[identity profile] chija.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Dickinson
Challenge: Horror/Thriller - "Hast du das auch gehört?" (für's Team)
Fandom: Original | Teenage-Superhelden von hier
Charaktere: Max, der Normale; Gunnild, die Eisprinzessin
Worte: ~1200
Kommentar: Nachanca wollte die Fortsetzung, hier ist sie. Ich weiß immernoch nicht ganz, wo ich hin will, aber ich mag die Charaktere irgendwie viel zu gerne.

„Können wir nicht doch die Heizung anmachen?“, fragte Max und zog die Decke ein bisschen fester um sich. Er hatte sich relativ schnell an die minimalistische Einrichtung (Bett, Schrank, Schreibtisch, fertig) des Zimmers gewöhnt, an seine deprimierend-kalte Schmucklosigkeit, und eigentlich auch an die Eisblumen am Fenster, aber scheiße, er hatte das Gefühl, seit er hier war (drei Tage) ständig zu frieren und demnächst zum Eisblock zu werden. Er wusste jetzt, warum Jana Gunnild die Eisprinzessin genannt hatte.
Besagte Eisprinzessin hob den Kopf von ihrer Lektüre und sah ihn über die Schulter an. „Tut mir Leid, ich hab keine.“
„Bitte?! Wie kann ein Zimmer keine Heizung haben?“
„Ich habe darum gebeten. Allein der Anblick eines Heizkörpers ist mir unangenehm.“ Sie sagte das mit einer emotionslosen Selbstverständlichkeit, die fast schon gruselig war. Max wohnte jetzt drei Tage mit Gunnild zusammen (okay, nein, er versteckte sich in ihrem Zimmer), und die ganze Zeit hatte er sie weder einmal lächeln gesehen, noch ein persönliches Wort von ihr gehört. Es war, als hätte ihre besondere Gabe auch ihr Inneres schockgefrostet. Und das war eigentlich ziemlich schade. Denn Gunnild war ein nettes Mädchen. Zumindest war es ihm so vorgekommen, als sie auf dem Weg in die Akademie geredet hatten. Da war sie ihm beinahe gelöst erschienen, zumindest im Vergleich zu jetzt. Irgendwie tat sie ihm Leid, denn wahrscheinlich konnte sie nicht anders. Selbst als Normaler lernte man irgendwann mal, dass die meisten Begabten ihre Gabe nicht immer kontrollieren konnten, und die Gabe sie in großem Maß beeinflusste. Deswegen wurden sie ja auch in der Akademie ausgebildet, um überhaupt mit der Gesellschaft klarzukommen. Außerdem erinnerte er sich viel zu gut an den Stromschlag seines Lebens, als er Jana irgendwann mal an den Haaren gezogen hatte.
„Gut, dann nicht.“ Max zuckte die Schultern und schaute sich um. „Hast du wenigstens eine zweite Decke oder sowas? Du merkst das wahrscheinlich nicht, aber ich frier gleich fest.“
„Irgendwo im Schrank müsste eine sein.“ Gunnild hatte sich wieder dem Buch zugewandt und deutete nur vage mit der Hand in die richtige Richtung. „Tut mir Leid.“ Sie sah ihn nicht an, aber er glaubte, einen Hauch ehrliches Bedauern in ihrer Stimme zu hören.
„Muss es nicht. Kannst ja nichts dafür.“ Er machte sich auf die Suche nach der Decke.
„Hast du das auch gehört?“ Gunnild sah auf.
„Was?“ Er drehte sich verwirrt um.
„Pscht!“
Max schloss die Augen, aber er hörte immernoch nichts. „Was denn?“
„Geh in den Schrank.“ Die vollkommene Ruhe, mit der sie sie aussprach machte die Aufforderung nur noch absurder.
„Bitte?!“
„Geh in den Schrank. Sie suchen nach irgendetwas, die Chancen stehen gut, dass sie nach dir suchen. Ich kenne die Geräusche in diesem Gebäude und das sind zu viele Schritte und zu viele offene Türen. Also geh.“ Sie sah ihn an und Max meinte, in ihren Augen so etwas wie… Angst? Ja, Angst zu erkennen. Um ihn. Er öffnete die Schranktür. Eigentlich hatte er eine Vielzahl verschiedenster Kleidungsstücke erwartet, so wie es für ein Mädchen in Gunnilds Alter üblich war, aber bis auf ein paar blaue und weiße T-Shirts, zwei Jeans und ein einzelnes kurzes Kleid mit silbern-hellblauen Pailletten war der Schrank leer.
„Starr bitte meine Sachen nicht an, sondern geh rein. Wir haben nicht mehr viel Zeit“, drängte die Eisprinzessin hinter ihm und Max kletterte endlich in den Schrank. Gunnild schloss die Tür hinter ihm. Er hörte ihre Schritte, dann das Knarzen des Stuhls, als sie sich setzte. Eine Seite raschelte beim Umblättern.
Mit einem Zischen öffnete sich die Tür.
„Gunnild Sigridsdottir?“ Der Sicherheitsmann hatte eine tiefe Stimme. Hatte Jana nicht erzählt, dass die Sicherheitsleute die Schüler kannten und er sich deshalb verstecken musste? Dann war das jemand von außerhalb. Das war… nicht gut.
Offenbar hatte Gunnild genickt, denn die tiefe Stimme fuhr fort: „Wir suchen einen entflohenen Verbrecher, einen Normalen. Es gibt Hinweise, dass er sich in der Akademie versteckt hält. Dürften wir einen Blick in ihr Zimmer werfen?“
„Selbstverständlich.“ Jeden anderen hätte er dafür bewundert, dass er so ruhig klang in so einer Situation, bei Gunnild wunderte es ihn nicht weiter, er hoffte nur, dass die Sicherheitsmenschen ihr nicht zu genau in die Augen sahen. Aber das würden sie ganz sicher nicht tun, sie fanden sie sicherlich nicht so unglaublich faszinierend, dieses helle blau mit den weißen Sprenkeln, wie Max es tat.
Schwere Schritte auf dem Teppich. Zwei Männer. Sie durchwanderten das ganze Zimmer. Einer von beiden blieb schließlich direkt vor der Schranktür stehen. „Dürften wir in ihren Schrank schauen?“ Max erstarrte.
„Selbstverständlich.“ Was zur Hölle tat sie da? Hinter so wenig Klamotten hatte er keine Chance sich… er sah auf den Boden. Direkt hinter den Sachen, aber mit genug Abstand zur hinteren Wand begann sich eine Wand aus milchigem Eis in die Höhe zu ziehen. Er verstand sofort.
Max presste sich an die Rückwand des Schranks. Vor ihm versperrte die Eiswand die Sicht nach draußen - und nach drinnen. Das war genial. Die Wand hatte gerade mit der Schrankdecke abgeschlossen, als sich die Tür öffnete. Max versuchte, nicht mit den Zähnen zu klappern. Gar nicht so einfach, wenn die Nasenspitze auf Eis drückte.
„Ich bin extrem empfindlich gegenüber jeder Temperaturschwankung, deswegen kühle ich die Sachen, die ich trage. Sie wären sonst sehr unangenehm auf der Haut“, erklärte Gunnild. Offenbar hatten die Sicherheitsmänner wenig mit Begabten zu tun, denn sie schienen ihr die Geschichte abzunehmen. Die Schranktür schloss sich wieder. Max atmete die Luft aus, von der er nicht gemerkt hatte, dass er sie angehalten hatte.
„Vielen Dank für Ihr Verständnis, Fräulein Sigridsdottir, einen schönen Abend noch“, verabschiedeten sich die Männer. Die Tür zischte zu und die Eiswand schmolz dahin.

Am ganzen Körper zitternd und nicht ganz sicher, ob von der Kälte oder dem Schock stolperte Max aus dem Schrank. Gunnild stand schon vor ihm und fing ihn auf. Das machte die Dinge zwar nur bedingt besser, denn ihr Körper war in etwa so warm wie die Eiswand, aber es war unglaublich beruhigend.
„Es tut mir Leid. Es war das Beste, was mir eingefallen ist.“ Sie klang erleichtert. Max schüttelte den Kopf und bemühte sich, irgendwie wieder auf eigenen Füßen zu stehen. „Du bist genial. Ernsthaft.“
„Was waren das für Männer?“
„Garantiert keine von der Sicherheit, aber das ist eine lange Geschichte. Schlecht ist, dass sie wissen, dass ich hier bin. Das ist nicht gut. Wir müssen uns etwas Neues einfallen lassen. Ich muss mit Jana reden und-„, er brach ab, als Gunnild ihm einen Finger auf die Lippen legte. Sie tat das mit einer solchen Selbstverständlichkeit, dass er verdutzt blinzelte. „Ja. Musst du. Aber jetzt musst du dich erst einmal mit zwei Decken in mein Bett legen und wieder warm werden, ich habe dich gerade beinahe eingefroren und ich möchte nicht, dass du meinetwegen krank wirst.“
Dagegen hatte Max nun wirklich nichts einzuwenden. Er ließ seine Sachen an, kuschelte sich einfach unter die Decke, die er die ganze Zeit um die Schultern gehabt hatte und Gunnild breitete die zweite, die sie im Schrank gefunden hatte und die nun etwas kalt war, über ihn. „Gut so?“ Es ließ sich gerade so als Frage erkennen.
„Hmm.“ Er schloss die Augen. Panik machte verdammt müde. Er war schon fast eingeschlafen, als er ganz leise Gunnilds Stimme hörte, ein kalter Hauch an seinem Ohr.

„Ich mag dich, Max.“

Date: 2012-09-29 09:50 pm (UTC)
servena: (Eliot Parker)
From: [personal profile] servena
Aaaw. Die Eisprinzessin taut auf! I like. <3
"Allein der Anblick eines Heizkörpers ist mir unangenehm." Ich kann mir das so gut vorstellen, wie sie das ausspricht und dann sein Blick! XD

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