Ein alter Verrückter
May. 17th, 2013 10:43 amFandoms: BBC Merlin/BBC Robin Hood
Challenge: Stillstand (vom 15.02.)
Personen: Robin and the gang, Merlin
Genre: dramedy?
Wörter: ~1.500
Summary: Robin will eigentlich nur schlafen, aber da ist dieser Zauberer, der gerettet werden muss.
Kommentar: Eigentlich gab es nur einen Grund, weshalb ich das hier schreiben wollte: In beiden Serien sind die Palastwachen unendlich unfähig. Ich habe vorrangig
leviathans_moon die Ohren zugemeckert, wie sinnlos diese Wachen sind. Jeeder kommt an ihnen vorbei. Als Lucy und Richard in einer Audiokommentar-Folge schließlich das gleiche sagten, konnte ich mich irgendwie nicht mehr zurückhalten. Und ja, ich weiß auch nicht, warum sämtlicher Kram, der eigentlich lustig sein soll, immer in ein Drama umschreibe. Was soll ich sagen? Die Welt ist nun mal nicht witzig?
„Master, der Sheriff hat einen Zauberer gefangen genommen!“
Er öffnete ein Auge. Soviel zu seinem Nachmittagsnickerchen. König der Diebe, Held der Armen und Ausgestoßenen sein, das war eine Vollzeitbeschäftigung. Robin konnte sich nicht ganz daran erinnern, wann er das letzte Mal eine gesamte Nacht durchgeschlafen hatte. Es hatte in den letzten Wochen doch immer irgendwo eine Kutsche mit Gold darin gegeben. Oder einen schwertschwingenden Guy of Gisborne. Oder einen wahnsinnigen Sheriff, der seine Weltherrschaft plante. Irgendetwas war ja immer.
Robin seufzte.
„Much. Es gibt keine Zauberer. Haben wir diese ganze Geschichte nicht schon oft genug durchgekaut?“
„Ich weiß!“ Much klang furchtbar aufgeregt. Die Haarspitzen, die unter seiner zerlöcherten Mütze hervorlugten, zitterten.
„Aber das ist wirklich ein Zauberer! Allan hat's gesehen!“
„Weil Allan es mit der Wahrheit auch so genau nimmt“, spöttelte Robin. Er kuschelte sich zurück ins Laub und hoffte sehnlichst darauf, dass Much einfach irgendwann in Luft verpuffen würde. Irgendwann.
„Aber diesmal hat er Recht! Komm schon, sieh es dir wenigstens an!“
Es musste daran liegen, dass er so nett war. Einen anderen Grund konnte es nicht dafür geben, dass er sich von Much aus Sherwood Forest hatte scheuchen lassen, verhüllt und kapuzt, hinein in den Trubel des Nottinghamer Wochenmarkt. Er latschte gerade in die Hinterlassenschaften von etwas, dem er nie begegnen wollte und versuchte, den braunen Matsch an einer Türschwelle abzuschaben, als aus der Menge Will auftauchte, mit wehenden Haaren und seiner Axt im Anschlag.
„Sie wollen den Zauberer hängen! Kommt, wir müssen uns beeilen!“
„Was? Oh Will, nicht du auch noch!“
Robin ließ sich mitzerren, vorbei an Tonvasen, Flaschen mit Milch, Zwiebeln und Apfelkarren. Er rempelte versehentlich eine junge Frau an, kassierte eine Ohrfeige und hoffte, dass sie seine Entschuldigung noch irgendwie hörte.
Atemlos hechelte er durch die Burgtore und kam inmitten der Menschenmenge, die sich dort bereits gebildet hatte, vor dem großen Galgen zum Stehen. Irgendetwas tippte ihn von rechts an und dann schauten ihn John, Allan und Djaq nickend an.
Zugegeben, der Bart des alten Mannes war sehr imposant. Er erinnerte Robin an Geschichten um Druiden, Jahrhunderte alt. Sein Kindermädchen hatte ihm früher davon erzählt.
Am Schlosstor auf der Steintreppe standen wie die Orgelpfeifen Guy of Gisborne, Marian und der Sheriff von Nottingham, umgeben von Wachen und Soldaten.
Es war der Sheriff, der eine amtliche Papierrolle aufzog und sich umständlich räusperte.
„Dieser Mann...“ Er schaute zur Seite zu Marian.
„Wie heißt der nochmal? Ah ja. Merlin von Camelot – wo auch immer das sein soll – wird zur Last gelegt, sich unerlaubt Zutritt zum Schloss verschafft zu haben.“
„Eure Wachen fordern es ja auch heraus!“, rief der alte Mann plötzlich, als sei er gefragt worden.
Seltsam, obwohl er überaus alt und klapprig aussah, umspielte etwas Merkwürdiges seine Gesichtszüge. Wie ein junges Glänzen. Man konnte es nicht genau beschreiben. Aber da war definitiv etwas Besonderes.
„Dumm, blind und taub, wenn Ihr mich fragt! Bezahlt Ihr sie nicht? Oder gebt Ihr Ihnen zu viel Wein?“
In der Menge fingen einige an zu lachen.
Allan knuffte Robin grinsend von der Seite an;
„Komm schon, den müssen wir retten! Wen, wenn nicht den?!“
Er zeigte Robin seine beiden erhobenen Daumen und bedachte ihn mit einem dieser Blicke aus seinen lächerlich blauen Augen. Robin seufzte und wackelte mit dem Kopf.
„Na schön“, sagte er.
„Wir retten ihn.“
„Genug jetzt!“, ereiferte sich der Sheriff und das Lachen der Umstehenden verstummte abrupt.
„Ich lass mich doch nicht zum Gespött der Leute machen!“ Er fuchtelte mit seinen kleinen Händen und den kurzen Stubbelfingern in der Luft herum als würde er Dinge hineinschreiben.
„Hängt den Greis und dann ab zur Tagesordnung!“
Robin hatte die Hand an seinem Bogen und einen Pfeil aus dem Köcher gezogen. Links von ihm umfasste Will seine Axt, rechts griff Little John nach seinem Stab. Djaq wuselte nach vorne, quer durch die Menge der Schaulustigen und Allan war verschwunden, Gott wusste, wohin. Der Henker nickte seinem Gesellen zu und mindestens hundertfünfzig Münder hielten den Atem an.
Es stellte sich heraus, dass Merlin ihre Hilfe überhaupt nicht benötigte. Er murmelte etwas Unverständliches in seinen unendlich langen Bart und dann geschah etwas Merkwürdiges.
Der Strick um seinen Hals riss. Er trennte sich einfach durch. Robin schaute sich um, ob Allan irgendwo wieder aufgetaucht war und einen Pfeil abgeschossen hatte. Doch da war niemand. Das erste, was Robin tat, war, aufzuatmen: Allan war im Bogenschießen nicht über Nacht so gut geworden wie er selbst. Das zweite war, den Augenblick der allgemeinen Verblüffung dafür zu nutzen, einen Tumult loszutreten. Er sandte einen Pfeilregen in Richtung Sheriff und Gisborne, jederzeit darauf bedacht, Marian möglichst aus der Sache rauszulassen. Gisborne stolperte und flog der Länge nach auf der Steintreppe hin, halb unter sich den Sheriff begraben. Er bremste hübsch mit seiner ohnehin zu großen Nase ab und aus seinem Mund kamen Worte, die ein Mann seines Standes eigentlich nicht kennen sollte. Merlin sprang mit ungeahnter Eleganz vom Podest seines Galgens und Robin bekam seinen Ärmel zu fassen.
„Robin von Locksley! Ich kann dir helfen!“
Der alte Mann blinzelte nicht einmal.
„Ich brauche keine, aber sei bedankt!“
Himmel, wie geschwollen sprach der denn? Robin hatte Glück, direkt neben diesem Merlin zu stehen, um zu erfahren, dass Much Recht gehabt hatte. Der alte Mann säuselte Worte in einer Sprache, die so alt klang wie die Zeit selbst. Keinen Augenblick später lagen alle Wachen, die sich ihnen in den Weg gestellt hatten, auf dem Rücken und wedelten wie Schildkröten hilflos mit den Armen.
Merlin grinste ihn an.
„Wie ich schon sagte. Aber ich kann euch helfen, wenn's beliebt.“
Er nickte über seine Schulter.
An John klebten drei Schlosswachen wie Schmeißfliegen. Much wurde verfolgt von zwei weiteren und irgendwo weiter hinten versuchte Allan (aha, da war der also abgeblieben!) es, mit vieren gleichzeitig aufzunehmen.
Robin sah den Fremden an und nickte hektisch:
„Ja. Ja, bitte.“
Nun, womöglich hatte sich die Unterbrechung seines Mittagschlafes doch gelohnt. Gelohnt war vielleicht nicht das passendste Wort, denn Marian war sofort wieder augenrollend im Schloss verschwunden und hatte ihn keines Blickes gewürdigt. Die Welt war ein weniger schöner Ort, wenn sie das tat.
Aber Merlin, der nun offensichtlich wirklich ein Zauberer war, hockte in ihrer Runde und lobte Muchs Eintopf, was diesem die Augen übergehen ließ.
„Niemand achtete darauf, was ich koche!“, schluchzte Much und wischte sich mit seiner Mütze das Gesicht trocken.
„Ich falle immer nur auf, wenn ich nicht da bin!“
„Jaja, ist ja gut, hör auf, rumzuflennen!“ Allan rollte seine Augen gen Himmel.
Aber Merlin – dieser alte, komische Mann – er schaute Much an, als wäre dieser so etwas wie ein Lieblingsenkel.
„Du bist nicht selbstverständlich“, sagte er bedeutungsschwanger.
„Und das werden sie auch erkennen.“
Much zitterte die Unterlippe.
„Hach, danke!“
Es hätte nicht viel gefehlt und er wäre dem Zauberer in die Arme gefallen.
„Was ich gerne wüsste“, sagte Robin und wartete ungeduldig bis Much sich wieder beruhigt hatte;
„was dich nach Nottingham verschlagen hat. Zauberer hin oder her, es ist ziemlich gefährlich dort.“
Merlin kaute nachdenklich auf seinem Eintopf herum. Womöglich lag es am Schlafmangel, aber Robin glaubte, Melancholie in diesem alt-jungen Gesicht aufwallen zu sehen.
„Alte Gewohnheit“, sagte der Zauberer mit nachdenklicher Miene.
„Ein wenig hinein- und wieder herausschleichen. Von eurem Sheriff will ich ja gar nichts. Aber manchmal ist ein wenig Stillstand ganz gut. Viele Dinge ändern sich zu schnell – und andere, von denen man möchte, dass sie sich ändern, bleiben stets gleich.“
Auf den tiefen Falten flackerte ein winziges Schmunzeln auf.
„Aber unfähige Wachmänner sind beileibe nichts Schlechtes am Stillstand. Ich wollte mich lediglich amüsieren.“
Robin lächelte ihn an. Er war sich nicht ganz sicher, ob er verstand, was ihm der alte Mann sagen wollte.
„Es ist so...“ Merlin seufzte.
„Ich habe jemanden verloren. Meinen König. Meinen besten Freund. Ich warte auf ihn, aber ich weiß nicht, wann er zurückkommt. Es ist nur vernünftig, sich die Zeit zwischendurch zu vertreiben.“
„Das tut mir leid“, sagte Robin und die gesamte Bande nickte schuldbewusst und traurig. Selbst Allan ließ den Kopf hängen. Wahrscheinlich dachte er an seinen Bruder.
„Wann hast du ihn verloren?“, fragte Much.
Merlin kaute auf seiner Lippe herum, wie es alte Leute gelegentlich taten.
„Vor etwa siebenhundert Jahren. Es ist seltsam. Eigentlich hätte ich ihn längst vergessen sollen.“
Dann lachte er leise und er ignorierte, dass gerade jeder der Anwesenden etwas hatte fallenlassen. Er war ein alter Mann. Man konnte spüren, dass es ihm mit der Geheimhaltung solcher Fakten nicht mehr wichtig war.
„Aber jemanden, der so nervtötend ist wie Arthur, vergisst man einfach nicht.“
Sie winkten Merlin durch das grüne Laub der niedrigen Bäume nach.
„Nie und nimmer ist der siebenhundert Jahre alt.“
Allan grinste und winkte freundlich, während er durch die Zähne zischelte.
„Das geht doch gar nicht. Ich will ja nichts sagen, aber das war nur ein alter Verrückter.“
Das nächste, was er tat, war, vor Schmerz aufzujaulen. Much ließ bedrohlich seinen größten Kochlöffel über ihm tanzen.
„Noch ein Wort und du kannst dir deine Suppe selber kochen!“
Robin konnte nichts dagegen tun. Der arme alte Zauberer hatte ihn gerührt. Er schaute ihm lächelnd nach bis Much und Allan kurz davor waren, sich an den Haaren zu ziehen und Little John dazwischengehen musste.
Challenge: Stillstand (vom 15.02.)
Personen: Robin and the gang, Merlin
Genre: dramedy?
Wörter: ~1.500
Summary: Robin will eigentlich nur schlafen, aber da ist dieser Zauberer, der gerettet werden muss.
Kommentar: Eigentlich gab es nur einen Grund, weshalb ich das hier schreiben wollte: In beiden Serien sind die Palastwachen unendlich unfähig. Ich habe vorrangig
„Master, der Sheriff hat einen Zauberer gefangen genommen!“
Er öffnete ein Auge. Soviel zu seinem Nachmittagsnickerchen. König der Diebe, Held der Armen und Ausgestoßenen sein, das war eine Vollzeitbeschäftigung. Robin konnte sich nicht ganz daran erinnern, wann er das letzte Mal eine gesamte Nacht durchgeschlafen hatte. Es hatte in den letzten Wochen doch immer irgendwo eine Kutsche mit Gold darin gegeben. Oder einen schwertschwingenden Guy of Gisborne. Oder einen wahnsinnigen Sheriff, der seine Weltherrschaft plante. Irgendetwas war ja immer.
Robin seufzte.
„Much. Es gibt keine Zauberer. Haben wir diese ganze Geschichte nicht schon oft genug durchgekaut?“
„Ich weiß!“ Much klang furchtbar aufgeregt. Die Haarspitzen, die unter seiner zerlöcherten Mütze hervorlugten, zitterten.
„Aber das ist wirklich ein Zauberer! Allan hat's gesehen!“
„Weil Allan es mit der Wahrheit auch so genau nimmt“, spöttelte Robin. Er kuschelte sich zurück ins Laub und hoffte sehnlichst darauf, dass Much einfach irgendwann in Luft verpuffen würde. Irgendwann.
„Aber diesmal hat er Recht! Komm schon, sieh es dir wenigstens an!“
Es musste daran liegen, dass er so nett war. Einen anderen Grund konnte es nicht dafür geben, dass er sich von Much aus Sherwood Forest hatte scheuchen lassen, verhüllt und kapuzt, hinein in den Trubel des Nottinghamer Wochenmarkt. Er latschte gerade in die Hinterlassenschaften von etwas, dem er nie begegnen wollte und versuchte, den braunen Matsch an einer Türschwelle abzuschaben, als aus der Menge Will auftauchte, mit wehenden Haaren und seiner Axt im Anschlag.
„Sie wollen den Zauberer hängen! Kommt, wir müssen uns beeilen!“
„Was? Oh Will, nicht du auch noch!“
Robin ließ sich mitzerren, vorbei an Tonvasen, Flaschen mit Milch, Zwiebeln und Apfelkarren. Er rempelte versehentlich eine junge Frau an, kassierte eine Ohrfeige und hoffte, dass sie seine Entschuldigung noch irgendwie hörte.
Atemlos hechelte er durch die Burgtore und kam inmitten der Menschenmenge, die sich dort bereits gebildet hatte, vor dem großen Galgen zum Stehen. Irgendetwas tippte ihn von rechts an und dann schauten ihn John, Allan und Djaq nickend an.
Zugegeben, der Bart des alten Mannes war sehr imposant. Er erinnerte Robin an Geschichten um Druiden, Jahrhunderte alt. Sein Kindermädchen hatte ihm früher davon erzählt.
Am Schlosstor auf der Steintreppe standen wie die Orgelpfeifen Guy of Gisborne, Marian und der Sheriff von Nottingham, umgeben von Wachen und Soldaten.
Es war der Sheriff, der eine amtliche Papierrolle aufzog und sich umständlich räusperte.
„Dieser Mann...“ Er schaute zur Seite zu Marian.
„Wie heißt der nochmal? Ah ja. Merlin von Camelot – wo auch immer das sein soll – wird zur Last gelegt, sich unerlaubt Zutritt zum Schloss verschafft zu haben.“
„Eure Wachen fordern es ja auch heraus!“, rief der alte Mann plötzlich, als sei er gefragt worden.
Seltsam, obwohl er überaus alt und klapprig aussah, umspielte etwas Merkwürdiges seine Gesichtszüge. Wie ein junges Glänzen. Man konnte es nicht genau beschreiben. Aber da war definitiv etwas Besonderes.
„Dumm, blind und taub, wenn Ihr mich fragt! Bezahlt Ihr sie nicht? Oder gebt Ihr Ihnen zu viel Wein?“
In der Menge fingen einige an zu lachen.
Allan knuffte Robin grinsend von der Seite an;
„Komm schon, den müssen wir retten! Wen, wenn nicht den?!“
Er zeigte Robin seine beiden erhobenen Daumen und bedachte ihn mit einem dieser Blicke aus seinen lächerlich blauen Augen. Robin seufzte und wackelte mit dem Kopf.
„Na schön“, sagte er.
„Wir retten ihn.“
„Genug jetzt!“, ereiferte sich der Sheriff und das Lachen der Umstehenden verstummte abrupt.
„Ich lass mich doch nicht zum Gespött der Leute machen!“ Er fuchtelte mit seinen kleinen Händen und den kurzen Stubbelfingern in der Luft herum als würde er Dinge hineinschreiben.
„Hängt den Greis und dann ab zur Tagesordnung!“
Robin hatte die Hand an seinem Bogen und einen Pfeil aus dem Köcher gezogen. Links von ihm umfasste Will seine Axt, rechts griff Little John nach seinem Stab. Djaq wuselte nach vorne, quer durch die Menge der Schaulustigen und Allan war verschwunden, Gott wusste, wohin. Der Henker nickte seinem Gesellen zu und mindestens hundertfünfzig Münder hielten den Atem an.
Es stellte sich heraus, dass Merlin ihre Hilfe überhaupt nicht benötigte. Er murmelte etwas Unverständliches in seinen unendlich langen Bart und dann geschah etwas Merkwürdiges.
Der Strick um seinen Hals riss. Er trennte sich einfach durch. Robin schaute sich um, ob Allan irgendwo wieder aufgetaucht war und einen Pfeil abgeschossen hatte. Doch da war niemand. Das erste, was Robin tat, war, aufzuatmen: Allan war im Bogenschießen nicht über Nacht so gut geworden wie er selbst. Das zweite war, den Augenblick der allgemeinen Verblüffung dafür zu nutzen, einen Tumult loszutreten. Er sandte einen Pfeilregen in Richtung Sheriff und Gisborne, jederzeit darauf bedacht, Marian möglichst aus der Sache rauszulassen. Gisborne stolperte und flog der Länge nach auf der Steintreppe hin, halb unter sich den Sheriff begraben. Er bremste hübsch mit seiner ohnehin zu großen Nase ab und aus seinem Mund kamen Worte, die ein Mann seines Standes eigentlich nicht kennen sollte. Merlin sprang mit ungeahnter Eleganz vom Podest seines Galgens und Robin bekam seinen Ärmel zu fassen.
„Robin von Locksley! Ich kann dir helfen!“
Der alte Mann blinzelte nicht einmal.
„Ich brauche keine, aber sei bedankt!“
Himmel, wie geschwollen sprach der denn? Robin hatte Glück, direkt neben diesem Merlin zu stehen, um zu erfahren, dass Much Recht gehabt hatte. Der alte Mann säuselte Worte in einer Sprache, die so alt klang wie die Zeit selbst. Keinen Augenblick später lagen alle Wachen, die sich ihnen in den Weg gestellt hatten, auf dem Rücken und wedelten wie Schildkröten hilflos mit den Armen.
Merlin grinste ihn an.
„Wie ich schon sagte. Aber ich kann euch helfen, wenn's beliebt.“
Er nickte über seine Schulter.
An John klebten drei Schlosswachen wie Schmeißfliegen. Much wurde verfolgt von zwei weiteren und irgendwo weiter hinten versuchte Allan (aha, da war der also abgeblieben!) es, mit vieren gleichzeitig aufzunehmen.
Robin sah den Fremden an und nickte hektisch:
„Ja. Ja, bitte.“
Nun, womöglich hatte sich die Unterbrechung seines Mittagschlafes doch gelohnt. Gelohnt war vielleicht nicht das passendste Wort, denn Marian war sofort wieder augenrollend im Schloss verschwunden und hatte ihn keines Blickes gewürdigt. Die Welt war ein weniger schöner Ort, wenn sie das tat.
Aber Merlin, der nun offensichtlich wirklich ein Zauberer war, hockte in ihrer Runde und lobte Muchs Eintopf, was diesem die Augen übergehen ließ.
„Niemand achtete darauf, was ich koche!“, schluchzte Much und wischte sich mit seiner Mütze das Gesicht trocken.
„Ich falle immer nur auf, wenn ich nicht da bin!“
„Jaja, ist ja gut, hör auf, rumzuflennen!“ Allan rollte seine Augen gen Himmel.
Aber Merlin – dieser alte, komische Mann – er schaute Much an, als wäre dieser so etwas wie ein Lieblingsenkel.
„Du bist nicht selbstverständlich“, sagte er bedeutungsschwanger.
„Und das werden sie auch erkennen.“
Much zitterte die Unterlippe.
„Hach, danke!“
Es hätte nicht viel gefehlt und er wäre dem Zauberer in die Arme gefallen.
„Was ich gerne wüsste“, sagte Robin und wartete ungeduldig bis Much sich wieder beruhigt hatte;
„was dich nach Nottingham verschlagen hat. Zauberer hin oder her, es ist ziemlich gefährlich dort.“
Merlin kaute nachdenklich auf seinem Eintopf herum. Womöglich lag es am Schlafmangel, aber Robin glaubte, Melancholie in diesem alt-jungen Gesicht aufwallen zu sehen.
„Alte Gewohnheit“, sagte der Zauberer mit nachdenklicher Miene.
„Ein wenig hinein- und wieder herausschleichen. Von eurem Sheriff will ich ja gar nichts. Aber manchmal ist ein wenig Stillstand ganz gut. Viele Dinge ändern sich zu schnell – und andere, von denen man möchte, dass sie sich ändern, bleiben stets gleich.“
Auf den tiefen Falten flackerte ein winziges Schmunzeln auf.
„Aber unfähige Wachmänner sind beileibe nichts Schlechtes am Stillstand. Ich wollte mich lediglich amüsieren.“
Robin lächelte ihn an. Er war sich nicht ganz sicher, ob er verstand, was ihm der alte Mann sagen wollte.
„Es ist so...“ Merlin seufzte.
„Ich habe jemanden verloren. Meinen König. Meinen besten Freund. Ich warte auf ihn, aber ich weiß nicht, wann er zurückkommt. Es ist nur vernünftig, sich die Zeit zwischendurch zu vertreiben.“
„Das tut mir leid“, sagte Robin und die gesamte Bande nickte schuldbewusst und traurig. Selbst Allan ließ den Kopf hängen. Wahrscheinlich dachte er an seinen Bruder.
„Wann hast du ihn verloren?“, fragte Much.
Merlin kaute auf seiner Lippe herum, wie es alte Leute gelegentlich taten.
„Vor etwa siebenhundert Jahren. Es ist seltsam. Eigentlich hätte ich ihn längst vergessen sollen.“
Dann lachte er leise und er ignorierte, dass gerade jeder der Anwesenden etwas hatte fallenlassen. Er war ein alter Mann. Man konnte spüren, dass es ihm mit der Geheimhaltung solcher Fakten nicht mehr wichtig war.
„Aber jemanden, der so nervtötend ist wie Arthur, vergisst man einfach nicht.“
Sie winkten Merlin durch das grüne Laub der niedrigen Bäume nach.
„Nie und nimmer ist der siebenhundert Jahre alt.“
Allan grinste und winkte freundlich, während er durch die Zähne zischelte.
„Das geht doch gar nicht. Ich will ja nichts sagen, aber das war nur ein alter Verrückter.“
Das nächste, was er tat, war, vor Schmerz aufzujaulen. Much ließ bedrohlich seinen größten Kochlöffel über ihm tanzen.
„Noch ein Wort und du kannst dir deine Suppe selber kochen!“
Robin konnte nichts dagegen tun. Der arme alte Zauberer hatte ihn gerührt. Er schaute ihm lächelnd nach bis Much und Allan kurz davor waren, sich an den Haaren zu ziehen und Little John dazwischengehen musste.
no subject
Date: 2013-08-13 04:44 pm (UTC)es ist immer so traurig, wenn ich daran denke, wie lange er auf Arthur wartet und ganz allein ist.
Süß, wie sie ihm helfen wollen und etwas failen*g*