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[personal profile] servena posting in [community profile] 120_minuten
Titel: Alphawölfin
Team: Dickinson
Challenge: Romantik/Intimität – Post-it-Zettel (für mich)
Fandom: Original | Fortsetzung von den Werwölfen
Kommentar: Mehr plüschige Werwölfe! :D

In der Schule sollte alles so bleiben, wie es war, aber sie waren nicht mehr dieselben.


Alphawölfin

Es war nicht so geplant. Die Abmachung war gewesen, dass in der Schule alles so blieb, wie es war. Sie kannten sich zwar, und teilten einige Kurse, aber sie bewegten sich in verschiedenen Gruppen. Für alle anderen sollte es so aussehen, als habe sich nichts geändert.
Aber das Gleichgewicht hatte sich unvermeidlich verschoben. Wenn sie sich auf dem Gängen begegneten, konnten sie nicht anders, als sich gegenseitig anzusehen. Im Unterricht blickte er immer öfter zu ihr herüber und fand ebenso oft, dass sie dasselbe tat. Es ließ sich nicht verhindern. Sie waren wie zwei große Planeten, die sich in einem Asteroidenfeld unvermeidlich anzogen. Vielleicht war es, weil sie ein Rudel waren, aber er wusste sofort, wenn sie einen Raum betrat. Etwas zog an ihm, als wären sie über unsichtbare Fäden miteinander vebunden. Sie teilten ein Geheimnis miteinander, eines, das sonst niemand wissen konnte. Nichts war mehr, wie es mal war.
Vor seinen Freunden versuchte er sich so normal wie möglich zu geben. Es war merkwürdig, wenn er sie dabei beobachtete, wie sie dasselbe tat. Sie stand mit ihren Freundinnen zusammen und tauschte den neuesten Tratsch aus, als wäre alles ganz normal. Als hätte es diese Nacht unter dem Vollmond nie gegeben.
Sie begann mit den Zetteln. Als er seinen Spind öffnete, klebte einer davon in der Tür. Er brauchte nicht  einmal die Schrift ansehen, um zu wissen, dass er von ihr war. Sie hatte ihre Ausgabe von MacBeth völlig mit diesen Post-its zugeklebt, auf denen Notizen standen. (Er hatte auf die ersten paar Seiten Sachen an den Rand gekritzelt, weiter war er noch nicht gekommen.) Aber wie zur Hölle hatte sie seinen Spind aufbekommen?
Der Zettel war pink und roch nach Apfelshampoo und darauf stand in geschwungenen Worten 'Das Football-Team sucht noch Mitglieder, geh und meld dich an.' Nichts weiter, nicht einmal ein Smiley.
„Bitte, was?“, murmelte er verwirrt. Er dachte ja gar nicht daran. Football war nicht wirklich sein Ding.
Er wollte sie in einem unbeobachteten Moment abfangen und fragen, was das sollte, aber sie schien ihm betont aus dem Weg zu gehen. Einmal war er kurz davor, sie einfach in der Pause am Arm zu packen und beiseite zu ziehen, aber sie schien seine Gedanken zu lesen und warf ihm über die Schulter einen so bitterbösen Blick zu, dass er sich nicht traute.
Schließlich warf er einen Zettel in ihren Spind. Er kritzelte 'Wieso sollte ich das tun?' auf ein herausgerissenes Blatt und quetschte ihn gefaltet durch die Lüftungsschlitze. Zuvor hatte er mit einer auseinandergebogenen Büroklammer vergeblich versucht, ihr Schloss zu öffnen. Wie machte sie das nur? Es schien auf jeden Fall nichts mit neu erworbenen Werwolf-Fähigkeiten zu tun zu haben.
Nach der Verwandlung war ihm die Veränderung, die er durchlaufen hatte, zuerst gar nicht aufgefallen. Erst nach und nach wurde ihm bewusst, dass er sich anders bewegte, spätestens dann, als er seine Mutter in der Küche so sehr erschreckte, dass sie einen Teller fallen ließ. Es kam ihm ganz natürlich vor und plötzlich bemerkte er, wie laut alle anderen um ihn herum immer waren. Auch sein Geruchssinn hatte sich verstärkt, was nicht immer nur angenehm war, besonders im Umkleideraum nach dem Sportuntericht. Wieso begriffen die Leute nicht, dass ein Liter Deo in der Luft eher zu einer Gasvergiftung führte als zu gutem Körpergeruch?
Das nächste, was er bemerkte, war, dass er stärker war als zuvor. Als er einmal die Klasentür ein wenig zu heftig aufriss, brach eine der Angeln und er durfte sich eine Predigt vom Hausmeister anhören. Der Zettel, der an diesem Tag in seiner Tür klebte, war grün. 'Siehst du jetzt, was ich meine?', stand darauf, und er meinte, ihr verschmitztes Lächeln vor sich zu sehen. Er gab auf und trat dem Football-Team bei. 'Und was machst du?', fragte er zurück. Seines Wissens war sie in keinem Sportteam der Schule.
Die Antwort bestand aus nur einem Wort auf einem gelben Zettel: 'Karate.'
Als hätte er noch eine Bestätigung gebraucht, dass sie ihn in Grund und Boden rammen würde, wenn er nicht tat, was sie sagte. Zu Weihnachten würde er ihr ein T-Shirt schenken mit dem Schriftzug 'Alphawölfin'.
Die Post-it-Zettel wurden zu ihrer Art der Kommunikation. Natürlich hätten sie es einfacher haben können. Sie hätten sich SMS oder E-Mails schicken können. Aber sie hatte damit angefangen und es hatte etwas seltsam Berauschendes, einen Zettel im eigenen Spind zu finden. Er achtete immer sorgfältig darauf, dass keiner seiner Kumpel ihn dabei beobachtete, wenn er sie las. Die gelesenen Zettel verstaute er in einem leeren Stiftekasten, der schon seit Jahren auf dem Grund seines Spinds herumdümpelte.
'Du bewahrst unsere Zettel auf?', stand eines Tages auf einem lilafarbenen Post-it.
'Was soll ich denn mit ihnen machen, sie als Beweismittel verbrennen?', kritzelte er sofort zurück. Das fand er dann doch ein bisschen dramatisch. Sie hatten schließlich keine verbotene Affäre oder so. Außerdem konnte man aus ihren kryptischen Mitteilungen als Außenstehender sowieso nicht viel schließen.
Immer noch schob er seine Zettel einfach durch die Schlitze in der Spindtür, während ihre immer sorgfältig im Inneren der Tür klebten. Außerdem hatte er bald den Verdacht, dass sie seine Sachen durchwühlte, spätestens, als sie die anderen Zettel erwähnte. An diesem Abend schaute er sich eine Anleitung zum Schlösserknacken auf Youtube an und übte mit der Büroklammer. So schwer konnte das ja wohl nicht sein.
Wie sich herausstellte, war es doch schwer – nicht einmal so sehr das Schlösserknacken selbst, sondern den Moment abzupassen, in dem ihn niemand erwischen würde. Nicht auszudenken, wenn ein Lehrer ihn dabei ertappte, wie er den Spind eines Mädchens aufbrach. Schließlich entschuldigte er sich vom Matheunterricht, um die Gelegenheit zu bekommen. Zu einer solchen Zeit waren die Gänge wie leergefegt. Seine Hände zitterten und zweimal ließ er die blöde Büroklammer fallen, aber schließlich machte es Klick.
Ihr Spind sah von innen ziemlich so aus, wie er es erwartet hatte. Zuerst einmal war er deutlich aufgeräumter als seiner. Sie hatte einen ganzen Stapel Bücher darin, nicht nur Schulbücher, sondern auch Exemplare aus der Bücherei. Im obersten Fach lagen Ordner und Mappen für ihre Kurse und an einem Bügel hing eine blaue Regenjacke . Er fand ihren Post-it-Block neben einem Exemplar von 'Shakespeare's Sonette'. Sie liest dieses Zeug wirklich in ihrer Freizeit, dachte er ein bisschen beeindruckt. Dann stieß er unter einem Mathebuch auf ein flaches Holzkästchen. Neugierig öffnete er es. Dort lagen, sorgfältig übereinandergelegt, seine vollgekritzelten Zettel.
Er borgte sich einen ihrer pinken Post-its und schrieb darauf: 'Das nennst du also Beweismittel vernichten?' Dann klebte er ihn in die Tür.

Date: 2012-10-01 02:43 pm (UTC)
der_jemand: (green)
From: [personal profile] der_jemand
Er lernt Schlösser knacken auf YouTube. Das muss mein neustes Lieblingsdetail in einer Geschichte überhaupt sein. *_*
Und die beiden sind herrlich niedlich.^^

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