Romantik - Unerwiderte Gefühle
Sep. 29th, 2012 10:34 amTeam: Novalis
Challenges: Romantik/Intimität: Unerwiderte Gefühle
Fandom: Original
Wörter: ~350
Warnung: Blut, häusliche Gewalt, Tot.
Anmerkung: Alle Schuld geht an Peggy Lee und ihren Johny Guitar!
Er lag in der Badewanne. Die Augen halb geschlossen. Er sah so friedlich aus, wie sie ihn niemals gesehen. Eine Ruhe, die nur sie hatte ihm geben können. Das hatte sie immer gewusst. Sie hatte ihn gezähmt, hatte das Lamm aus seinem Wolfspelz geschält.
Warum also standen ihr die Tränen in den Augen?
Sie griff nach seiner Hand, groß und kantig lag die in ihren eigenen Fingern, hob sie zu ihrem Gesicht. Seine Hände waren immer kalt gewesen. Wie eine Maske, die den guten Menschen verborgen hielt, den sie immer in ihm gesehen hatte. Sie ließ ihre Lippen über die Hornhaut an seinen Fingerkuppen gleiten.
Das erste mal, als sie ihn sah, hatte er Gitarre gespielt. Tief-traurig-sehnsüchtige Lieder, die an ihr zerrten und zogen, seine dunklen Augen schwärzer färbten als die Nacht. Sie war mit ihm gekommen. Warum auch nicht. Er war das Abenteuer, von dem sie immer geträumt hatte. Er stellte mit ihr Dinge an, von denen sie nie zu träumen gewagt hätte.
Am Anfang hatte sie selbst seine Wut aufregend gefunden, seine Ausbrüche. Fühlte sich seltsam fasziniert, wenn sie mit ansehen musste, wie er andere Menschen behandelte.
Nicht sie. Sie war etwas anderes. Sie war etwas besonderes für ihn.
Das glaubte sie, und glaubte es vielleicht noch immer.
Wenn er sie schlug, dann war es ein Versehen, oder ihre Schuld. Oder -
Sie kletterte zu ihm in die Badewanne, setzte ihn auf, sein Rücken lehnte klamm und klebrig an ihrer Brust. Sie setzte ihm seine Gitarre auf den Schoß.
„Es tut mir Leid“, flüsterte sie in sein Ohr, versuchte seine linke Hand den Hals der Gitarre greifen zu lassen. Ein unmenschliches Geräusch entwich seiner Kehle. Sein Blut saugte sich in ihr Kleid. Zeichnete eine verwischte Spur auf den Badezimmerfliesen, über den Teppich ihres Zimmers. Da war er auf sie losgegangen. Sie hatte irgendetwas gesagt, irgendetwas, das ihn provoziert hatte, sie wusste schon gar nicht mehr, was.
Ihr Lockenstab lag blutverschmiert zwischen weißen Laken.
Sie hob seine rechte Hand, ließ sie über den leeren Saiten fallen. Eine gedämpfte Disharmonie.
„Ich hätte dich immer geliebt“, flüstert sie in sein Ohr. Sie schließt ihre Augen und wartet.
Dass jemand sie findet. Oder dass er wieder aufwacht.