[identity profile] les-lenne.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Fandom: Original
Challenge: #3
Achtung!: Erwähnung von Sex und den dazu benötigten Körperteilen.
A/N: Ich hätte gerne noch mehr geschrieben, aber ich muss ganz dringend off. Meine Mutter hat doch tatsächlich wieder die Hälfte ihrer Sachen im Auto vergessen! *grummel*






Henry N. und die mysteriösen Geschehnisse in dessen Wohnung








Spätnachmittäglich in der Wohnung des Henry N.

Henry rollte sich auf den Bauch. Er blies die Backen auf und machte Schnattergeräusche, die jeden Erpel schwer beeindruckt hätten. Sein rechtes Auge schmerzte noch immer und die Blase an seinem rechten Zeigefinger nervte einfach nur. Trotzdem benutzte er genau diesen Finger, um das schweigende Telefon anzustupsen. „Ruf schon an, du dusslige Kuh.“
Er seufzte – es war ja doch immer das Gleiche mit Petra. In den drei Monaten, die sie sich nun schon kannten und leider nicht miteinander geschlafen hatten, war sie kein einziges Mal pünktlich gekommen. Was auch ein Grund dafür war, dass es zwischen ihnen noch nicht zu viel mehr als Umarmungen gekommen war. Sie schien immer auf dem Sprung zu sein. Auch wenn er nicht wusste, wohin sie springen musste, sie war Geschäftsfrau, das musste was Wichtiges sein. Ihre Freunde hatte er nur einmal getroffen, auf einer Party. Sie alle hatten gestaunt. Sie käme doch sonst immer so pünktlich. Das war der entscheidende Moment. War sie nur dann nicht pünktlich wenn er im Spiel war? Aber wieso? Abgeneigt war sie nicht. Sie verbrachten viele Stunden in Cafés, wo sie die anderen Leute beleidigten, in Kinos, wo sie die Vordermänner mit Popcorn bewarfen, und immer hatten sie dabei Spaß. Ob sie nun eine Wasserleitung manipulierten oder testeten, wann der Stromkasten heißläuft. Sie hatten immer viel zu lachen. Einfach immer. Er benutzte das Wort nicht oft, aber in diesem Fall passte es perfekt. Also war es richtig, es endlich einmal zu benutzen, wo es in seiner Sprachwelt doch so ein einsames, ungebrauchtes Dasein gefristet hatte.
Brummelnd kratzte sich Henry am Po. Das war nicht so einfach mit der steifen Hose. Er lächelte. Wenigstens ist innen drin nichts steif. Wenn Petra nun reinschneien würde, was sie manchmal tat, und er einen Ständer – nein, er wollte gar nicht dran denken. Sie hätte ihm wahrscheinlich aus Spaß an der Freud’ ein Telefonbuch in der Größe von Pommern auf seinen kleinen Müller-Osternlagern gehauen. Es hatte sie ja schon grandios amüsiert, dass sein Penis einen Doppelnamen hatte. Aber es waren moderne Zeiten!
Er setzte sich auf und schüttelte den Kopf. Seine Haare waren noch nass vom Duschen. Mit Argwohn betrachtete er die Wasserflecke auf seinem Kissen. Die würden bald verschwunden sein ... na ja, hätte er sich nicht die Haare gefärbt. So konnte er sich eine Horrorgeschichte ausdenken, wie er nachts beinahe verblutet wäre. Grinsend stand er auf, machte eine Pirouette, riss die Vorhänge auseinander, sah, dass es regnete, und schlurfte ins Bad um es den Wolken nachzumachen.


Der nächste Morgen, noch immer in der schäbigen Wohnung des Herrn Henry N.

„Schatzieeeeeh?“
„Ja?“
„Du, bist du böse, weil ich erst jetzt anrufe?“
„Nicht doch.“
„Supi!“
Henry biss die Zähne zusammen. Wenigstens hatte er sich nicht wieder einen halben Krater in die Zunge gebohrt. Darauf war er ein wenig stolz. „Und jetzt?“
„Wie, und jetzt?“ Petras Stimme normalisierte sich langsam wieder. Das war gut! Er hatte noch nie verstanden, woran die Ironie lag, worin der Witz sich versteckte, wenn sie ihre Stimme so hochfuhr, dass er Probleme hatte, sie und ihre jüngere Schwester (siebeneinhalb Jahre aber schon Vollbart untenrum; mit der Familie der neuen Errungenschaft baden gehen zu müssen, war traumatisierend) auseinander zu halten. Vielleicht ja dort, wo er gerne Müller-Osternladern hineinstecken wollte. Der konnte dann, wenn es denn bald mal dazu käme, auch einen Suchtrupp losschicken. Irgendwo musste sich der Sinn hinter diesen Aktionen doch verstecken!
„Bist du noch dran?“ Petra klopfte dreimal lautstark auf ihren Hörer... das war unüberhörbar an Henrys Ende der Leitung.
Mit pochendem Kopf antwortete er: „Ja, wie wäre es denn mit...“
„Sag jetzt nicht Kino!“
„Restaurant?“
„Nein, dazu bin ich jetzt viel zu wuschig.“
Er sagte einen Moment lang nichts. Um sich zu sammeln. Und, obwohl sonst niemand in der Wohnung war, sein Kopfkissen auf seinen Schoß zu legen. Man konnte nie wissen, wer das Teleskop gerade wieder dämlich hielt. „Wie, wuschig?“
„Na, sexuell.“
„Du putzt mit deiner...!“
„Henry!“ So wie sie es aussprach, hörte sich sein Name eher wie „Hnrieeeeeeh“ an.
Wow, dachte er, das war jetzt wohl nicht nur gespielt.
„Also wirklich.“
„Ich versteh es immer noch nicht.“ Er meinte beinahe, ihr Kopfschütteln durch das Telefon an die Wand projiziert zu sehen.
„Wir sind jetzt schon sooo lange zusammen, richtig?“
„Richtig.“
„Und wir wollen heiraten!“
Dunkel erinnerte er sich an diverse kecke Heiratspläne. „Ja“, sagte er etwas weniger enthusiastisch.
„Dann könnten wir ja jetzt auch mal zusammen ins Bett gehen. Ich bin eh gerade in der Nähe, und...“
„Das geht nicht.“ Henry wandte sich um und betrachtete sein Bett.
„Wieso nicht!?“
Mann, hat die es aber nötig. Leider verging ihm sein Zuhältergrinsen beim Anblick des Betts sofort wieder. Wie oft er auch hinschielte, es war...
„Mein Bett ist verschwunden!“
Er saß auf dem Boden und starrte den roten Fleck an, wo vorher sein Bett gestanden hatte. In der Hand mit dem Zeigefinger mit der nervigen Blase hielt er die Verpackung des Haarfärbemittels. Unter den ganzen Inhaltsangaben, die er nicht verstand, war in winzigkleiner, knallroter Schrift geschrieben: „Funktioniert nur bei Haaren! Entfernt Gegenstände aus der aktuellen Zeitdimension! Achtung, Lebensgefahr!“

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