[identity profile] tsutsumi.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Fandom: Digimon (02)
Challenge: "Ich heule nicht, das liegt an den verdammten Zwiebeln!" "Hier sind nirgends Zwiebeln, aber wie du willst." vom 20.11.
Genre: h/c
Wörter: 1.400
Personen/Pairing: Taito + Jou
Summary: Taichi und Yamato wollen Pizza backen und hinterher ganz andere leckere Dinge tun. Jou hat einen Nervenzusammenbruch. And stuff.
Kommentar: Dies ist nur eine Schreibübung, erwartet nicht zuviel.



Es ist genau zwanzig Uhr vierunddreißig als Yamato die Hand auf Taichis legt, die unvorsichtig italienische Salami in viel zu dicke Scheiben schneidet. Neben ihnen liegen blutrote Spritzer von Tomatensauce, die halbfertige Pizza (Anchovis, Champignons, Oliven and all that jazz), die mit all ihren Zutaten den Wert von Yamatos halbem Studenteneinkommen eines Monats in sich vereint und er denkt, dass der Moment unromantisch romantisch genug ist, sich ein wenig näherzukommen.

Taichis Finger sind ein bisschen fettig, aber das macht nichts, denn sein Haar ist fluffig, riecht nach Ives Rochers Fruits de Noel und seine Lippen schmecken süß, zart, weich und warm; und sein Atem stößt ungeduldig gegen Yamatos Wangen.
„Sicher, dass du keine Zwiebeln drauf haben willst?“, presst Taichi zwischen zwei hitzigen Küssen hervor.
„Stehen doch im Rezept.“
„Mit Verlaub, aber heute Nacht werde ich dich fressen und ich will keine Zwiebeln. Nur dich.“
„Oha“, kichert Taichi, aber glücklicherweise nicht genug um Yamato sich schämen zu lassen für so eine kitschig-grässliche Aussage.
„Dann lassen wir sie im Schrank. Wo wir schon längst nicht mehr sind, nicht wahr?“
„Der war wirklich schlecht. Ich bin so froh, dass du kein Buch schreibst.“

Der Klang der Türklingel lässt sie aufschrecken und dann zuckt Taichi zusammen, weil er das Messer hat fallenlassen und es klirrend auf dem Boden aufschlägt.
„Hast du noch wen eingeladen?“
„Natürlich nicht.“ Yamato kratzt sich am Kopf und durchsucht seine Gedanken nach vergessenen Terminen, eventuell bestellten Amazon-Päckchen und dem Dienstplan seines Vaters. Aber sein Vater würde nicht klingeln.
„Dann stehst du nicht auf Dreier? Schade eigentlich.“
Taichi hebt das Messer auf und erntet einen Klapps auf den Hinterkopf.
Dann klingelt es erneut.

Jous Anblick lässt selbst Taichi verwirrt blinzeln. Seine dunklen Haare stehen in sämtliche Richtungen ab, er hat dunkle Ringe unter den Augen und rote Spritzer an der linken Wange (von denen Yamato hofft, dass sie Tomatensauce sein mögen, auch wenn er es besser weiß). Sein Blick ist der eines Rehs in den Scheinwerferlichtkegeln eines Autos.
„Hallihallo, Verzeihung, dass ich so reinplatze!“, plappert er los und drückt Yamato eine Flasche mit etwas, das aussieht wie sündhaft teurer Rotwein, in die Hand.
„Ich weiß, ihr wolltet wahrscheinlich allein sein heute Abend, ich verspreche, ich bleibe auch nicht lange, aber ihr habt euch ja neulich beschwert, dass ich so viel arbeite und wir uns kaum noch sehen, da dachte ich, ich schau mal auf ein Stück Pizza vorbei. Ihr habt doch noch Pizza, oder?“
Seine schreckensweiten Augen schauen durch Taichi und Yamato hindurch als seien sie Geister.
„Äh...wir sind noch nicht fertig mit Backen“, sagt Yamato zögernd.
„Na wunderbar, umso besser, dann kann ich euch ja helfen! Ich helfe gerne, keine Widerrede, ich will mich ja nicht unverschämt durchfressen und so, ich stell meinen Rucksack hier ab, ist das in Ordnung?, und helfe euch ein wenig.“
Er wirft den Rucksack neben die Schuhe und verschwindet, die Ärmel seines karierten Hemdes hochkrempelnd, in der Küche. Der Geruch von Desinfektionsmitteln und Krankheit weht hinter ihm her.

Taichi und Yamato schauen sich einen Augenblick lang fassungslos an.
„Da ist irgendetwas gewaltig schief gelaufen“, murmelt Taichi ehe er hinterhertigert.

Yamato seufzt. Somit steht fest, dass er diese Nacht doch nicht wirklich zum Zug kommen wird, denn es ist klar, dass er Jou nicht einfach rausschmeißen kann. Er hat die Kondome mit Blaubeerkaugummigeschmack und das Gleitgel, das aussieht wie Schokolade, völlig umsonst gekauft.

„Vielleicht möchtest du uns erstmal erzählen, was eigentlich passiert ist?“, fragt er als er in die Küche tritt.
Jou hält gerade zitternde Finger unter den Strahl des Wasserhahns, schüttelt dann hektisch das Wasser von den Händen und beginnt, mit dem vorhin heruntergefallenen Messer die Salami zu schneiden.
„Was? Nichts. Ich wollte euch nur mal wiedersehen.“
Jou lacht schief.

Oh Gott, denkt Yamato. Jetzt ist er endgültig übergeschnappt. Die letzte Sicherung ist durchgebrannt. Er hat das von Freunden gehört, deren Freunde auch Assistenzärzte sind. Die langen Arbeitszeiten, das viele Elend in den Krankenhäusern, die Unsicherheit eines Anfängers, all das killt dich. Bis es irgendwann knacks macht und dein Verstand über den Jordan gegangen ist.

„Ich glaube, wir haben hier ein Missverständnis“, sagt Yamato.
„Sei mir nicht böse, aber du machst den Eindruck, als ob du wirklich Hilfe bräuchtest. Außerdem ist das hier ein Date.“
Er zeigt abwechselnd auf Taichi und seine eigene Nase.
„Ein...ein schwules Date, weißt du.“ Es ist komisch, das Ding so direkt beim Namen zu nennen.
„Nicht wahr, Taichi?“
Taichi sieht ertappt aus.
„Äh...ja. Schwul. Mit...schwulem Sex und...äh...schwuler Pizza.“
Da tut es Yamato wieder leid.
Was macht er hier eigentlich? Versucht er gerade, einen seiner besten Freunde rauszuwerfen? Stiftet er gerade seinen Lover auch noch dazu an, da mitzumachen?

Er will gerade etwas sagen als er bemerkt, dass etwas Nasses die Salami zu Jous Händen besprenkelt.
Taichi schaut panisch. Wenn er mit etwas nicht umgehen kann, dann sind das weinende Jungs, was eigentlich seltsam ist, so oft wie er selbst flennt, wenn sein Lieblingsfußballverein wieder kurz vorm Abstieg in die zweite Liga steht.
„Hey...sorry, wir wollten nicht so gemein sein und so...“

Jou wischt sich fahrig mit dem Handrücken über die Wangen und verschmiert die Nicht-Tomatensauce dabei.
„Ich heule doch gar nicht. Das sind eure verdammten Zwiebeln!“

Yamato seufzt.
„Hier sind nirgends Zwiebeln, aber wie du meinst.“
Er tut einen Schritt auf seinen Freund zu und windet ihm langsam das Messer aus der Hand, bevor es richtig unheimlich wird.

„Irgendwas ist doch los. Komm schon.“
Und damit scheint er irgendetwas zu entfesseln, denn es ist der Augenblick, in dem Jou anfängt zu schluchzen wie ein kleines Kind und sich an ihn klammert.
Taichi tätschelt ihm den Rücken und sieht hilflos aus.


Der erste tote Patient. Eine entzündete Operationsnarbe, viel Eiter, ein Herzstillstand. Siebenundachtzig Jahre. Es ist schwer, bei irgendwem die Schuld zu suchen, weil da so viele Faktoren sind. Der betreuende Oberarzt, der keine tröstenden Worte übrig hatte, sondern Jou direkt zu den verwirrten Angehörigen schickte um ihnen die Nachricht zu überbringen. Womöglich ist das einfach zuviel an einem Tag für ein Sensibelchen wie Jou, der bis dato nur Spritzen setzte und Natriumlösung Tröpfen verabreichen musste. Jeder weiß, dass in einem Krankenhaus Menschen sterben. Es ist jedoch etwas anderes, wenn sie das direkt unter den eigenen Händen tun. Nach einer zwölf-Stunden-Schicht.

Yamato verspricht Jou, ihm ein Stück Pizza aufzuheben als er ihn zudeckt, aber vermutlich hört der es gar nicht mehr.
Er wartet einen Augenblick, bis der Atem seines Freundes tief und regelmäßig geht und schleicht sich erst dann aus seinem Zimmer.

Am Küchentisch sitzt Taichi mit der fertigen dampfenden Pizza und sieht nachdenklich aus.
Yamato setzt sich wortlos neben ihn und fasst zaghaft nach seiner Hand um sie entschuldigend zu drücken.
„Tut mir leid. Das hast du dir bestimmt anders vorgestellt.“
„Hab ich. Aber wieso sollte ich sauer sein?“
Taichi fährt sich durch das fluffige Ives-Rocher-Haar und lächelt.
„Freunden in Not muss man helfen. Und wenn das vorhin kein Notfall war, weiß ich auch nicht. Wer hätte gedacht, dass mit uns mal solche Sachen passieren?“

Yamato nickt.

„Ich werde jetzt was ganz Kitschiges sagen“, beginnt Taichi.
„Und wenn du lachst, kriegst du keinen Blowjob.“
Yamato hebt die Augenbraue:
„Du hast mir noch nie einen gegeben. Und heute Abend sowieso nicht.“
„Dann kriegst du niemals einen. Für den Rest der Ewigkeit!“
Yamato rollt mit den Augen.
„Na schön, ich verspreche es dir.“
„Okay. Du kannst ganz schön zickig und kleinlich sein. Aber das vorhin hat mir gezeigt, warum ich lieber mit dir zusammen bin als mit irgendeinem doofen Mädchen. Weil du in Notsituationen immer weißt, was zu sagen und zu tun ist. Und weil du mit weinenden Menschen klarkommst. Und dabei fabelhaft bist.“

Yamato kann sich nicht erinnern, das Wort fabelhaft schon einmal aus Taichis Mund gehört zu haben. Er fühlt sich auf eine schreckliche Art und Weise auf einmal wie ein Heiliger, auch wenn ihm das nicht ferner liegen könnte.

„Darf ich grinsen?“, fragt er dann und Taichi kuschelt sich an ihn.

Eine Weile betrachten sie die Pizza in stiller Eintracht.

„Hoffentlich erholt er sich bald.“
„Ja, das hoffe ich auch. Aber das wird schon. Wir wissen doch alle, dass er viel zäher ist als er aussieht.“
„Ja, zum Glück. ...und wenn's ihm wieder gutgeht, können wir ja wieder über die Sache mit dem Dreier nachdenken.“
„Halt die Klappe.“

Date: 2012-12-28 04:27 pm (UTC)
From: [identity profile] selia-ishida.livejournal.com
Oh..! *-*
Die "Vorgeschichte" (wenn man's so nennen mag) hab ich übrigens auch gelesen, aber meine faulen Finger nicht zum Kommentieren bewegt bekommen. Entschuldige! Dabei lese ich deine Schreibe nach wie vor sehr gerne; und dass ich deinen Jou liebe, wissen wir ja eh ^-^ Insofern find ich's toll, hier wieder über was Geschriebenes von dir gestolpert zu sein. Der erste tote Patient ist sicher so ein Ereignis, was man nicht vergisst. Ganz gleich, wie es dazu gekommen ist. Kein Wunder, dass der arme Jou so durch den Wind ist. Hast du wirklich gut beschrieben. Noch besser, dass Yamato und Taichi ihn nicht rausgeworfen haben. Date hin oder her... Ich bin mir sicher, die beiden können alles Geplante sehr bald nachholen *g*

Zukünftig werde ich versuchen, die Augen hier etwas offener zu halten und dann auch halbwegs brauchbares Feedback zu hinterlassen :)

Date: 2012-12-29 02:11 pm (UTC)
From: [identity profile] selia-ishida.livejournal.com
Ja, die alte Liebe rostet in der Tat nicht :) Und das ist auch gut so!

Mit der 'Vorgeschichte' meinte ich die Fanfic, wo Tai und Yamato die gute, alte Zeit wieder aufleben lassen wollen (eher Taichi, aber Yama zieht mit xD) und niemand Zeit hat. Da kommen sie ja auch bei Jou vorbei und er sagt ihnen ab, weil er sich um seine neu (aber falsch) geschaltete Nummer kümmern muss. Insofern passte es dann, dass er es doch mal geschafft hat, bei Yama und Tai vorbei zu schauen.
(deleted comment)

Date: 2012-12-29 11:14 am (UTC)
luinaldawen: (Taito)
From: [personal profile] luinaldawen
Ich glaube, ich kann gar nicht oft genug sagen, wie sehr ich es liebe, wie du die beiden (drei XD) schreibst! Yamato ist so wunderbar sarkastisch/zickig und gleichzeitig so dermaßen fürsorglich... kein Wunder, dass Taichi es immer noch mit ihm aushält. *g* Er sollte ihm wirklich mal nen Blowjob geben. XD
Und Jou... gah... armer kleiner Puschel >_< Eigentlich ist es ein Wunder, dass er Arzt wird. Er ist doch so sensibel... aber mir wäre so ein Arzt lieber als einer wie dieser Oberarzt.
Es ist eine so tolle Szene... so passend und total IC! Und die Dialoge und alles! Hach... *-*
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