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Team: Dickinson
Autor: nessaniel
Titel: Der König und der Troll
Challenge: AU – Historisch – fürs Team
Fandom: Avengers – Marvel Cinematic Universe
Charaktere/Pairing: Tony Stark, Steve Rogers, Natasha Romanoff, Clint Barton, Bruce Banner, Thor, Loki
Disclaimer: Alles gehört Marvel. Ja, wirklich alles, auch meine unsterbliche Seele.
Kommentar/Rating: Unsere liebsten Avengers als ritterliche Helden und schöne Burgfräulein…ähm…Burgherrlein in Nöten!


Der König und der Troll

„Mir ist nicht wohl bei der Sache“, flüsterte Ritter Steve unruhig, während er vorsichtig über den Rand des Hügels hinab spähte.
„Was soll schon schief gehen?“, fragte der Mann zu seiner Linken. Er trug einen spitzen lila Hut und eine lila Tunika über schwarzen Beinkleidern. Man hätte ihn für einen vom fahrenden Volk halten können, doch der gut gefüllte, lederne Köcher auf seinem Rücken und der Bogen sprachen dagegen. Er warf Steve ein spöttisches Grinsen zu.
„Das wird ein Kinderspiel.“
„Großartig, Clint! Jetzt hast du uns alle verhext!“, fluchte plötzlich die Dritte im Bunde, eine junge Frau mit flammend rotem Haar. „Deiner vorlauten Zunge wegen geraten wir ständig in Schwierigkeiten!“
„Also bitte, Natasha, was soll schon passieren?“, erwiderte Clint gutgelaunt und zog einen Pfeil aus seinem Köcher. „Wir schleichen uns hinein und wir schleichen wieder hinaus, ist doch leicht.“
Natasha winkte ab und warf Steve einen leidgeprüften Blick zu. „Warum ist der Idiot nochmal dabei?“
„Weil ich“, ertönte es nun von hinten, „genügend Gold besitze, um die zwei besten Söldner meines Königreiches zu engagieren.“
Steve wandte sich blitzschnell um – und tatsächlich: aus dem Schatten zwischen den Bäumen trat König Tony höchstpersönlich hervor und schritt gemütlich auf das kleine Trüppchen zu, das zusammengekauert am Boden hockte.
„Oh, das Herrscherlein“, sagte Clint fröhlich. „Was treibt dich denn hierher?“
Tony achtete nicht auf ihn, begab sich ebenfalls auf alle Viere und schob sich neben Steve.
„König Tony“, brachte der nun zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. „Ich dachte, wir waren uns einig, dass Ihr im Schloss bleiben solltet?“
Tony winkte ab. „Und Euch all den Spaß einer selbstmörderischen Rettungsaktion überlassen? Vergesst es, Ritter Steve.“
Steve stöhnte. „Mein König, ich appelliere an Eure Vernunft. Bedenkt, wir liegen nicht im Krieg mit Asgard, wenn Ihr aber entdeckt werdet, dann wird sich das sehr schnell ändern…“
„Zumal du angezogen bist wie ein Kanarienvogel“, warf nun Natasha ein und deutete missbilligend auf Tonys rotgoldene Robe.
„Ach, aber der Herr dort darf wie ein Strauß Vergissmeinnicht durch die Lande ziehen?“, zischte Tony.
Clint zuckte nur die Achseln. „Wem’s steht.“
„Dir nicht.“
„Ruhe jetzt, alle beide!“, knurrte Steve, der für einen Moment vergaß, dass Tony sein König war. „Wir haben eine Aufgabe zu erledigen.“
Zu seiner großen Überraschung unterbrach Tony tatsächlich sein intensives Starrduell mit Clint und wandte sich mit entschlossenem Blick dem Schloss zu.
„In der Tat. Also, wie ist der Plan?“
„Der Plan ist, dass diejenigen, die nur im Weg stehen, auf der Stelle wieder verschwinden sollten“, erklärte Natasha, während sie zwei Messer aus ihrem Stiefel zog. „Und damit meine ich dich, König, sofern das nicht klar war.“
Steve nickte bekräftigend, doch Tony schüttelte bloß den Kopf und verschränkte die Arme vor der Brust. „Das kommt nicht in Frage. Ich komme mit euch.“
„Wieso hast du dann den Idioten und mich angeheuert?“, fragte Natasha.
„Hey!“, rief Clint, doch niemand beachtete ihn.
Tony zog die Stirn in Falten.
„Das braucht euch nicht zu kümmern“, antwortete er kühl. „Ihr habt euer Gold erhalten und an eurem Auftrag hat sich nichts geändert. Der mit Sicherheit schon erledigt wäre, wenn ihr nicht hier rum stündet, um sinnlos zu diskutieren, weil ich sowieso Recht habe, nur mal so nebenbei…“
„ Falsch!“ Clint lachte triumphierend auf. „Unser Auftrag lautet, Baron Banner zu retten und nicht, deinen königlichen Hintern zu bewachen, während wir das tun!“
Tony warf ihm einen äußerst giftigen Blick zu, doch er hielt überraschenderweise den Mund.
Steve seufzte und legte ihm die Hand auf die Schulter.
„Mein König, Clint hat Recht. Es ist zu riskant und…“
„Er ist mein Freund, Steve!“ Aufgebracht schaute Tony von einem zum anderen. „Begreift ihr das denn nicht? Es ist meine Schuld, dass er gefangen und gefoltert in irgendeinem dreckigen Loch dieses verkommenen Rattennestes liegt! Wenn ich ihn nicht mit der Botschaft hierher geschickt hätte, dann wäre das alles nicht passiert! Seit zwei Wochen ist er fort und ich kann nicht einfach nur untätig zusehen! Ich muss ihn da rausholen, versteh das doch…“
An dieser Stelle unterbrach Tony sich hastig, ganz so, als fiele ihm jetzt erst auf, was er da alles preisgab. Er räusperte sich, tat so, als sehe er Natashas genervten Blick nicht und schaute in Richtung des Schlosses.
„Es ist mir völlig egal, was ihr sagt. Ich komme mit und dabei bleibt’s!“
Ein paar Augenblicke sagte niemand etwas, dann seufzte Natasha, als läge die Last der gesamten Welt auf ihren Schultern.
„Na gut, dann komm eben mit, du starrköpfiger Esel.“
„Was? Tasha, das kann nicht dein Ernst sein…“
„Clint, halt die Klappe. Wenn wir noch weiter diskutieren, dann verlieren wir zu viel Zeit und Baron Banner ist bis zur Sommersonnenwende noch nicht wieder draußen!“
„Endlich mal jemand, der nachdenkt, in diesem Team.“
„Halt die Klappe, du bekloppter König.“
Für einen Moment sah es so aus, als wolle Steve protestieren, doch er hielt sich zurück und nickte unter größter Kraftanstrengung.
„Dann mal los“, murmelte er und er hoffte wirklich, dass Clint Recht hatte und das Ganze ein Kinderspiel werden würde.

Er hatte natürlich nicht Recht.
Bereits kurz nachdem sie sich still wie die Mäuschen eingeschlichen hatten, wurden sie von acht gepanzerten Hünen umringt und wortlos in die Kerker geworfen.
Tony seufzte nur und sagte, dass sie sich hätten denken können, dass das Schloss durch ein magisches Feld geschützt war.
Clint schrie durch drei Zellen hindurch, dass Tony das auch hätte früher einfallen können, es hätte ihnen eine Menge Ärger erspart.
Steve bat mit strengen Worten um Ruhe, doch da sie alle in Einzelzellen saßen, hörte niemand auf ihn.
Natasha hingegen hielt die Klappe und arbeitete an einem Fluchtplan.
Sie klopfte ein, zwei besonders locker aussehende Steinblöcke in ihrer winzigen Zelle ab und tatsächlich, einer davon ließ sich mit ein wenig Wackeln und Fluchen abbrechen.
Sie spähte in die Zelle dahinter – und fuhr mit einem Aufschrei zurück, als sie in ein gigantisches grünes Auge starrte.
„Tasha!“
„Alles ist gut, wirklich“, rief sie, um ihre Gefährten zu beruhigen, obwohl sie immer noch hektisch atmete. „In der Zelle neben mir hockt ein Troll.“
„Was?!“ Tony klang eher überrascht als panisch. „Hat Thor jetzt endgültig den Verstand verloren?“
„Er hat deinen Berater eingesperrt, als der mit einem Friedensangebot hierher kam. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er nicht mehr ganz dicht ist“, erklärte Clint hilfreich.
Natasha verdrehte die Augen und spähte vorsichtig durch das kleine Loch in der Wand.
Das Auge bewegte sich kein bisschen.
„Clint, beeil dich“, rief sie, woraufhin Clint genervt stöhnte.
„Ich gebe mein Bestes.“
„Kann mir mal einer erklären, was ihr dort macht?“, verlangte Tony zu wissen, woraufhin sich selbst Steve ein leichtes Prusten gestattete.
„Clint befreit uns gerade.“
„Was? Wie das?“
„Weil ich, wie du sagtest, der beste Söldner bin, den du für Gold bekommen konntest!“, ertönte Clints Stimme plötzlich direkt vor Tonys Zelle.
Tony schaute verblüfft auf. „Wie hast du…?“
„Zirkus“, unterbrach ihn Clint lapidar, dann machte er sich an der Tür zu Tonys Kerker zu schaffen und innerhalb von Minuten sprang sie auf.
Clint genoss den winzigen Moment, als Tony ihn offenen Mundes anstarrte. Dann schüttelte der König den Kopf, fluchte über viel zu teures Zirkuspack und folgte Clint in den schummrigen Gang hinaus.
Ein paar Minuten später hatten sie sowohl Steve als auch Natasha befreit.
„Wie ist der Plan?“, fragte Clint und Steve lächelte. Pläne waren seine Spezialität.
„Wir teilen uns auf und suchen hier nach Baron Banner. Wenn er nicht hier ist, arbeiten wir uns weiter nach oben und…“
„Ich hab ihn schon“, tönte es plötzlich von hinten.
Steve verdrehte die Augen und wandte sich um. „Tony, das ist die Zelle des Trolls“, erklärte er, als würde er mit einem Fünfjährigen sprechen.
„Sag ich doch.“ Tony spähte weiterhin durch die Klappe in der Kerkertür.
„Was?“
„Da drin ist Bruce.“
„Da drin ist ein Troll und selbst wenn Bruce da drin gewesen wäre, dann wäre er es jetzt nicht mehr.“
Natasha, Clint und Steve starrten Tony entnervt, wütend oder völlig verwirrt an, was Tony zu einem frustrierten Seufzen veranlasste.
„Immerhin ist auf mich noch Verlass“, murmelte er, dann deutete er auf die schwere Holztür. „Er ist der Troll!“
„Was?!“
„Mach einfach die Tür auf, Zirkusäffchen.“
Clint spuckte aus. „Den Teufel werde ich tun.“
„Tony… woher willst du das wissen?“, fragte Steve und hoffte wider aller Vernunft, dass Tony auf ein vernünftiges Gespräch anspringen würde.
„Schau ihm in die Augen, dann weißt du es.“
Natasha schnaubte. „Sicher. Gehen wir rein und sprechen mit dem Monster.“
„Für eine Söldnerin bist du sehr leicht ins Boxhorn zu jagen.“
Natasha schenkte ihm daraufhin ein mörderisches Lächeln und Tony schien unendlich froh zu sein, dass sie gerade kein Messer zur Hand hatte.
Tony wandte sich an Steve und sah ihm tief in die Augen.
„Du vertraust mir“, sagte er und es klang eher wie ein verzweifelter Befehl. „Ich schwöre dir, das da drinnen ist Bruce.“
Steve holte tief Luft, schaute von Natashas und Clints skeptischen Blicken zu Tonys wilder Entschlossenheit.
„Ich…vertraue dir.“

„Und wenn ich sie nicht überzeugt hätte, dann würdest du immer noch in der Zelle sitzen.“
„Tony, halt endlich die Klappe. Wir waren alle dabei! Das war vor rund zwei Stunden!“
Sie befanden sich auf dem Rückweg von Schloss Asgard. Clint wurde von Natasha gestützt und humpelte Tony und alle Götter verfluchend über die Heide, während Steve neben ihnen her trabte und unruhige Blicke zu Tony warf.
Der thronte drei Meter über dem Boden auf dem Rücken eines froschgrünen Trolls und trug das selbstzufriedenste Grinsen der Weltgeschichte zur Schau.
Der Troll war tatsächlich Baron Bruce Banner, doch das hieß nicht, dass Steve begeistert davon war, ihn im Schlepptau zu haben.
„Hast du schon eine Idee, wie wir ihn zurückverwandeln sollen?“, fragte er Tony.
Der zuckte nur fröhlich mit den Schultern. „Pepper wird schon etwas einfallen.“
„Natürlich. Wie immer.“
Bruce gab ein unwilliges Knurren von sich, das Clint dazu veranlasste, schneller voran zu humpeln.
Tony lachte. „Keine Sorge. Thor hat geschworen, sich zu melden, sobald er seinen Bruder verprügelt und in den Kerker geworfen hat. Loki wird den Zauber rückgängig machen, wirst schon sehen.“
Steve nickte, obwohl er davon nicht überzeugt war. Sie hatten Thor in Ketten gelegt im Kerker gefunden und er hatte ihnen erzählt, dass sein Bruder Loki die Macht an sich gerissen hatte – und er war es auch gewesen, der Bruce hatte einsperren und in einen Troll verwandeln lassen. Nachdem sie ihn befreit hatten (den fantastischen Kräften des Trolls sei Dank, wie Steve neidvoll zugeben musste), waren Hölle und Teufel über Loki hereingebrochen. Steve hatte noch nie jemanden so schnell davonlaufen sehen.
Der Ritter seufzte und schulterte seinen Schild erneut.
„Baron Banner?“, sagte er lächelnd.
Der Troll wandte seinen riesigen Kopf mit den stechend grünen Augen ihm zu.
„Es ist schön, dass Ihr wieder bei uns seid.“
Und sei es nur um Tonys Willen, dachte Steve bei sich, der sich nun hoffentlich endlich wieder um Regierungsgeschäfte kümmern würde.
Was eine völlig alberne Hoffnung war, aber manchmal gingen Wünsche schließlich in Erfüllung.


- Ende


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