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Team: Kaleko
Challenge: Hurt/Comfort- Albtraum & Wirklichkeit (für mich)
Fandom: Naruto AU (Fortsetzung von http://120-minuten.livejournal.com/743780.html#cutid1)
Charaktere: Sasuke




~

Sasuke träumte.

In seinem Traum sang jemand in einem blutigen Flur mit Wänden aus konzentrierter Bösartigkeit ein
Kinderlied. Es hatte eine leichte, unschuldige Melodie.
Irgendwo dort die Treppen hinauf, wo noch mehr und mehr Blut herunter tropfte, da zog es ihn hin.

Sein Bewusstsein wurde unwiderstehlich von diesem Ort angesaugt.
Er flog über nasse, klebrige Stufen und klebrige Wände die immer näher kamen, immer enger
wurden einem pulsierenden, heißen Zentrum aus konzentriertem Entsetzen zu. Knirschend
schwang eine Tür auf und im Büro des Heimleiters, auf einem Teppich der in Blut nur so schwamm,
saß Itachi als kleines Kind und sang. Er spielte mit einer Puppe deren Kleid vom Blut schon ganz
besudelt war. Bis zum Bauchnabel hoch reichte es und die kleinen Händchen waren ebenfalls völlig
beschmiert. Immer fester schlug er die Puppe vor sich auf den Boden. Immer schriller wurden die
Töne, das Kleidchen, der Kopf der Puppe, alles verschwamm in klebrigem, hässlichem Rot und
plötzlich war noch jemand mit ihm im Raum. Er stand hinter ihm, trat hinterm Schreibtisch hervor aus
den Schatten. In seiner Hand hatte er ein Teppichmesser. Sasuke begann zu schreien. Er versuchte
ihn aufzuhalten. Er versuchte Itachi zu warnen oder wenigstens die Augen zu schließen um es nicht
mit ansehen zu müssen. Aber da war der Fremde schon bei ihm und schnitt seinem Bruder die
Kehle auf. Ganz langsam.
Sasuke sah in die weiten, erschrockenen Augen und schrie, er war außer sich, er wollte
aufwachen und in diesem entsetzlichen Moment hob der Fremde aus lakritzartiger Dunkelheit seinen
Kopf, sah ihm direkt in die Augen und grinste ihn wissend an, mit einem Blick der ihn im tiefsten
Innern berührte.
Der ekelerregende Teufel sah genau so aus wie er selbst.

Mit einem tiefen, saugenden Atemzug kam er zu sich, schreckte auf und saß schweißgebadet in
völliger Dunkelheit. Ein paar Momente lang spürte er die erstickende Panik keine Ahnung zu haben
ob er schon wach war oder ob das immer noch zum Teil eines Traums gehörte, in dem er irgendwie
festhing. Aber nach langen, quälenden Sekunden wurde ihm klar dass da Polsterstoff unter seinen
Fingern war. Er konnte es fühlen. Dort, weiter vorn, drangen Spuren von Helligkeit durch das Loch
im Gebäude, zusammen mit dem Geruch nach Regen.

Er atmete zitternd durch. Irgendwo in seiner Kehle immer noch die Erwartung das dort hinter ihm in
der Finsternis hinter dem Sofa etwas lauerte, dieses Etwas, das aus dem Traum in die Wirklichkeit
hinüber gefallen war. Jeden Moment rechnete er damit, Finger an seinem Hals zu spüren, einen
Atemzug.
Ihn hielt nichts mehr an diesem Ort.

Kurz wartete er, bis seine Augen sich wieder etwas an die Dunkelheit zu gewöhnen begannen und
er inzwischen doch etwas erkennen konnte, dann erhob er sich und stolperte über Müll und
fürchterlich laut rollende Glasflaschen auf direktem Weg zur Wendeltreppe nach unten.

Ein trockenes Zischeln zu seinen Füßen ließ ihn beinahe drei Stufen auf einmal hinunter springen
und brachte sein Herz in schmerzhaftem Schlag aufwärts bis zur Kehle. Ihm wurde klar, dass es
nur eine der Zigarettenschachteln gewesen war, die er im Dunkeln über den Boden gestoßen
hatte, aber das ekelhafte Gefühl von Angst hing an ihm und ließ sich auch nicht mehr abschütteln
bis er das Gebäude verlassen hatte, unter der Unterführung hindurch getrabt war, über Innenhöfe
und Hintergassen zurück, bis ins warme Licht des einschlägigen Etablissements, das er gesucht
hatte.

Gelächter klang von drinnen heraus, rollender, weicher Bass und die Unterhaltung vieler
Menschen. Er schwang sich am Metallgitter der Eingangsstufen hinauf und schob sich durch den
roten Samtvorhang hinter der Tür. Erst dort konnte er endlich aufatmen.

~

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