Freundschaftsdienste
Oct. 18th, 2012 04:52 pmFandom: Original (potentiell Nano2012?)
Charaktere: Jesse, Wade
Wörter: ~1500
Challenge: „Es ist Liebe." „Ich hätte das als Wahnsinn bezeichnet, aber wie du willst."
I know you care
I know it is always been there
But there's trouble ahead, I can feel it
You are just saving yourself when you hide it
Er spürte mehr als dass er sah, wie Wade plötzlich neben ihm auftauchte.
Jesse faltete sorgfältig die Zeitung zusammen, die er gelesen hatte und platzierte sie auf den Tisch neben seinen Kaffee, bevor er den Blick hob.
„Bist du bewaffnet?" Wade zog eine Zigarette aus der Brusttasche seines Hemdes und schob sie zwischen seine Lippen. Er ließ einen beiläufigen Blick umher schweifen, mit dem er, da war Jesse ganz sicher, die gesamte Straße, das kleine Café und sämtliche Eingänge, Ausgänge und potentielle Fluchtwege erfasste und für spätere Verwendungszwecke abspeicherte.
Jesse hob eine Augenbraue. „Wir befinden uns in den Slums von Sewastopol. Was denkst du?"
Wades Lippen formten sich um die Zigarette herum zu einem Grinsen. Er senkte den Kopf während er mit einer Hand die kleine Flamme seines Feuerzeuges von dem eisigen Wind abschirmte. Seine Augen flackerten zielsicher zu der Stelle unter Jesses Jackett wo sich der Umriss seiner Beretta abzeichnete. „Ich dachte schon, du freust dich nur, mich zu sehen."
„Und ich dachte, du hättest aufgehört zu rauchen."
„Niemals. Lasterhaften Angewohnheiten zu frönen ist Teil meines Charmes." Wades Blick wanderte anerkennend an Jesses dreiteiligem Anzug entlang. „Du siehst gut aus."
„Du nicht", gab Jesse zurück.
Wade lachte. Es klang vor allem müde.
Er sah aus, als hätte er sich wenigstens drei Tage nicht mehr rasiert und fast ebenso lange nicht mehr geschlafen. Jesse war nicht ganz sicher, ob er das beruhigend finden sollte, weil es offensichtlich bedeutete, dass Wade der Tatsache dass er bis zum Hals in der Scheiße steckte nicht völlig ahnungslos gegenüberstand, oder ob es ihn beunruhigen sollte, dass es irgendetwas gab, was sogar Wade William Wellington III (oder unter welchem bescheuerten Alias auch immer er hier aufgekreuzt war) den Schlaf raubte.
Wade trug einen dicken Mantel und einen karierte Wollmütze, die nahezu das schlimmste war, was Jesse seit zwei Wochen gesehen hatte. Und das schloss eine öffentliche Hinrichtung mit ein, und einen sehr toten Wachhund, dem die Gedärme aus dem Bauch quollen.
Wade deutete mit einer Kopfbewegung auf das unangerührte Glas Wodka, dass die mütterlich aussehende Kellnerin vor Jesse abgestellt hatte, als klar geworden war, dass er beabsichtigte eine Weile hier draußen zu sitzen. „Bist du überhaupt schon alt genug, um das zu trinken, babyface?"
„Sogar in Amerika."
„Schande über mich, ich muss deinen letzten Geburtstag verpasst haben. Hilf mir auf die Sprünge, wann war der doch gleich…?"
Jesse spürte wie ein unfreiwilliges Lächeln an seinen Mundwinkeln zerrte. Hastig erstickte er es im Keim, so wie jede Art der Gefühlsregung wenn es um Wade ging. „Das war richtig schlecht. Sogar für deine Verhältnisse."
„Wie soll ich dir nur jemals eine Geburtstagskarte schicken, wenn du mir alles Wissenswerte über dich vorenthältst?"
Jesse lehnte sich zurück und schob den gegenüberstehenden Stuhl mit einem gezielten Fußtritt ein Stück in Wades Richtung. Er schabte unangenehm laut auf dem Kopfsteinpflaster. „Setz dich."
Widerspruchslos ließ Wade sich auf den Stuhl gleiten und streckte in einer fließenden Bewegung die Beine aus. Seine Augen flackerten erneut hastig in alle Richtungen. Es entging Jesse nicht, dass er den Stuhl so platzierte, dass er m dem Rücken zur Hauswand saß und die gesamte Straße im Blick behielt.
„Wie ist die Soljanka hier?" fragte er, ohne Jesse anzusehen.
„Fischig."
Wade lachte. Es war ein tiefer, kehliger Laut. „Wie alles andere auch, nicht wahr, mein Engel?"
Jesse nippte an seinem Kaffee und schwieg.
Ein alter Mann, zwei Tische weiter, hatte angefangen die Tauben mit den Resten seines Brotes zu füttern. Die Luft war kalt und klar und schmeckte nach Schnee. Die Frau mit dem Kinderwagen drehte ihre dritte Runde um den Häuserblock, und Jesse war sich inzwischen relativ sicher, dass sich in ihrem Kinderwagen kein Baby befand. Er war nur nicht sicher, ob sie ihm oder Wade hierher gefolgt waren.
„Wie ist dein polnisch?"
„Schlechter als mein russisch. Wieso?"
Jesse setzte die Tasse mit einem sachten Klirren auf ihrem Unterteller ab. „Ich glaube, das polnische Klima würde dir derzeit besser bekommen."
„Tatsächlich."
Jesse hätte nun irgendetwas bezüglich der bleihaltigen Luft sagen können, die eindeutig vorhanden war, aber er verkniff es sich. Smarte Sprüche zu klopfen war keine seiner Stärken.
Stattdessen warf er der Frau mit dem Kinderwagen einen Seitenblick unter gesenkten Wimpern zu und versuchte abzuschätzen, wie gut sie sich auf dem Rückweg zu seinem Hotel abhängen lassen würde. Er war beinah sicher, dass sie nicht zu Danilows Leuten gehörte, aber das machte sie nicht weniger lästig.
„Darf man fragen, was du um diese unfreundliche Jahreszeit in Sewastopol machst?" Wades Lippen zuckten, als ob er die Antwort bereits kannte und es kaum abwarten konnte, zu sehen wie Jesse sie abstritt.
Jesse warf ihm einen kühlen Blick zu. „Ich war zufällig in der Gegend."
„Du hast dir doch nicht etwa Sorgen um meine Wenigkeit gemacht? Ich bin gerührt, wirklich. Ich wusste, das muss Liebe sein."
„Ich hätte es als Wahnsinn bezeichnet, aber wie du willst."
Es lagen vier Monate und zwei Kontinente zwischen ihrer letzten Begegnung. Aber es war trotzdem jedes Mal so, als ob sie nahtlos ein und dasselbe Gespräch fortsetzten.
Mit Wade waren Dinge niemals kompliziert. Aber auch niemals einfach.
Manchmal wünschte Jesse sich, das es mehr Gelegenheiten gäbe wo sie zusammen arbeiten könnten. Manchmal dachte er, dass er das nicht aushalten würde.
„Vertraust du deinem Team?" fragte er, ohne aufzusehen.
Wade schnaubte amüsiert. „Nicht weiter als ich sie werfen kann."
„Gut. Euer Hacker hat euch an Danilow verkauft."
„Ah." Wade klang nachdenklich. Er griff nach Jesses Kaffeetasse und nahm einen großzügigen Schluck daraus, bevor er angewidert das Gesicht verzog und sie wieder zurückstellte. „Sieh, ich bin bereit dir zu glauben. Vor allem weil diese Information nicht wirklich überraschend kommt. Aber was sagt es über die Gesamtsituation aus, dass du in diesem Szenario die vertrauenswürdigste Person bist?"
„Dass du dringend überdenken solltest mit welchen Leuten du zusammenarbeitest?"
„Richtig. Das auch."
„Ich weiß nicht, wie viel sie dir für den Job bezahlen, aber das ist es vermutlich nicht wert."
Wade nannte eine unmöglich hohe Summe, die Jesses Augenbrauen ungläubig nach oben schnellen ließ.
Wade lächelte charmant und hob die Schultern. „Ich bin nun mal der Beste in dem, was ich tue."
„Ich würde dir nicht mal die Hälfte bezahlen."
Wade presste dramatische eine Hand auf seine Brust. „Ich bin zutiefst verwundet, aber nicht überrascht. Du, mein Lieber, weißt mich ja auch nicht zu würdigen."
„Dafür würde ich am Ende allerdings auch nicht versuchen dich mit Beton an den Füßen im Schwarzen Meer zu versenken."
„Touché."
Jesse trank den Kaffee aus und versuchte die Stelle zu vermeiden, auf die Wade seine Lippen gepresst hatte. Er hätte den Wodka vermutlich gut gebrauchen können. Nicht wegen der Kälte, sondern wegen der Gesellschaft. Aber seine Reflexe in dieser Situation bewusst zu verlangsamen wäre reiner Leichtsinn gewesen und Jesse war vieles, aber nicht leichtsinnig.
Nur idiotisch. Manchmal.
Denn es war nichts als idiotisch gewesen, mit dem ersten Flug nach Sewastopol zu fliegen und drei Tage mit einer Zielscheibe auf dem Rücken herumzulaufen, nur um Wade zu treffen und ihm Dinge zu sagen, die er vermutlich längst wusste.
Wade lehnte den Kopf zurück an die Backsteinmauer in seinem Rücken, die Zigarette zwischen den Lippen und schloss die Augen. Zwischen dem hochgestellten Kragen seines Mantels blitzte die bloße Haut seiner Kehle auf. Sekundenlang sah er nackt, beinah verletzlich aus und erweckte viele, gleichermaßen ärgerliche Impulse in Jesse, die er alle sofort und ohne Gnade einstampfte.
„Erinnerst du dich an Marseille?" fragte Wade, ohne die Augen aufzumachen. Es war eine vollkommen willkürliche Frage und Jesse spürte wie seine Brust sich verärgert zusammen zog.
„Nein."
„Das sollten wir bei Gelegenheit wiederholen."
„Nein, sollten wir nicht."
Wade lächelte.
Jesse stand auf und knöpfte seinen Mantel zu und warf einen Hundert-Hrywen-Schein auf den Tisch. Er hatte alles gesagt, was er sagen wollte. Es wurde Zeit, dass er wieder verschwand.
„Du kannst die Zeitung behalten", stellte er beiläufig fest. „Vielleicht interessieren dich die aktuellen Nachrichten aus London."
Das, oder das Flugticket nach Warschau und der gefälschte Reisepass auf den Namen Lester Davenport, die sich zwischen den Seiten befanden.
('Ich sehe in keinster Weise aus wie ein Lester. Vielleicht wie ein George. Oder ein Henry. Vielleicht sogar wie ein Earnest. Aber definitiv nicht wie ein Lester. Ich habe eine viel zu klassische Nase für einen Lester.'
'An dir ist rein gar nichts klassisch.'
'Ich wäre tödlich beleidigt, wenn ich nicht wüsste, dass du mein makelloses Profil bewunderst, wenn du denkst, dass ich nicht hinsehe.'
'Was immer dir hilft, um nachts besser zu schlafen.')
Wade warf ihm einen Blick zu und schob die Zeitung kommentarlos in seine Manteltasche. Seine Mundwinkel zuckten.
Jesse steckte die Hände in die Manteltaschen und wandte sich ruckartig ab. Aus den Augenwinkeln sah er die Dame mit ihrem Kinderwagen erneut um die Ecke biegen.
Wenn er nur genug Umwege bis zu seinem Hotel einbaute, konnte er sie vielleicht so lange ablenken, bis Wade den Flughafen erreicht hatte.
Ein reiner Freundschaftsdienst, dachte er spöttisch. Für jemanden der nicht einmal sein Freund war.
Yeah, I know you care
I see it in the way you stare
As if there was trouble ahead and you knew it
I'll be saving myself from the ruin
Ellie Goulding: I know you care
Charaktere: Jesse, Wade
Wörter: ~1500
Challenge: „Es ist Liebe." „Ich hätte das als Wahnsinn bezeichnet, aber wie du willst."
I know you care
I know it is always been there
But there's trouble ahead, I can feel it
You are just saving yourself when you hide it
Er spürte mehr als dass er sah, wie Wade plötzlich neben ihm auftauchte.
Jesse faltete sorgfältig die Zeitung zusammen, die er gelesen hatte und platzierte sie auf den Tisch neben seinen Kaffee, bevor er den Blick hob.
„Bist du bewaffnet?" Wade zog eine Zigarette aus der Brusttasche seines Hemdes und schob sie zwischen seine Lippen. Er ließ einen beiläufigen Blick umher schweifen, mit dem er, da war Jesse ganz sicher, die gesamte Straße, das kleine Café und sämtliche Eingänge, Ausgänge und potentielle Fluchtwege erfasste und für spätere Verwendungszwecke abspeicherte.
Jesse hob eine Augenbraue. „Wir befinden uns in den Slums von Sewastopol. Was denkst du?"
Wades Lippen formten sich um die Zigarette herum zu einem Grinsen. Er senkte den Kopf während er mit einer Hand die kleine Flamme seines Feuerzeuges von dem eisigen Wind abschirmte. Seine Augen flackerten zielsicher zu der Stelle unter Jesses Jackett wo sich der Umriss seiner Beretta abzeichnete. „Ich dachte schon, du freust dich nur, mich zu sehen."
„Und ich dachte, du hättest aufgehört zu rauchen."
„Niemals. Lasterhaften Angewohnheiten zu frönen ist Teil meines Charmes." Wades Blick wanderte anerkennend an Jesses dreiteiligem Anzug entlang. „Du siehst gut aus."
„Du nicht", gab Jesse zurück.
Wade lachte. Es klang vor allem müde.
Er sah aus, als hätte er sich wenigstens drei Tage nicht mehr rasiert und fast ebenso lange nicht mehr geschlafen. Jesse war nicht ganz sicher, ob er das beruhigend finden sollte, weil es offensichtlich bedeutete, dass Wade der Tatsache dass er bis zum Hals in der Scheiße steckte nicht völlig ahnungslos gegenüberstand, oder ob es ihn beunruhigen sollte, dass es irgendetwas gab, was sogar Wade William Wellington III (oder unter welchem bescheuerten Alias auch immer er hier aufgekreuzt war) den Schlaf raubte.
Wade trug einen dicken Mantel und einen karierte Wollmütze, die nahezu das schlimmste war, was Jesse seit zwei Wochen gesehen hatte. Und das schloss eine öffentliche Hinrichtung mit ein, und einen sehr toten Wachhund, dem die Gedärme aus dem Bauch quollen.
Wade deutete mit einer Kopfbewegung auf das unangerührte Glas Wodka, dass die mütterlich aussehende Kellnerin vor Jesse abgestellt hatte, als klar geworden war, dass er beabsichtigte eine Weile hier draußen zu sitzen. „Bist du überhaupt schon alt genug, um das zu trinken, babyface?"
„Sogar in Amerika."
„Schande über mich, ich muss deinen letzten Geburtstag verpasst haben. Hilf mir auf die Sprünge, wann war der doch gleich…?"
Jesse spürte wie ein unfreiwilliges Lächeln an seinen Mundwinkeln zerrte. Hastig erstickte er es im Keim, so wie jede Art der Gefühlsregung wenn es um Wade ging. „Das war richtig schlecht. Sogar für deine Verhältnisse."
„Wie soll ich dir nur jemals eine Geburtstagskarte schicken, wenn du mir alles Wissenswerte über dich vorenthältst?"
Jesse lehnte sich zurück und schob den gegenüberstehenden Stuhl mit einem gezielten Fußtritt ein Stück in Wades Richtung. Er schabte unangenehm laut auf dem Kopfsteinpflaster. „Setz dich."
Widerspruchslos ließ Wade sich auf den Stuhl gleiten und streckte in einer fließenden Bewegung die Beine aus. Seine Augen flackerten erneut hastig in alle Richtungen. Es entging Jesse nicht, dass er den Stuhl so platzierte, dass er m dem Rücken zur Hauswand saß und die gesamte Straße im Blick behielt.
„Wie ist die Soljanka hier?" fragte er, ohne Jesse anzusehen.
„Fischig."
Wade lachte. Es war ein tiefer, kehliger Laut. „Wie alles andere auch, nicht wahr, mein Engel?"
Jesse nippte an seinem Kaffee und schwieg.
Ein alter Mann, zwei Tische weiter, hatte angefangen die Tauben mit den Resten seines Brotes zu füttern. Die Luft war kalt und klar und schmeckte nach Schnee. Die Frau mit dem Kinderwagen drehte ihre dritte Runde um den Häuserblock, und Jesse war sich inzwischen relativ sicher, dass sich in ihrem Kinderwagen kein Baby befand. Er war nur nicht sicher, ob sie ihm oder Wade hierher gefolgt waren.
„Wie ist dein polnisch?"
„Schlechter als mein russisch. Wieso?"
Jesse setzte die Tasse mit einem sachten Klirren auf ihrem Unterteller ab. „Ich glaube, das polnische Klima würde dir derzeit besser bekommen."
„Tatsächlich."
Jesse hätte nun irgendetwas bezüglich der bleihaltigen Luft sagen können, die eindeutig vorhanden war, aber er verkniff es sich. Smarte Sprüche zu klopfen war keine seiner Stärken.
Stattdessen warf er der Frau mit dem Kinderwagen einen Seitenblick unter gesenkten Wimpern zu und versuchte abzuschätzen, wie gut sie sich auf dem Rückweg zu seinem Hotel abhängen lassen würde. Er war beinah sicher, dass sie nicht zu Danilows Leuten gehörte, aber das machte sie nicht weniger lästig.
„Darf man fragen, was du um diese unfreundliche Jahreszeit in Sewastopol machst?" Wades Lippen zuckten, als ob er die Antwort bereits kannte und es kaum abwarten konnte, zu sehen wie Jesse sie abstritt.
Jesse warf ihm einen kühlen Blick zu. „Ich war zufällig in der Gegend."
„Du hast dir doch nicht etwa Sorgen um meine Wenigkeit gemacht? Ich bin gerührt, wirklich. Ich wusste, das muss Liebe sein."
„Ich hätte es als Wahnsinn bezeichnet, aber wie du willst."
Es lagen vier Monate und zwei Kontinente zwischen ihrer letzten Begegnung. Aber es war trotzdem jedes Mal so, als ob sie nahtlos ein und dasselbe Gespräch fortsetzten.
Mit Wade waren Dinge niemals kompliziert. Aber auch niemals einfach.
Manchmal wünschte Jesse sich, das es mehr Gelegenheiten gäbe wo sie zusammen arbeiten könnten. Manchmal dachte er, dass er das nicht aushalten würde.
„Vertraust du deinem Team?" fragte er, ohne aufzusehen.
Wade schnaubte amüsiert. „Nicht weiter als ich sie werfen kann."
„Gut. Euer Hacker hat euch an Danilow verkauft."
„Ah." Wade klang nachdenklich. Er griff nach Jesses Kaffeetasse und nahm einen großzügigen Schluck daraus, bevor er angewidert das Gesicht verzog und sie wieder zurückstellte. „Sieh, ich bin bereit dir zu glauben. Vor allem weil diese Information nicht wirklich überraschend kommt. Aber was sagt es über die Gesamtsituation aus, dass du in diesem Szenario die vertrauenswürdigste Person bist?"
„Dass du dringend überdenken solltest mit welchen Leuten du zusammenarbeitest?"
„Richtig. Das auch."
„Ich weiß nicht, wie viel sie dir für den Job bezahlen, aber das ist es vermutlich nicht wert."
Wade nannte eine unmöglich hohe Summe, die Jesses Augenbrauen ungläubig nach oben schnellen ließ.
Wade lächelte charmant und hob die Schultern. „Ich bin nun mal der Beste in dem, was ich tue."
„Ich würde dir nicht mal die Hälfte bezahlen."
Wade presste dramatische eine Hand auf seine Brust. „Ich bin zutiefst verwundet, aber nicht überrascht. Du, mein Lieber, weißt mich ja auch nicht zu würdigen."
„Dafür würde ich am Ende allerdings auch nicht versuchen dich mit Beton an den Füßen im Schwarzen Meer zu versenken."
„Touché."
Jesse trank den Kaffee aus und versuchte die Stelle zu vermeiden, auf die Wade seine Lippen gepresst hatte. Er hätte den Wodka vermutlich gut gebrauchen können. Nicht wegen der Kälte, sondern wegen der Gesellschaft. Aber seine Reflexe in dieser Situation bewusst zu verlangsamen wäre reiner Leichtsinn gewesen und Jesse war vieles, aber nicht leichtsinnig.
Nur idiotisch. Manchmal.
Denn es war nichts als idiotisch gewesen, mit dem ersten Flug nach Sewastopol zu fliegen und drei Tage mit einer Zielscheibe auf dem Rücken herumzulaufen, nur um Wade zu treffen und ihm Dinge zu sagen, die er vermutlich längst wusste.
Wade lehnte den Kopf zurück an die Backsteinmauer in seinem Rücken, die Zigarette zwischen den Lippen und schloss die Augen. Zwischen dem hochgestellten Kragen seines Mantels blitzte die bloße Haut seiner Kehle auf. Sekundenlang sah er nackt, beinah verletzlich aus und erweckte viele, gleichermaßen ärgerliche Impulse in Jesse, die er alle sofort und ohne Gnade einstampfte.
„Erinnerst du dich an Marseille?" fragte Wade, ohne die Augen aufzumachen. Es war eine vollkommen willkürliche Frage und Jesse spürte wie seine Brust sich verärgert zusammen zog.
„Nein."
„Das sollten wir bei Gelegenheit wiederholen."
„Nein, sollten wir nicht."
Wade lächelte.
Jesse stand auf und knöpfte seinen Mantel zu und warf einen Hundert-Hrywen-Schein auf den Tisch. Er hatte alles gesagt, was er sagen wollte. Es wurde Zeit, dass er wieder verschwand.
„Du kannst die Zeitung behalten", stellte er beiläufig fest. „Vielleicht interessieren dich die aktuellen Nachrichten aus London."
Das, oder das Flugticket nach Warschau und der gefälschte Reisepass auf den Namen Lester Davenport, die sich zwischen den Seiten befanden.
('Ich sehe in keinster Weise aus wie ein Lester. Vielleicht wie ein George. Oder ein Henry. Vielleicht sogar wie ein Earnest. Aber definitiv nicht wie ein Lester. Ich habe eine viel zu klassische Nase für einen Lester.'
'An dir ist rein gar nichts klassisch.'
'Ich wäre tödlich beleidigt, wenn ich nicht wüsste, dass du mein makelloses Profil bewunderst, wenn du denkst, dass ich nicht hinsehe.'
'Was immer dir hilft, um nachts besser zu schlafen.')
Wade warf ihm einen Blick zu und schob die Zeitung kommentarlos in seine Manteltasche. Seine Mundwinkel zuckten.
Jesse steckte die Hände in die Manteltaschen und wandte sich ruckartig ab. Aus den Augenwinkeln sah er die Dame mit ihrem Kinderwagen erneut um die Ecke biegen.
Wenn er nur genug Umwege bis zu seinem Hotel einbaute, konnte er sie vielleicht so lange ablenken, bis Wade den Flughafen erreicht hatte.
Ein reiner Freundschaftsdienst, dachte er spöttisch. Für jemanden der nicht einmal sein Freund war.
Yeah, I know you care
I see it in the way you stare
As if there was trouble ahead and you knew it
I'll be saving myself from the ruin
Ellie Goulding: I know you care
no subject
Date: 2012-10-18 04:15 pm (UTC)Soljanka musste peinlicherweise googlen, obwohl ich Russisch in der Schule hatte... naja, egal. Auf jeden Fall hört sich das nach einem interessanten NaNo-Projekt an. Ich müsste mich auch mal langsam entscheiden was ich dieses Jahr schreiben will...
Edit: Was war eigentlich in Marseille?! :P
no subject
Date: 2012-10-18 04:19 pm (UTC)Ich hab auch grade viel Spaß mit den beiden und hab schon geplant diese und die nächste Woche sozusagen als Aufwärmtraining zu nehmen, um mich an sie heranzutasten. *g*
Es ist deswegen so vage gehalten weil der Plot ...äh, wirklich groß und kompliziert ist und ich da jetzt nichts ausbreiten wollte. XD
Sie manchmal Gegner und manchmal Freunde und manchmal ein bisschen mehr, das ist sehr situationsabhängig.
Was in Marseille war ... vielleicht schreib ich dazu auch mal eine Geschichte. ;)
Nano! Unbedingt! <3 Schon Ideen?
no subject
Date: 2012-10-18 09:10 pm (UTC)no subject
Date: 2012-10-19 12:02 pm (UTC)no subject
Date: 2012-10-18 09:58 pm (UTC)INCEPTIve
Eh ja. Und für mehr hab ich grad keine Zeit weil müde. Aber ein auuuuuuuuusführlicher Kommentar wird kommen, tehehehehhe.
no subject
Date: 2012-10-19 12:03 pm (UTC)no subject
Date: 2012-10-21 08:13 am (UTC)Die beiden sind großartig miteinander, ich liebe Jesses trockenen Humor und Wades flirtende Art, die ihn auf die Palme bringt, ich liebe die YE-OLDE-SPY-MOVIE-Atmosphäre, die du kreierst.
Und was ich ganz besonders bewundere, ist, wie du es schaffst, erst ganz langsam aufzudecken, warum Jesse eigentlich da ist, bzw. WARUM ER WADE DOCH GANZ DOLL LIEB HAT
Denn es war nichts als idiotisch gewesen, mit dem ersten Flug nach Sewastopol zu fliegen und drei Tage mit einer Zielscheibe auf dem Rücken herumzulaufen, nur um Wade zu treffen und ihm Dinge zu sagen, die er vermutlich längst wusste.
AHHHHHHHH SOOOOOOO BEAUTIFUL <3333 Ich kann mir vorstellen, wie er austickt, wenn er von der möglichen Gefahr erfährt... und er ist ganz schrecklich emotional, aber sobald Wade vor ihm sitzt, unterdrückt er das alles wieder und ohhhh <3333
Hastig erstickte er es im Keim, so wie jede Art der Gefühlsregung wenn es um Wade ging.
Alle meine Kinks <3333 Ich liebe es, dass sich die beiden ihre wunderbare Liebe zueinander nicht eingestehen können, höhöhöhö.
(Im Übrigen, auch wenns gar nicht hier rein passt, aber ich hab dir ja mal dieses Buch hier (http://www.amazon.de/Des-Teufels-Maskerade-Victoria-Schlederer/dp/3453526554) empfohlen und sofern du es gelesen hast, hol dir bitte bitte unbedingt auch noch den zweiten Band Fortunas Flug (http://www.amazon.de/gp/product/3453527631/ref=pd_lpo_k2_dp_sr_1?pf_rd_p=330045107&pf_rd_s=lpo-top-stripe&pf_rd_t=201&pf_rd_i=3453526554&pf_rd_m=A3JWKAKR8XB7XF&pf_rd_r=02G70A9QYES77TEEZX1V) weil ich davon überzeugt bin, dass du die Dynamik der beiden Hauptcharaktere lieben wirst... weil sie ungefähr so ist, wie bei Arthur/Eames? XDD AUSSERDEM GIBT ES SPRECHENDE OTTER!)
no subject
Date: 2012-10-21 08:55 am (UTC)Ich liebe ja auch fast nichts so sehr wie zwei Leute die sich heiß und innig lieben, aber es einfach nicht zugeben können und deswegen für alle Ewigkeit dissen, bickern und streiten, aber dann doch jedes Mal angerannt kommen, sobald einer in der Klemme steckt. ♥ ♥ ♥
Best. Thing. Ever.
Danke für deinen wundervollen Kommentar, der mir das Aufstehen an diesem trüb-lieblichen Sonntagmorgen versüßt hat. *_* Bitte sei doch meine offizielle Nano-Händchenhalterin. (Ich glaube du bist mit Abstand von allen Leuten, denen ich von der Idee erzählt habe die Begeistertste und ich brauche grade ein bisschen Begeisterung. XD)
Und danke für die Buch-Empfehlung. *_* Ich freu mich und suche eh grade Lesematerial. <3
no subject
Date: 2012-10-21 03:27 pm (UTC)KOMM HER UND LASS DICH KNUDELN. <3333333 Kink-Schwestern, wer hätte das gedacht! XDD
Bitte sei doch meine offizielle Nano-Händchenhalterin
Das möchte ich gar sehr dringend sein! Blöderweise weile ich nur in den ersten beiden Novemberwochen in deutschen Landen, aber falls du da Ansporn brauchst, JEDERZEIT! *_____*
*beäugt Jesse und Wade und reibt sich die Hände*
Teheheheh
no subject
Date: 2012-10-21 03:45 pm (UTC)Wo bist du denn die letzten beiden Wochen wenn man fragen darf?
Und ich stecke grade mitten in der Plotausarbeitung und den Origins-Stories und das ist gar nicht so leicht. xD
no subject
Date: 2012-10-21 04:19 pm (UTC)Ich gurke mit nem Freund durch die westlichen Gefilde Amerikas und werde ungefähr 24/7 in unserem Mietwagen verbringen @___@ Von daher bin ich wahrscheinlich kein so guter Cheerleader! Q_Q
Ohhhh, das glaub ich! (Ich schick dir gleich mal meine Kontaktdaten von wegen Skype und so, falls es einen Motvationsnotfall gibt! XDD)
no subject
Date: 2012-10-23 09:28 pm (UTC)Ich find's wirklich vielversprechend, VOR ALLEM wenn ich höre, dass es da noch einen elaborierten Plot drumherum gibt! So fühlt es sich nämlich auch an. Die Begegnung bleibt so kurz und schnippisch, und trotzdem stecken da eine halbe Tonne UST und geteilter Erfahrung drin. Es hat irgendwie was, wenn man eine Person kaum aushält (oder sich das zumindest einredet XD), und trotzdem für sie um die halbe Welt fliegt. Übrigens frage ich mich nun sofort, ob Wade umgekehrt das selbe für Jesse machen würde. Und ich hoffe, du kommst dazu, das zu erörtern!
Ich war tatsächlich gerührt, als das Flugticket auftauchte. Ich dachte wirklich, Jesse würde ihn nur warnen. Aber awww, er hat für alles gesorgt! Ich meine, da kann man echt noch so abgeklärt tun, das spricht einfach Bände. XD
Wade hat eine sehr eigene Art zu reden ("mein Engel" war reizend), und das finde ich cool.
Es lagen vier Monate und zwei Kontinente zwischen ihrer letzten Begegnung. Aber es war trotzdem jedes Mal so, als ob sie nahtlos ein und dasselbe Gespräch fortsetzten. <---- Den Satz fand ich toll, genau so wirken sie auch. XD
no subject
Date: 2012-10-23 09:49 pm (UTC)Danke! ^_^
Und ja elaborierter Plot. *drop* Ich denke schon wieder nur in Kategorien wie "und dann im dritten Band...." und "im siebten Band könnte ich..." usw. Es ist gräßlich. Also nicht wirklich, eigentlich ist es toll, aber auch ein bisschen beängstigend. XD
Und du hast recht. Ich sollte definitiv das umgekehrte Szenario auch noch schreiben. Wer weiß - bis nano losgeht, hab ich ja noch ne gute Woche ....
Ich dachte eigentlich auch, Jesse würde ihn nur warnen und war genauso überrascht über das Flugticket wie du. Aber dann ist er auch wieder einfach viel zu pragmatisch, um es nicht zu tun. *g*
no subject
Date: 2012-10-23 09:59 pm (UTC)Ich sollte definitiv das umgekehrte Szenario auch noch schreiben.
Also mich würde es schon mal total interessieren <3
Mein Tipp (vollkommen ungefragt lol): versuch WIRKLICH, dich auf die Geschichte des ersten Buches zu konzentrieren, auch wenn alles andere noch so viel Spaß macht. Ich weiß, wie schwer das ist, aber der 1. Plot muss sitzen, sonst wird das Schreiben umso schwerer. Ein Buch nach dem anderen. XD
Charaktere, die einen überraschen, sind die besten. Du nennst es pragmatisch, ich bleibe mal bei "fürsorglich". :)
no subject
Date: 2012-10-24 06:52 am (UTC)Das ist ein sehr guter Tipp und das tue ich auch tatsächlich. Also weitgehend. Ich hab da einen relativ gradlinigen Plot vor Augen, den ich sogar schon relativ weit durchgeplottet habe. Also relativ. Für meine Verhältnisse?
Die Möglichkeiten die sich aus dieser Technik-Idee ergeben wären aber so gigantisch, dass dazu immer neue Gedanken aufpoppen. XD Was ja nicht verkehrt ist ... für die nächsten zehn Bände.
Aber diese Nano dreht sich erstmal nur um den ersten.
Ich glaube Jesses generelle Tragik im Leben ist immer, dass er viel finsterer und unnahbarer wirkt als er eigentlich ist. Er ist eigentlich tatsächlich ein ganz netter, fürsorglicher Puschel.
no subject
Date: 2013-07-16 06:00 pm (UTC)Die ausführliche Antwort folgt im Skype!! ♥ ♥ ♥ ♥