Team: Ovid
Fandom: Original
Challenge: Fantasy/Mystery: Apokalypse (mit oder ohne Zombies) - Für mich
Wörter: 744
Warnung: viel Gefluche, Klischees über Berlin-Hellersdorf (man möge mir verzeihen, aber ich muss hier schon seit 20 Jahren wohnen)
„Ich bin kein Experte, aber ich denke, du solltest das Fleisch vielleicht nicht direkt auf den Stock spießen.“
Jamey blinzelt nervös als Leonie ihn mit bösem Blick anschaut.
„Genau. Du bist kein Experte, also mach'n Kopp zu.“
Im Sonnenuntergang verblassen die beiden Hochhäuser in der Ferne. Das Wasser in der Wuhle gluckert beruhigend, ein Effekt, der dadurch zunichte gemacht wird, dass mehrere abgerissene Gliedmaßen im seichten Wasser vorbeitreiben. Chantal beugt sich interessiert vor als sie an einer vorbeischwimmenden Hand den blauen Blumenring gesteckt sieht, den sie vor einigen Wochen bei Bijou Brigitte gesehen und um ein Haar geklaut hätte. Dann sieht sie die Maden zwischen Fingernägeln und Nagelbetten und entschließt sich, doch sitzenzubleiben.
„Was machen wir, wenn unsere Feuerzeuge allegehen?“, wirft Dustin-Leon ein.
„Mit was machen wir dann Feuer?“
„Mann, is' Sommer, wir brauchen doch gar kein Feuer. Außer für die Kippen.“
Fidan hält das Fleisch an seinem Stock nahe ans Feuer dass es zu qualmen beginnt.
„Die Frage is' eher, was machen wir, wenn uns die Kippen ausgehen?“
In der Ferne kreischt jemand (oder etwas) und die Gruppe zuckt zusammen. Marjorie-Aileen hält sich den Mund zu.
„Feuer ist das einzige, vor dem die Dinger Angst haben.“
Inzwischen könnte man denken, dass Jamey einen nervösen Tick hat. Seine Augen hören nicht auf zu blinzeln. Den eigentlichen Grund, nämlich das Auslassen seiner Medikamente gegen ADHS, woran er in Wahrheit nicht leidet, welches seine Mutter jedoch seit Jahren vorschob um ihren beim Spielen so lauten Sohn ruhig zu stellen, wird jedoch niemand erfahren.
„Hat keiner eine Ahnung, wie man Feuer ohne Feuerzeug macht? Oder ohne Streichhölzer?“
„Alter, du nervst mit deinem fucking Feuer.“
Leonie bewirft ihn mit einer Handvoll Uferschlamm.
Inzwischen dringen von ferne Schmatzgeräusche an die Gruppe der Jugendlichen. Das Ganze wird hübsch in die Atmosphäre eingebettet von der in der untergehenden Sonne blinkenden entgleisten S-Bahn und den Krähen auf dem Dach des Bahnhofes.
Das war das letzte, was in der Zeitung gestanden hatte: 'S 5 in Wuhletal entgleist. Mehrere Personen verletzt. Viele unter ihnen leiden an der bislang ungeklärten Seuche.'
„Ich hab das mal bei Galileo gesehen“, wirft Fidan ein, nachdem er bemerkt hat, dass sein Fleisch angebrannt ist. Nun dreht er seinen Stock unablässig über dem Feuer wie einen Dönerspieß.
„Mit so zwei Steinen, die schlägt man so gegeneinander und dann gib's Funken und davon kriegt man dann Feuer.“
Alle lachen ihn ein wenig aus, denn ehrlich, niemand schaut mehr Galileo.
Vom Bahnhof her dringt das Geheul der Dinger. Man konnte sich bisher nicht auf einen Namen einigen. Es gibt kein Fernsehen mehr, keine Zeitung, kein Radio und innerhalb der Gruppe laufen die Meinungen auseinander, ob man „Untote“, „Zombies“ oder „blutige Atzen“ sagen solle.
Zudem hat man andere Probleme, allen voran die Beschaffung von Zigaretten, Essen und Getränken, spätestens nachdem der letzte Lidl einige Kilometer entfernt bis auf die letzte Packung Kaugummis ausgeschlachtet wurde. Das Grillfleisch, was Fidan und die anderen über dem Feuer drehen (wegen Saisonende um 30% heruntergesetzt und mit Paprikakräutern mariniert), ist das letzte Bisschen Nahrung.
„Meine Oma hat'n Garten mit ganz viel selbst angepflanztem Zeugs drin“, sagt Jamey und blinzelt düster in die sich über ihn senkende Dunkelheit.
„Wenn man das selber machen könnte, hätte man gar keine Probleme.“
„Ey, Alter, was interessiert mich Garten!“, ruft Leonie.
„Zigaretten kannste nich' anbauen.“
„Und Feuer auch nicht“, pflichtet Dustin-Leo bei.
„Zur Hölle mit Essen. Zur Not essen wir uns gegenseitig. Geht auch.“
Leonie schaut ihn angewidert an;
„Ey, dich ess ich nich', du Hurensohn. Wer weiß, was in dir drin is', du kiffst doch nur.“
„Wenn, dann ess ich dich, Schlampe. Halt die Fresse!“
„Selber Fresse, Arschficker!“
Gerade als Jamey sich fragen möchte, wie zwei wie Leonie und Dustin-Leon zusammen sein können (wahrscheinlich nur wegen der Namen), werden seine Gedanken unterbrochen von weiterem Geschrei. Hinkend stolpert ihnen eine Gestalt entgegen, das Gesicht voll Blut und die Finger verkrampft in der Luft umherfuchtelnd. Erst als sie näher kommt, bemerkt Jamey zwei Dinge: Es ist Jayden-Jones, der vorhin auf die Jagd nach Zigaretten geschickt wurden. Und ihm fehlt die rechte Hälfte seines Schädels.
„Der Wichser“, entfährt es Leonie, dann ist sie aber doch zu erschrocken um ihn weiter zu beleidigen. Davon abgesehen, dass es Jayden-Jones offenbar egal ist.
Die Sonne sendet ihre letzten Strahlen über das Wuhletal als sie vor dem Ding, das mal ihr Klassenkamerad war, Reißaus nehmen.
Fandom: Original
Challenge: Fantasy/Mystery: Apokalypse (mit oder ohne Zombies) - Für mich
Wörter: 744
Warnung: viel Gefluche, Klischees über Berlin-Hellersdorf (man möge mir verzeihen, aber ich muss hier schon seit 20 Jahren wohnen)
„Ich bin kein Experte, aber ich denke, du solltest das Fleisch vielleicht nicht direkt auf den Stock spießen.“
Jamey blinzelt nervös als Leonie ihn mit bösem Blick anschaut.
„Genau. Du bist kein Experte, also mach'n Kopp zu.“
Im Sonnenuntergang verblassen die beiden Hochhäuser in der Ferne. Das Wasser in der Wuhle gluckert beruhigend, ein Effekt, der dadurch zunichte gemacht wird, dass mehrere abgerissene Gliedmaßen im seichten Wasser vorbeitreiben. Chantal beugt sich interessiert vor als sie an einer vorbeischwimmenden Hand den blauen Blumenring gesteckt sieht, den sie vor einigen Wochen bei Bijou Brigitte gesehen und um ein Haar geklaut hätte. Dann sieht sie die Maden zwischen Fingernägeln und Nagelbetten und entschließt sich, doch sitzenzubleiben.
„Was machen wir, wenn unsere Feuerzeuge allegehen?“, wirft Dustin-Leon ein.
„Mit was machen wir dann Feuer?“
„Mann, is' Sommer, wir brauchen doch gar kein Feuer. Außer für die Kippen.“
Fidan hält das Fleisch an seinem Stock nahe ans Feuer dass es zu qualmen beginnt.
„Die Frage is' eher, was machen wir, wenn uns die Kippen ausgehen?“
In der Ferne kreischt jemand (oder etwas) und die Gruppe zuckt zusammen. Marjorie-Aileen hält sich den Mund zu.
„Feuer ist das einzige, vor dem die Dinger Angst haben.“
Inzwischen könnte man denken, dass Jamey einen nervösen Tick hat. Seine Augen hören nicht auf zu blinzeln. Den eigentlichen Grund, nämlich das Auslassen seiner Medikamente gegen ADHS, woran er in Wahrheit nicht leidet, welches seine Mutter jedoch seit Jahren vorschob um ihren beim Spielen so lauten Sohn ruhig zu stellen, wird jedoch niemand erfahren.
„Hat keiner eine Ahnung, wie man Feuer ohne Feuerzeug macht? Oder ohne Streichhölzer?“
„Alter, du nervst mit deinem fucking Feuer.“
Leonie bewirft ihn mit einer Handvoll Uferschlamm.
Inzwischen dringen von ferne Schmatzgeräusche an die Gruppe der Jugendlichen. Das Ganze wird hübsch in die Atmosphäre eingebettet von der in der untergehenden Sonne blinkenden entgleisten S-Bahn und den Krähen auf dem Dach des Bahnhofes.
Das war das letzte, was in der Zeitung gestanden hatte: 'S 5 in Wuhletal entgleist. Mehrere Personen verletzt. Viele unter ihnen leiden an der bislang ungeklärten Seuche.'
„Ich hab das mal bei Galileo gesehen“, wirft Fidan ein, nachdem er bemerkt hat, dass sein Fleisch angebrannt ist. Nun dreht er seinen Stock unablässig über dem Feuer wie einen Dönerspieß.
„Mit so zwei Steinen, die schlägt man so gegeneinander und dann gib's Funken und davon kriegt man dann Feuer.“
Alle lachen ihn ein wenig aus, denn ehrlich, niemand schaut mehr Galileo.
Vom Bahnhof her dringt das Geheul der Dinger. Man konnte sich bisher nicht auf einen Namen einigen. Es gibt kein Fernsehen mehr, keine Zeitung, kein Radio und innerhalb der Gruppe laufen die Meinungen auseinander, ob man „Untote“, „Zombies“ oder „blutige Atzen“ sagen solle.
Zudem hat man andere Probleme, allen voran die Beschaffung von Zigaretten, Essen und Getränken, spätestens nachdem der letzte Lidl einige Kilometer entfernt bis auf die letzte Packung Kaugummis ausgeschlachtet wurde. Das Grillfleisch, was Fidan und die anderen über dem Feuer drehen (wegen Saisonende um 30% heruntergesetzt und mit Paprikakräutern mariniert), ist das letzte Bisschen Nahrung.
„Meine Oma hat'n Garten mit ganz viel selbst angepflanztem Zeugs drin“, sagt Jamey und blinzelt düster in die sich über ihn senkende Dunkelheit.
„Wenn man das selber machen könnte, hätte man gar keine Probleme.“
„Ey, Alter, was interessiert mich Garten!“, ruft Leonie.
„Zigaretten kannste nich' anbauen.“
„Und Feuer auch nicht“, pflichtet Dustin-Leo bei.
„Zur Hölle mit Essen. Zur Not essen wir uns gegenseitig. Geht auch.“
Leonie schaut ihn angewidert an;
„Ey, dich ess ich nich', du Hurensohn. Wer weiß, was in dir drin is', du kiffst doch nur.“
„Wenn, dann ess ich dich, Schlampe. Halt die Fresse!“
„Selber Fresse, Arschficker!“
Gerade als Jamey sich fragen möchte, wie zwei wie Leonie und Dustin-Leon zusammen sein können (wahrscheinlich nur wegen der Namen), werden seine Gedanken unterbrochen von weiterem Geschrei. Hinkend stolpert ihnen eine Gestalt entgegen, das Gesicht voll Blut und die Finger verkrampft in der Luft umherfuchtelnd. Erst als sie näher kommt, bemerkt Jamey zwei Dinge: Es ist Jayden-Jones, der vorhin auf die Jagd nach Zigaretten geschickt wurden. Und ihm fehlt die rechte Hälfte seines Schädels.
„Der Wichser“, entfährt es Leonie, dann ist sie aber doch zu erschrocken um ihn weiter zu beleidigen. Davon abgesehen, dass es Jayden-Jones offenbar egal ist.
Die Sonne sendet ihre letzten Strahlen über das Wuhletal als sie vor dem Ding, das mal ihr Klassenkamerad war, Reißaus nehmen.
no subject
Date: 2012-09-08 04:42 pm (UTC)Alle lachen ihn ein wenig aus, denn ehrlich, niemand schaut mehr Galileo. ist ein Satz, den ich bisher wirklich in Zombie-Geschichten vermisst habe.^^
Gott, es ist herrlich, und ich kann mich nicht adäquat ausdrücken. Sorry.
no subject
Date: 2012-09-09 02:16 pm (UTC)Stimmt, deutsches Fernsehen wird nicht oft erwähnt in Zombie-Geschichten. Nicht, dass es ein bedeutendes Plotelement wäre. xD