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Team: Kaléko
Challenge: Horror/Thriller – In der Falle (für mich)
Fandom: Original
Charaktere: Veit, Cira
Wörter: 1254


Der quasi-Prolog, Teil 1, Teil 2, Teil 3

Irgendwie nahm Veit es Ilay übel, dass der sich jetzt einfach verpisste. Erst hatte er feixend danebengestanden und zugesehen wie er selbst versucht hatte, das Mädchen unter seiner Decke hervorzulocken, und jetzt ließ er ihn mit dem Erfolg alleine. Dabei hatte Veit selbst keine Ahnung, was er jetzt machen sollte.
Klar, mit Kindern kam er zurecht, aber die Kleine hier war ja nicht mal in der Lage, sich irgendwie verständlich zu machen. Wenigstens nicht auf eine Art, die er verstehen konnte. Irgendwie hatte sie sicher ihren Eltern klargemacht, was sie wollte.
Und diese Eltern waren jetzt entweder tot oder gehörten zu diesen Verrückten, die die Stadt auseiandernahmen. Keine angenehme Vorstellung... zum Glück war seine Familie in Sicherheit. Wenigstens hoffte er das. Aber sie lebten in keiner strategisch wichtigen Stadt, daher war das Risiko wohl gering genug. Vollkommen ausschließen konnte man es in diesen Tagen aber nicht.
Das war nichts, worüber er gerne nachdachte.
Trotzdem konnte er nicht anders, als sich zu versuchen vorzustellen, wie seine kleine Schwester nun aussah. Vier Jahre hatte er sie inzwischen nicht mehr gesehen. Keinen Kontakt gehabt. Das sah man beim Militär nicht gerne. Oder lag es daran, dass er gegen seinen Willen eingezogen worden war? Vielleicht sollte er Ilay fragen, wenn sich eine Gelegenheit ergab. Der war aber wohl sowieso ein Sonderfall.
Das Mädchen drückte sich enger an ihn und als er zu ihr hinabsah, sah er direkt in ihre blauen Augen. Im Moment eher rot... aber der Weinkrampf schien vorbei zu sein. Was auch immer das bedeuten mochte. Weinende Kinder waren nicht sein Fachgebiet. Hier liefen doch Psychologen rum, warum war keiner da, wenn man ihn mal brauchte?
Dann schüttelte das Mädchen ganz leicht den Kopf. Zögerlich. Als könnte sie selbst noch nicht so recht glauben, was sie da tat.
Aber was wollte sie ihm damit sagen?
Es war jetzt nicht so, als könnte sie irgendwie ahnen, was in ihm vorging.
Oder?
In ihrem Blick lag irgendwas... er konnte nicht recht erfassen, was es war, aber...
Quatsch. Woher sollte sie wissen, was in ihm vorging? Sie war taub, sie hatte kein Wort von dem gehört, was er ihr gesagt hatte, um sie aus dem Bett hervorzuholen!
Alles andere auch nur in Betracht zu ziehen war Unsinn.
Er wollte schon aufstehen und das Mädchen dem nächstbesten Arzt übergeben, als es fragend zur Tür deutete. Automatisch sah Veit in die Richtung, aber dort war niemand. Was wollte sie nun schon wieder?
Sie zupfte an seinem Ärmel und lenkte so seine Aufmerksamkeit wieder auf sich. Aus ihren Gesten wurde er aber nicht schlau. Was war los? „Gehts dir nicht gut?“, fragte er unsinnigerweise und kam sich im Nachhinein reichlich dämlich dabei vor. Warum waren die medizinischen Offiziere immer nur dann da, wenn keiner sie brauchte?
Okay, Ilay hatte offenbar jemanden gebraucht. Und gefunden.
Diese häufigen Kopfschmerzen wurden wirklich beunruhigend. Auch wenn es ihn nichts anging. Natürlich ging es ihn nichts an. Schließlich waren sie keine Freunde oder so...
„Wie heißt du?“, fragte er das Mädchen, einfach um irgendwas zu tun. Sie sah ihn verständnislos an. Wie machte man jemanden, der nicht hören konnte, so eine im Grunde einfache Frage klar?
Aber vielleicht... Schreiben mussten doch eigentlich alle Kinder lernen. Wenigstens da, wo er herkam. Nen Versuch wäre es wert.
Sanft schob er das Mädchen ein Stück von sich weg und bedeutete ihr (hoffentlich), dass er bald wieder da sein würde. Dann stand er auf und suchte irgendjemanden, der ihm etwas zu schreiben leihen konnte. Beim nächsten Mal nahm er am besten direkt sein eigenes Pad mit. Wenn dieser Versuch erfolgreich war.
Es brauchte ein wenig Überredungskunst um einer der Krankenschwestern ihr Pad abzuschwatzen, aber schließlich lenkte sie ein. Vermutlich war sie insgeheim genauso neugierig auf das Mädchen wie er.
Das saß bei seiner Rückkehr (natürlich mit Martina, wie sie sich schließlich vorgestellt hatte, im Schlepptau) sehr wachsam auf dem Bett und schielte skeptisch den Arzt an, der anscheinend beschlossen hatte, sich mal um die kleine Patientin zu kümmern. Hätte der nicht ein wenig eher kommen können? Aber wenigstens verschwand das Mädchen nicht wieder unter der Bettdecke sondern ließ sich untersuchen, wobei sie aber immer wieder unsicher Veit ansah. Erwartete sie irgendwie Hilfe von ihm? Als ob er dazu auch nur ansatzweise die Befugnis hätte... Also hob er nur kurz die Schultern.
„Ihr fehlt nichts“, verkündete der Arzt nur zwei Minuten später und fügte hinzu: „Von ihrem Gehör mal abgesehen.“
Witzig.
„Es gib keinen Grund, sie weiter hierzubehalten, Oberleutnant DeLorian. Ich werde das auch an Ihre Vorgesetzten weiterleiten. Sie hätten sie sowieso nie herbringen sollen.“
„Das ist ein Kind! Hätte ich sie in diesem Wahnsinn sterben lassen sollen?“
Der Arzt wirkte fast genervt. „Meinen Sie, mir gefällt das? Ich habe einen Sohn. Aber wir können hier niemanden retten.“
„Und warum sind wir dann hier?“ Er ging mit der Frage zu weit, das wusste er selbst. Daher wunderte es ihn nicht, dass er keine Antwort bekam, sondern einfach stehen gelassen wurde. Wenn er Glück hatte, würde das keine weiten Kreise ziehen, sonst war er seine Position ganz schnell wieder los.
„Scheiße“, fluchte er.
„Machen Sie sich keinen Kopf. Wir sind hier alle ziemlich fertig“, sagte Martina leise und nickte zu dem Mädchen, das ihn nun fragend ansah und auf das Pad deutete.
„Kein Wunder. Das ist doch alles krank.“ Er seufzte. Aber es half alles nichts. Er ging zum Bett des Mädchens und aktivierte den Schreibmodus auf dem Pad. Es reagierte anders auf den elektronischen Stift als sein eigenes, aber das machte erstmal nichts. Wie heißt du?, schrieb er und als das Mädchen das sah, leuchteten ihre Augen auf. Lesen konnte sie. Sehr gut. Er hatte sich schon Sorgen gemacht, weil sie das Pad offenbar nicht erkannt hatte. Vermutlich hatten ihre Eltern einfach kein Geld für eins gehabt. Es würde ihn nicht wundern, wenn sie verzweifelt darauf gespart hatten, ihre Tochter operieren zu lassen.
Er reichte ihr das Pad und war schon halb bereit, ihr bei der Bedienung zu helfen, aber sie hatte gut zugeschaut. Ihre Schrift war rund und sorgfältig. Viel Übung schien sie nicht zu haben. Er fragte sich, wie man einem Mädchen das die Laute nicht hören konnte, beibrachte, sie zu schreiben. Mit viel Geduld vermutlich.
Cira, schrieb sie und dann: Du bist Veit? Er starrte sie an. Dann Martina. Die fragte stirnrunzelnd: „Haben Sie ihr... irgendwie gesagt, wie Sie heißen?“
„Nein. Wie denn bitteschön?“
Woher zur Hölle wusste sie seinen Namen?
Er schnappte sich das Pad und schrieb die Frage hastig auf. Die Antwort war nicht besonders hilfreich. Ein Schulterzucken und ein Ich weiß es. Weiß nicht, warum. Gefühl. Sie deutete auf ihren Kopf und zuckte wieder mit den Schultern.
„Das ist unmöglich“, sagte Martina so überzeugt wie er sich fühlte. Gar nicht nämlich.
„Ich glaube, das sollten wir besser erstmal niemanden erzählen...“ Als ob ihnen irgendjemand glauben würde.
„Sie wissen, dass ich das melden sollte... vielleicht ist sie ein Spion.“
„Sie ist ein Kind!“
„Na und? Es ist ohne weiteres möglich, jemanden mit einem Sender zu vernetzen, das wissen Sie.“
„Ja. Einem Sender. Aber nicht mit einem Empfänger.“
„Haben Sie eine andere Erklärung?“
„Ein schlechter Scherz. Es ist jetzt nicht so, als wäre sie rund um die Uhr überwacht gewesen. Irgendjemanden war langweilig und er hat diesen... Spaß inszeniert.“ Er sah zu Cira, die verständnislos zu ihnen aufsah. Na also. Sie bekam rein gar nichts mit.
Alles andere wäre auch Unsinn.
Und verdammt gefährlich für alle, die davon wussten.

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