[identity profile] nessaniel.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten

Team: Dickinson
Autor: nessaniel
Titel: Nostalgievergiftung
Challenge: Hurt/Comfort – Narben – fürs Team
Fandom: Harry Potter
Charaktere/Pairing: Remus Lupin, Sirius Black, Nymphadora Tonks
Disclaimer: Alles gehört JKR, mir gehört nichts (wie schade!)
Warnings: Uhm... es geht um die tragischste Beziehung in Harry Potter und alles ist sehr düster und schrecklich im Allgemeinen. Yay? =D
Kommentar: Huch, wo kam das denn her? Immer diese Plotbunnies, die einen mitten am Tag überfallen…


Nostalgievergiftung

„Er war kein sonderlich guter Mensch, Remus“, sagte sie mit kalter Stimme. „Das musst du endlich einsehen.“

Sie saß mir gegenüber in einer Kneipe in der Nokturngasse.

Es war leichtsinnig von mir, mich in der Öffentlichkeit zu zeigen. Nach der…Sache im Ministerium – drei Wochen war das jetzt her – waren die Patrouillen verstärkt worden und Werwölfe wurden noch heftiger drangsaliert.

Doch hierher verirrten sie sich selten.

Trotzdem tat es mir leid, dass sie sich nur meinetwegen in solch eine unwirtliche Gegend begeben hatte.

Ich nahm einen Schluck von meinem Feuerwhiskey.

„Danke“, sagte ich leise zu ihr und lächelte sie an. „Aber das kann ich nicht.“

Sie schnaubte, funkelte mich wütend an.

„Komm endlich wieder nach Hause“, murmelte sie. „Wir brauchen dich.“

„Ja“, antwortete ich, weil ich das wusste. Und dann sagte ich nichts mehr.

„Du versinkst seit Tagen in Selbstmitleid. Glaubst du, das bringt irgendwem etwas? Uns etwa? Oder ihm?“, fauchte sie mich nun an, darum bemüht ihre Stimme nicht über ein Wispern hinaus zu erheben.

Ich konnte nur müde lächeln und prostete ihr teilnahmslos zu.

„Nein“, antwortete ich.

Es bereitete mir keine Freunde, sie zu frustrieren oder ihr weh zu tun.

Doch ich wusste, was sie versuchte: sie wollte zu mir durchdringen, indem sie mir wehtat. Indem sie ihn in den Dreck trat. Vielleicht dachten sie wirklich, dass ich ihn weniger schmerzlich vermissen würde, wenn ich weniger lieben würde.

Das hatten sie alle geglaubt und mir, seit ich fortgegangen war, oft erklärt, was Sirius alles falsch gemacht hatte.

Ich weigerte mich jedoch, ihnen einen Erfolg zu gönnen.

Es war kindisch, das wusste ich. Aber ich wollte ihn nicht loslassen, noch nicht. Ich wollte mich an ihn erinnern und lächeln, weil er so kindisch war. Weil er allen trotzte, weil er liebte, weil er schrie und stritt, weil er ruhelos war, weil er mich immer und immer wieder besucht hatte, weil er hitzköpfig und ungeduldig und ein schlechter Menschenkenner war.

„Warum lässt du dir nicht helfen?“, flüsterte sie, während sie auf ihre Hände starrte.

Ein müdes Lächeln konnte ich erübrigen, mehr nicht. Es war zu schön in meinen Erinnerungen.
„Ich möchte ihn in Erinnerung behalten, so wie er war”, antwortete ich.

Sie sah wieder auf, starrte mich wütend und mit verlorenem Blick an.
„Er war kein Heiliger, Remus“, sagte sie, zum zweiten Mal.

Ich zuckte nur mit den Schultern.

„Das ist keiner von uns.“

„Er hat dich benutzt. Dich um ein Haar ins Gefängnis gebracht.“

Überrascht sah ich sie an. „Was meinst du?”

“Als er Snape auf deine Spur gebracht hat. Damals, in Hogwarts. Er hat mir einmal davon erzählt“, erklärte sie.

Ich winkte ab, während mir plötzlich ein Bild vor Augen trat: Sirius, in jungen Jahren, mit langem Haar und diesem Lachen.

“Er hat es nicht böse gemeint. Ein dummer Jungen-Streich, mehr nicht.“

„Er war sechszehn! Er hätte sowohl dich als auch Snape umbringen können!“

„Es ist doch nichts geschehen…“

„Hat er sich je entschuldigt, für das, was er dir angetan hat?“

„Das musste er nicht. Ich wusste, dass es nicht so gemeint war.“

Sie starrte mich an, als habe sie einen Wahnsinnigen vor sich. Sie strich ihr Haar zurück.

„Du bist ein Narr. Ein leichtgläubiger, dummer Narr.“

Mein Feuerwhiskey neigte sich dem Ende zu und ich sagte nichts zu ihr.

„Und als er dich verdächtigt hat? Dass du der Spion warst, der die Potters ans Messer lieferte?“

Ich hielt inne. Das waren in der Tat keine sonderlich schönen Monate gewesen. Sirius und ich hatten uns gestritten, häufig, und mit jedem Mal heftiger. Er war so aufbrausend, so rasch mit einer Verurteilung bei der Hand, ab und zu auch mit einem Faustschlag…

Und trotzdem hatte er mich geliebt. Davon war ich immer noch fest überzeugt.

„Das ist so lange her“, versuchte ich ihr klarzumachen und strich lächelnd über die Narbe an meinem Unterarm, von der ich wusste, dass Sirius sie mir gegeben hatte, vor fast fünfzehn Jahren in einer Vollmondnacht. „Und ich war nicht besser. Ich hatte ihn auch im Verdacht. Ich hätte offen mit ihm sprechen müssen. Es war nicht seine Schuld.“

Es klang wie auswendig gelernt und genau das war es auch. Ich hatte diese Diskussion so oft mit mir selbst geführt, dass ich wusste, was nun folgen würde.

Sie schlug mit der Faust auf den Tisch, dass die Gläser klirrten.

„Du wirst ihn immer verteidigen, nicht wahr?“, fragte sie bitter. „Es geht immer nur um ihn.“

Zum ersten Mal seit Tagen spürte ich etwas anderes, als die bodenlose Traurigkeit und das seltene Aufblitzen von tröstlichen Bildfetzen und Erinnerungen: eine heftige, brodelnde Wut.

„Um was sonst?“, zischte ich und die Wut gab mir eine schreckliche Waffe in die Hand. „Willst du, dass es um dich geht?“

Sie keuchte und griff sich an die Kehle, als hätte ich sie mit einem Fluch belegt.

Ich bereute meine Worte augenblicklich, doch Sirius’ Bild erschien wieder in meinem Kopf und mein Mund wurde staubtrocken.

„Tonks…“, brachte ich mühsam hervor, obwohl ich nicht wusste, wie ich den Satz beenden wollte.

Sie hörte mir jedoch nicht zu, sondern stand auf und raffte ihren Umhang zusammen. Tränen liefen über ihre Wangen, als sie mich ein letztes Mal ansah.

„Nein, Remus, nicht um mich“, flüsterte sie mit gebrochener Stimme. „Wenn du dich ein wenig mehr um dich selbst kümmern würdest…“

Sie machte auf dem Absatz kehrt und verschwand.

Ich blieb sitzen. Sirius lachte mir aus meinen Erinnerungen entgegen, umarmte mich, liebte mich, versprach mir Trost.

Doch das faule Gefühl, gerade etwas Furchtbares getan zu haben, ließ sich nicht mehr abschütteln.

- Ende



Nachtrag

Zwei sehr inspirierende Zitate dazu:

1. David Thewlis has said that Prisoner of Azkaban director Alfonso Cuaron told him to portray Remus as a "gay junkie" Von hier Ah. Und ich dachte das vermittelte Gefühl des Andersseins käme vom Werwolfdasein...

2. As such, Rowling has also stated that "Lupin's failing is: he likes to be liked. That's where he slips up — he's been disliked so often he's always pleased to have friends so cuts them an awful lot of slack."[11] This is why, for instance, despite disapproving of his friends' bullying of Severus Snape, he once tried to stop them but failed and never tried again. Von hier. Ach, Remus. Q_Q Und arme Tonks. Hach, ist das alles traurig.

Date: 2012-09-06 09:17 pm (UTC)
der_jemand: (green)
From: [personal profile] der_jemand
Es ist in der Tat traurig. ;__; Und passt sehr zu Lupin.
Und interessanterweise ist das das erste Mal, dass ich auch nur irgendwie was zwischen Tonks und Lupin sehe (und das als Nicht-Remus/Sirius-Shipper). Wer hätter das gedacht?! =)

Date: 2012-09-07 08:14 am (UTC)
der_jemand: (green)
From: [personal profile] der_jemand
Ich mag Tonks und Lupin immernoch nicht. Es ist einfach... Ja. Übereilt und überflüssig. Und sehr "out of the blue". Na ja... headcanon hilft. *gg*

Dass er sich zurückhält, seine Meinung gegenüber seinen Freunden kund zu tun, weil er Angst hat, dass ihn sonst niemand mehr mag, dass er glaubt, ihnen was schuldig zu sein und deshalb duckmäuserisch herumkriecht. *schluchz*
Oh ja, da ist absolut nachzuvollziehen. Und unglaublich tragisch... ;_;

Die müssen eine wilde Jugendzeit gehabt haben... XDD
Oh, das bezweifle ich kein bisschen. Die beiden hatten definitiv was miteinander, aber wie das so mit Canon-Pairings ist, sie interessieren mich nicht besonders. ;) (Deswegen "Nicht-Shipper".^^)

Date: 2012-09-07 08:49 am (UTC)
der_jemand: (doctor donna)
From: [personal profile] der_jemand
... hat sich nie aus dieser für ihn schädlichen Beziehung befreien können....
Das ist ne Interpretation, die mir wirklich gefällt. Habe ich so nie drüber nachgedacht, aber es macht unglaublich Sinn und passt unglaublich gut... Und auf einmal macht alles viel mehr Sinn. Yay! (Doch, so könnte mir das Pairing gefallen, irgendwas hat mir da nie gepasst...)

Oh. Wow. Dein Headcanon ist unglaublich grausam und deprimierend. Und argh, makes me uncomfortable. Aber es klingt nur bedingt abwegig.
Ich glaube, ich bleibe trotzdem bei "Remus ist fertig, am Ende und Tonks ist da und laut und schreit ihn an, wenn er in Gedanken zu sehr Sirius nachhängt und er weiß eh nicht wie er nein sagen soll und sie mag ihn und das braucht er." ...Das ist nur unwesentlich weniger deprimierend und dafür ein wenig mehr OOC, aber... ich komm besser klar. XD

Du solltest dringend aus der gruseligen Höhle, die Remus/Sirius ist, rauskriechen und auf meine fröhliche, crackige Seite des Fandoms mit muskulösen Jungs und Quidditch und Drachen kommen. Macht viel weniger traurig. ;)
*flausch*
Edited Date: 2012-09-07 08:50 am (UTC)

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