Selbstliebe
May. 8th, 2013 10:47 pmFandom: Original
Challenge: Versöhnung (vom 03.12.2012)
Wörter: 320
Warnung: Erwähnung von Selbstmordversuchen, dark
Sie sitzt auf dem Stuhl und hat die Hände in den Schoß gefaltet.
Ihre Krankenakte sagt, dass sie vierunddreißig ist. Ihr Gesicht behauptet, dass sie dreiundvierzig ist.
Ihre Seele flüstert, dass sie fünfzehn ist.
Ihr Haar kann sich nicht entscheiden, ob es blond, braun oder grau sein möchte. Ihr Körper ist sich nicht sicher, ob er fest oder unförmig oder einfach nur dick sein soll.
Manchmal zittern ihre Finger. Manchmal blinzelt sie zu oft und ihre Augen haben die Farbe von Straßenstaub.
Man kann sie leicht übersehen. Man vergisst sie definitiv. Bis zur nächsten Sitzung, zu der sie durch die Tür gleitet als wolle sie einem vormachen, dass sie schwerelos sein kann und dass ihr Körper nur der Schatten schwarzer Materie ist, die ihre Welt auffrisst wie ein formloses Monster.
Sie ist nicht dumm, nur einfältig.
Ihren ersten Selbstmordversuch beging sie mit Schlaftabletten, die in der Überdosis schon seit Jahrzehnten nicht mehr tödlich wirken.
Während ihres zweiten schlitzte sie sich die Handgelenke auf, offensichtlich ohne von der Faustregel Down the road, not across the street gehört zu haben.
Wenn sie gerade ihren dritten plant, erwähnt sie es nicht. Man kann nur hoffen, dass der nächste Versuch genauso undurchdacht endet wie die beiden davor. Einige der Therapeuten haben bereits Wetten abgeschlossen.
Bis sie davon erfuhr.
Und all ihre Zigaretten als Wetteinsatz investierte.
Es ist nicht so, dass sie nie lächelt. Sie tut es nur nie der Höflichkeit wegen.
Aber wenn sie ihre tägliche halbe Stunde Internet bekommt, krümmt sie sich hin und wieder vor Lachen vor dem Bildschirm zusammen. Es klingt leise und erstickt und hat im ersten Augenblick den Anschein verzweifelten Schluchzens.
Sie gluckst atemlos während auf dem Monitor kleine Kätzchen mit seltsamen Hüten an Regalen hinunterfallen bis ihr Gesicht puterrot wird.
„Die beste Beziehung in meinem Leben“, wiederholt sie die Frage und scheint sorgfältig jede Silbe mit den Lippen zu betasten.
„Zu meiner Klitoris.“
Dann lächelt sie.
Challenge: Versöhnung (vom 03.12.2012)
Wörter: 320
Warnung: Erwähnung von Selbstmordversuchen, dark
Sie sitzt auf dem Stuhl und hat die Hände in den Schoß gefaltet.
Ihre Krankenakte sagt, dass sie vierunddreißig ist. Ihr Gesicht behauptet, dass sie dreiundvierzig ist.
Ihre Seele flüstert, dass sie fünfzehn ist.
Ihr Haar kann sich nicht entscheiden, ob es blond, braun oder grau sein möchte. Ihr Körper ist sich nicht sicher, ob er fest oder unförmig oder einfach nur dick sein soll.
Manchmal zittern ihre Finger. Manchmal blinzelt sie zu oft und ihre Augen haben die Farbe von Straßenstaub.
Man kann sie leicht übersehen. Man vergisst sie definitiv. Bis zur nächsten Sitzung, zu der sie durch die Tür gleitet als wolle sie einem vormachen, dass sie schwerelos sein kann und dass ihr Körper nur der Schatten schwarzer Materie ist, die ihre Welt auffrisst wie ein formloses Monster.
Sie ist nicht dumm, nur einfältig.
Ihren ersten Selbstmordversuch beging sie mit Schlaftabletten, die in der Überdosis schon seit Jahrzehnten nicht mehr tödlich wirken.
Während ihres zweiten schlitzte sie sich die Handgelenke auf, offensichtlich ohne von der Faustregel Down the road, not across the street gehört zu haben.
Wenn sie gerade ihren dritten plant, erwähnt sie es nicht. Man kann nur hoffen, dass der nächste Versuch genauso undurchdacht endet wie die beiden davor. Einige der Therapeuten haben bereits Wetten abgeschlossen.
Bis sie davon erfuhr.
Und all ihre Zigaretten als Wetteinsatz investierte.
Es ist nicht so, dass sie nie lächelt. Sie tut es nur nie der Höflichkeit wegen.
Aber wenn sie ihre tägliche halbe Stunde Internet bekommt, krümmt sie sich hin und wieder vor Lachen vor dem Bildschirm zusammen. Es klingt leise und erstickt und hat im ersten Augenblick den Anschein verzweifelten Schluchzens.
Sie gluckst atemlos während auf dem Monitor kleine Kätzchen mit seltsamen Hüten an Regalen hinunterfallen bis ihr Gesicht puterrot wird.
„Die beste Beziehung in meinem Leben“, wiederholt sie die Frage und scheint sorgfältig jede Silbe mit den Lippen zu betasten.
„Zu meiner Klitoris.“
Dann lächelt sie.
no subject
Date: 2013-05-09 01:32 pm (UTC)no subject
Date: 2013-05-10 12:14 pm (UTC)Naja, du weißt, man geht generell immer sehr hart mit sich ins Gericht. Vor allem dann, wenn es stilistisch nicht so vorwärts geht, wie man das gerne hätte. Wir haben doch alle unsere Schwachstellen.
no subject
Date: 2013-05-10 12:26 pm (UTC)Allerdings weiß ich selbst, dass man immer sein größter Kritiker ist. Das ist irgendwie bei jedem so, der es im Grunde nicht nötig hat.