Fandom: Atelier Iris: Eternal Mana
Challenge: #1+#3
Charaktere: Zeldalia, Norn
Achtung!: Bestiality (oder so... ähm. *kopfkratz*)
Zusammenfassung: Es regnet, doch Katzen mögen keinen Regen...
A/N: Spielt ein paar Jährchen nach den Geschehnissen des Spiels. Norn ist so um die fünfzehn Jahre alt.
Regenzeit
Zeldalia streckte ihre Beine von sich, rollte sich nach rechts, nach links, gähnte, und setzte sich mit einem kräftigen Ruck ihres Oberkörpers auf. „Auuuu“, jaulte sie. Ihr Rücken wurde und wurde einfach nicht besser. Sie klopfte sich auf die Wirbelsäule und stand gebückt auf. Wie die Leiter herunter? Wenn sie doch nur fliegen könnte... aber leider hatte sie den nötigen Gegenstand dazu unten und nicht oben. Zu dumm. Sie knirschte mit den Zähnen und stieg so langsam wie möglich die Treppe herunter, ohne diese dabei zum Umfallen zu bringen. Von draußen prasselten Regentropfen gegen die großen runden Fenster.
Unten wartete schon Norn auf sie, die sich ein viel zu großes Brötchen in den Mund schob. „Moffen!“
Zeldalia lächelte. „Guten Morgen, Norn.“ Sie strich über die weichen Katzenohren. Norn hatte sich noch nicht angezogen und saß nur in Unterwäsche am reich gedeckten Frühstückstisch. „Hast du die Brötchen gebacken?“
Norn schluckte das Stück Honigbrötchen herunter. „Ja, hab ich!“ Ihr Strahlen war schöner als die Morgensonne – Zeldalia fühlte sich sofort wach. „Setz dich doch“, sagte Norn, stand auf und zog einen Stuhl heraus. Zeldalia setzte sich.
„Was haben wir denn heute alles vor?“
„Es regnet“, sagte Norn. Ihr buschiger Katzenschwanz schlang sich um ihre Hüften.
„Also nichts draußen“, sagte Zeldalia, während sie sich ein Brötchen aufschnitt.
Norn sah immer wieder zum großen Kessel. Hatte sie wieder heimlich versucht, Alchemie zu üben? Zeldalia hatte es ihr ausdrücklich verboten. Norn war ein Katzenmädchen, keine Alchemistin. Zwar konnte sie leichte Gegenstände erschaffen, aber nichts magisches. Dank ihrer sturen Neugier probierte sie es aber dennoch immer wieder.
Zeldalia beobachtete sie noch eine Weile. Dann sagte sie: „Norn.“
Norn wandte sich zu ihr um und salutierte. „Ja?“
„Was starrst du denn immer zum Kessel?“
„Och“, machte Norn und sah ihre nackten Füße an. Sie kratzte mit den Zehen über den Fußrücken. „Nichts weiter. Er sollte mal wieder geputzt werden.“
Zeldalia lachte. „Sollte er? Ja, das sollte er wohl. Aber dass so was ausgerechnet von dir kommt...“ Sie schüttelte den Kopf. Da steckte doch was anderes dahinter! Was, das war die Frage. Aber die würde sich leicht beantworten lassen. Sie legte die angebissene Brötchenhälfte zurück auf den Teller, erhob sich langsam (oh, wie ihr der Rücken wehtat!) und ging zum Kessel.
Norn sog scharf die Luft ein und hielt den Atem an.
Zeldalia pfiff ein Liedchen, während sie langsam um den Kessel herumging. Ah, und da war das Geheimnis auch schon gelüftet. „Aber Norn!“
„Es tut mir so Lei-hei-heid!“ Norn schmiss sich vor Zeldalia auf den Boden und umklammerte ihre Beine. Zeldalia lächelte zu ihr herab.
„Du kannst deine kleine Freundin doch nicht dazu zwingen, die ganze Zeit still hinterm Kessel zu hocken.“
„Nur bis der Regen aufhört! Sie mag doch keinen Regen!“
Zeldalia bückte sich, soweit es ging, ohne dass sie das Gefühl hatte, ihr Rücken würde zerbröseln, griff nach Norns Armen und zog sie hoch. Kleine Tränchen kullerten über ihre Wangen.
Die braungestreifte Werkatze kam hinter dem Kessel hervor und legte die Ohren an.
„Kleine Kätzchen mögen nie den Regen, aber er ist gut für die Bäume und Blumen, und die mögt ihr doch?“ Sie sah von der ängstlich umherblickenden Werkatze zu Norn.
Die beiden nickten.
„Na also“, sagte sie. „Wie heißt du denn?“ Es war anstrengend, sich hinzuknien, aber sie wollte nicht, dass die Werkatze noch mehr Angst bekam.
„Murr.“
Zeldalia hob die Brauen. „Heißt sie wirklich so?“, fragte sie Norn.
Norn nickte stumm. Sie schluchzte noch immer, auch wenn die Tränen versiegt waren. „Sie ist meine lie... lie... liebste Freundin!“
Murr miaute laut. „Norn ist auch meine liebste Freundin!“
Die beiden Katzenmädchen fielen sich in die Arme. Da Murr nicht auf den Hinterbeinen gehen konnte wie Norn fiel sie um, aber das schien sie nicht zu stören.
Zeldalia betrachtete die beiden kieksenden Mädchen eine Weile, dann schüttelte sie seufzend den Kopf und setzte sich wieder an den Tisch um ihr Frühstück zu beenden.
Norn und Murr kamen noch an den Tisch, bevor sie das letzte Stück Brötchen heruntergeschluckt hatte. „Was ist denn noch, Norn? Ich sagte doch, sie kann hier bleiben. Du kannst sie ruhig öfter mal einladen, aber dann sag mir das bitte vorher, ja?“
Zeldalia lächelte. „Aber nein. Woher denn? Du hast ja nichts schlimmes getan. Mir ist es lieber, du bringst deine Freunde mit hierher, als dass du wieder versuchst, irgendwelche Orden herzustellen.“
Norn lachte leise. Murr stimmte mit ein.
„Hast du doch nicht, oder?“
Beide verstummten sofort. „Nein, hab ich nicht!“, sagte Norn.
Sie betrachtete sie noch einen Moment lang streng, dann nickte sie. „Gut. Du weißt, das kann sehr gefährlich werden.“ Es wäre nicht das erste Mal, das Teile des Hauses weggesprengt wurden. Das zu beheben war dank Magie nicht schwer, aber dennoch war es nicht erfreulich – immerhin, den Ruß putzte keine Magie der Welt weg, das musste man selbst erledigen.
„Ja“, grummelte Norn. Sie zog eine Schnute und kletterte dann die Leiter hoch. „Ich zieh mich mal an“, rief sie noch.
Zeldalia wandte sich an Murr. Die Werkatze wirkte noch immer verunsichert. „Na, wie lange kennt ihr euch denn schon?“
„Zwei Wochen“, antwortete Murr leise.
Dass ihr Norn davon nichts erzählt hatte? Normalerweise war sie doch immer ganz aufgeregt, wenn sie jemanden kennen gelernt hatte. Bisher hatte Zeldalia Norns Freunde noch kennen lernen dürfen, bevor diese überhaupt wussten, dass sie Freunde waren.
Zeldalia betrachtete die Werkatze etwas genauer. Sie war schlank, aber muskulöser als die meisten. Während Murr durch den ersten Stock strich und alles beschnüffelte, fiel Zeldalia ein, was ihr gleich merkwürdig an der Katze vorgekommen war. „Du liebe Güte. Du bist gar keine Katze. Du bist ein Kater!“
Norn war gerade die Leiter heruntergekraxelt gekommen. Sie hatte einen hohen Schrei losgelassen. Ihr Gesicht war knallrot, als Zeldalia sich zu ihr drehte.
Sie grinste. „Ach, so ein Freund ist das?“
Norn hielt sich die Hände vors Gesicht. Murr war zu ihr getappt und legte seinen langen, dunkelbraunen Schwanz um sie. „Gar nicht ‚so ein Freund’! Ich weiß gar nicht, was du meinst, so!“, sagte Norn.
„Aber das muss dir doch nicht peinlich sein. Du kommst eben langsam in dieses Alter...“
„Nein!“, sagte Norn und ihr ganzer Körper zitterte.
Zeldalia seufzte und schloss die Augen. Für ein Wesen wie Norn musste es noch eine ganze Ecke schwerer sein. Immerhin, ihre Triebe waren ausgeprägter und es war definitiv die richtige Zeit für die Fortpflanzung von Werkatzen. „Norn, hör mir zu. Das ist nicht schlimm, und Murr darf trotzdem hier...“
„Nein, so ist das alles gar nicht!“ Norn ließ die Hände sinken und krallte die Finger in ihr Kleid. Zeldalia hatte es ihr letzten Monat geschenkt. Es war weiß und hatte einen bauschigen Rockteil.
Sie ging zu ihr und nahm sie in den Arm. Norn wehrte sich nicht sondern ließ den Kopf auf Zeldalias Brust sinken. „Shh, schon in Ordnung.“
Murr saß unschlüssig neben ihnen. Er schien mit sich zu hadern, ob er wohl besser verschwinden sollte.
„Ich war doch auch mal verliebt“, sagte Zeldalia nach einer Weile. Norn hatte sich noch immer nicht beruhigt, aber jetzt hob sie den Kopf und sah sie fragend an.
„Wirklich? Warst du?“ Norn schielte kurz zu Murr, der sie anlächelte. Sie wurde rot und wandte den Blick wieder ab.
„Ja, war ich! Das ist natürlich schon ein paar Jahrzehntchen her, aber ja, ich war auch mal verliebt“, sie seufzte, „und wie sogar!“
Dass sie das noch mal wem erzählen würde, hatte sie auch nicht erwartet. Andererseits hätte sie es voraussehen können, wo sie ein älter werdendes Katzenmädchen adoptiert hatte. Utopisch, dass sie nie auf das Thema zu sprechen kommen würden. Jetzt war der Moment also gekommen.
„Und wie war das?“ Norn betonte das ‚das’ so deutlich, dass Zeldalia mit einem Schlag selbst errötete. So direkt kannte sie Norn gar nicht. Wenigstens nicht, was Zeldalia betraf. Sie war neugierig, ja, aber ihre Meisterin bedrängte sie normalerweise nicht mit solchen Fragen.
„Ähm.“ Zeldalia überlegte. Wollte sie Norn ‚das’ überhaupt sagen? Hatte sie es auch richtig verstanden? Oder würde sie sich um Kopf und Kragen reden? „Es war anders als Alchemie“, sagte sie schließlich.
Norn nickte heftig. „Das klingt logisch.“
Natürlich tat es das. Nichts war wie etwas anderes. Zeldalia kaute auf ihrer Unterlippe. „Es war neu, aber es fühlte sich nicht so an.“ Sie lächelte als sie sich daran erinnerte, wie besorgt der junge Ritter um sie gewesen war. Letztendlich war die Sorge umsonst gewesen. Selbst wenn er ihr wehgetan hätte, sie hätte ihn ja einfach in die Luft jagen können. Den Witz hatte er nie lustig gefunden, aber das hatte sie ihm nicht übel genommen. Lange Zeit nicht, bis sie dann auseinander gingen. Auch wegen so einer Sache – weil er nicht verstand, weil er Angst hatte vor den Weiten der Alchemie. Sie seufzte leise. „Also, Norn, mach dir bitte nicht so viele Sorgen. Ich bin doch immer da, wenn du mich brauchst.“
Norns Ohren schnellten in die Höhe und ihr Schwanz kringelte sich. „Oh ja, das bist du!“
„Dann brauchst du dich vor nichts zu fürchten. Außer mir, versteht sich.“
„Ehh?“ Norn wich zurück.
Zeldalia stemmte die Hände in die Hüften und lachte. „Verheimliche mir nie wieder etwas, dann hast du nichts zu befürchten. Du auch nicht“, sagte sie an Murr gewandt.
„Aye!“, riefen die beiden Werkatzen synchron.
Ob sie wohl nächstes Jahr auf lauter kleine Werkatzenbabys aufpassen müssen würde? Na ja, wenigstens war damit das Fortbestehen dieser eigenwilligen Rasse im Poto’s Forest weitestgehend gesichert.
Challenge: #1+#3
Charaktere: Zeldalia, Norn
Achtung!: Bestiality (oder so... ähm. *kopfkratz*)
Zusammenfassung: Es regnet, doch Katzen mögen keinen Regen...
A/N: Spielt ein paar Jährchen nach den Geschehnissen des Spiels. Norn ist so um die fünfzehn Jahre alt.
Zeldalia streckte ihre Beine von sich, rollte sich nach rechts, nach links, gähnte, und setzte sich mit einem kräftigen Ruck ihres Oberkörpers auf. „Auuuu“, jaulte sie. Ihr Rücken wurde und wurde einfach nicht besser. Sie klopfte sich auf die Wirbelsäule und stand gebückt auf. Wie die Leiter herunter? Wenn sie doch nur fliegen könnte... aber leider hatte sie den nötigen Gegenstand dazu unten und nicht oben. Zu dumm. Sie knirschte mit den Zähnen und stieg so langsam wie möglich die Treppe herunter, ohne diese dabei zum Umfallen zu bringen. Von draußen prasselten Regentropfen gegen die großen runden Fenster.
Unten wartete schon Norn auf sie, die sich ein viel zu großes Brötchen in den Mund schob. „Moffen!“
Zeldalia lächelte. „Guten Morgen, Norn.“ Sie strich über die weichen Katzenohren. Norn hatte sich noch nicht angezogen und saß nur in Unterwäsche am reich gedeckten Frühstückstisch. „Hast du die Brötchen gebacken?“
Norn schluckte das Stück Honigbrötchen herunter. „Ja, hab ich!“ Ihr Strahlen war schöner als die Morgensonne – Zeldalia fühlte sich sofort wach. „Setz dich doch“, sagte Norn, stand auf und zog einen Stuhl heraus. Zeldalia setzte sich.
„Was haben wir denn heute alles vor?“
„Es regnet“, sagte Norn. Ihr buschiger Katzenschwanz schlang sich um ihre Hüften.
„Also nichts draußen“, sagte Zeldalia, während sie sich ein Brötchen aufschnitt.
Norn sah immer wieder zum großen Kessel. Hatte sie wieder heimlich versucht, Alchemie zu üben? Zeldalia hatte es ihr ausdrücklich verboten. Norn war ein Katzenmädchen, keine Alchemistin. Zwar konnte sie leichte Gegenstände erschaffen, aber nichts magisches. Dank ihrer sturen Neugier probierte sie es aber dennoch immer wieder.
Zeldalia beobachtete sie noch eine Weile. Dann sagte sie: „Norn.“
Norn wandte sich zu ihr um und salutierte. „Ja?“
„Was starrst du denn immer zum Kessel?“
„Och“, machte Norn und sah ihre nackten Füße an. Sie kratzte mit den Zehen über den Fußrücken. „Nichts weiter. Er sollte mal wieder geputzt werden.“
Zeldalia lachte. „Sollte er? Ja, das sollte er wohl. Aber dass so was ausgerechnet von dir kommt...“ Sie schüttelte den Kopf. Da steckte doch was anderes dahinter! Was, das war die Frage. Aber die würde sich leicht beantworten lassen. Sie legte die angebissene Brötchenhälfte zurück auf den Teller, erhob sich langsam (oh, wie ihr der Rücken wehtat!) und ging zum Kessel.
Norn sog scharf die Luft ein und hielt den Atem an.
Zeldalia pfiff ein Liedchen, während sie langsam um den Kessel herumging. Ah, und da war das Geheimnis auch schon gelüftet. „Aber Norn!“
„Es tut mir so Lei-hei-heid!“ Norn schmiss sich vor Zeldalia auf den Boden und umklammerte ihre Beine. Zeldalia lächelte zu ihr herab.
„Du kannst deine kleine Freundin doch nicht dazu zwingen, die ganze Zeit still hinterm Kessel zu hocken.“
„Nur bis der Regen aufhört! Sie mag doch keinen Regen!“
Zeldalia bückte sich, soweit es ging, ohne dass sie das Gefühl hatte, ihr Rücken würde zerbröseln, griff nach Norns Armen und zog sie hoch. Kleine Tränchen kullerten über ihre Wangen.
Die braungestreifte Werkatze kam hinter dem Kessel hervor und legte die Ohren an.
„Kleine Kätzchen mögen nie den Regen, aber er ist gut für die Bäume und Blumen, und die mögt ihr doch?“ Sie sah von der ängstlich umherblickenden Werkatze zu Norn.
Die beiden nickten.
„Na also“, sagte sie. „Wie heißt du denn?“ Es war anstrengend, sich hinzuknien, aber sie wollte nicht, dass die Werkatze noch mehr Angst bekam.
„Murr.“
Zeldalia hob die Brauen. „Heißt sie wirklich so?“, fragte sie Norn.
Norn nickte stumm. Sie schluchzte noch immer, auch wenn die Tränen versiegt waren. „Sie ist meine lie... lie... liebste Freundin!“
Murr miaute laut. „Norn ist auch meine liebste Freundin!“
Die beiden Katzenmädchen fielen sich in die Arme. Da Murr nicht auf den Hinterbeinen gehen konnte wie Norn fiel sie um, aber das schien sie nicht zu stören.
Zeldalia betrachtete die beiden kieksenden Mädchen eine Weile, dann schüttelte sie seufzend den Kopf und setzte sich wieder an den Tisch um ihr Frühstück zu beenden.
Norn und Murr kamen noch an den Tisch, bevor sie das letzte Stück Brötchen heruntergeschluckt hatte. „Was ist denn noch, Norn? Ich sagte doch, sie kann hier bleiben. Du kannst sie ruhig öfter mal einladen, aber dann sag mir das bitte vorher, ja?“
Zeldalia lächelte. „Aber nein. Woher denn? Du hast ja nichts schlimmes getan. Mir ist es lieber, du bringst deine Freunde mit hierher, als dass du wieder versuchst, irgendwelche Orden herzustellen.“
Norn lachte leise. Murr stimmte mit ein.
„Hast du doch nicht, oder?“
Beide verstummten sofort. „Nein, hab ich nicht!“, sagte Norn.
Sie betrachtete sie noch einen Moment lang streng, dann nickte sie. „Gut. Du weißt, das kann sehr gefährlich werden.“ Es wäre nicht das erste Mal, das Teile des Hauses weggesprengt wurden. Das zu beheben war dank Magie nicht schwer, aber dennoch war es nicht erfreulich – immerhin, den Ruß putzte keine Magie der Welt weg, das musste man selbst erledigen.
„Ja“, grummelte Norn. Sie zog eine Schnute und kletterte dann die Leiter hoch. „Ich zieh mich mal an“, rief sie noch.
Zeldalia wandte sich an Murr. Die Werkatze wirkte noch immer verunsichert. „Na, wie lange kennt ihr euch denn schon?“
„Zwei Wochen“, antwortete Murr leise.
Dass ihr Norn davon nichts erzählt hatte? Normalerweise war sie doch immer ganz aufgeregt, wenn sie jemanden kennen gelernt hatte. Bisher hatte Zeldalia Norns Freunde noch kennen lernen dürfen, bevor diese überhaupt wussten, dass sie Freunde waren.
Zeldalia betrachtete die Werkatze etwas genauer. Sie war schlank, aber muskulöser als die meisten. Während Murr durch den ersten Stock strich und alles beschnüffelte, fiel Zeldalia ein, was ihr gleich merkwürdig an der Katze vorgekommen war. „Du liebe Güte. Du bist gar keine Katze. Du bist ein Kater!“
Norn war gerade die Leiter heruntergekraxelt gekommen. Sie hatte einen hohen Schrei losgelassen. Ihr Gesicht war knallrot, als Zeldalia sich zu ihr drehte.
Sie grinste. „Ach, so ein Freund ist das?“
Norn hielt sich die Hände vors Gesicht. Murr war zu ihr getappt und legte seinen langen, dunkelbraunen Schwanz um sie. „Gar nicht ‚so ein Freund’! Ich weiß gar nicht, was du meinst, so!“, sagte Norn.
„Aber das muss dir doch nicht peinlich sein. Du kommst eben langsam in dieses Alter...“
„Nein!“, sagte Norn und ihr ganzer Körper zitterte.
Zeldalia seufzte und schloss die Augen. Für ein Wesen wie Norn musste es noch eine ganze Ecke schwerer sein. Immerhin, ihre Triebe waren ausgeprägter und es war definitiv die richtige Zeit für die Fortpflanzung von Werkatzen. „Norn, hör mir zu. Das ist nicht schlimm, und Murr darf trotzdem hier...“
„Nein, so ist das alles gar nicht!“ Norn ließ die Hände sinken und krallte die Finger in ihr Kleid. Zeldalia hatte es ihr letzten Monat geschenkt. Es war weiß und hatte einen bauschigen Rockteil.
Sie ging zu ihr und nahm sie in den Arm. Norn wehrte sich nicht sondern ließ den Kopf auf Zeldalias Brust sinken. „Shh, schon in Ordnung.“
Murr saß unschlüssig neben ihnen. Er schien mit sich zu hadern, ob er wohl besser verschwinden sollte.
„Ich war doch auch mal verliebt“, sagte Zeldalia nach einer Weile. Norn hatte sich noch immer nicht beruhigt, aber jetzt hob sie den Kopf und sah sie fragend an.
„Wirklich? Warst du?“ Norn schielte kurz zu Murr, der sie anlächelte. Sie wurde rot und wandte den Blick wieder ab.
„Ja, war ich! Das ist natürlich schon ein paar Jahrzehntchen her, aber ja, ich war auch mal verliebt“, sie seufzte, „und wie sogar!“
Dass sie das noch mal wem erzählen würde, hatte sie auch nicht erwartet. Andererseits hätte sie es voraussehen können, wo sie ein älter werdendes Katzenmädchen adoptiert hatte. Utopisch, dass sie nie auf das Thema zu sprechen kommen würden. Jetzt war der Moment also gekommen.
„Und wie war das?“ Norn betonte das ‚das’ so deutlich, dass Zeldalia mit einem Schlag selbst errötete. So direkt kannte sie Norn gar nicht. Wenigstens nicht, was Zeldalia betraf. Sie war neugierig, ja, aber ihre Meisterin bedrängte sie normalerweise nicht mit solchen Fragen.
„Ähm.“ Zeldalia überlegte. Wollte sie Norn ‚das’ überhaupt sagen? Hatte sie es auch richtig verstanden? Oder würde sie sich um Kopf und Kragen reden? „Es war anders als Alchemie“, sagte sie schließlich.
Norn nickte heftig. „Das klingt logisch.“
Natürlich tat es das. Nichts war wie etwas anderes. Zeldalia kaute auf ihrer Unterlippe. „Es war neu, aber es fühlte sich nicht so an.“ Sie lächelte als sie sich daran erinnerte, wie besorgt der junge Ritter um sie gewesen war. Letztendlich war die Sorge umsonst gewesen. Selbst wenn er ihr wehgetan hätte, sie hätte ihn ja einfach in die Luft jagen können. Den Witz hatte er nie lustig gefunden, aber das hatte sie ihm nicht übel genommen. Lange Zeit nicht, bis sie dann auseinander gingen. Auch wegen so einer Sache – weil er nicht verstand, weil er Angst hatte vor den Weiten der Alchemie. Sie seufzte leise. „Also, Norn, mach dir bitte nicht so viele Sorgen. Ich bin doch immer da, wenn du mich brauchst.“
Norns Ohren schnellten in die Höhe und ihr Schwanz kringelte sich. „Oh ja, das bist du!“
„Dann brauchst du dich vor nichts zu fürchten. Außer mir, versteht sich.“
„Ehh?“ Norn wich zurück.
Zeldalia stemmte die Hände in die Hüften und lachte. „Verheimliche mir nie wieder etwas, dann hast du nichts zu befürchten. Du auch nicht“, sagte sie an Murr gewandt.
„Aye!“, riefen die beiden Werkatzen synchron.
Ob sie wohl nächstes Jahr auf lauter kleine Werkatzenbabys aufpassen müssen würde? Na ja, wenigstens war damit das Fortbestehen dieser eigenwilligen Rasse im Poto’s Forest weitestgehend gesichert.