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[personal profile] luinaldawen posting in [community profile] 120_minuten
Team: Kaléko
Challenge: h/c, angst – Ausnahmezustand (für mich)
Fandom: Original
Wörter: 399
Anmerkungen: Eigentlich passiert gar nichts... Sorry. ^^°


Die Straßen waren gespenstisch still.
Kein Surren von Elektrowagen, keine Werbebotschaften, die über die Straßen posaunt wurden. Kein wild durcheinandersummenden Stimmen.
Das lag nicht daran, dass alle in ihren Häusern blieben, im Gegenteil. Die Straßen waren voll, auch wenn viele nur rastlos im Kreis zu laufen schienen. Nur wenige versuchten die Trümmer des letzten Angriffs zu beseitigen und diese Versuche waren nur halbherzig.
Es waren keine Schäden von Bomben. Diese Zeiten waren vorbei. Irgendjemand hatte beschlossen, dass der Krieg nur mit anderen Waffen gewonnen werden konnte. Was getan worden war, wusste sie nicht. Vermutlich wussten es nur die, die es getan hatten.
Sie war in der Zeit in einem geheimen Bunker gewesen, hatte ihren weinenden Bruder getröstet. Und sich irgendetwas in den Kopf einsetzen lassen. Das war der Preis gewesen. Der Preis dafür, dass sie und ihr Bruder dem Grauen entgingen, das sich weit über ihnen abspielte.
Nicht einmal welche Seite sie nun benutzte, wusste sie.
Man wollte wissen, welche Wirkung der Angriff gehabt hatte. Wie lange es dauerte, bis man wieder zur Tagesordnung überging. Ob es unmittelbare Todesopfer gab.
Tote sah sie genug.
Achtlos liegen gelassen.
Abgestochen. Erwürgt. Einmal sah sie nur einen Kopf, dessen Gesicht zerfetzt war.
Die Leichen von kleinen Kindern. Einigen war Blut aus Ohren und Nase gelaufen, das jetzt getrocknet war.
Ein Schrei durchbrach die Stille.
Erschrocken wirbelte sie herum und stellte fest, das sie mit dieser Reaktion eine Ausnahme war.
Da war ein Mann.
Er taumelte.
Schrie.
Schrie etwas, was sie nicht verstehen konnte.
Unverständliche Worte.
Dann ging er auf einen anderen Mann los, der ihn blicklos angesehen hatte.
„Einervondenendenenbringdichum!“, kreischte er, während er dem anderen die Finger in den Hals bohrte, bis Blut darunter hervorquoll. Der andere klappte einfach hintenüber und blieb reglos liegen. Wieso wehrte er sich nicht?
Was war nur mit diesen Menschen geschehen?
Hatten hier alle den Verstand verloren?
Sie wich langsam ein paar Schritte zurück, bevor sie den Mut fand, davonzulaufen.
Der Krieg war in den letzten Jahren schon schlimm genug gewesen, sie hatte geglaubt, ihr Entsetzen hätte nicht mehr größer werden können. Das hier aber... das sprengte alle Vorstellungskraft. Längst versiegt geglaubte Tränen brannten in ihren Augen, während sie zum Treffpunkt zurückstolperte. Sie wollte zu ihrem Bruder. Dafür mussten nur ihre... Auftraggeber mit ihr zufrieden sein.
Wenn man sie nicht nur nicht wieder in dieses Grauen zurückschicken würde...
Unter die Menschen, die keine Menschen mehr waren.

Date: 2012-09-02 12:30 pm (UTC)
From: [identity profile] rei17.livejournal.com
Das ist wirklich sehr grausam und sehr eindrücklich ... ó__ò
Erschreckende Bilder und Vorstellungen.
Aber schön, dass unser Gespräch auch für dich eine Inspiration war. ;-)

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