[identity profile] chija.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Dickinson
Challenge: Romantik/Intimität - Post-It-Zettel
Fandom: Original
Charaktere: Katarina, Derek
Worte: 725
Kommentar: Inspiriert von dem Zettel, der tatsächlich genau so heute Abend auf dem Boden im Flug lag und gewidmet dem Mitbewohner oder der Mitbewohnerin, der/die ihn fallen gelassen hat

Cirque du Soir tonight
Door opens at 10:45 dress code is strictly fancy/formal
At the door say “Hannah’s List Vesper Black“ to get in!
If you’re are girl this will get you in free and boys will get in at a discounted rate - £20


Katarina hatte keine Ahnung, wie lange sie diesen Zettel angestarrt hatte. Dieses kleine, beinahe unschuldig wirkende Stückchen Papier, das plötzlich auf dem Boden im Flur gelegen hatte. Sie hatte außerdem keine Ahnung, wer es da fallen gelassen haben könnte. Einer ihrer Mitbewohner, logischerweise, sonst kam keiner in die Wohnung, aber es gab unter denen eigentlich keinem, dem sie zutraute, sich für so etwas - was auch immer es war - zu interessieren. Sie hatte ebenfalls keine Ahnung, warum sie nach gefühlt stundenlangem Anstarren in ihre Zimmer gegangen war, das einzige kleine Schwarze, das sie besaß, aus dem Schrank gezogen und auffallend düsteres Make-Up aufgelegt hatte.
Und sie hatte erst recht keine Ahnung, warum sie jetzt vor dieser Tür stand, deren Standort sie erst nach etwa einer Stunde unermüdlicher Google-Benutzung herausgefunden hatte. Es war keine besonders nette Gegend der Stadt. Im Gegenteil. Wer es vermeiden konnte, verirrte sich am späten Abend nicht mehr hierher. Schon gar nicht, wenn man vollkommen alleine, in einem nicht gerade üblichen Maß aufgetakelt und weiblich war.
Katarina war gerade dabei, zu entscheiden, dass das alles eine wirklich, wirklich dumme Idee war, als sie den kleinen gelben Zettel an der Hauswand bemerkte. Es war so schummrig hier, dass sie hier Handy herausholen musste, um ihn zu lesen.
If you know the code, knock three times.
Nun, sie wusste zwar nicht, ob sie den Code wusste, aber sie wusste zumindest einen Code. Sie verwarf den Gedanken, dass das immernoch eine bescheuerte Idee war, und klopfte drei Mal.
Mit einem nicht gerade angenehmen Quietschen schwang die Tür nach innen auf.
Der Blick in den schmalen Gang, der sich ihr bot, wurde schon bald versperrt durch einen schweren roten Samtvorhang, der sich farblich mit dem Teppich und den stoffbespannten Wänden deckte. Vor dem Vorhang stand ein bulliger Mann im schwarzen Anzug, und sah sie fragend an. „Code?“
Katarina wiederholte die seltsamen Worte auf dem Zettel, die ihr komisch genug vorgekommen waren, dass sie sie nun auswendig konnte, und er trat zur Seite. Irgendwo warnte sie ihr gesunder Menschenverstand, dass das immernoch eine ganz dumme Idee war, aber auch der gesunde Menschenverstand brauchte manchmal eine Pause. Sie schob den Vorhang beiseite.
Der Gang erstreckte sich bis zu einer weiteren, hölzernen Tür. Der Teppich unter ihren Füßen war weich und plüschig und ihre Absätze versanken darin. Die zweite Tür hielt keine Post-Its oder andere Zettel bereit. Außerdem war sie nicht ganz verschlossen und Katarina zog sie einfach auf, nur um verdutzt im Türrahmen stehen zu bleiben.
Der Anblick war so irritierend wie atemberaubend.
Zahlreichen Sitzgruppen aus verschiedenfarbigen Polstern waren in dem Salon verteilt, dessen Größe sie dem Gebäude von außen niemals zugetraut hätte. Zwei Bars versorgten die Gäste mit vielfarbigen Getränken. Das Klientel, das sich auf den Polstern räkelte, sich an der Bar unterhielt oder sich auf der Tanzfläche zu interessanter Musik vergnügte, hätte gemischter nicht sein können. Und irgendwie passte sie hier erschreckend gut hin.
„Wie ich sehe, bist du meiner Einladung gefolgt.“
Katarina fuhr herum. „Derek?!“
Jap, ganz eindeutig. Neben der Tür stand, gekleidet in einen dunklen Anzug, mit einer schwarzroten Rose im Knopfloch und einem viel zu umwerfenden Lächeln der Kerl, den sie seit ihrem ersten Tag hier mit wenigen Anstandsunterbrechungen die ganze Zeit angestarrt hatte. Es dauerte einen Augenblick, bis sie die Sprache wiederfand. „Woher hast du meine Adresse?“
Er grinste. „War nicht schwer. Denise.“
Sie blinzelte schon wieder. Irgendetwas an seinen Augen hatte etwas unglaublich Hypnotisches.
„Ich sollte das alles hier ziemlich seltsam finden, oder?“
Derek nickte. „Solltest du. Aber ich hatte das Gefühl, dass du diese Seltsamkeit zu schätzen weißt.“ Mit einer formvollendeten Bewegung bot er ihr den Arm. „Darf ich bitten?“
Und sie hakte sich bei ihm ein.
Du bist wahnsinnig, schrieen ihr Unterbewusstsein und ihr gesunder Menchenverstand im Chor. Sowas kann nicht wahr sein! Im besten Fall träumst du, im schlimmsten hast du gleich ein riesiges Problem!
Haltet die Klappe, dachte sie und ließ sich auf die Tanzfläche geleiten. Wenn ein Abend mit seltsamen Zetteln begann, musste man eben einfach etwas wagen.

Date: 2012-09-28 12:10 pm (UTC)
der_jemand: (lorelai <3)
From: [personal profile] der_jemand
den sie seit ihrem ersten Tag hier mit wenigen Anstandsunterbrechungen die ganze Zeit angestarrt hatte.
Soviel Liebe für die Anstandsunterbrechungen! ♥

Und ich find's toll. Katarinas gesunder Menschenverstand hat vermutlich recht, aber sie hat gleich noch mal viel mehr Recht. Seltsame Zettel sind toll, seltsame Menschen auch und alles in allem ist das sehr herrlich.^^

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