(no subject)
Feb. 8th, 2007 09:00 pmSo, ich bin auch neu hier und versuche mich mal an einer Challenge.
^_~
Challenge: Kompensation
Fandom: Weiß Kreuz
Wörter: 1052
Dauer: 60 Minuten
Warnungen: Keine Besonderen
--
Bums.
Krach.
Türknallen.
Zerbrechendes Glas.
Wütende Schreie, Lachen, Beleidigungen.
Anfangs war es für Brad nervig gewesen. Nervig, verärgernd, ruhestörend. Inzwischen war es schlichtweg Alltag geworden. Auch wenn dies zunächst störend und unangenehm klang, sah Brad es von einer anderen Seite. Er hatte sehr früh eingesehen, dass es ihm nur in bestimmten Situationen gelang, wirkliche Ordnung in seinem Team zu bewahren. Und weil dies immer schwieriger wurde, war er über jedes Fünkchen Kontrolle froh. Alltag war eine Abfolge von Dingen, die einem immer wieder passierten. Ordnung also. Kontrolle. Nichts Schlimmes.
„SCHULDIG!“
Manchmal wusste Brad nicht, ob es gut oder schlecht war, dass sich hin und wieder der optimistische Mensch in ihm durchrang.
Die Wohnzimmertür sprang auf, Schuldig stürmte herein, dicht gefolgt von Nagi. Das Lachen des Telepathen wies auf eine seiner neuesten Ideen hin, das Surren in der Luft darauf, dass Nagi von dieser nicht begeistert war. Brad sah nicht einmal von seiner Zeitung auf. Alltag war Alltag. Der Börsenteil war der Börsenteil – und momentan das Einzige, was seine Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen sollte.
„Gib es *her*!“
Ein Lachen. Dann nasal: „Hol’s dir doch, Wendy.“
„Schuldig!“
Wieder ein Lachen.
„Brad, sieh mal, was ich eben gefunden habe!“
„SCHULDIG!“
Nagi schien *wirklich* sauer zu sein.
Sorgfältig wurde die letzte Seite des Börsenteils umgeblättert. Es folgte Sport. Eigentlich nichts, was ihn sonst interessierte. Momentan bot es allerdings eine gute Option. Er kannte das alles. Lebte schon Jahre damit und hatte gelernt, es so gut wie möglich zu ignorieren. Nichts würde ihn so schnell aus der Ruhe bringen. Nichts. Das Surren wurde lauter. Bedrohlicher.
„Schuldig, das ist deine letzte Warnung. Gib es her!“
Der Telepath nahm Schutz hinter dem Sofa, direkt vor Brads Knien. Nicht, dass dieser sich daran störte. Die linke Hand, die irgendwann begonnen hatte zu zittern, wurde wütend zur Ruhe gezwungen.
„Hey, jetzt beruhige dich doch erst mal. Mit Ponys darf man nicht so ruppig umgehen.“
Lauteres Surren. Mit einem Mal hatte Brad das Gefühl, etwas unheimlich Großes und Scharfkantiges würde hinter ihm schweben. Kein Grund zur Besorgnis.
„Schuldig, ich meine es *ernst*!“
„Okay – wir machen einen Deal. Ich gebe dir dein Heft zurück und dafür krieg ich was von dir.“
Stille. Für einen kurzen Moment. Es war ein unheimlich schöner Moment, wie Brad fand.
„Was bitte soll ich dir denn geben?“
Man konnte das Grinsen fast spüren. Brad vermochte nicht zu verhindern, dass ihm ein Schauer über den Rücken lief.
„Wie viel sind dir Ponys denn wert?“
Wieder Stille, wenn auch weit bedrohlicher. Irgendetwas schien sich anzubahnen. Allerdings nichts, das wichtiger war als das Handballturnier von gestern.
„Okay, Kleiner, wie wär’s, wenn ich heute Abend freien Zugang zu deinem PC habe? Du hast doch noch dieses Autorennspiel, oder?“
Man konnte fast hören, wie Nagis Augenbraue zuckte. Innerlich musste ein großer Kampf stattfinden. Einer, der immerhin etwa zehn Sekunden dauerte.
„Gut.“
Ein Zischen, nicht mehr.
„Und jetzt gib es her.“
Schuldigs Grinsen wurde breiter und Brad verfluchte sich für die Gänsehaut auf seinen Armen.
„Hm… wenn ich so überlege, ist der Tausch nicht besonders fair. Ich meine, ich kann eigentlich jederzeit an deinen PC“ – ein Schnauben von Nagi – „und immerhin halte ich hier“ – ein Rascheln – „die unglaubliche 25. Ausgabe in der Hand.“ Künstlerische Pause. „Mit Stickern. Ich will noch etwas dazuhaben. Als Kompensation sozusagen.“
Fast musste Brad schnauben, aber nur fast. Manchmal hasste er Schuldig. Und manchmal empfand er fast so etwas wie Bewunderung für ihn. So wie jetzt. Das Surren war plötzlich wieder da, viel lauter als zuvor und dieses Mal so präsent, dass Brads Instinkte ihm sagten, dass er lieber eingreifen und diesen Spuk beenden sollte. So leid es ihm auch tat. Als er die Zeitung zusammenfaltete, raschelte er extra laut. Dann erhob er sich. In Momenten wie diesen war es wichtig, so viel Autorität wie möglich zu zeigen.
„Schuldig, du solltest dich daran erinnern, wie unfair Nagi wirklich sein kann, wenn er will. Ich habe nicht vor, in den nächsten Minuten eine Vision von dir zwischen der Wand und dem Wohnzimmertisch zu bekommen. Sei zufrieden mit dem Computer für heute Abend und gib ihm sein –…“
„Ponyheft.“, wurde fleißig geholfen.
„Gib es ihm zurück.“
Ein Seufzen, ein Rascheln, ein Heft, das ihn beim Überqueren des Sofas fast im Gesicht traf.
„Und jetzt verschwindet aus dem Wohnzimmer.“
Wenige Sekunden später knallte die Tür und ein durchaus beleidigter Nagi wandte sich wieder der morgigen Mission zu. Personenschutz bei einem Reitturnier. Brad war froh, dass seine Anwesenheit nicht gefragt werden würde. Das Sofa neben ihm gab nach, als Schuldig sich darauf fallen ließ. Brad war versucht zu seufzen, unterdrückte es aber. Im Prinzip war alles reiner Alltag. Ordnung. Wenn auch keine, die von ihm kontrolliert wurde, wie er zugeben musste.
„Schuldig, verpiss dich.“
Ein Lachen. Anders als vorher. Echter, privater.
„Haben wir den furchtlosen Anführer beim Zeitungslesen gestört? Wie unanständig von uns.“
Die Wohnzimmeruhr schlug. Brad zählte mit, um seine innere Ruhe wieder zu finden und bemerkte, dass es bald Zeit für seinen allmorgendlichen zweiten Kaffee war.
„Vielleicht sollte ich mir überlegen, wie ich das wieder gut machen kann. Eine kleine Entschädigung sozusagen.“
Brad hob eine Augenbraue und wandte sich langsam zu Schuldig um. Das erste Mal an diesem Tag blickte er in die unheilvollen grünen Augen und wünschte sich nur einen Augenblick später, es gelassen zu haben. Der Kaffee drohte in den Hintergrund zu rücken.
„Und an was hast du da gedacht?“
Schuldig nahm eine seiner roten Haarsträhnen und wickelte sie sich um den Finger, augenscheinlich in tiefen Überlegungen.
„Ich könnte Farf ein bisschen ausführen. Dann hast du ihn morgen nicht am Hals, wenn wir weg sind.“
Brad zog eine Augenbraue hoch.
„Ein durchaus verlockendes Angebot.“
Ein Grinsen bildete sich auf Schuldigs Gesicht. Brad beschloss, jetzt seinen Kaffee zu holen und sich in sein Büro zurückzuziehen. An der Tür blieb er stehen und drehte sich um. Der Kaffee war wie aus einem Impuls heraus vergessen.
„Das reicht mir nicht ganz. Viel zu wenig für den Krach, den ihr gemacht habt.“
Schuldigs Grinsen wurde breiter.
„Also… mir würde schon eine passende Kompensation einfallen.“
--
Eine Stunde später im Schlafzimmer dachte Brad sich, dass er mit seinem Leben eigentlich soweit zufrieden sein konnte. Seine Hand fand wie von selbst ein Büschel der roten Haare, die zwei Drittel des Kopfkissens zu bedecken schienen. Nein, an seinem momentanen Alltag gab es prinzipiell wirklich nichts auszusetzen.
^_~
Challenge: Kompensation
Fandom: Weiß Kreuz
Wörter: 1052
Dauer: 60 Minuten
Warnungen: Keine Besonderen
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Bums.
Krach.
Türknallen.
Zerbrechendes Glas.
Wütende Schreie, Lachen, Beleidigungen.
Anfangs war es für Brad nervig gewesen. Nervig, verärgernd, ruhestörend. Inzwischen war es schlichtweg Alltag geworden. Auch wenn dies zunächst störend und unangenehm klang, sah Brad es von einer anderen Seite. Er hatte sehr früh eingesehen, dass es ihm nur in bestimmten Situationen gelang, wirkliche Ordnung in seinem Team zu bewahren. Und weil dies immer schwieriger wurde, war er über jedes Fünkchen Kontrolle froh. Alltag war eine Abfolge von Dingen, die einem immer wieder passierten. Ordnung also. Kontrolle. Nichts Schlimmes.
„SCHULDIG!“
Manchmal wusste Brad nicht, ob es gut oder schlecht war, dass sich hin und wieder der optimistische Mensch in ihm durchrang.
Die Wohnzimmertür sprang auf, Schuldig stürmte herein, dicht gefolgt von Nagi. Das Lachen des Telepathen wies auf eine seiner neuesten Ideen hin, das Surren in der Luft darauf, dass Nagi von dieser nicht begeistert war. Brad sah nicht einmal von seiner Zeitung auf. Alltag war Alltag. Der Börsenteil war der Börsenteil – und momentan das Einzige, was seine Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen sollte.
„Gib es *her*!“
Ein Lachen. Dann nasal: „Hol’s dir doch, Wendy.“
„Schuldig!“
Wieder ein Lachen.
„Brad, sieh mal, was ich eben gefunden habe!“
„SCHULDIG!“
Nagi schien *wirklich* sauer zu sein.
Sorgfältig wurde die letzte Seite des Börsenteils umgeblättert. Es folgte Sport. Eigentlich nichts, was ihn sonst interessierte. Momentan bot es allerdings eine gute Option. Er kannte das alles. Lebte schon Jahre damit und hatte gelernt, es so gut wie möglich zu ignorieren. Nichts würde ihn so schnell aus der Ruhe bringen. Nichts. Das Surren wurde lauter. Bedrohlicher.
„Schuldig, das ist deine letzte Warnung. Gib es her!“
Der Telepath nahm Schutz hinter dem Sofa, direkt vor Brads Knien. Nicht, dass dieser sich daran störte. Die linke Hand, die irgendwann begonnen hatte zu zittern, wurde wütend zur Ruhe gezwungen.
„Hey, jetzt beruhige dich doch erst mal. Mit Ponys darf man nicht so ruppig umgehen.“
Lauteres Surren. Mit einem Mal hatte Brad das Gefühl, etwas unheimlich Großes und Scharfkantiges würde hinter ihm schweben. Kein Grund zur Besorgnis.
„Schuldig, ich meine es *ernst*!“
„Okay – wir machen einen Deal. Ich gebe dir dein Heft zurück und dafür krieg ich was von dir.“
Stille. Für einen kurzen Moment. Es war ein unheimlich schöner Moment, wie Brad fand.
„Was bitte soll ich dir denn geben?“
Man konnte das Grinsen fast spüren. Brad vermochte nicht zu verhindern, dass ihm ein Schauer über den Rücken lief.
„Wie viel sind dir Ponys denn wert?“
Wieder Stille, wenn auch weit bedrohlicher. Irgendetwas schien sich anzubahnen. Allerdings nichts, das wichtiger war als das Handballturnier von gestern.
„Okay, Kleiner, wie wär’s, wenn ich heute Abend freien Zugang zu deinem PC habe? Du hast doch noch dieses Autorennspiel, oder?“
Man konnte fast hören, wie Nagis Augenbraue zuckte. Innerlich musste ein großer Kampf stattfinden. Einer, der immerhin etwa zehn Sekunden dauerte.
„Gut.“
Ein Zischen, nicht mehr.
„Und jetzt gib es her.“
Schuldigs Grinsen wurde breiter und Brad verfluchte sich für die Gänsehaut auf seinen Armen.
„Hm… wenn ich so überlege, ist der Tausch nicht besonders fair. Ich meine, ich kann eigentlich jederzeit an deinen PC“ – ein Schnauben von Nagi – „und immerhin halte ich hier“ – ein Rascheln – „die unglaubliche 25. Ausgabe in der Hand.“ Künstlerische Pause. „Mit Stickern. Ich will noch etwas dazuhaben. Als Kompensation sozusagen.“
Fast musste Brad schnauben, aber nur fast. Manchmal hasste er Schuldig. Und manchmal empfand er fast so etwas wie Bewunderung für ihn. So wie jetzt. Das Surren war plötzlich wieder da, viel lauter als zuvor und dieses Mal so präsent, dass Brads Instinkte ihm sagten, dass er lieber eingreifen und diesen Spuk beenden sollte. So leid es ihm auch tat. Als er die Zeitung zusammenfaltete, raschelte er extra laut. Dann erhob er sich. In Momenten wie diesen war es wichtig, so viel Autorität wie möglich zu zeigen.
„Schuldig, du solltest dich daran erinnern, wie unfair Nagi wirklich sein kann, wenn er will. Ich habe nicht vor, in den nächsten Minuten eine Vision von dir zwischen der Wand und dem Wohnzimmertisch zu bekommen. Sei zufrieden mit dem Computer für heute Abend und gib ihm sein –…“
„Ponyheft.“, wurde fleißig geholfen.
„Gib es ihm zurück.“
Ein Seufzen, ein Rascheln, ein Heft, das ihn beim Überqueren des Sofas fast im Gesicht traf.
„Und jetzt verschwindet aus dem Wohnzimmer.“
Wenige Sekunden später knallte die Tür und ein durchaus beleidigter Nagi wandte sich wieder der morgigen Mission zu. Personenschutz bei einem Reitturnier. Brad war froh, dass seine Anwesenheit nicht gefragt werden würde. Das Sofa neben ihm gab nach, als Schuldig sich darauf fallen ließ. Brad war versucht zu seufzen, unterdrückte es aber. Im Prinzip war alles reiner Alltag. Ordnung. Wenn auch keine, die von ihm kontrolliert wurde, wie er zugeben musste.
„Schuldig, verpiss dich.“
Ein Lachen. Anders als vorher. Echter, privater.
„Haben wir den furchtlosen Anführer beim Zeitungslesen gestört? Wie unanständig von uns.“
Die Wohnzimmeruhr schlug. Brad zählte mit, um seine innere Ruhe wieder zu finden und bemerkte, dass es bald Zeit für seinen allmorgendlichen zweiten Kaffee war.
„Vielleicht sollte ich mir überlegen, wie ich das wieder gut machen kann. Eine kleine Entschädigung sozusagen.“
Brad hob eine Augenbraue und wandte sich langsam zu Schuldig um. Das erste Mal an diesem Tag blickte er in die unheilvollen grünen Augen und wünschte sich nur einen Augenblick später, es gelassen zu haben. Der Kaffee drohte in den Hintergrund zu rücken.
„Und an was hast du da gedacht?“
Schuldig nahm eine seiner roten Haarsträhnen und wickelte sie sich um den Finger, augenscheinlich in tiefen Überlegungen.
„Ich könnte Farf ein bisschen ausführen. Dann hast du ihn morgen nicht am Hals, wenn wir weg sind.“
Brad zog eine Augenbraue hoch.
„Ein durchaus verlockendes Angebot.“
Ein Grinsen bildete sich auf Schuldigs Gesicht. Brad beschloss, jetzt seinen Kaffee zu holen und sich in sein Büro zurückzuziehen. An der Tür blieb er stehen und drehte sich um. Der Kaffee war wie aus einem Impuls heraus vergessen.
„Das reicht mir nicht ganz. Viel zu wenig für den Krach, den ihr gemacht habt.“
Schuldigs Grinsen wurde breiter.
„Also… mir würde schon eine passende Kompensation einfallen.“
--
Eine Stunde später im Schlafzimmer dachte Brad sich, dass er mit seinem Leben eigentlich soweit zufrieden sein konnte. Seine Hand fand wie von selbst ein Büschel der roten Haare, die zwei Drittel des Kopfkissens zu bedecken schienen. Nein, an seinem momentanen Alltag gab es prinzipiell wirklich nichts auszusetzen.