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Team: Kaleko
Challenge: Hurt/Comfort- Narben (für mich)
Fandom: Naruto AU (Fortsetzung von http://120-minuten.livejournal.com/743553.html#cutid1)
Charaktere: Naruto, Kakashi



~

An der Bar gab es harten Alkohol, wie an jeder anderen in dieser Stadt.
Naruto war beim dritten Schnaps.

Es war nicht so dass es ihm besonders gut schmeckte, aber er brauchte etwas, das dem Schmerz
die Spitze nahm. Schwerer House-Beat pumpte aus den Lautsprechern, brachte die Luft zum
Vibrieren. Auf der Bühne wand sich in schwarzen Lederfesseln zu blitzenden Lichteffekten und
Trockeneisnebel inzwischen ein Männerkörper unter den Händen seines Herrn- Naruto konnte
heute gar nicht mehr hinsehen. Fast alle der Sitzecken waren besetzt, an der Bar drängten sich
die Menschen.

Sein Kopf tat weh, erinnerte ihn an unschöne Zeiten als er durch einen Schlauch in der
Harnröhre gepinkelt hatte und sich von der übel gelaunten Nachtschwester beim Trinken aus der
Schnabeltasse hatte helfen lassen müssen. Aber die Beule am Hinterkopf, dort wo die alte Narbe
saß, war nicht das Schlimmste.

Das Schlimmste war die Gewissheit, dass er völlig machtlos war.

Er dachte zurück an das Konoha- Heim für besonders bedürftige Jugendliche... an all die Ausflüge,
das Zelten im Wald... die Gruppentherapien, seine Betreuer die ihm mit Engelsgeduld nahe gebracht
hatten, Gefühle zu zeigen, sich gehalten zu fühlen...

Warum hatte es bei ihm funktioniert sein Gehirn wieder ein wenig zurück in die Spur zu bringen- aber
bei Sasuke nicht?
Ausgerechnet bei Sasuke nicht?

Er war so ein Holzkopf- Sasuke war so intelligent! Was für einen Sinn hatte der ganze Mist, wenn
so ein kluger, empfindsamer Typ wie Sasuke sich all das anhören, all das mitmachen konnte und es
trotzdem nichts besser machte? War Kakashi nicht so für ihn da gewesen wie Iruka für ihn?

Hatte er selber als Freund nicht genug getan?

Den Abschluss zu schaffen- und dann auch noch mit Lob und Auszeichnung... das war wie ein
Traum gewesen. Er hatte völlig neben sich gestanden vor Glück.

Und ausgerechnet in dieser Zeit hatte sich Sasuke aus ihrer Freundschaft gerissen. Einfach so.

Die Fassungslosigkeit als er ihm nachgelaufen war, ihn an der Schlucht beim Wasserauffangbecken
gestellt hatte um ihn um jeden Preis zurück zu schleifen, steckte ihm immer noch in den Knochen.
Die verzweifelte Ratlosigkeit. Seine Weigerung einzusehen, dass es vorbei war. Und ihr Kampf.
Dieser furchtbare, furchtbare Kampf...

Naruto wischte sich mit der Hand übers Gesicht. Er hob den Finger.
„Noch einen“, murmelte er.

Der Barkeeper warf ihm einen betroffenen Blick zu und goß wasserklare Flüssigkeit nach.
Aber bevor Naruto danach greifen konnte schnappten lange Finger danach, ein langer
Männerkörper warf sich neben ihm an den Tresen, hob das Glas und kippte es mit einem Schluck in
den Schlund.

Verdutzt starrte Naruto auf fuffig silbernes Haar, ein Brustgeschirr aus schwarzen Leder und
schlacksige Gliedmaßen.

„Ka-... Kakashi?“

Der Größere zog die Luft zwischen den Zähnen hindurch und knallte das leere Glas zurück auf die
Holzplatte.

„Oh Gott, das hab ich gebraucht“

Er hob einen Arm, um Naruto kräftig die Haare zu zausen.

„Au! Hey! Lass das!“, protestierte der Blonde, „Du hast da eben meinen Schnaps weggesoffen!“

„Alkohol ist mein natürlicher Feind“, erklärte Kakashi in völlig ernstem Ton, „Wenn ich welchen sehe,
muss ich ihn einfach vernichten!“

„Alter...!“, winselte Naruto wehmütig, „Das kannst du nicht machen, ich bin volljährig! Außerdem-
könnt ihr nicht bitte woanders hingehen? Es ist peinlich, sich mit seinen Quasi-Eltern einen Sexclub
zu teilen!“

„Na hör mal. Wir waren zuerst hier!“, Kakashi zog seine Maske wieder über die Nase, „Leider
haben wir deinen großen Auftritt verpasst...“

Der Ältere schob sich mit dem Rücken zum Tresen, stützte sich auf die Ellenbogen und ließ seinen
Blick über die Menge schweifen, „Wahrscheinlich willst du nicht wissen warum, aber-... phew... zur
Zeit ist er heftig. Ich hab eigentlich striktes Alkoholverbot. Sei also so gut und verpfeif mich nicht“

Naruto schnaubte mit leerem Blick und blinzelte einmal.

„Das... ist der seltsame Moment, wo ich dich sogar selbst übers Knie legen könnte, weil du mir
sowas erzählst“, bemerkte er irritiert.

In Kakashis Augen sah man ein belustigtes Funkeln, er schob sich näher bis sein Oberarm sich
gegen die Schulter Narutos schmiegte und beugte sich herunter.

„Und was wirst du tun, großer Meister..?“, schmeichelte er.

Naruto warf ihm einen dunklen Blick zu.
„Ich misch mich da nicht ein“, winkte er ab, „Bin mir sicher, dass Iruka das bestens im Griff hat“

Kakashi neigte verspielt den Kopf zu dem Blonden und ließ sich schließlich
auf den Barhocker direkt neben ihm gleiten, schmiegte den Arm an seinen und neigte sich zu ihm.

„Warum das lange Gesicht, junger Padawan?“

Naruto warf ihm einen gequälten Blick zu und stützte die Stirn in die Hand.

„Liebeskummer...“, ächzte er.
„Kannst du mir nicht... irgendwas raten?“

„Raten? Ich? Auf keinen Fall, ich bin ein mieser Berater. Wenn du mir fünfzig Cent gibst, kauf ich dir
einen Glückskeks, vielleicht hilft das weiter.“

Naruto grunzte unwillig und zog eine Schnute. Dann kniff er die Augen zusammen und legte mit Blick
auf Kakashi den Kopf schief.

„Ich geb doch für sowas nicht noch fünfzig Cent aus! Du hast massenhaft Sprüche im Kopf, ich
weiß es! Also spuck schon was aus“

Kakashi hob belustigt die Schultern.
„Okay, moment mal, ich überlege... wie wäre es mit...
„Liebe ist Freundschaft, die Feuer gefangen hat“?“

Naruto stöhnte gepeinigt auf und grub seine Finger in blondes Haar.

„Nicht gut...? Oh, okay, ein paar hab ich noch, wie wär´s mit-... wahre Liebe muss weh
tun-... oder... Liebe ist geduldig und gütig, sucht nicht den eigenen Vorteil, ist nicht
schadenfroh-...“

„Nein, nein“, Naruto winkte ab, „Das ist zu lang, das kann ich mir nicht merken! Irgendwas kürzeres!“

Kakashi sah ihn lange an.

„Liebe gibt nie jemanden auf“, sagte er.

Naruto starrte vor sich auf die Holzplatte. Er seufzte leise.

Und dann hob Kakashi die Hand, klopfte kurz auf den Tresen und schob das leere Schnapsglas
zum Barkeeper zurück.

„Schlaf eine Nacht drüber", riet er ihm, "Und drück mir die Daumen, dass Iruka das hier nicht rauskriegt.“,
er gestikulierte zu dem Gefäß, dass er eben ausgetrunken hatte und seinem Blick konnte man sehen
dass er lächelte, „Sonst kollidiert seine Liebe mit meiner nicht vorhandenen Selbstkontrolle und...
das wird ungemütlich“, er gab Naruto zum Abschied einen Klaps auf die Schulter und verschwand wieder in
der Menge,

„Wir sehen uns, großer Krieger!“

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