intimität - beschützerinstinkt
Sep. 26th, 2012 11:23 amChallenge: Intimität/Romantik - Beschützerinstinkt (fürs Team)
Fandom: Original (Der Blaue Salon)
Wörter: ~500
Charaktere: Niél, Maron
Anmerkung: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15
Die Feierlichkeiten sind vorbei, die Musik verklungen und ihr Sohn – der nie ihr Sohn gewesen war – nicht länger ihrer. Seit der Ankunft hatte Niél ihn nicht zu Gesicht bekommen, hatte alleine in der Hütte gesessen, in die man sie gebracht hatte.
Alleine. In manchen Nächten konnte sie Marons stille Anwesenheit fast vergessen.
„Wenn wir fertig sind, kriegst du deinen Menschen zurück“, hatte Keremi ihr versprochen.
„Und was ist mit meinem Sohn?“, hatte Niél erwidert, aber keine Antwort erhalten.
Niél kniet neben ihm auf der Matratze. Sie wartet. Angespannt, vielleicht sogar ängstlich (für ihn ist keine Sekunde vergangen, seit der Zauber gewirkt wurde), und obwohl sie sich gefasst gemacht hatte, bereit gehalten, erschrickt sie als Maron seine Augen aufschlägt, mit einer einzigen Bewegung, sie weiß nicht was, wie – im nächsten Moment hat er sie gegen das Kopfstück des Bettes geschleudert, den rechten Unterarm gegen ihre Kehle gepresst, dass sie Mühe hat überhaupt noch Luft zu bekommen. Aber es ist nicht das, was sie schockiert, nicht das Wissen, dass er – wenn er sie nicht rechtzeitig erkennt – sie ohne weiteres und ganz wahrscheinlich jetzt und hier umbringen kann, wird. (Niél wüsste nicht einmal, ob sie wirklich etwas dagegen hätte.)
Es ist das, was von ihm ausgeht – von ihrem Menschen. Da ist nichts menschliches, ist nur ein Gedanke, der kaum Gedanke genannt werden könnte, ein – nicht einmal Instinkt – ein einziger Befehl, der alles andere, alles was sie in den vergangenen Wochen als Maron kennen, vielleicht sogar mögen, gelernt hatte – ein einziger Befehl, der all das überschreibt.
Sie sieht ihn an und erkennt ihn kaum wieder, und obwohl sie begreift, dass dieser eine Befehl jetzt, in diesem Moment ganz und gar auf sie gerichtet ist – weil er verwirrt ist, weil sich noch im Unterdeck ihres Bootes und mit Ian hinter sich wähnt, oder aber, weil er, der Befehl, so groß ist, dass Maron überhaupt nicht mehr in der Lage ist zu unterscheiden – obwohl sie Todesangst haben müsste; Niél empfindet nur Mitleid.
Was muss man einem Menschen antun, um aus ihm das zu machen, was sie jetzt vor sich hat?
Möglich, es ist das, ihr Mitgefühl, oder die Hand die sie auszustrecken versucht, ihn zu berühren. Oder er selbst kann das, was ihn zum Menschen macht, zurück rufen, sich erinnern. Jedenfalls lässt er, so plötzlich wie er auf sie losgegangen war, von ihr ab.
Er sagt nichts, fragt nichts, sieht sich nur um, nimmt seine, ihre, Umgebung wahr. Seine Gedanken sind ein Knäuel, eine verwirrtes Gewebe aus wo und wie und was-ist-passiert. Tausend Fragen, aber sie alle haben etwas gemeinsam, haben einen Kern der ihnen allen gleicht, eine Frage die größer und schwerer ist als die anderen, die über ihnen schwebt und unter ihnen ein Fundament bildet.
„Wo ist Ian?“