vor, so dass Guy diese Gelegenheiten unwillkürlich besonders genoss. Er konnte sich nicht erklären, wie ein Mann, der eigentlich ziemlich seltsam aussah, in stillen Momenten wunderschön wurde. Denn, und niemand hätte Guy da widersprochen, schön war der Knilch nicht. Er sah aus wie jemand, den man als Teenager mit einem riesigen Hammer in den Boden gestampft hatte und der seitdem nicht mehr in die Länge gewachsen war, sondern auf groteske Art in die Breite. Schlank, aber irgendwie kantig. Mittelgroß, aber irgendwie abgebrochen, mit Gliedmaßen, die eigentlich noch länger sein sollten, aber stattdessen auf merkwürdige Weise untersetzt wirken würden, wenn da keine Muskeln wären.
Eben wie ein Straßenkater, in dem irgendwo mütterlicherseits eine Perserkatze steckte, ein Maine Coon-Kater und eine Heilige Birma, der aber eben aussah wie hingerotzt. Wenn man in Metaphern sprach.

Guy betrachtete Allan verstohlen von der Küche aus, während er Weingläser der letzten halben Woche in den Geschirrspüler räumte und Baguettekrümel vom schwarzem Marmor seiner Anrichte wischte. Allan, den er im halben Profil auf der Couch sitzen sehen konnte, und der mit einer Tasse Tee in der Hand reglos dasaß und in die BBC1-Nachrichten starrte, als habe er vergessen zu blinzeln, Tee zu trinken, zu denken, sich anzuspannen. Er sah mit einem Mal müde aus. Womöglich sogar erschöpft, wie Christian Bale in diesem Film, für den er die Hälfte seines Körpergewichts verloren hatte. Allan war nicht zu dünn. Er sah genaugenommen nicht einmal krank aus. Aber da waren Schatten unter seinen Augen, die neben dem schwarzem Leder der Couch, auf der er kauerte, das Gefühl eines schlechten französischen Kunstfilmes erweckten. Guy setzte sich neben ihn und trank kiloschweren Wein, weil es dazu passte. Er zappte durch die Programme bis sie bei trashigen Wiederholungen von Geld oder Liebe landeten, weil es lustig war, Menschen aus den Achtzigern mit ihren schultergepolsterten Jacketts in Pastellfarben zuzusehen.

„Die Show wäre besser gelaufen, wenn sie 'Geld oder Sex' geheißen hätte“, murmelte Allan und das war das einzige, was er an diesem Abend noch sagte. Guy hob skeptisch eine Augenbraue, wartete auf einen Monolog und seufzte, als er ausblieb, unschlüssig, ob er enttäuscht oder erleichtert darüber war. Der Streuner krallte sich in das teure Leder der Couch ein. Wenn man in Metaphern sprach.

Keinen Schimmer, ob das eine Spitze gewesen war. Aber das hätte Allan sich selbst zuzuschreiben. Er kam schließlich zwei Mal die Woche hierher und ließ sich gegen die Wand vögeln. Geld oder Sex. Guy rührte mit mehr Enthusiasmus als notwendig wäre, mit der Zahnbürste in seinem Mund herum, als er an diesem Abend im Bad stand und ertappte sich bei der Frage, ob Allan sich für Sex gegen die Wand vögeln ließ. Erhoffte er sich irgendetwas davon? (Außer großartigen Orgasmen, verstand sich). Würde er irgendwann wieder vor der Tür sitzen und statt Tee, den Nachrichten und einem Schlafplatz nach Geld fragen? Warum kam er überhaupt hierher und stellte dabei ständig seinen Ruf als Mitglied von Robin Hoods Gang aufs Spiel? Was plante der Kerl?
Vielleicht würde der Kater sich irgendwann auf Guys Gesicht legen, wenn dieser schlief, schwer und dick und pelzig, bis Guy erstickte.
Wenn man in Metaphern sprach.


Im Dunkeln griffen nackte Arme nach ihm und zogen ihn näher ins Warme, zwischen Falten frischer Seidenbettwäsche und Daunen und falschem Fell auf Kissen, die eigentlich nur zur Zierde auf der Tagesdecke zu liegen pflegten (nicht, wenn Allan da war). Sie lagen eine Weile still, müde, stumm, düster, noch tageskühl und ergaben sich in die Bettschwere. Finger, Handgelenke, Atem berührten einander. Dann: Küsse, verhaltenes Seufzen, Zahnpastageschmack. Guy biss ein klein wenig und Allan wimmerte. Aber der Wein lag in seinen Adern und als er spürte, wie der andere Mann sich an ihm regte wie ein waidwundes Tier (er konnte es selbst nicht ganz benennen), ging ihm auf, dass man von ihm für Momente wie diesem niemals Geld abknöpfen würde. Bettwäsche raschelte leise, strich über seinen nackten Bauch und Atem hauchte gegen ihn, neben kühler Nacktheit, die eben noch nicht da gewesen war. Er hielt den Atem an und verkniff sich ein Lächeln, von dem er selbst hier, ungesehen und in der Finsternis Angst hatte, dass man es irgendwie fassen konnte.
„Nein, lass“, flüsterte er und zog Allan wieder hoch zu sich, legte die Stirn des Mannes an seine, Finger in den lockigen Haaren und streichelte ein wenig.
„Schlaf.“
Er musste wahnsinnig geworden sein.

Guy hätte schwören können, dass der Streuner schnurrte.
Wenn man in Metaphern sprach.

Aber mit Allan war das so eine Sache. Metaphern standen ihm nicht gut.

Date: 2013-06-05 12:50 am (UTC)
From: [identity profile] exiles-diary.livejournal.com
Ich liebe deinen Schreibstil. Ich hab zwar keine Ahnung von Robin Hood, aber ich kann verstehen, dass die beiden dein Hirn fressen. Du beschreibst sie sehr lebhaft.

Aber das tust du bei jedem Charakter, dem du dich widmen.

You're still awsome.

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