luinaldawen: (Default)
[personal profile] luinaldawen posting in [community profile] 120_minuten
Team: Kaléko
Challenge: Alptraum (und Wirklichkeit) (für mich. Hiermit schließe ich meine zweite h/c-Weltherrschaft ab)
Fandom: Original
Charaktere: Ilay, Cira, Veit
Wörter: 1410

Der quasi-Prolog, Teil 1, Teil 2


Irgendwann in der Nacht waren die Kopfschmerzen auf ein erträgliches Maß zurückgegangen, aber besonders gut hatte Ilay trotzdem nicht geschlafen. Es war anstrengend mit den Drohnen zu arbeiten, vor allem wenn plötzlich die Verbindung abriss. Dann verstand er gleich noch mehr, warum man Computer besser ordnungsgemäß ausschaltete und nicht einfach den Stecker zog.
Trotzdem stand er noch vor der offiziellen Weckzeit auf. Einmal weil er sich für den Tag doch besser ein Schmerzmittel holte (und der Arzt ihn vielleicht für heute von der Arbeit in der Vernetzung befreien würde) und zum Anderen war er neugierig auf das Mädchen, das Veit angeschleppt hatte.
Er hätte ihn nicht als so sentimental eingeschätzt, bisher war er meistens verschlossen gewesen. Kein Wunder, er selbst machte es auch nicht anders. Es war nicht der Rangunterschied der zwischen ihnen stand. Oder der der Fehler, der Ilay an Veits erstem Tag in diesem Stützpunkt eine Beule eingebracht hatte. Einen Soldaten mit „Achtung“ vor etwas zu warnen war eher ungeschickt. Zumindest wenn man schon lange genug dabei war um instinktiv darauf zu reagieren. Was man von Ilay wohl sagen konnte, schließlich war er mit 12 Jahren von seinen Eltern auf die Militärschule geschickt worden. Damit er in die Fußstapfen seiner Mutter treten konnte. Die ganz sicher keine Ahnung hatte, was man dort mit ihm gemacht hatte. Vermutlich wäre sie entsetzt gewesen, aber verziehen hatte er es ihr trotzdem nie.
Der Hospitalbereich lag weit genug unten, um nicht doch von Bomben zerlegt zu werden und auch sonst unbehelligt von allem zu sein, was sich oben abspielte. Das bedeutete für Ilay drei Etage mit dem Aufzug, der um diese Zeit ausnahmsweise nicht in jeder Etage hielt. In einer Stunde würde das anders aussehen. Jetzt aber kam er vollkommen unbehelligt an und machte sich auf die Suche nach jemanden, der über sein spezielles Problem Bescheid wusste. Eigentlich müsste immer jemand Dienst haben, man hatte inzwischen gemerkt, dass diejenigen, denen man eine Vernetzung eingesetzt hatte, recht anfällig waren. Natürlich bedeutete das nicht, dass man das Programm einfach beendete. Alle Vorfälle (auch die leider nicht sehr seltenen spontanen Todesfälle) wurden genau dokumentiert, damit man es bei der nächsten Generation besser machen konnte. Das Leben als Versuchskaninchen war großartig.
Es dauerte eine Weile, bis er die Ärztin fand, die das zweifelhafte Glück einer Nachtschicht hatte. Sie stand leicht vornübergebeugt an einem Bett, in dem Ilay erstmal gar nichts entdecken konnte. Dann sah er den kleinen Hügel der Decke. Wie es aussah, hatte er auch das Mädchen gefunden.
„Guten Morgen Dr. Mismey“, grüßte er die Ärztin, die sich aufrichtete und umdrehte. Als sie Ilay erkannte, konnte er ihr resiginiertes Seufzen kaum übersehen. Klar. Kurz vor Feierabend wollte keiner jemanden wie ihn sehen. Das dauerte gerne mal ne Weile.
„Hauptmann Seifert... gibt’s ein Problem?“
„Nur das Übliche. Ist das Oberleutnants DeLorians kleines Fundstück?“ Er deutete auf den Hügel. Wenn Veit ihm keinen Mist erzählt hatte, konnte die Kleine ohnehin nicht hören, was er sagte.
Dr. Mismey nickte. „Sie sind gut informiert.“
Ilay grinste nur. „Was ist los mit ihr?“
„Wenn ich das wüsste... sie ist aufgewacht und in Panik geraten. Wenigstens verkriecht sie sich nur und hat nicht versucht, davonzulaufen.“
„Kein Wunder, würd ich sagen.“
„Vermutlich. Aber ich habe keine Zeit für sowas.“ Soweit Ilay gesehen hatte, war hier nicht besonders viel los. Wenigstens nicht mit Fällen, die besonderer Aufmerksamkeit bedurften. Aber da er ohnehin nicht allzu viel von Ärzten hielt, zuckte er nur mit den Schultern. Dr. Mismey wandte sich nun endgültig vom Bett ab. „Sie haben also Kopfschmerzen? Wie stark und wie lange schon?“
„Seit heute Nacht.“ Als Veit zurückgekommen war und in Redelaune gewesen war. Aber daran hatte er wohl selbst Schuld. Dumme Scherze rächten sich eben schnell. „Sie sind inzwischen wieder besser, aber ich kann sie nicht brauchen, wenn ich arbeite.“
Die Ärztin warf ihm einen missbilligenden Blick zu. „Sie hätten direkt kommen sollen. Was, wenn es eine Komplikation gewesen wäre? Dann hätte man sie heute beerdigt.“
„Ich wäre eher in der Autopsie gelandet und dann im Krematorium.“ Beweismittel vernichten. Wie wenig sein Humor in diesem Fall ankam zeigte Dr. Mismey mit einem übertriebenen Augenrollen. „Kommen Sie, ich sehe mir das genauer an.“
Schnellen Schrittes ging sie voran. Ilay grinste. Da wollte ihn jemand aber schnell wieder loswerden. Nun, das beruhte auf Gegenseitigkeit.
Eine Stunde später war seinem Vorgesetzten eine Befreiung von der Arbeit den Drohnen geschickt worden und er selbst war für den Moment schmerzfrei. Was man ihm da jetzt gegeben hatte, wollte er gar nicht wissen, aber es musste stark gewesen sein. Irgendwie fühlte er sich ein wenig benebelt...
Auf dem Flur stand merkwürdigerweise Veit und diskutierte mit einer der Krankenschwestern. Ziemlich ungehalten, wenn man es recht betrachtete.
„Ich habe sie hergebracht, verflucht! Also kommen Sie mir nicht mit 'das geht nicht'.“
„Aber... Dr. Mismey!“ Die Frau atmete merklich auf, als sie die Vorgesetzte bemerkte. „Oberleutnant DeLorian will zu diesem Mädchen... Ich habe ihm schon gesagt, dass das im Moment nicht geht aber er weigert sich zu gehen.“
„Für sowas haben wir den Sicherheitsdienst“, entgegnete Dr. Mismey und war damit wohl so gar nicht hilfreich. Als Veit ihn bemerkte, meinte er eher widerwillig: „Lassen Sie ihn doch zu ihr. Vielleicht kriegt er sie unter der Decke weg.“
„Sie glauben doch wohl nicht wirklich, dass sie ihn noch erkennt, oder?“ Ja, Dr. Mismey war überhaupt nicht hilfreich.
„Nen Versuch wärs ja wohl wert, oder nicht? Sie sind mit einem Kind ja offenbar überfordert.“ Zwar hatte er auch gewisse Zweifel, dass Veit bei dem Mädchen erfolgreich wäre, aber er musste sich mit ihm das Zimmer teilen. Und das war angenehmer, wenn er gut gelaunt war.
„Auf Ihre Verantwortung, Hauptmann.“
„Natürlich.“ Er konnte diese Frau wirklich nicht leiden.
„Danke“, Veits Stimme klang ehrlich, aber auch überrascht und Ilay winkte nur ab. „Bringen wirs hinter uns.“
„Wir?“
„Natürlich. Wenn die Kleine Unsinn macht, weil du da bist, krieg ich den Ärger.“
„Du hast ja wieder eine Laune...“
Darauf antwortete Ilay gar nicht erst, sondern folgte Veit nur den Flur entlang in das Zimmer, in dem das Mädchen untergebracht war. Dort lehnte er sich an die Wand und beobachtete, wie Veit auf das Bett zuging und erstmal ratlos vor dem Deckenberg stand. Dann ging er in die Hocke und zupfte vorsichtig daran. Sofort kam Bewegung in die Decke, wenn auch nur weil sie enger zusammengezogen wurde.
Dass Veit nun begann mit dem Mädchen (oder ihrer Decke) zu reden, konnte Ilay sich nur so erklären, dass es ihn selbst beruhigte.
Vielleicht sollten sie einfach warten, bis sie von alleine rauskam. Irgendwann würde sie ja wohl Hunger bekommen. Oder aus Klo müssen. Wahrscheinlicher war aber, dass sie dann einfach ins Bett machte, verängstigt wie sie sein musste.
Veit setzte sich nun auf die Matraze und legte ganz vorsichtig eine Hand auf die Stelle, wo er wohl ebenso wie Ilay ihre Schulter vermutete. Eine ruckartige Bewegung verriet, dass sie zusammenzuckte, aber sonst geschah nichts. Und zwar lange.
Dr. Mismey war wohl inzwischen in den Feierabend verschwunden und sie waren alleine mit dem Mädchen. „Das hat doch keinen Sinn, du machst ihr nur noch mehr angst.“
„Sie zittert nicht mehr.“
„Woher willst du das denn wissen?“
„Vorhin war da noch was.“
Starr vor angst wohl eher. Dann aber bewegte sich wieder was. „Ich glaub, sie spürt, dass du sprichst.“ Das war eher geraten, aber was machte das schon aus. Veit jedenfalls schien ihm zu glauben und begann irgendwas zu erzählen. Anscheinend von seiner Heimat. Die Beschreibung einer Stadt klang jedenfalls danach. Aus glücklicheren Zeiten. Ilay erinnerte sich auch noch daran. Wie es gewesen war, bevor jemand auf die glorreiche Idee gekommen war, das Kernkraftwerk 100 Kilomenter entfernt hochzujagen. Jetzt konnte dort niemand mehr leben. Wie es aussah, hatte Veit eine ähnliche Geschichte hinter sich. Nicht unwahrscheinlich, es hatte zu der Zeit mehrere solcher Vorfälle gegeben.
Plötzlich hob sich die Decke und Ilay erkannte ein blasses, schmutziges Gesicht, umrahmt von hellblonden Haaren. Sie sah zu Veit dann zu ihm und dann zurück zu Veit.
Nur Sekunden später war sie praktisch auf seinen Schoß gefallen und klammerte sich heulend an ihn. Für Ilay ein eindeutiger Fortschritt.
„Ihr kommt ja jetzt klar. Ich bin dann weg.“
Ob sie wusste, dass ihr Alptraum noch lange nicht vorbei war? Sie alle befanden sich in einem. Ohne die Chance aufzuwachen.

Profile

120_minuten: (Default)
Die Uhr läuft ... jetzt!

Most Popular Tags

January 2026

M T W T F S S
   1 234
567891011
12131415 161718
19202122232425
262728293031 

Style Credit

Powered by Dreamwidth Studios