[identity profile] nessaniel.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Dickinson
Autor: nessaniel
Titel: Wanderlust
Challenge: Crack/Humor – Joker und zwar Inspiration von [livejournal.com profile] chija – fürs Team
Fandom: Der Herr der Ringe
Charaktere: Éomer und sein bester Freund Eothain, Vorstandsvorsitzende des Edelgestüts Edoras
Disclaimer: Es gehört alles [livejournal.com profile] chija, zumindest die Idee, das wunderliche Pferdeherren.Geschwisterpaar auf brillante Art und Weise in ein modernes Setting zu setzen. Irgendwas davon hat wohl auch mal Tolkien gehört?
Kommentar: DAS IST DAS BESTE AU DER WELT Ich reize den inspirations-tag von Chijas Fic bis zum Äußersten und schreibe sozusagen die Gegenperspektive, nämlich Éomer und dessen wunderbaren Alltag auf dem Gestüt Edoras (was eher wie ein High-Profil-Unternehmen rüberkommt, aber seht selbst ;D). Und diese Story hat mittendrin ein Eigenleben entwickelt. So wollte ich sie gar nicht haben. Meh. >.<



Wanderlust

„Kommen wir zum nächsten Tagesordnungspunkt: es ist eine neuerliche Bemalung der Grenzsteine an der Ostgrenze von Nöten, wir werden also nun über die finanziellen Aspekte sprechen sowie über die Farbwahl…“
Éomer starrte auf den Sekundenzeiger seiner Armbanduhr und stellte sich vor, dass sein Hals der kleine Strich über der Ziffer Drei wäre, sodass er minütlich geköpft und damit endlich von diesem Elend erlöst würde.
Doch leider blieb sein Kopf genau da, wo er war, sodass sich Fréas wehleidiges Stimmchen anfühlte, als würde Éomers Schädel mit einem rostigen Zahnarztbohrer bearbeitet.
Er dachte an all die Dinge, die er jetzt lieber täte, als hier zu sitzen und sich über die Farbe von Wegmarkierungen zu unterhalten: Nagelpilzbehandlungen bei alten Damen zum Beispiel.
Er warf einen gequälten Blick hinüber zu Eothain, der stocksteif und mit geradem Rücken dasaß und wie hypnotisiert an Fréas Lippen zu kleben schien.
Wie machte der Typ das?
Als sich zum dritten Mal jemand erhob, um über die Vorzüge von weißer Farbe gegenüber gelber zu diskutieren, hielt Eomer es nicht mehr aus. Er knallte die Hände auf den Glastisch, stand hastig auf und verließ beinah fluchtartig mit langen Schritten den Raum.
„Aber…Herr Éomer!“, rief Fréa ihm nach, doch Éomer zog es vor, nicht darauf zu reagieren. Wenn er auch nur eine Sekunde länger bleiben würde, dann würde sein Schädel platzen und sie könnten sich einen neuen Erben und Vorstand suchen.
Vielleicht war genau das der Plan, schoss es Éomer durch den Kopf, als er durch die Gänge in Richtung des stillen Innenhofs flüchtete, vielleicht hatten sich Fréa, Elfhelm und Galmund (die alle älter waren als die Steinkohle) zusammengeschlossen, um ihn kollektiv in den Wahnsinn zu treiben.
Endlich trat er in den Innenhof. Frischer Wind wehte ihm um die Nase, die Sonne schien und ein Vogel trällerte ein fröhliches Lied irgendwo hinter dem Brunnen.
„Argh!“
Éomer stapfte wütend zum Brunnen, riss sich das Haarband vom Zopf und tauchte in einem kindischen Akt der Verzweiflung seinen ganzen Kopf unter den Wasserstrahl.
„Na großartig“, hörte er jemanden sagen, als er wieder auftauchte. „Jetzt stinkst du wieder wie ein nasser Hund.“
„Halt die Klappe, Eothain“, erwiderte Éomer und ließ sich völlig unzeremoniell auf den mit weißem Kies bedeckten Boden fallen. Er wischte sich das Wasser von der Stirn. „Oder ich feuer dich.“
„Geh erstmal zum Frisör, du langhaariger Hippie.“
Eomer schnaubte, aber der blöde Spruch schaffte es tatsächlich, ihn aufzumuntern. Er grinste seinem Freund zu, doch Eothain schenkte ihm bloß einen äußerst missmutigen Blick, der vermutlich vor allem dem ruinierten, weil klatschnassen Dreiteiler galt.
„Tut mir Leid“, sagte er hastig, bevor Eothain zu seiner üblichen Gardinenpredigt ansetzen konnte. „Ich verliere noch den Verstand.“
„Dafür bräuchtest du zuerst mal einen“ gab Eothain trocken zurück, dann trat er einen Schritt näher und betrachtete seinen Freund mit einem kritischen Stirnrunzeln.“Du siehst schlimm aus. Wann hast du das letzte Mal geschlafen?“
„Letzte Woche?“, bot Eomer mit einem schiefen Grinsen an. „Ich habe versucht, Eowyns System der Buchhaltung zu begreifen, doch das erweist sich immer mehr als sinnloses Unterfangen. Verdammt noch mal.“ Frustriert verbarg Eomer das Gesicht in den Händen.
„Es wäre vermutlich nicht ganz so sinnlos, wenn du dich nicht aus der Verantwortung gestohlen hättest, als Theoden krank war!“, sagte Eothain scharf.
„Ja ja“, winkte Eomer ab. „Ich bin ein schrecklicher Bruder und ein noch viel schrecklicherer Neffe gewesen und sollte auf ewig in der Hölle schmoren, dafür, dass ich Eowyn allein gelassen habe.“
„Ja, das solltest du.“
„Du bist der schlimmste beste Freund der Welt, ist dir das bewusst?“
„Zugegeben, diese Boardmeetings sind ein ziemlich guter Ersatz für die Hölle…“
„Dankeschön! Wenigstens einer, der es einsieht!“
„Aber trotzdem könntest du dir etwas mehr Mühe geben, Eomer.“ Er sah mit einem beinah mitleidigen Blick auf seinen Freund hinab. „Wir schreiben gerade so schwarze Zahlen, die Konkurrenz vom Schneeborn droht, uns den Rang bei sämtlichen namhaften Züchtern abzulaufen und von dem allerhöchstens durchschnittlichen Gesamtzustand des Gestüts will ich gar nicht erst reden.“
Eomer formte mit den Fingern eine Pistole und tat, als würde er sich in den Kopf schießen. Eothain ging auf seine Albernheiten jedoch nicht ein.
„Du hast zwei Möglichkeiten, mein Freund.“
„Involviert eine davon meinen sofortigen Rücktritt von allen geschäftlichen Beziehungen?“
„Nein. Denn dein Backpfeifengesicht und der gute Name deines Onkels sind alles, was uns noch davor bewahrt, gänzlich überrannt zu werden.“
„Weißt du, mir hat noch nie jemand meine Zukunft in derartig schwarzen Farben ausgemalt. Vielleicht sollte man dafür eine weitere Farbe erfinden. Absolut ausweglose Verzweiflung , Schattierung Eothain oder so was.“
„Entweder du reißt dich zusammen und konzentrierst dich endlich aufs Geschäft“, fuhr Eothain unbeeindruck fort, „oder aber…“
„Oder ich rufe Eowyn an und bitte sie auf Knien darum, zurückzukommen und mir zu helfen.“
„Haargenau.“
„Dann nehme ich Option drei und erhänge mich morgen im Konferenzraum.“
Jetzt wurde Eothain ernstlich wütend. „Wenn du nicht sofort damit aufhörst, dann…“
„Genug!“ Eomer war blitzschnell aufgesprungen und hatte seinen Freund am Revers gepackt. Er funkelte ihn zornig an. „Glaubst du wirklich, ich wüsste nicht, dass ich dabei bin, den Karren vor die Wand zu fahren, weil ich schlichtweg keine Ahnung habe, was ich tue? Dass mir exakt die drei Jahre fehlen, in denen Eowyn hier alles geschmissen hat? In denen ich durch alle Herren Länder gezogen bin und mich mit weiß Gott was, vergnügt habe?“
„Eo, bitte… ich…“ Eothain schien ehrlich erschrocken und nach einem kurzen Schütteln, das härter als notwendig war, ließ Eomer ihn auch sofort los. Eothain richtete ein wenig ungehalten seine Krawatte und sagte nichts.
„Ich kann sie nicht bitten, zurückzukommen“, murmelte Eomer daraufhin und hob hilflos die Schultern. „Sie hat ihr eigenes Leben in der großen, weiten Welt, die sie unbedingt sehen will und sie hat deutlich klar gemacht, dass sie mit Edoras nichts mehr zu tun haben will.“
„Hat sie dir nicht einen Stiefel an den Kopf geworfen, um ihren Standpunkt klar zu machen?“
„So kann man es natürlich auch formulieren.“ Er grinste seinem Freund zu, dann wurde er wieder ernst. „Ich habe kein Recht, sie jetzt zurückzuholen und sei es nur für ein paar Wochen. Sie soll ihr Abenteuer genießen können, genauso wie ich meins genießen konnte. Wahrscheinlich geht es ihr fantastisch mit diesem…Typen. Wie hieß er noch gleich?“
„Faramir.“
„Genau. Die beiden sind wahrscheinlich irgendwo in noblen Künstlerkreisen unterwegs. Oder Eowyn hat sich einer Bikergang angeschlossen, wie sie immer wollte und macht gerade die Straßen unsicher. Egal, wie es ist, ich werde sie nicht anrufen.“
Eothain seufzte, dann legte er Eomer die Hand auf die Schulter.
„Das ist wirklich äußerst nobel von dir…“
„Danke.“
„…aber kann es sein, dass du einfach nur zu stolz bist, um deine jüngere Schwester um Hilfe zu bitten?“
„WAS?!“ Eomer war entrüstet, doch er spürte, dass er rot wurde.
„Wirklich, Eo.“ Eothains Grinsen ging von einem Ohr zum anderen. „Du solltest wissen, dass ich dich besser kenne. Egal, wie nobel und heroisch ihr zwei Pappnassen euch auch darstellen wollt, es kommt doch jedes Mal aufs selbe hinaus: dass ihr zwei sture Maulesel seid! Ihr verfluchten Penner!“
Eomer stöhnte auf. „Du bist wirklich unmöglich, weißt du das?“
„Ja. Deshalb bin ich ja auch dein bester Freund.“
„Ach, scher dich doch zum Teufel!“
„Der sollte zumindest besser auf vernünftige Argumente anspringen als du!“
„Grah!“ Eomer begann, durch den kleinen Innenhof zu stapfen, was einige Leute, die an den Fenstern im oberen Stockwerk saßen, zu seltsamen Blicken veranlasste.
Schließlich hielt er inne und seufzte brunnentief.
„Du hast gewonnen“, murmelte er. „Hol mir das Telefon.
„Also rufst du sie an?“, hakte Eothain mit einem siegessicheren Grinsen nach.
„HOL MIR DAS TELEFON!“
- Ende

Date: 2012-09-29 08:16 pm (UTC)
From: [identity profile] chija.livejournal.com
*loooool* Sehr schön. Ich mag es, was du aus der AU gemacht hast! Und ich liebe es, dass Eomer genau so stolz ist wie seine Schwester. Sehr genial.

Und jetzt halt mich bitte davon ab, die tragische Seite dieser ganzen Sache zu schreiben, weil ich mir irgendwie in den Kopf gesetzt habe, dass alle, die tot sein sollten, auch tot bleiben und das viel zu viele Tote in Eowyns und Faramirs direkter Verwandtschaft bedeutet XD

Date: 2012-10-01 08:07 am (UTC)
From: [identity profile] chija.livejournal.com
Irgendwie sollten wir das alles nach dieser Challenge unbedingt weiterführen. Ich meine, nach meinem Headcanon ist Theodred im Übrigen bei einem Autounfall gestorben und Eowyn saß mit im Auto. Deswegen hat sie Faramir im Krankenhaus kennen gelernt (wo die häusliche Gewalt wieder wunderbar reinpasst). Ich weiß noch nicht ganz, was mit Boromir passiert ist... aber dann ist da noch die Sache mit der Firma (Gondor Enterprises, frag nicht XD) und dem rechtmäßigen Erben, der einfach wieder aufgetaucht ist. Da ist auch noch ne ganze Schlange von AU-Gedanken... oh my. Ich will ne Challenge.

Germanistik ist übrigens klasse und ich mag es, dass Eomer ihn nicht leiden kann. Eowyn studiert irgendein Orchideenfach.

Date: 2012-10-01 10:35 am (UTC)
From: [identity profile] chija.livejournal.com
Oder wir drehen es um: Theodred stirbt bei einem Reitunfall und Theoden gibt Eomer die Schuld, weil es sein Pferd war. Und Theoden wiederum stirbt bei dem Autounfall mit Eowyn, das passt vom Canon her besser, find ich. Und Boromir: Ich mag den Flugzeugabsturz. Oder er wird erschossen, weil er da noch Erbe des CEO ist und zur falschen Zeit am falschen Ort? Gott,.Ich will das schreiben!

Date: 2012-10-01 09:53 pm (UTC)
From: [identity profile] chija.livejournal.com
... Ich hab mir jetzt die Szene mit Faramir und Eowyn in den Häusern der Heilung etwa 10 Mal angeschaut... das ist nicht gut. Was macht diese AU mit meinem Gehirn? Und was machst du mit meinem Gehirn? Und fehlen dir die Challenges auch so sehr *g*?

(Ach ja, Arwen ist übrigens adlig und hat für Aragorn ihren Stand aufgegeben. Nur so. Es musste irgendwas sein, was sie a. irgendwie entrückt macht und b. ein Verlust für sie ist. Oder hast du ne bessere Idee?)

Date: 2012-10-02 09:10 pm (UTC)
From: [identity profile] chija.livejournal.com
Ich find aber, sie braucht auch irgendwie was passiv-entrücktes, sonst ist es nicht mehr Arwen. Vielleicht studiert sie BWL, aber sie betrachtet die Menschen um sich herum trotzdem eher etwas entfernt.

... und dann ist da noch die Sache, dass Eowyn mal unglücklich in Aragorn verliebt war, als er in Edoras war, weil er Theoden von irgendwo her kennt... noch vollkommen abgerissen auf Selbstfindungstrip...
Und der Fakt, dass Faramir Fürst von Ithilien wird unter Aragorn. Ich hab da so eine vage Idee im Kopf, die eine Party im Weißen Turm (das Geschäftshochhaus von Gondor Enterprises *hust*) beinhaltet... ich brauch ne Challenge und ne Gelegenheit, dammit!

Date: 2012-09-29 10:07 pm (UTC)
servena: (Eliot Parker)
From: [personal profile] servena
Ah, ich liebe es! :D Ihr Rumgezanke! Eomer mit dem Kopf unter dem Brunnen! Die Diskussion über die Farbe der Grenzsteine! (ERNSTHAFT? XD) Und natürlich ist er einfach nur zu stur, um seine Schwester anzurufen und sie auf Knien um Verzeihung zu bitten. Und sein bester Freund ist wirklich verdammt knallhart ehrlich mit ihm, aber wozu hat man auch sonst Freunde?

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