Titel: Ophelia
Team: Dickinson
Challenge: Hurt/Comfort/Angst - Nahtoderfahrung (für mich)
Fandom: Original
Kommentar: Inspiriert von Chija und dem Link zu Emilie Autumns 'The art of suicide', den sie mir geschickt hat. Danke dafür! :)
Sie braucht inzwischen etwa 30 Sekunden, um mit einer auseinander gebogenen Haarklammer das Schloss der Badezimmertür zu öffnen.
Ophelia
Sie braucht inzwischen etwa 30 Sekunden, um mit einer auseinander gebogenen Haarklammer das Schloss der Badezimmertür zu öffnen. 40 Sekunden, wenn ihre Hände zittern. Das passiert nur noch ganz selten. Sie denkt, dass sie eigentlich eine professionelle Diebin werden sollte, anstatt in der Kneipe an der Ecke die Tische abzuwischen. Aber sie hat nicht den Schneid dazu, sie hat es versucht. Manche Leute haben einfach nicht, was es braucht.
Ihre Instinkte führen sie ganz automatisch in den hinteren Flur, wenn sie die Wasserrohre auf diese bestimmte Weise rauschen hört. Es ist, als würde jemand ein Glöckchen in ihrem Kopf klingeln oder vielleicht dieses Gefühl, dass die Engländer 'walking over someone's grave' nennen. Wobei es wohl nicht ihr Grab ist, über das gelaufen wird, nicht wahr?
Sie schämt sich ein bisschen, aber inzwischen rennt sie nicht einmal mehr. Sie geht ganz ruhig die enge, ausgetretene Holztreppe hinunter. Sie bringt eines dieser großen flauschigen Handtücher mit, die sie im Eckschrank im Schlafzimmer aufbewahren, und den Kamm. Und natürlich die Haarnadel, mit der sie die blonden Haare hinter dem Ohr festgesteckt hat, zwei Klammern über Kreuz.
30 Sekunden können eine sehr lange Zeit sein, wenn man auf den abblätternden weißen Lack einer Tür starrt und auf der anderen Seite das Wasser plätschern hört. Dann gibt es dieses erleichternde, unheilverkündende Klicken.
Sie sieht aus wie Ophelia, wie sie in der gusseisernen Badewanne treibt. Wie eine Wolke umhüllen sie die langen Strähnen ihres roten Haares.Die blauen Augen sind unter der Wasseroberfläche weit aufgerissen und bewegen sich unter Wasser, blicken sie an. Diesmal hat sie nicht einmal ihr Nachthemd ausgezogen. Sie runzelt unwillig die Stirn und legt das Handtuch beiseite. Dann langt sie mit beiden Händen in die Wanne und zieht die junge Frau nach oben wie eine nasse Katze.
Sie bricht durch die Wasseroberfläche, Mund und Augen aufgerissen und nach Luft ringend. Ihre linke Hand findet blind den Stöpsel und das Wasser rauscht aus der Wanne. Sie hilft ihr über den Rand auf den Steinfußboden, auf den das Wasser tropft. Das Wasser war eiskalt gewesen und sie zittert. Sie hüllt ihr das große Handtuch um die Schultern und wringt ihre langen Haare über der Wanne aus.
„Mach das nicht“, sagt sie nur.
Sie nickt.
Da ist eine Menge mehr in diesen Worten, all die Dinge, die sie bereits gesagt hat und noch sagen wollte, aber jetzt schmeckt selbst dieser Satz nur noch schal in ihrem Mund. Manchmal überlegt sie, ob sie wohl mit unbewusster Absicht die Zeit immer weiter hinauszögert. Man kann sich nicht selbst ertränken, nicht wahr? Nicht auf diese Weise. Dennoch wünscht sich ein kleiner Teil von ihr, dass diese Augen eines Tages, wenn sie den Raum betritt, nur noch die Decke anblicken.
Sie drückt sie auf den Holzschemel hinunter und beginnt mit dem Kamm, die roten Haare zu entwirren. Mit einer Hand zieht sie das Handtuch enger um die schmalen Schultern und streicht ihr einmal sanft über die Wange.
Team: Dickinson
Challenge: Hurt/Comfort/Angst - Nahtoderfahrung (für mich)
Fandom: Original
Kommentar: Inspiriert von Chija und dem Link zu Emilie Autumns 'The art of suicide', den sie mir geschickt hat. Danke dafür! :)
Sie braucht inzwischen etwa 30 Sekunden, um mit einer auseinander gebogenen Haarklammer das Schloss der Badezimmertür zu öffnen.
Ophelia
Sie braucht inzwischen etwa 30 Sekunden, um mit einer auseinander gebogenen Haarklammer das Schloss der Badezimmertür zu öffnen. 40 Sekunden, wenn ihre Hände zittern. Das passiert nur noch ganz selten. Sie denkt, dass sie eigentlich eine professionelle Diebin werden sollte, anstatt in der Kneipe an der Ecke die Tische abzuwischen. Aber sie hat nicht den Schneid dazu, sie hat es versucht. Manche Leute haben einfach nicht, was es braucht.
Ihre Instinkte führen sie ganz automatisch in den hinteren Flur, wenn sie die Wasserrohre auf diese bestimmte Weise rauschen hört. Es ist, als würde jemand ein Glöckchen in ihrem Kopf klingeln oder vielleicht dieses Gefühl, dass die Engländer 'walking over someone's grave' nennen. Wobei es wohl nicht ihr Grab ist, über das gelaufen wird, nicht wahr?
Sie schämt sich ein bisschen, aber inzwischen rennt sie nicht einmal mehr. Sie geht ganz ruhig die enge, ausgetretene Holztreppe hinunter. Sie bringt eines dieser großen flauschigen Handtücher mit, die sie im Eckschrank im Schlafzimmer aufbewahren, und den Kamm. Und natürlich die Haarnadel, mit der sie die blonden Haare hinter dem Ohr festgesteckt hat, zwei Klammern über Kreuz.
30 Sekunden können eine sehr lange Zeit sein, wenn man auf den abblätternden weißen Lack einer Tür starrt und auf der anderen Seite das Wasser plätschern hört. Dann gibt es dieses erleichternde, unheilverkündende Klicken.
Sie sieht aus wie Ophelia, wie sie in der gusseisernen Badewanne treibt. Wie eine Wolke umhüllen sie die langen Strähnen ihres roten Haares.Die blauen Augen sind unter der Wasseroberfläche weit aufgerissen und bewegen sich unter Wasser, blicken sie an. Diesmal hat sie nicht einmal ihr Nachthemd ausgezogen. Sie runzelt unwillig die Stirn und legt das Handtuch beiseite. Dann langt sie mit beiden Händen in die Wanne und zieht die junge Frau nach oben wie eine nasse Katze.
Sie bricht durch die Wasseroberfläche, Mund und Augen aufgerissen und nach Luft ringend. Ihre linke Hand findet blind den Stöpsel und das Wasser rauscht aus der Wanne. Sie hilft ihr über den Rand auf den Steinfußboden, auf den das Wasser tropft. Das Wasser war eiskalt gewesen und sie zittert. Sie hüllt ihr das große Handtuch um die Schultern und wringt ihre langen Haare über der Wanne aus.
„Mach das nicht“, sagt sie nur.
Sie nickt.
Da ist eine Menge mehr in diesen Worten, all die Dinge, die sie bereits gesagt hat und noch sagen wollte, aber jetzt schmeckt selbst dieser Satz nur noch schal in ihrem Mund. Manchmal überlegt sie, ob sie wohl mit unbewusster Absicht die Zeit immer weiter hinauszögert. Man kann sich nicht selbst ertränken, nicht wahr? Nicht auf diese Weise. Dennoch wünscht sich ein kleiner Teil von ihr, dass diese Augen eines Tages, wenn sie den Raum betritt, nur noch die Decke anblicken.
Sie drückt sie auf den Holzschemel hinunter und beginnt mit dem Kamm, die roten Haare zu entwirren. Mit einer Hand zieht sie das Handtuch enger um die schmalen Schultern und streicht ihr einmal sanft über die Wange.
no subject
Date: 2012-09-29 08:04 pm (UTC)no subject
Date: 2012-09-29 08:06 pm (UTC)no subject
Date: 2012-10-01 04:01 pm (UTC)Das ist wirklich ne tolle Atmosphäre und... woah.
no subject
Date: 2012-10-03 12:15 pm (UTC)